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Bürgerrechtsbewegung
Die Bürgerrechtsbewegung (englisch Civil Rights Movement) ist eine antirassistische soziale Bewegung in den Vereinigten Staaten. Ihre historische Hochphase …
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Überblick und Ausgangslage
Die Bürgerrechtsbewegung (Civil Rights Movement) ist eine antirassistische soziale Bewegung in den Vereinigten Staaten. Ihre historische Hochphase lag zwischen den späten 1950er Jahren und dem Ende der 1960er Jahre. Im Mittelpunkt stand die Durchsetzung der Bürgerrechte von Afroamerikanern gegen die gesetzlich festgeschriebene Rassentrennung und Diskriminierung in den Südstaaten. Die Bewegung erreichte wichtige Reformen für Gleichberechtigung und Gleichstellung, deren Bedeutung bis ins amerikanische Verfassungsrecht reicht.
Nach der Abschaffung der Sklaverei 1865 erhielten ehemalige Sklaven durch den 14. Zusatzartikel Bürgerrechte und durch den 15. Zusatzartikel das Wahlrecht. Nach dem Ende der Reconstruction wurden Afroamerikaner in den Südstaaten jedoch erneut stark benachteiligt. Jim-Crow-Gesetze schrieben die Trennung fest, schränkten das Wahlrecht etwa durch Alphabetismus-Tests ein und hielten viele Schwarze in schlecht bezahlter Farmarbeit. Einschüchterung durch den 1865/66 gegründeten Ku-Klux-Klan trug dazu bei, dass die politische Vertretung Schwarzer weitgehend zum Erliegen kam.
Besonders bekannt wurde die Bewegung durch Martin Luther King, jr. und seinen gewaltfreien Widerstand im zivilen Ungehorsam. Ziviler Ungehorsam bedeutet hier bewussten, friedlichen Protest gegen als ungerecht angesehene Regeln. King erhielt 1964 den Friedensnobelpreis; damit wurde auch die Bewegung international gewürdigt.
Rechtskampf und Schulintegration
Die Rassentrennung betraf fast alle öffentlichen Einrichtungen: Schulen und Universitäten, Krankenhäuser, Verkehrsmittel, öffentliche Gebäude, Gaststätten, Theater, Kinos, Schwimmbäder und Parks. Im Urteil Plessy v. Ferguson von 1896 erklärte der Oberste Gerichtshof getrennte Einrichtungen für verfassungsgemäß, sofern sie gleichwertig seien („getrennt, aber gleichwertig“). In der Praxis waren Einrichtungen für Schwarze jedoch stets schlechter ausgestattet.
Unter Afroamerikanern bestanden unterschiedliche politische Ansätze. Booker T. Washington vertrat Akkommodation, also vorläufige Anpassung: Bildung und technische Berufe sollten langfristig wirtschaftlichen Aufstieg und Gleichberechtigung ermöglichen. Marcus Garvey setzte auf wirtschaftliche Unabhängigkeit, Black Business Power, schwarzen Stolz und teilweise politische Unabhängigkeit durch Auswanderung nach Afrika. W. E. B. Du Bois und die 1909 gegründete National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) forderten dagegen schnelle vollständige Integration und rechtliche Gleichstellung. Die NAACP klagte vor Gericht gegen diskriminierende Regeln; 1915 wurden Großvater-Klauseln in Maryland und Oklahoma aufgehoben, 1939 dann im gesamten Süden.
In den 1940er und 1950er Jahren wies der NAACP-Anwalt Thurgood Marshall mehrfach nach, dass schwarze Bildungseinrichtungen nicht gleichwertig waren. Das Urteil Brown v. Board of Education von 1954 erklärte die Rassentrennung an Schulen grundsätzlich für verfassungswidrig und ordnete ihre Aufhebung an. Es setzte jedoch keine Frist und bezog sich zunächst nur auf Schulen. 1957 verhinderten in Little Rock, Arkansas, eine Menschenmenge und der Gouverneur zunächst den Schulbesuch von neun schwarzen Schülern an der Little Rock Central High School. Präsident Eisenhower entzog die Nationalgarde dem Befehl des Gouverneurs und sorgte für Schutz und Zugang zur Schule.
Gewaltfreier Massenprotest und Bürgerrechtsgesetz
Als Geburtsstunde der US-Bürgerrechtsbewegung gilt der Busboykott von Montgomery 1955/56. Nachdem Rosa Parks in Montgomery, Alabama, festgenommen worden war, weil sie ihren Sitzplatz im Bus nicht für einen Weißen räumte, boykottierte die afroamerikanische Bevölkerung 13 Monate lang das Busunternehmen. Die Klage Gayle v. Browder wandte sich gegen die Trennungsregeln im Busverkehr; der Oberste Gerichtshof bestätigte am 13. November 1956, dass diese gegen den 14. Zusatzartikel verstießen. Martin Luther King, jr., Anführer des Boykotts und Mitbegründer der Southern Christian Leadership Conference (SCLC), wurde dadurch zum bekanntesten Führer der Bewegung.
Die Bewegung nutzte gewaltfreie Aktionen nach dem Vorbild Mahatma Gandhis. 1960 begannen Studierende in North Carolina mit Sit-ins: Sie setzten sich in Restaurants, die nur Weiße bedienten, und lösten damit eine landesweite Bewegung gegen die Trennung öffentlicher Einrichtungen aus. Daraus entstand 1960 das Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC). Bei den Freedom Rides ab 1961 fuhren Aktivisten über Grenzen von Bundesstaaten hinweg und zeigten, dass die rechtlich bereits verbotene Trennung in Bussen und Bahnhöfen faktisch weiterbestand. Gewalt gegen die Fahrenden erzeugte durch Medienberichte öffentlichen Druck; ab 1962 wurde das Gerichtsurteil gegen die Rassentrennung auf zwischenstaatlichen Busfahrten durchgesetzt.
1963 erreichte die Bewegung nach Demonstrationen in Birmingham, Alabama, die Aufhebung der dortigen Rassentrennung. Die Polizeigewalt unter Eugene „Bull“ Connor, auch gegen demonstrierende Kinder, schockierte die Öffentlichkeit. Im August 1963 nahmen 250.000 Schwarze und Weiße am Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit teil. Dort hielt King seine Rede Ich habe einen Traum (I Have a Dream). Präsident Lyndon B. Johnson unterzeichnete am 2. Juli 1964 den Civil Rights Act of 1964.
Wahlrecht und Voting Rights Act
1965 begann das SNCC in Selma, Alabama, ein Programm zur Registrierung schwarzer Wähler. Widerstand durch Sheriff Jim Clark erschwerte dies. Am 7. März 1965, dem später so genannten Bloody Sunday, wollten 600 Menschen von Selma nach Montgomery marschieren; die Strecke betrug 86 km. An der Edmund Pettus Bridge griffen Polizei und Staatspolizei die friedlichen Demonstranten mit Knüppeln, Tränengas, mit Stacheldraht umwickelten Gummischläuchen und Bullenpeitschen an. John Lewis wurde bewusstlos geschlagen, mindestens 16 Teilnehmende mussten im Krankenhaus behandelt werden. Fernsehbilder lösten landesweite Empörung aus.
Präsident Johnson warb daraufhin für ein neues Wahlrechtsgesetz. Er unterzeichnete den Voting Rights Act am 6. August 1965. Das Gesetz hob Wahlsteuern (Poll Taxes), Lesetests und andere Prüfungen auf. Es erlaubte außerdem Bundesaufsicht bei der Wählerregistrierung und den Einsatz von Bundesuntersuchern, wenn es bei Wahlen Diskriminierung gab.
Die Wirkung war unmittelbar: Innerhalb weniger Monate ließen sich 250.000 schwarze Wähler neu registrieren, ein Drittel von ihnen durch Bundesbeamte. Innerhalb von vier Jahren verdoppelte sich die Zahl der registrierten Wähler in den Südstaaten. Der politische Einfluss Schwarzer stieg dauerhaft: Vor Verabschiedung des Gesetzes gab es kaum 100 afroamerikanische gewählte Amtsträger, bis 1989 mehr als 7200, darunter mehr als 4800 in den Südstaaten.
Spaltung und weitere Bewegungen
Ab Mitte der 1960er Jahre zerfiel die Bürgerrechtsbewegung zunehmend. Teile des SNCC wandten sich 1966 unter Stokely Carmichael vom gewaltlosen Widerstand ab und forderten Black Power. Die NAACP und die National Urban League distanzierten sich deshalb vom SNCC und auch von King, weil er nicht einfach zur Verurteilung von Black Power bereit war. Die Black Panther Party verband schwarzen Nationalismus und Militanz mit einem radikal sozialistischen Programm gegen soziale Benachteiligung.
King widmete sich ab 1966 verstärkt Armut und sozialer Benachteiligung Schwarzer in Chicago. Er sah Rassismus nicht nur als politisches Problem des Südens, sondern als Teil wirtschaftlicher und sozialer Strukturen der USA. Er forderte daher eine Veränderung des amerikanischen Wertesystems sowie eine Umverteilung von Macht und Kapital. King wurde 1968 ermordet. Laut Artikel blieben soziale Unterschiede zwischen schwarzer und weißer Bevölkerung bestehen, auch wenn danach schrittweise Verbesserungen eintraten.
In den 1960er und 1970er Jahren griffen weitere nationale oder ethnische Minderheiten Forderungen der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung auf. Beispiele sind das American Indian Movement und die Bewegung der Chicanos. Seit 2013 gehört Black Lives Matter zu den bekanntesten Bürgerrechtsbewegungen. Als Dokumentarfilm wird Freedom on My Mind genannt: 110 Minuten, 1994, Produktion und Regie Connie Field und Marilyn Mulford; der Film war für den Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert.