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1945
Das Jahr 1945 markiert die später so genannte Stunde Null, das Ende des Zweiten Weltkrieges und damit den Beginn der Nachkriegszeit.
Inhalt6 Abschnitte
Bedeutung des Jahres
1945 gilt als „Stunde Null“: Der Zweite Weltkrieg endete, die Nachkriegszeit begann, und die politische Ordnung der folgenden Jahrzehnte nahm Gestalt an. In Europa brach das nationalsozialistische Deutsche Reich militärisch zusammen; Deutschland und Österreich wurden besetzt und in Zonen eingeteilt. Zugleich führten die Gründung der Vereinten Nationen, das Potsdamer Abkommen und die neue Machtstellung der USA und der Sowjetunion zu einer Weltordnung, die vom Kalten Krieg geprägt war.
Der Krieg verursachte weiterhin enorme Zerstörungen und zivile Opfer. Besonders in Deutschland zerstörte der Bombenkrieg zahlreiche Städte. Beispiele sind Dresden mit geschätzt 25.000–35.000 Toten vom 13. bis 15. Februar, Pforzheim mit rund 20.300 Toten am 23. Februar und Würzburg, das am 16. März zu 75 % zerstört wurde. Zugleich wurden Konzentrationslager befreit und die nationalsozialistischen Verbrechen sichtbar: Am 27. Januar befreite die Rote Armee Auschwitz, wo bis zu 1,5 Millionen Menschen von SS-Mitgliedern ermordet worden waren.
Kriegsende in Europa
An der Ostfront begann die Rote Armee am 12. Januar mit der Weichsel-Oder-Operation. Sie erreichte binnen weniger Wochen die Oder; am 17. Januar nahm sie Warschau ein. Es folgten Kämpfe um Ostpreußen, Budapest, Posen, Königsberg, Wien und Berlin. Die deutsche Plattenseeoffensive ab 6. März, einer der letzten taktischen Vorstöße, scheiterte. Wien wurde am 13. April durch sowjetische Truppen erobert. Mit dem Angriff auf die Seelower Höhen am 16. April begann die Schlacht um Berlin.
An der Westfront überschritten US-Truppen am 7. März bei Remagen über die Ludendorff-Brücke erstmals den Rhein. Am 24. März begann mit Operation Varsity zwischen Emmerich und Wesel die größte Luftlandeoperation der Geschichte. Der Ruhrkessel wurde am 1. April geschlossen. Amerikanische und sowjetische Kampfverbände trafen sich am 25. April bei Torgau an der Elbe. Alliierte Truppen befreiten unter anderem Buchenwald am 11. April, Bergen-Belsen am 15. April, Flossenbürg am 23. April, Dachau am 29. April und Mauthausen am 5. Mai.
Am 30. April begingen Adolf Hitler und Eva Braun im Führerbunker Suizid. Berlin kapitulierte am 2. Mai. Am 7. Mai unterzeichnete Alfred Jodl in Reims die Gesamtkapitulation der Wehrmacht; sie wurde am 8./9. Mai in Berlin-Karlshorst ratifiziert und trat am 8. Mai um 23:01 Uhr MEZ in Kraft. Damit endete der Krieg in Europa. Letzte deutsche Verbände kapitulierten danach noch, etwa der Wettertrupp Haudegen auf Spitzbergen am 4. September.
Noch in den letzten Kriegsmonaten verübten NS-Organisationen zahlreiche Endphaseverbrechen: bei Todesmärschen, in Gefängnissen und gegen Zwangsarbeiter sowie KZ-Häftlinge. Beispiele sind das Massaker in Gardelegen am 13. April mit über tausend Ermordeten und die Versenkung der Cap Arcona und weiterer Schiffe durch britische Luftangriffe am 3. Mai, bei der etwa 7.000 Menschen, überwiegend KZ-Häftlinge, starben.
Kriegsende in Asien
Im Pazifik drängten die USA Japan schrittweise zurück. Wichtige Schlachten waren Iwojima, die am 26. März mit der Einnahme der Insel endete, und Okinawa, die am 21. Juni siegreich für die USA endete. Die Luftangriffe auf japanische Städte wurden verschärft: Beim Nachtangriff auf Tokio am 9. März starben über 100.000 Menschen; er wird im Artikel als schwerster Luftangriff der Geschichte bezeichnet.
Am 26. Juli forderten die Alliierten Japan in der Potsdamer Erklärung zur bedingungslosen Kapitulation auf. Am 6. August warf der Bomber Enola Gay unter Pilot Paul Tibbets die Atombombe Little Boy über Hiroshima ab. Elf Quadratkilometer wurden völlig zerstört; 20.000 bis 90.000 Menschen waren sofort tot. Am 8. August erklärte die Sowjetunion Japan den Krieg und begann am folgenden Tag die Invasion der Mandschurei. Am 9. August wurde Fat Man wegen starker Bewölkung nicht über Kokura, sondern nahe Nagasaki abgeworfen; 70.000 Menschen waren sofort tot. Überlebende der Atombombenabwürfe heißen in Japan Hibakusha.
Am 15. August verkündete Kaiser Hirohito im Rundfunk Japans bedingungslose Kapitulation. Die formelle Unterzeichnung erfolgte am 2. September an Bord der USS Missouri in der Bucht von Tokio und beendete den Zweiten Weltkrieg. Die japanische China-Armee kapitulierte am 9. September gegenüber Chiang Kai-shek; damit endete auch der Japanisch-Chinesische Krieg. Korea wurde entlang des 38. Breitengrads in eine sowjetische Nord- und eine US-amerikanische Südzone geteilt. In Japan begann eine sechsjährige Besatzung, bei der Staat, Kaiser, Regierung und Parlament erhalten blieben.
Besatzung, Neuordnung und Strafverfolgung
Am 5. Juni übernahmen die Alliierten mit der Berliner Erklärung formal die Regierungsgewalt im besetzten Deutschland. Es entstanden vier Besatzungszonen; Berlin wurde ebenfalls in vier Sektoren geteilt. In der sowjetischen Zone richtete Marschall Georgi Schukow am 9. Juni die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) ein. Dort wurden antifaschistische Parteien zugelassen, die KPD am 11. Juni und die SPD am 15. Juni in Berlin neu gegründet. Die Westalliierten zogen am 1. Juli aus Mecklenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen ab und bezogen dafür ihre Berliner Sektoren.
Die Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August führte zum Potsdamer Abkommen. Deutschland sollte entmilitarisiert und entnazifiziert werden sowie Reparationen durch Demontagen leisten. Die Umsiedlung der deutschen Bevölkerung jenseits von Oder und Neiße sollte „geordnet und humanitär“ erfolgen; tatsächlich forderten die bereits laufenden Vertreibungen zahlreiche Todesopfer. Der Alliierte Kontrollrat löste mit Gesetz Nr. 2 am 10. Oktober alle NS-Organisationen auf, verbot ihre Neugründung und beschlagnahmte ihr Eigentum.
Am 8. August schuf das Londoner Viermächte-Abkommen die Rechtsgrundlage für die Nürnberger Prozesse und gilt als „Geburtsurkunde des Völkerstrafrechts“. Der Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher begann am 20. November vor dem Internationalen Militärgerichtshof. Bereits vom 8. bis 15. Oktober fand der Hadamar-Prozess über Krankenmorde statt; vom 15. November an wurde im Dachau-Hauptprozess über Verbrechen im KZ Dachau und seinen Außenlagern verhandelt.
Auch Österreich stellte seine staatliche Eigenständigkeit wieder her: Der Anschluss von 1938 wurde am 26. April für nichtig erklärt. Österreich und Wien wurden im Juli in vier Besatzungszonen eingeteilt. Bei der Nationalratswahl am 25. November gewann die ÖVP unter Leopold Figl; am 20. Dezember wurde Karl Renner Bundespräsident und die Regierung Figl I angelobt.
Neue internationale Ordnung und Konflikte
Am 26. Juni unterzeichneten Vertreter von 50 Gründungsmitgliedern in San Francisco die Charta der Vereinten Nationen als Nachfolgeorganisation des Völkerbundes. Polen unterzeichnete am 15. Oktober und wurde das 51. Gründungsmitglied. Die Charta trat am 24. Oktober in Kraft. Im selben Jahr entstanden außerdem die FAO am 16. Oktober, die UNESCO durch einen Vertrag von 37 Staaten am 16. November, der Internationale Währungsfonds am 27. Dezember sowie die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung als zentraler Teil der Weltbank ebenfalls am 27. Dezember.
Die politische Umgestaltung reichte weit über Europa hinaus. In Indonesien erklärten Sukarno und Mohammad Hatta am 17. August die Unabhängigkeit; die Niederlande erkannten sie nicht an, und der Indonesische Unabhängigkeitskrieg begann. In Vietnam zwang die Augustrevolution Kaiser Bảo Đại zur Abdankung. Hồ Chí Minh rief am 2. September die Demokratische Republik Vietnam aus; Frauen erhielten erstmals gleiche Rechte und das Wahlrecht. Frankreich errichtete am 23. September sein Kolonialregime in Südvietnam erneut.
Am 22. März wurde in Kairo die Gründungsakte der Arabischen Liga unterzeichnet, die am 11. Mai in Kraft trat. In Iran entstanden mit sowjetischer Unterstützung die Autonome Republik Aserbaidschan am 12. Dezember und die Republik Kurdistan am 15. Dezember. Diese Ereignisse zeigen, dass das Kriegsende zugleich neue Konflikte, Unabhängigkeitsbewegungen und Einflusssphären hervorbrachte.
Wissenschaft, Kultur und weitere Ereignisse
Die entscheidende technische Entwicklung des Jahres war die Kernwaffe. Beim Trinity-Test am 16. Juli zündeten die USA im Rahmen des Manhattan-Projekts nahe Alamogordo in New Mexico die erste Atombombe. Wenige Wochen später wurden Atombomben gegen Hiroshima und Nagasaki eingesetzt. In Deutschland stellte Konrad Zuse die Zuse Z4 fertig, einen Digitalrechner aus 2200 Relais. Benjamin Minge Duggar entdeckte das Breitbandantibiotikum Aureomycin.
In Kunst und Literatur erschienen oder entstanden bedeutende Werke: George Orwells Animal Farm erschien am 17. August, Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf am 29. November. Das Deutsche Theater Berlin wurde am 7. September mit Lessings Nathan der Weise wiedereröffnet. Im Dezember wurden in Ägypten die Nag-Hammadi-Schriften gefunden.
Zu den Katastrophen gehörten ein Erdbeben der Stärke 7,1 an der Mikawa-Bucht in Japan am 12. Januar mit etwa 1.900 Toten sowie ein Erdbeben der Stärke 8,2 im Iran am 27. November mit etwa 4.000 Toten. Im Mai endete die Hungersnot in Vietnam, die etwa 1,3 Millionen Tote gefordert hatte. Die Nobelpreise gingen 1945 unter anderem an Wolfgang Pauli für Physik, Alexander Fleming, Ernst Boris Chain und Howard Walter Florey für Medizin sowie Gabriela Mistral für Literatur.
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