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Terra X History | Vertreibung 1945 – Deutsche auf der Flucht | Doku über Flucht, Vertreibung

sambo2z44:32 265.948 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 256 Zeilen
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  1. [musik] was es heißt zu fliehen, alles zurückzulassen,
  2. neu anzufangen, oft mit leeren Händen. Das haben von 1944 [musik] an über 14 Millionen Deutsche erfahren. Auch eine Folge von Hitlers Krieg.
  3. Dies ist ihre Geschichte. Sie gehören zu den bekanntesten Gesichtern [musik] des deutschen
  4. Nachkriegskinos. die Schauspielerinnen Ingrid von Bergen [musik] im Westen und Eva Maria Hagen in der DDR.
  5. Gemeinsam [musik] haben sie ein dramatisches Schicksal, dass sie fürs Leben prägt. Ich habe mich immer fremd gefühlt. Mein
  6. Paradies war eben mein Dorf. Das wird immer bleiben, weil es war mein mein Saut, meine Heimat und da muss wir da plötzlich weg
  7. umgesiedelt. Wie Millionen Deutscher am Ende des Zweiten Weltkriegs.
  8. [musik] Ach, sieh mal an, du bist wieder da. Auch Ingrid van Bergen wird als Kind aus
  9. einer scheinbar unbeschwerten Welt gerissen. Man muss sich vorstellen, dass man den Baum, der ich da den der ich war mit
  10. allen Wurzeln aus dem Boden gerissen hat. Ich bin ein entwurzelter Baum und schleife meine Wurzeln hinter mir her. Und so fühle ich mich eben auch. Ich
  11. habe nie geschafft, meine Wurzeln irgendwo wieder in die Erde zu senken, sondern deswegen bin ich auch rastlos. Ich habe keine wirkliche Heimat. Die ist
  12. einfach für immer verschwunden. Was bleibt sind Erinnerungen.
  13. Meine Kindheit habe ich ja in Masen verbracht, also im Süden Ostpreusens. Und da habe ich immer noch eine ganz starke Erinnerung. Das war ein ganz
  14. kleines Dorf mit zwei Dorfteilchen und mein Vater war da Lehrer, Volksschullehrer. Ich hatte eine tolle Kindheit da. Es war einfach
  15. landschaftlich wunderschön, wenn wir spazieren gingen durch ostprösische Wälder und an Ostbrösische Seen.
  16. Ostpreußen, [musik] östlich von Danzig an der Ostsee gelegen, ist vorende des Zweiten Weltkriegs noch eine deutsche Provinz, wie z.B. auch Pommon Schlesien.
  17. In der niederschlesischen Hauptstadt Breslau, heute Wrozf leben damals über 600.000 Deutsche.
  18. Darunter auch die Familie des späteren Bundestagspräsidenten [musik] Wolfgang Tierser. Ich bin in Pressler geboren und bin
  19. aufgewachsen mit den Erinnerungen meiner Eltern und der Verwandten an eine wunderschöne Stadt. Presslau ist im besten Sinne des Wortes meine
  20. Erinnerungsheimat. Meine Eltern haben immer mit Stolz und mit mit Trauer an diese Stadt erinnert und erzählt im Ton tiefer Trauer, den
  21. Verlust einer so schönen Heimat, aber auch begleitet von dem Gefühl, wir selber sind schuld daran. Also, es war immer so ein doppelter Schmerz, der
  22. Schmerz des Verlustes der Heimat und der Schmerz über die eigene Schuld. Wir haben den Krieg begonen. Wir haben unser Nachbarland überfallen. Wir haben
  23. Menschen vertrieben. Es sind Deutsche, die mit der Vertreibung beginnen. In Polen und dann in weiten Teilen
  24. Osteuropas. Im Zweiten Weltkrieg beansprucht das NS-Rime Lebensraum. Verlassene Wohnungen polnischer und
  25. jüdischer Auswanderer werden gesäubert und für Volksdeutsche bereitgestellt. Volksdeutsche Bauern kehren heim ins große Vaterland.
  26. Die deutschen Besatzer versklaven, entrechten und drangsalieren die Bevölkerung.
  27. Sie rotten ganze Landstriche und Kulturen aus. ermorden Millionen Menschen, vor allem jüdischer Herkunft. Doch mit der Wende
  28. des Krieges droht sich diese Gewalt gegen die Deutschen im Osten zu kehren. Ganz bestimmt glaube ich, dass sehr sehr viele Menschen auch Angst vor Vergeltung
  29. hatten. Ja, weil sie entweder wussten oder ahnten, was deutscherseits vorher passiert war. Und ähm ich denke ganz bestimmt, dass diese Befürchtung, dass
  30. Rache genommen wird, dass Vergeltung geübt wird, auch eine Rolle gespielt hat äh und man dem auch entgehen wollte. Die sowjetische Offensive macht diese
  31. Furcht real. Seit die rote Armee im Herbst 1944 erstmals die deutsche Reichsgrenze erreicht hat, zeigt sie kaum Rücksicht.
  32. [musik] Massaker und Gewalttaten begleiten ihren Vormarsch. [musik]
  33. Die NSFührung hat selbst Angst vor Vergeltung geschürt. Nun verbietet sie mit sinnlosen Befehlen, dass die Menschen sich rechtzeitig in Sicherheit
  34. [musik] bringen. Man hat leider die Situation, dass äh die Menschen bei Todesstrafe teilweise
  35. gehindert werden sollen zu fliehen, äh weil das nicht in die Ideologie passte. Gerade in diesen letzten Monaten war sehr stark dieses Bewusstsein. Wir
  36. halten um jeden Preis, wir kapitulieren nicht. Diese Tage und Wochen im Osten verlangen harte Herzen und harte Fäuste.
  37. Im Januar 1945 rücken die Sowjets weiter vor. Bald stehen sie vor Danzig. Wenige Kilometer davon entfernt hat
  38. Ingrid van Bergens Mutter nach dem Tod ihres Mannes an der Ostfront [musik] mit ihren vier Kindern Zuflucht gefunden.
  39. Für die Einheimischen sind [musik] Flüchtlinge aus dem Osten die Vorboten kommenden Schreckens. Die ganzen Trecks, hier aus Ostpreuen
  40. kamen, fuhren ja auch durch Tanzig durch. Und äh wir wurden von der Partei auch gebeten äh so viel wie möglich Flüchtlinge aufzunehmen. Und dadurch
  41. habe ich als Kind schon sehr sehr viel gehört. Vergewaltigte Frauen und was da alles passiert war, was auf den Höfen passiert war. Frauen, die dann ihre
  42. Tiere auf den Höfen lassen mussten, die dann verhungert sind natürlich. Und da haben wir so wahnsinnig viel gehört und das war für mich dann wirklich Krieg.
  43. Die Berichte der Flüchtlinge aus [musik] dem Osten wirken wie ein Alarmruf. Unser Mädchen, unser wie man die damals nannte Dienstmädchen, die hat gesagt,
  44. wie sie wird in keinem Falle, wenn die Russen einmchieren, am Leben bleiben. Die bringt sich um, weil die hatte so viel gehört von den Frauen, die mit den
  45. Trecks durchkamen. Und da hat meine Mutter sich eigentlich unter dem Einfluss unseres Dienstmädchens, als es gar nicht mehr anders ging, als die
  46. Tieflieger schon in unsere Fenster schossen und auf Leute auf der Straße, da hat sich meine Familie entschlossen zu fliehen.
  47. Erst jetzt lassen Hitlers Handlanger die Bevölkerung ziehen. Das ist nichts anderes als Zynismus eigentlich, wenn man dann ganz zum
  48. Schluss in letzter Minute, wo es im Grunde lebensgefährlich ist, dann noch die Leute praktisch auffordert zu fliehen, es ist zulässt oder sie mehr
  49. oder weniger rausschmeißt. Die Flucht in letzter Minute hatte verheerende Konsequenzen, denn man hatte nur noch wenige Stunden gehabt, um das
  50. alles zu organisieren, seinen Leiterwagen irgendwie flott zu machen, die Pferde vorzuspannen, die alten Menschen und die Kinder drauf zu laden
  51. und dann oft durch Schneegestöber auf jeden Fall durch [musik] bei sehr sehr kalten Temperaturen -20 -30 diesen Weg nach Westen anzutreten.
  52. Kein leichter Entschluss. Alles zurücklassen, was man sich aufgebaut hat und aufbrechen, ohne zu wissen, wohin.
  53. Die ganze Familie, drei Schwestern mit je vier Kindern und meine Großeltern. So sind wir abmarschiert, alles zu Fuß. Ich bewunderte meine Mutter, sie hat ihren
  54. Mann verloren. Sie navigierte ihre Kinder äh den Fluchtweg lang bei Eis und Schnee in dieser ungeheuren Kälte mit dieser Bedrohung von oben. Es gab ja
  55. überall Tieflieger und da kriegten wir einen Granateinschlag. Unser Mädchen hat es den Arm abgeschlagen. Eins unserer Mädchen wurde
  56. die Halsschlagade durchtrennt. Da haben wir habe ich die ersten Toten gesehen. [musik] Nun holt der Krieg die Fluchtkonvous
  57. ein. Ende Januar 1945 erreichen die sowjetischen Panzer die
  58. Ostseeküste und kesseln Ostpreußen damit ein. [musik] Die Landroute nach Westen war
  59. unterbrochen durch eine Art sowjetischen Riegel und die Zivilbevölkerung saß mehr oder weniger in der Falle und es gab nur noch die Möglichkeit an die nordöstliche
  60. Ostseeküste zu kommen, irgendwie in Richtung Königsberg, in Richtung Pillau, das war eine Hafenstadt bei Königsberg, um dort noch mit viel Glück vielleicht
  61. eines der Schiffe zu erwischen, die dann ja über die Ostsee glücklicherweise auch viele hund 100000 Menschen gerettet haben. Das kurische Haft, das ist ein
  62. flacheres Ostige Wässer, was durch die kurische Nährung eine Landzunge geschützt ist. Es war im Januar 45 zugefroren, sodass sehr viele Menschen
  63. mit diesem Trecks versucht haben über dieses diese Eisfläche irgendwie Richtung Königsberg oder Pillau zu kommen. Das war eine lebensgefährliche
  64. Aktion und es gibt Fotos und die zeigen eben, wie Trecks einbrechen, wie Pferde einbrechen in das Eis, wie Tiere dort verenden, wie Achsen brechen, wie
  65. Menschen ertrinken. Es hat alle Formen von Tod in diesen Tagen und Wochen gegeben.
  66. [musik] Nicht nur Frauen, Kinder und Alte versuchen sich über die Ostsee zu
  67. retten, auch die Reste der Wehrmacht. Diese Seebrücke begann Ende Januar durch Großadmiral Karl Dönz, den Oberbefehlshaber der Deutschen
  68. Kriegsmarine, der aber ein militärisches Kalkül verfolgte und primär erstmal Wehrmachtsteile AT 1, die noch im Osten waren, versorgen
  69. wollte mit solchen Schiffen, der 2 aus dem Osten nach Westen verwundete, abtransportieren wollte und der geduldet hat, dass von diesen hunderten Schiffen,
  70. die im Einsatz waren vom Kreuzfahrtschiff bis zum Fischerboot immer auch Flüchtlinge mitgenommen worden ist, aber das war keine
  71. Seebrücke, die primär dazu gedacht war, Flüchtlinge zu retten. Und dennoch sind die helfen Zufluchtsorte.
  72. Wir wussten, dass da Flüchtlinge dann auf die offene Ostsee gebracht wurden und da lag ein Geleit zu. Der frühere NS Kreuzfahrtdampfer Wilhelm
  73. Gustlov ist das Flagschiff der Seebrücke. Wir hatten erfahren, dass die Gust vor Guten Hafen liegt
  74. vor dem heutigen Gedingen und da hat meine Mutter gesagt, jetzt geht's los. Sie wollte unbedingt auf dieses Schiff. Doch es ist bereits hoffnungslos
  75. überfüllt. Wie sich später herausstellte, war es ein Glücksfall, [musik] dass wir keine Passage bekamen.
  76. Am Mittag des 30. Januar 1945 legt die Wilhelm Gustlov ab. Es ist ihre letzte Fahrt. Um 21:16 Uhr versenkten drei sowjetische
  77. Torpedos das Schiff. Über 9000 Menschen sterben in der eisigen Ostsee.
  78. Bis heute die größte Katastrophe der zivilen Seefahrt. Am selben Tag meldet sich Hitler im Rundfunk drohen zu Wort.
  79. Es gibt deshalb in diesem Schicksalskampf für uns nur ein Gebot. Wer ihren abkämpft, kann damit das Leben für sich und seine Lieben retten. Wer
  80. der Nation aber fein oder charakterlos in den Rücken fällt, wird unter allen Umständen eines schippenden Todes sterben.
  81. In der Phase des sogenannten Endkampfes äh da wissen alle, die Verantwortung tragen zu dem Zeitpunkt, dass es zu Ende geht und trotzdem wurden eben auch
  82. Städte zu Festungen erklärt, wie etwa Presslau. Und da gab es fast eine Art von Obsession auf Hitlers Seite, dass sich an diesen Festungen quasi der
  83. Vormarsch der roten Armee bricht. Aus der Festung Breslau, die Hauptstadt des Gaus Schlesien bildet einen der Eckfeiler gegen den bolschewistischen
  84. Ansturm. Breslaus Bevölkerung ist von ihrem Gaulleiter aufgerufen worden, die Stadt bis zum äußersten zu verteidigen. Das hatte natürlich auch eine
  85. ideologische Dimension, dieses nicht aufgeben wollen, nicht der Schwächere sein, nicht kapitulieren und Menschen, die dort lebten in diesen Städten, z.B.
  86. für Dreslau. Gerade die Zivilisten und Zivilistinnen haben dafür einen sehr hohen Preis bezahlt.
  87. Zu den Erzählung meiner Eltern gehörte, dass der stellverende Bürgermeister Widerspruch eroben hat. hat gesagt, das ein unsinniger Vorschlag. Die Stadt kann
  88. man nicht vernünftigerweise militärisch verteidigen. Es sei den um den Preis ihrer Vernichtung und dann um den Preis endloser Opfer. Trotzdem wurde es
  89. angeordnet. Seinen Rettungsversuch bezahlt der stellvertretende [musik] Stadtchef Wolfgang Spielhagen mit dem Leben.
  90. Wer den Tod in Ehren fürchtet, stirbt ihn in Schande. Kommentiert der Breslauer Kampfkommandant [musik] und Gaulleiter Karl Hanke das
  91. Todesurteil zynisch. Die vom Krieg verschonte Stadt rüstet er zur Schlacht
  92. und lässt die Zufahrten sprengen. Am 20. Januar 1945 erteilte der Gaulleiter Hanke den Befehl,
  93. dass alle nicht wertfehlen Teile der Bevölkerung die Stadt zu verlassen hätten. Also Familien mit Kindern, meine Mutter mit uns kleinen Kindern und ihre
  94. Eltern waren aus Opeln auch noch gekommen. Nach einigem hin und her hat sich meine Mutter entschieden, ins Riesengebirge zu ziehen äh in also
  95. westlich von Breslau, wo die Front noch etwas weiter weg war. Anderswo gibt es kein Entkommen mehr. Die rote Armee war räumlich fast überall
  96. schon sehr sehr nah. Und was auch oft passiert ist, Panzer der roten Armee haben die Flüchtlingstrecksteils überholt,
  97. was schreckliche Folgen hatte im Sinne auch von Verbrechen. Die Begegnung mit den Sowjets bleibt auch Ingrid van Bergens Familie nicht
  98. erspart. Auf dem Weg zu einer der letzten Anlagestellen für deutsche Schiffe
  99. geschieht es auf Hler auf dieser kleinen Halbinsel. Da haben die Russen uns versucht aufzuhalten. Ich habe zu meiner Mutter
  100. gesagt, ich bin mal ein paar Schritte weg und da b da bin ich meinem ersten Russen begegnet mit der entsprechenden Konsequenz. Da war ich 13. Meine Mutter
  101. hat das nie erfahren. Ich habe sie auch später nicht erzählt, weil sie hätte dann möglicherweise sich Vorwürfe gemacht, völlig ungerechtigt, weil da
  102. gab es keine Vorwürfe. Aber ich habe es hier nicht erz, ich habe es niemand erzählt. Es gab nur eiserne Disziplin und dass man sich, wie man damals so
  103. schön sagte, zusammenreißen musste, denn es ging anderen ganz genauso. Das war alles.
  104. Doch die Furcht wächst, als sich auf breiter Front die sowjetischen Truppen nähern. Auch in Eva Maria Hagens Heimatort
  105. Kremlin in Vorpommon. Man hatte uns gesagt, wenn die Russen kommen, äh die Kinder, die die
  106. den Nageln sehe, die Zunge Tisch und sowas alles. Ja. Und dann irgendwann kam die Russen, das war im Jahr 1945
  107. und da rief ein Russe und einer gemeisch, also die Rossen
  108. und wir haben es versteckt hinter der Tür und er stampfte dann dann durch und kam dann auch doch zu uns und sah uns dann doch n st also fragte er unum habt
  109. ihr Angst und was macht der Russe nun hat er mir meine Zöpfe gestreichelt und hat uns Fliegerschokolade mitgebracht. Ja, die Russen haben nicht die Zungen
  110. angenagelt von uns, sondern uns das Schokolade gegeben. Doch niemand [musik] kann mehr sicher sein.
  111. Vor Willkür gibt es keinen Schutz. Das war am helligsten Tage und Russel ein betrunkener Miner
  112. Kalaschnik. Frau, komm, meine Mutter. Nein, sie geht nicht mit und die Kinder und
  113. dann hat wir müssen uns an die Wand stellen und hat mit seiner Kalaschnikov auf uns gezielt und immer noch gefackelt und so.
  114. dann auf einmal in die Luft geschossen und seine Galik geschmiss ist und der hat gesagt, also russisch soll Kindern der deutschen
  115. Kinder nicht erschießen, aber deutsch Soldat seine ganze Familie. In der Danziger Bucht bleibt der Familie von Ingrid von Bergen nur noch die
  116. Flucht nach vorn. Sie hat Glück, findet Platz auf [musik] einem Boot. Ich weiß gar nicht, wie viel Flüchtlinge
  117. auf diesem Schiff waren, aber als wir ein Deck kamen, haben bereits viele versucht vom Schiff runterzukommen und da wurde meine Mutter hellhör und da hat
  118. gesagt, nichts wie raus hier. Sowjetische Tieflieger feuern auf das Boot. Im Maschinenraum wurde das Schiff
  119. zweimal getroffen und fing an zu brennen und uns kam dann, als wir an Deck kamen, eingekeilt in einer Menschenmenge Menschen entgegen, die kamen aus dem aus
  120. dem Brandherd. Und äh damals habe ich gelernt, hat auch mit Disziplin zu tun, dass meine Familie nichts zu Leuten gehörte, die jammernd oder weglagend
  121. oder brutal versucht hat, an die Reling zu kommen. Wir haben einfach abgewartet, bis wir dran waren und kommen damit in letzter Not [musik]
  122. davon. Doch gerettet sind sie noch nicht nach dem Schiffsuntergang und nachdem wir nur wirklich gar nichts mehr hatten, wir hatten alles verloren und wir waren
  123. mit Rucksäcken unterwegs, die waren dann auch weg und da kam jemand und fragte, ob wir noch einmal auf ein Schiff gehen wollen. Der Geleitzug würde neu
  124. zusammengestellt werden. Und da hat meine tapfere kleine Mutter gesagt: Ja. Im dritten Anlauf gelingt [musik] der
  125. Familie die Flucht über die Ostsee. Ein deutscher Hafen war Zielort, aber die deutschen Hefen waren zu. Die die
  126. Schiffswracks haben die Hafeneinfahrten versperrt, denn die wurden ja beschossen von allen Seiten und bombardiert. Also haben wir weder Lübeck noch Hamburg noch
  127. Kiel erreicht, sondern Kopenhagen [musik] in Sicherheit auf fremdem Boden.
  128. Es war ja noch deutsche Besatzung in Dänemark. Wir wurden in ein Flüchtlingslager gesperrt. Die hatten natürlich gar keine Ahnung, wie sie
  129. diese Flüchtlinge alle unterbringen sollten. Und die haben uns in einer aufgelassenen Fabrik, die nur aus Beton bestand, haben die uns untergebracht und
  130. da lagen wir dann und versuchten irgendwo was zu ergattern, worauf wir uns legen konnten. Wir waren hinter Stachelgrad bewacht von Deutschen.
  131. Während in Dänemark Anfang Mai 1945 die Waffen ruhen, tobt um die umzingelte Festungsstadt Breslau ein erbitter Häuserkampf mit der roten Armee.
  132. Auf höchste Weisung. Es ging der Befehl zu unsinnigen Verteidigungsaktionen äh gewissermaßen auch zur
  133. Selbstvernichtung der Deutschen. Wenn die Deutschen eben nicht siegen, sondern sollen sie auch wirklich untergehen. Das war so die Devise von Hitler. In den
  134. letzten 10 Monaten gab es die meisten äh Kri Toten eines fünfjährigen Krieges wegen diese wahnwitzigen Überzeugung, wir müssen uns bis zum
  135. Untergang der Nation verteidigen. Am 6. Mai geben die Verteidiger auf. Unter den Toten dieser Schlacht sind 6000 deutsche Soldaten
  136. und 20.000 [musik] Zivilisten. Vielen Deutschen, die sich ins tschechische Riesengebirge gerettet
  137. haben, steht das Schlimmste erst bevor. Bis zum Ende des Krieges waren meine Mutter mit uns auf der böhmischen Seite
  138. in einem kleinen Dorf untergebracht und äh wurde dann erzählt eines Tages kamen dann tschechische Leute und sagen, ihr müsst wiederüber nach rüber nach
  139. Deutschland gehen. Den sowjetischen Truppen folgen in der Tschechoslowakei selbsternannte
  140. Partisanern. Nach dem Abzug der Wehrmacht übernehmen sie nun vieler Orts das Regiment. Diese Deutschen, die dann noch da waren,
  141. die nicht geflohen waren, waren in einer sehr, sehr schwierigen Situation, denn sie lebten unter neuen Machtverhältnissen. In dieser
  142. Gemengelage dort weiter zu sein und gleichzeitig unter Kontrolle z.B. der tschechischen Milizen oder der roten Armee zu stehen, das war
  143. lebensbedrohlich. Die verbliebenen deutschen Bewohner zahlen jetzt den Preis für die
  144. Verbrechen des NSRims, ob sie darin verstrickt waren oder nicht. Das bekommt auch die Familie von Edit
  145. Bayer zu spüren, die mit ihrer Gastwirtschaft bis dahin vom Krieg weitgehend verschont geblieben ist. [musik]
  146. Am 6. Mai ging das dann los mit den Hastaden, mit der Vergewaltigung, mit den Plünderungen. Äh, wir mussten dann, das habe ich extra
  147. mitgebracht, ein N tragen Nemz Deutsch und mit diesem N waren sie freiwild und auf einmal kam so ein Hass gegen die Deutschen. Die wurden mit Hakenkreuzen
  148. bemalt, die wurden aufgehängt, die wurden erschossen. Ein deutsches Leben war mit diesem Nichts wert. Und sie als Kind verstehen nicht, sie sind in einer
  149. behüteten Familie aufgewachsen und stehen fassungslos da. Was passiert jetzt?
  150. Dabei hatte auch der Aspekt der Rache, der Vergeltung für das, was die Deutschen vorher diesen Nationen und Völkern angetan hatten, hat natürlich
  151. eine Rolle gespielt. Man muss immer im Zusammenhang mit Fluchtenvertreibung auch die Vorgeschichte sehen. 1938
  152. besetzt Hitlers Wehrmacht von den Großmächten geduldet den deutschsprachigen Teil der Tschechoslowakei.
  153. Wieder eilte der Führer in Sudetenland, um die befreiten Deutschböhmen in die Gemeinschaft des deutschen Volkes aufzunehmen. Ein Freibrief für
  154. Sudetendeutsche Nationalisten, ihre tschechischen Mitbürger herabzuwürdigen und aus ihren Wohnorten zu vertreiben.
  155. Nach der Unterwerfung der gesamten Tschechoslowakei 1939 errichten die Deutschen ein Terrorregime in Prag.
  156. Zur Vergeltung für das Attentat auf Hitlers Stadthalter Reinhard Heidrich machen sie 1922 ein ganzes Dorf Lidize, dem Erdboden
  157. gleich. 1945 nach der Befreiung eskaliert [musik] die Wut auf alle Deutschen. Rache für Lidiz und Auschwitz, lautet
  158. die Parole. Büßen müssen auch Unschuldige. [musik]
  159. Wir wurden dann auf dem Stadtplatz zu einer Marschkolonne zusammengetrieben und 10 km lang mussten wir marschieren. Ziel ist der Bahnhof der nächstgelegenen
  160. Stadt. Wir sind dann in Kohle und Fibergongs geladen worden.
  161. Man konnte kaum sitzen. Wenn 80 Personen in so einem Wagon sind, können sie fast nur stehen. Sie können keine Notdurft verrichten.
  162. Die haben ja auch Leute aus dem Zug geholt und haben die Frauen vergewaltigt. Also ich wusste gar nicht, was Vergewaltigung ist. Das habe ich
  163. auch erst später erfahren. Ich wusste nur, dass die Frauen unwahrscheinlich Angst hatten und wenn der Zug hielt, hörten sie Frauen immer schreien. Aber
  164. das können sie sich als Neunjährige nicht erklären. Nicht nur Kindern erscheint die vertraute Welt [musik] wie ausgelöscht.
  165. Die Vertreibung aus der Heimat wird für einige zum [musik] Todesmarsch. In der Marschkolonne ging es ab in Richtung Deutschland. Das war rechts der
  166. Elbe und das war ein schlimmer Weg. Also, da sind wir wie eine vier Vieherde getrieben worden und an der Elbe bei
  167. Aussig stauten sich so Leichen. Sie gucken da als Kind entsetzt hin, weil sie sich das nicht erklären können, wo die diese Leichen auf einmal herkommen.
  168. Die waren besonders brutal, diese wilden Vertreibungen, wo sozusagen auf offener Straße Menschen aufgegriffen werden und es gab eben das Bestreben auf
  169. tschechischer Seite, aber auch auf polnischer Seite Fakten zu schaffen. Auch in Schlesien, seit [musik] Kriegsende unter polnischer Herrschaft,
  170. gibt es keine Zukunft mehr für die [musik] deutsche Bevölkerung. Meine Mutter ist zwischendurch äh in äh das nun äh zerstörte Dreslau gefahren.
  171. Uns das Haus, unser Wohnhaus war nicht zerstört. Da wohnten aber inzwischen polnische Menschen
  172. und äh deswegen konnten wir nicht hinein. Die neuen Stadtbewohner kommen größtenteils aus dem Osten Polens, den
  173. die Sowjetunion annektiert [musik] hat. Auch sie sind Vertriebene. Und jetzt kam von polnischer Seite die Anordnung. Entweder ihr votiert für
  174. Polen, ihr entscheidet euch dafür in Polen zu bleiben oder ihr müsst das Land, das nun mehr polnische Land verlassen.
  175. Haus für Haus, Straße für Straße, Stadtteil um Stadtteil sammeln die Behörden die Bewohner und verfrachten sie zum Bahnhof.
  176. Eine Fahrt ohne Wiederkehr. [musik] Es geht eben um hunderttausende einzelne Schicksale von Menschen, um sich vorzustellen, was das für so eine Stadt
  177. bedeutet, wie radikal sie sich verändert. Ja, indem alle Deutsche in einem bestimmten Zeitraum diese Stadt verlassen müssen unter Zwang. Wenn man
  178. sich vorstellt, dass ein Haus einer deutschen Familie gehört hat, die in diesem Haus ihren gesamten Alltag, vielleicht schon seit Generationen äh
  179. gelebt hat. Und dieses Haus muss in einer sehr kurzen Zeit verlassen werden. Die Menschen dürfen nur wenig mitnehmen, 20, 30 kg. Das Allermeister hat man
  180. zurückgelassen. Beinahe 300.000 [musik] deutsche Bresslauer verlassen ihre Heimatstadt. Nur etwa 7000 bleiben zurück.
  181. Breslau, die die über Jahrhunderelang eine deutsche Stadt war, eine blühende deutsche Stadt war. äh äh ist da hat ein fast vollständige Bevölkerungsaustaus
  182. stattgefunden. In Schloss Cilienhof bei Potzdam beraten Hitlers Kriegsgegner im Juli 1945
  183. über die Neuordnung Europas und das Schicksal von Millionen Menschen. Die Staatschefs der USA und [musik]
  184. Großbritanniens sind sich mit Sowjetführer Josef Stalin einig. Die drei Regierungen erkennen an, dass die Überführung der deutschen
  185. Bevölkerung aus Polen, [musik] der Tschechoslowakei und Ungarn nach Deutschland durchgeführt werden muss, in ordnungsgemäßer und humaner Weise.
  186. Man kann nicht davon sprechen, dass es auch trotzdem Einspruch gab spricht gegen diese Massung auch Church als [musik] Prin schon relativ früh sehr
  187. deutlich gesagt, dass Vertreibung aus englischen Gründen [musik] Как же её не любить молодую, несмелую?
  188. Как [musik] рассказать о любви, чтобы вдруг не спугнуть? Солнцем весенним [musik] раскрасила жизнь мою серую.
  189. [musik] И навсегда разорвала волнением грудь. [musik] Как же я был без неё все те годы
  190. бесцветные, [musik] что пролетели в угарном кабаском дыму.
  191. [musik] И одиноко встречал я часы предрассветные, [musik] а вот сейчас повторяю я словно [musik] в бреду.
  192. У этой женщины бездонные глаза. [musik] Разлёт бровей и шок волос туманят разум. [musik] Без этой женщины
  193. мне дня прожить нельзя. Покой мой забрала, а с [musik] ним и сердце разом. Всё переменчиво [musik]
  194. в жизнь и всяко случается. Вслед [musik] за закатом к нам новый приходит рассвет.
  195. После любви эта жизнь пустотой не кончается. Но ведь и счастья, [musik] увы, без любви в жизни нет.
  196. Как же я был без неё. Все те годы туманные, [musik] что проходили, бежали слепой [musik] чередой.
  197. Всё бы отдал за улыбку такую [musik] желанную. Жиз бы прожил неизменно я только [musik] с тобой.
  198. У этой женщины бездонные глаза. Разлёт бровей и шёлк волос туманят разум.
  199. Без этой [musik] женщины мне дня прожить нельзя. [musik]
  200. Und da ganze vielzeug [musik] drin. Was? Wir haben uns ja, [musik] die Kinder haben es auch als Abenteuer gesehen. Ich dachte, wir
  201. kommen wieder zurück, aber dann waren wir ja im Perleberg. Der Kreis Perleberg in Brandenburg hat ursprünglich etwa 56 000 Bewohner.
  202. 1945 kommt beinahe die gleiche [musik] Anzahl an Vertriebenen hinzu, teilweise 200 Ankömmlinge am Tag.
  203. Diese Leute da, die mochten uns auch gar nicht so gerne. Die verlausten und verhungerten Flüchtlinge. Unbehagen gegenüber Fremden, selbst
  204. Landsleuten [musik] ist auch damals verbreitet und Wohnraum knapp. Ja, da gab es im Wald diese Baracken,
  205. waren früher Strafgefangene drin und da konnte man dann übernachten. Ich wusste gar nicht, was sind die bissen 41.
  206. Meine Mutter ist dann auch noch krank geworden an Tyfus und wir beiner gestorben und und wir lebten wie die wilden Katzen im Wald.
  207. Suppen haben wir aus Brennessel gemacht und man hat man da auch in den Mülltonnen geguckt, was sie ein hartem Brot oder so wegschmeißen
  208. und dann eine Brotsuppe draus gemacht. Ja, richtige Hungerzeit. Muss zusehen, dass man irgendwie ein bisschen was zu essen kriegt.
  209. Klauen auf dem Feld. Besonders in der sowjetisch kontrollierten [musik] Zone fehlt es an Nahrungsmitteln.
  210. Ich habe eine gerade zu irrationale Angst davor, dass wir zu Hause kein Brot haben. Das ist wohl eine unbewusste Nachwirkung aus dieser Zeit, wo man doch
  211. auch als kleines Kind, der nichts begreifen konnte, Hunger gelitten hat. Nach langer Odyssee erreicht Wolfgang Tiersse mit seiner Mutter und seinen
  212. Geschwistern Thüringen. Dort treffen sie den Vater [musik] wieder, der Heil aus dem Krieg
  213. zurückgekehrt ist. Wir wurden dann verwiesen auf den Süden Thüringens mit dem Hinweis, dort gibt es viel weniger Flüchtlinge und so sind wir
  214. da 19 im Sommer 1946 in äh Eisfeld am Südrank des Thüringerwaldes angekommen. sind zwangseingewiesen worden in eine Wohnung
  215. und wenn jemand zwangsweise irgendwo eingewiesen wird, dann stößt man nicht auf Freundlichkeit und Zustimmung und dann natürlich auch so das Vorurteil
  216. gegenüber Fremden, also nutzen dieser den anderen etwas wegnehmen ohne ohne dafür etwas geleistet zu haben. Sie sind Deutscher wie die anderen und
  217. doch trennt sie vieles. Wir sprachen Hochdeutsch. Die anderen sprachen fränkisch, wir waren katholisch, ich bin dort
  218. Ministrant geworden, die anderen waren alle evangelisch. Bis 45 gab es dort keine Katholiken. Die katholische Gemeinde war neu. Das waren alles
  219. Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus Ostpreußen, aus Bromon, aus den Suden, aus Schlesien. Und äh das war der Ort, wo man wo auch
  220. die Geschichten erzählt worden sind von der Heimat. Man stand zusammen im in der Trauer über die verlorene Heimat, über den Verlust
  221. von Menschen, in der Ratlosigkeit, wie es weiterging. Die Form dieser Aussiedlung ist human. Die ostdeutsche Propaganda beschönigt
  222. die Vertreibung wie einen friedlichen Umzug. So tragen diese Umsiedler mit ihrem Schicksal oft ohne persönliches Vergehen
  223. an der Kriegsschuld der narzisstischen Eroberer. Eine offene kritische Debatte über Flucht und Vertreibung hätte bedeutet
  224. auch über stalinistische Verbrechen zu sprechen und das war natürlich nicht opportun.
  225. Bis in die 80er Jahre hinein haben sich Vertriebene in der DDR zu Hunderten in den Zoos getroffen. Das waren Orte, an denen sowieso viele Menschen
  226. zusammenkamen, ein großes Publikum, ein reges Treiben. Und in diesem Raum war es dann unauffälliger möglich, irgendwo zusammenzukommen, vielleicht ein Kaffee
  227. zu trinken und sich eben doch an Schlesien oder Pommern oder Ostpreußen zu erinnern, an der Gefahr vorbei von der Stasi etwa beobachtet zu werden, im
  228. schlimmsten Fall sogar verhaftet zu werden. Die Gegenwart soll ungetrübt bleiben. Durch die Umsicht und tatkräftige Hilfe
  229. der Brandenburger Behörden werden die Umsiedler wieder in den Arbeitsprozess eingerei und ihren Kindern eine glückliche Zukunft gesichert. [musik]
  230. Das hat mich immer geärgert und betroffen gemacht, dass in der DDR immer nur von Umsiedlern die Rede war, als wären wir sozusagen mit Möbeln
  231. umgezogen. Nein, nein, wir waren schon Vertriebene, die die fast alles in der Heimat lassen mussten. Wir hatten nichts, nichts nur das, was
  232. man am Leibe hatte und vielleicht noch ein oder zwei Körperchen und musste nun wirklich aus dem nichts anfangen.
  233. Ähnlich ergeht es der Familie von Ingrid von Bergen. 1948 verschlägt der Zufall sie aus dem
  234. dänischen Flüchtlingslager in die schwäbische Kleinstadt Metzingen in Metzingen am Bahnhof. Da standen wir dann da und da kamen
  235. die Leute aus dem Ort, die Namen waren Freiwillie, die also aus welchen christlichen Gründen oder so natürlich, die sich um die Flüchtlinge gekümmert
  236. haben und die haben gesagt, die nehmen wir wir haben Unterkunft für die und die kamen uns wie Engel vor. Doch nicht alle heißen Herbergsuchende
  237. willkommen. Es war so, dass auch damals natürlich die Leute Flüchtlingen gegenüber
  238. außerordentlich misstrauisch waren. Also so als ob man im Dorf rumrennt und irgendwas klaut oder so. Sie haben auch gesagt, die blöden Flüchtlinge, die
  239. sollen gefälligst arbeiten gehen. Meine Mutter hat sich da wohl überhaupt nicht beeindrucken lassen, aber ich habe mich immer fremd gefühlt.
  240. Was die Neuankömmlinge manchen Einheimischen voraushaben, ist die Notwendigkeit und der unbedingte Wille neu anzufangen.
  241. die Heimat verloren, alles hab und gut verloren, äh Hungerzeiten durchgemacht, viele waren traumatisiert und ich habe einfach diszipliniert wieder einmal, wie
  242. meine Familie auch. Ich habe gedacht, okay, das ist jetzt neu ein Neuanfang und da muss man mit der ganzen Werwe, die man hat ran. Und genau das habe ich
  243. auch getan. Aus der Enge der Provinz zieht es Ingrid von Bergen nach Hamburg.
  244. Sie will Schauspielerin [musik] werden, besucht die Hochschule für Musik und Theater und spielt in Kinofilmen mit.
  245. Weißt du, ich habe es mir überlegt, du hattest recht. Man darf sie nicht alles gefallen lassen. Man muss sich wehren und zurückschlagen.
  246. Auf der Leinwand ist [musik] Ingrid van Bergen bald eine der bekanntesten deutschen Darstellerinnen.
  247. Manometer 100 Ben. Ähnlich wie Eva Maria Hagen in der DDR.
  248. Auch sie findet nicht nur Aufnahme, sondern Anerkennung und eine neue Heimat. Ja, aber es war mein mein Sout. meine
  249. Heimat ist schon wieder weg oder so und alle anderen verlassen. Ich wollte nicht weggehen.
  250. Dennoch kehrt sie später der DDR den Rücken und folgt ihrem Lebenspartner Wolf Biermann [musik] nach dessen Ausbürgerung in den Westen.
  251. Das Thema Flucht verlässt die Deutschen nicht bis heute. Also diese dramatische Zuwanderungswelle. stattfand, da hatte
  252. ich auch das dringende Gefühl, ja, das kennen wir doch, wir Deutschen kennen das doch, was Flucht und Vertreibungen sind, weil wir selber für welche
  253. verursacht haben und weil wir selber als Deutsche welche erlitten haben. Das müsste präsent sein und dass man dann immer noch vernünftige Politik betreiben
  254. muss, wie man das regelt, das gehört mit dazu. Aber die Erinnerung daran, das müsste sozusagen als emotionaler Grundton anwesend sein und
  255. hindern allzu flott und zu leichtsinnig ausländerfeindlich zu sein. Auch heute müssen Millionenflüchtende [musik] alles zurücklassen.
  256. Viele Deutsche wissen, was das [musik] bedeutet. เฮ

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