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Geschichte Jugoslawiens

1937 erwirkten die Achsenmächte bei der jugoslawischen Regierung eine Amnestie, die der Ustascha wieder einen gewissen Handlungsspielraum gab. Bis 1941 …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Entstehung und Gründung des Staates
  2. 2. Parlamentarismus und Königsdiktatur
  3. 3. Krise und Zweiter Weltkrieg
  4. 4. Titoistischer Staat und Gesellschaft
  5. 5. Wirtschaft und Außenpolitik unter Tito
  6. 6. Titos Tod und Zerfall Jugoslawiens

Entstehung und Gründung des Staates

Jugoslawien war ein südslawischer Staat, der unter verschiedenen Staatsformen und Namen existierte. Zu seinem Kerngebiet gehörten Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien mit Kosovo und Vojvodina. Vor dem Ersten Weltkrieg standen die Südslawen überwiegend unter habsburgischer oder osmanischer Herrschaft; Serbien und Montenegro waren weitgehend selbstständig. Die Balkankriege 1912/1913 stärkten Serbien und führten zur Teilung Nordmazedoniens zugunsten Serbiens.

Nach dem Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 erklärte Österreich-Ungarn Serbien am 28. Juli den Krieg. Serbien, das Jugoslawische Komitee in London und weitere südslawische Vertreter entwickelten unterschiedliche Vorstellungen über einen künftigen Staat: Serbien bevorzugte einen zentralistischen Monarchiestaat, während das Komitee eine föderale Ordnung gleichberechtigter Serben, Kroaten und Slowenen forderte. Die Deklaration von Korfu vom 20. Juli 1917 war ein Kompromiss. Sie sah ein Königreich unter der Dynastie Karađorđević, parlamentarische Begrenzung der königlichen Macht sowie die Gleichberechtigung verschiedener Religionen und Alphabete vor.

Am 29. Oktober 1918 löste sich Kroatien aus Österreich-Ungarn. Der kurzlebige Staat der Slowenen, Kroaten und Serben vereinigte sich am 1. Dezember 1918 mit Serbien; Montenegro wurde trotz Widerstands König Nikolas ebenfalls eingegliedert. So entstand das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS-Königreich). Es umfasste etwa 12,5 Millionen Einwohner und musste unterschiedliche Währungs-, Steuer-, Rechts- und Infrastruktursysteme zusammenführen. 1921 lebten 76 % der Bevölkerung auf dem Land; die durchschnittliche Analphabetenrate lag bei etwa 50 %, mit 9 % in Slowenien und über 80 % in Bosnien-Herzegowina und Nordmazedonien.

Die internationale Anerkennung erfolgte erst im Mai 1919. Im Grenzkonflikt mit Italien regelte der Vertrag von Rapallo im November 1920, dass Istrien, Zadar und einige Adriainseln an Italien fielen, während der größte Teil der dalmatinischen Küste beim SHS-Königreich blieb. Das umstrittene Rijeka wurde 1924 Italien angeschlossen. Die Kleine Entente mit Rumänien und der Tschechoslowakei sollte die Friedensordnung gegen österreichische, ungarische und deutsche Revisionsversuche schützen. Grenz- und Integrationsprobleme zeigten sich auch im Kärntner Abwehrkampf und im montenegrinischen Weihnachtsaufstand Anfang 1919.

Parlamentarismus und Königsdiktatur

Der neue Staat verstand sich zunächst als Nationalstaat eines einzigen jugoslawischen Volkes. Serben, Kroaten und Slowenen galten als „Stämme“ desselben Volkes; Montenegriner, Bosniaken und Nordmazedonier erhielten keine eigene nationale Anerkennung. Dahinter standen zwei gegensätzliche Modelle: serbische Zentralisten wollten die staatliche Einheit auf Grundlage der serbischen Monarchie, während Kroaten und Slowenen eine föderale Ordnung und die Bewahrung eigener politischer Identitäten verlangten.

Die Vidovdan-Verfassung wurde am 28. Juni 1921 mit 223 von 419 Stimmen angenommen. Sie errichtete einen stark zentralistischen Staat, obwohl viele kroatische, slowenische und kommunistische Abgeordnete die Abstimmung boykottierten. Wichtigste Parteien waren die Demokratische Partei, die Radikale Volkspartei, die Kroatische Republikanische Bauernpartei (HRSS beziehungsweise später HSS), die Slowenische Volkspartei, die Jugoslawische Muslimische Organisation und die Kommunistische Partei Jugoslawiens (KPJ). Die KPJ war eine der wenigen ausdrücklich multiethnischen Parteien, wurde aber 1920 durch die Obznana und 1921 durch das Gesetz zum Schutz der öffentlichen Ordnung und des Staates in die Illegalität gedrängt. Ihre Mitgliederzahl sank bis 1924 auf etwa 700.

Das Verhältniswahlrecht verband sich mit ethnischen und regionalen Trennlinien. Bis 1925 gab es mindestens 45 Parteien; zwischen 1918 und 1929 wechselten 24 Kabinette. Die serbische Elite war in Staat und Armee überrepräsentiert: Von 656 Ministern waren 452 Serben, 137 Kroaten, 49 Slowenen und 18 Bosniaken. Stjepan Radićs Bauernpartei forderte eine kroatische Bauernrepublik beziehungsweise einen Bundesstaat. Nach Radićs Anerkennung der Monarchie und der Zentralverfassung trat die HSS 1925 vorübergehend in die Regierung ein, blieb aber föderalistisch orientiert.

Wirtschaftlich wurde 1919 der Jugoslawische Dinar eingeführt. Als Kompromiss galt für die österreichisch-ungarische Krone ein Wechselkurs von 5:1 zum Dinar. Die Agrarreform vom 6. Januar 1919 zerschlug Großgrundbesitz, festigte aber die Struktur kleiner Bauernhöfe. Ein Wiederaufbauboom führte durch Gelddrucken zu starker Inflation; der Geldumlauf hatte sich bis Ende 1923 verachtfacht. Anfang der 1930er lagen die Flächenerträge 31 % und die Arbeitsproduktivität 57 % unter dem europäischen Durchschnitt.

Die Krise des Parlamentarismus eskalierte am 20. Juni 1928, als Puniša Račić im Parlament auf die kroatische Fraktion schoss. Zwei Abgeordnete starben sofort; Stjepan Radić erlag im August seinen Verletzungen. Am 6. Januar 1929 löste König Alexander I. das Parlament auf und setzte die Verfassung außer Kraft. Am 3. Oktober 1929 wurde der Staat in Königreich Jugoslawien umbenannt und in neun Banschaften gegliedert. Parteien und Vereine auf ethnischer oder konfessioneller Grundlage wurden verboten. Die Verfassung vom 3. September 1931 erlaubte dem König, die Hälfte einer Parlamentskammer zu ernennen. Oppositionelle sammelten sich dennoch in der Demokratischen Bauernkoalition; die Ustascha entstand im Ausland als rassistische, antiserbische und separatistische Untergrundbewegung. 1934/1935 entstand in Serbien die nationalistische und antisemitische ZBOR-Bewegung.

Krise und Zweiter Weltkrieg

Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 traf Jugoslawien spätestens ab Mitte 1930. Bis 1932 sank der Wert des Außenhandels gegenüber 1929 um 70 %. Das ländliche Pro-Kopf-Einkommen fiel von 3414 Dinar 1928 auf 121 Dinar 1934; die Zahl der registrierten Arbeitssuchenden stieg von 150.000 im Jahr 1930 auf 651.000 im Jahr 1939. Viele Bauern verschuldeten sich, während Arbeitslose in die Städte zogen, dort aber häufig keine Arbeit fanden.

Nach der Ermordung Alexanders I. und des französischen Außenministers Louis Barthou in Marseille am 9. Oktober 1934 übernahm Prinzregent Paul die Regierung für den minderjährigen Peter II. Milan Stojadinović war von 1935 bis 1939 Ministerpräsident. Er lockerte den Autoritarismus teilweise, stabilisierte die Währung und entlastete 1936 die Bauern, verband seine Regierung aber mit faschistisch inspirierter Propaganda. Zugleich wuchs die wirtschaftliche Abhängigkeit von Deutschland: 1939 stammten 45,9 % der jugoslawischen Importe aus Deutschland.

Das Sporazum vom 26. August 1939 schuf die Kroatische Banschaft mit weitreichender Zuständigkeit für Innenangelegenheiten, Bildung und Justiz. Der Kompromiss befriedigte weder die Ustascha noch die serbischen und anderen nationalen Bewegungen. Jugoslawien erklärte am 5. September 1939 seine Neutralität. Prinzregent Paul versuchte, zwischen den Großmächten auszugleichen, bemühte sich um westliche Waffenhilfe und nahm 1940 diplomatische Beziehungen zur Sowjetunion auf. Am 25. März 1941 trat die Regierung unter deutschem Druck dem Dreimächtepakt bei. Ein serbischer Militärputsch vom 27. März erklärte Peter II. für volljährig und kündigte den Beitritt wieder auf.

Daraufhin begann am 6. April 1941 der Balkanfeldzug. Zwischen dem 6. und 17. April wurde Jugoslawien zerschlagen und aufgeteilt. Nordslowenien fiel an Deutschland, Westslowenien und Teile Dalmatiens an Italien, das östliche Nordmazedonien an Bulgarien, Batschka und Baranja an Ungarn. Ein vergrößertes Albanien erhielt Kosovo und Teile Montenegros und Nordmazedoniens. Im übrigen Serbien entstand ein deutsches Militärverwaltungsgebiet mit einer Kollaborationsregierung unter Milan Nedić. Der Unabhängige Staat Kroatien (NDH) unter der Ustascha umfasste große Teile Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas.

Die Besatzung und besonders die Ustascha-Herrschaft führten zu ethnischen Verfolgungen und Völkermorden an Juden, Roma und insbesondere Serben. Ab Sommer 1941 entwickelte sich ein Partisanenkrieg. Die kommunistischen Partisanen unter Josip Broz Tito bekämpften die Besatzungsmächte; serbische Nationalisten organisierten sich unter Draža Mihailović in Tschetnik-Verbänden. Aus der anfänglichen Zusammenarbeit entstand ab November 1941 ein Bürgerkrieg zwischen beiden Gruppen. Die Partisanen wurden bis 1944 zu einer regulären Armee und vertrieben die Gegner bis Mai 1945. Nach Vladimir Žerjavićs Berechnung betrugen die jugoslawischen Kriegsverluste 1.027.000 Menschen; außerdem gab es 3,5 Millionen Obdachlose und etwa 289.000 zerstörte Bauernwirtschaften.

Der Antifaschistische Rat der Nationalen Befreiung Jugoslawiens (AVNOJ) erklärte 1943 einen sozialistischen Föderalstaat gleichberechtigter Völker und Republiken zum Ziel. 1945 entstand das Demokratische Föderative Jugoslawien. Gleichzeitig kam es zu Partisanenverbrechen, Massenerschießungen, den Foibe-Massakern und der Vertreibung der Jugoslawiendeutschen. Die 1944 gegründete OZNA wurde später zur Geheimpolizei UDBA.

Titoistischer Staat und Gesellschaft

Nach dem Sieg der Kommunisten 1945 wurde die Monarchie abgeschafft. Bei den Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung im November 1945 stimmten über 90 % für die kommunistisch geführte Volksfront; die Wahl war wegen ausgeschlossener Kollaborateure und einer nicht geheimen Abstimmung nicht frei. Am 29. November 1945 wurde die Republik ausgerufen. Die Verfassung von 1946 schuf sechs Teilrepubliken: Serbien, Kroatien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Montenegro. Kosovo und Vojvodina wurden autonome Provinzen innerhalb Serbiens. Zunächst galten fünf Staatsvölker als gleichberechtigt; die slawischen Muslime wurden in den 1960er-Jahren als sechstes Staatsvolk anerkannt.

Jugoslawien blieb ein Einparteienstaat. Die UDBA unterdrückte politische Abweichungen; zehntausende Kollaborateure wurden verfolgt. Zu den bekanntesten Prozessen gehörten die Verfahren gegen Draža Mihailović und Bischof Alojzije Stepinac. Die KPJ wurde 1952 in Bund der Kommunisten Jugoslawiens (BdKJ) umbenannt. Tito war Staats- und Parteiführer sowie ab 1953 Staatspräsident auf Lebenszeit. Kritiker wie Milovan Đilas wurden wegen „Revisionismus“ verfolgt; nach den Säuberungen 1948 wurden etwa 60.000 von rund 500.000 Parteimitgliedern ausgeschlossen und 12.000–13.000 inhaftiert.

Die Verfassung von 1946 garantierte Religionsfreiheit, Trennung von Kirche und Staat sowie erstmals Geschlechtergleichheit, Eigentums- und Erbrecht und das aktive und passive Frauenwahlrecht. Unter dem Königreich waren Frauen dagegen nicht wahlberechtigt, nicht zum Richteramt zugelassen und rechtlich häufig einem männlichen Vormund unterstellt. Das titoistische Bildungssystem führte die achtjährige Schulpflicht ein, förderte Alphabetisierung und sozialistische Inhalte und unterdrückte religiöse Bildung. Die Analphabetenquote sank von über 50 % 1945 auf etwa 9,5 % 1981. Zwischen 1945 und 1950 besuchten knapp zwei Millionen Erwachsene Alphabetisierungskurse; bis 1980 stieg die Zahl höherer Bildungseinrichtungen von 30 auf 356.

Titos politischer Jugoslawismus sollte die Völker gleichberechtigen, aber nicht zu einer gemeinsamen Ethnie verschmelzen. In den 1960er-Jahren entstanden eine vergleichsweise offene Kulturszene, die Praxis-Gruppe und die reformmarxistische Zeitschrift Praxis. Die Studentenproteste von 1968 forderten demokratische Beteiligung, soziale Gerechtigkeit und Universitätsreformen. In den 1970er-Jahren nahmen Zensur und Repression wieder zu.

Die Föderation blieb ethnisch gemischt. 1971 stellten Serben 39,7 %, Kroaten 22,1 %, slawische Muslime 8,4 %, Slowenen 8,15 %, Mazedonier 5,8 % und Montenegriner 2,5 % der Bevölkerung; Albaner machten 6,5 % aus. Die Verfassungsreformen von 1967–1971 stärkten den Nationalitätenrat sowie Kosovo und Vojvodina. Die Verfassung von 1974 gab den Provinzen Vetorechte und den Republiken größere Macht, ohne eine Demokratisierung herbeizuführen. Der Kroatische Frühling 1971 wurde durch Parteisäuberungen beendet; 741 kroatische Parteimitglieder wurden ausgeschlossen und 411 ihrer Ämter enthoben. Gleichzeitig wurden reformorientierte Parteiführungen in Serbien und Slowenien abgesetzt. Im Sport war Jugoslawien unter anderem Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft 1976 und wurde Vierter.

Wirtschaft und Außenpolitik unter Tito

Die Nachkriegswirtschaft begann mit Verstaatlichungen, Landreform und zentraler Planung. Über 80 % des Privateigentums in Schlüsselindustrien wurden bereits 1944 beschlagnahmt. Das Landreformgesetz von August 1945 begrenzte Bauernhöfe auf 25 bis 35 Hektar; 1,57 Millionen Hektar gingen in Staatsbesitz über. Der Fünfjahresplan von 1947 zielte auf 400 % mehr Industrieproduktion und 150 % mehr Landwirtschaft. Zwangsabgaben, Kollektivierung und Urbanisierung belasteten die Bauernschaft. Nach dem Bruch mit Stalin wurde die Kollektivierung bis 1953 aufgegeben.

Ab 1949/1950 entstand die Arbeiterselbstverwaltung. Das Gesetz vom 27. Juni 1950 übertrug Arbeiterräten Beteiligung an Unternehmensentscheidungen. Die Direktoren wurden jedoch weiterhin vom Staat bestimmt und besaßen ein Vetorecht; auch der erwirtschaftete Mehrwert konnte nicht frei von den Räten verwaltet werden. Das Modell wurde später auf weitere gesellschaftliche Bereiche ausgedehnt.

In den 1970er-Jahren führten Ölkrise, Fehlplanung, Technologierückstand und steigende Kredite zu einer schweren Krise. Die Auslandsschulden stiegen von 4,6 Mrd. USD 1973 auf 21 Mrd. USD 1981; die Zinsen erhöhten sich von 5,8 % 1975 auf 16,8 % 1981. Die Teilrepubliken betrieben zunehmend wirtschaftliche Autarkie. Mitte der 1970er waren Slowenen durchschnittlich siebenmal reicher als Kosovoalbaner.

Außenpolitisch entfernte sich Jugoslawien nach 1948 vom Ostblock. Der Konflikt mit Stalin entstand vor allem wegen Titos eigenständiger Balkanpolitik, der Unterstützung der griechischen Kommunisten und der geplanten Balkanföderation mit Bulgarien, Albanien und eventuell einem Großmazedonien. Am 28. Juni 1948 wurde die KPJ aus der Kominform ausgeschlossen. Jugoslawien näherte sich daraufhin den Westmächten an, erhielt Kredite und Militärhilfe und schloss 1951 einen Beistandspakt mit den USA. Bis 1955 beliefen sich amerikanische Wirtschafts- und Militärhilfen auf 1,187 Mrd. USD; hinzu kamen 420 Mio. USD UNRRA-Hilfe. Der Triest-Konflikt wurde 1954 durch das Londoner Memorandum geregelt.

Nach Stalins Tod 1953 verbesserten sich die Beziehungen zur Sowjetunion teilweise. Jugoslawien blieb aber auf Distanz zu beiden Machtblöcken. Der Balkanpakt mit Griechenland und der Türkei von 1953/1954 verlor bald an Bedeutung. 1968 kritisierte Belgrad die sowjetische Niederschlagung des Prager Frühlings scharf und führte die Territorialverteidigung ein. Die Jugoslawische Volksarmee und die republikanisch organisierte Territorialverteidigung bildeten ein zweigleisiges Verteidigungssystem; 1979 umfasste die Armee etwa 250.000 Soldaten.

Tito machte die Blockfreiheit zur wichtigsten außenpolitischen Säule. Die Bewegung der Blockfreien Staaten wurde 1961 in Belgrad mit 25 Staatschefs gegründet. Sie forderte friedliche Koexistenz, staatliche Unabhängigkeit, Unterstützung antikolonialer Bewegungen, Verzicht auf Militärbündnisse und Ablehnung ausländischer Militärstützpunkte. Jugoslawien spielte außerdem in der Gruppe der 77, bei der UNCTAD und bei der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa eine führende Rolle.

Die Beziehungen zu den deutschen Staaten waren wechselhaft. Nach der Anerkennung der DDR 1957 brach die Bundesrepublik wegen der Hallstein-Doktrin die Beziehungen ab; 1968 wurden sie wieder aufgenommen. Ein Anwerbeabkommen von 1968 führte zu einer starken Zunahme jugoslawischer Gastarbeiter in der Bundesrepublik.

Titos Tod und Zerfall Jugoslawiens

Josip Broz Tito starb am 4. Mai 1980. Seine Nachfolgeregelung sah ein kollektives Präsidium mit rotierender Führung vor, sodass kein einzelner Nachfolger seine autoritäre Integrationsleistung fortsetzen konnte. Nach Titos Tod verschärften sich die bereits bestehenden wirtschaftlichen, sozialen und nationalen Konflikte.

Serbische Nationalisten setzten 1989 die Autonomiestatute von Kosovo und Vojvodina außer Kraft, was besonders im Kosovo Unruhen auslöste. Slowenien und Kroatien verlangten eine lockerere, konföderale Ordnung oder die Auflösung des Staatsverbandes. Serbische Minderheiten in Kroatien und Bosnien-Herzegowina widersetzten sich diesen Sezessionsbestrebungen. Die Wirtschaftskrise verstärkte die politischen und demographischen Spannungen.

Der 14. Parteikongress im Januar 1990 zerbrach, nachdem slowenische und kroatische Delegierte ihn verlassen hatten. In Slowenien und Kroatien siegten im Frühjahr 1990 nationalistische Parteien. Die Baumstammrevolution der serbischen Minderheit in Kroatien begann im August 1990. Am 28. Februar 1991 gründeten serbische Nationalisten in Kroatien die „Serbische Autonome Provinz Krajina“. Die folgenden Zusammenstöße gelten als erste Schlachten der Jugoslawienkriege.

Slowenien konnte sich 1991 nach dem kurzen Zehn-Tage-Krieg lösen. Es folgten der Kroatienkrieg 1991–1995 und nach der Unabhängigkeit Bosnien-Herzegowinas im März 1992 der Bosnienkrieg 1992–1995. Der kroatisch-bosniakische Krieg dauerte 1992–1994. Das Washingtoner Abkommen von 1994 und das Abkommen von Dayton von 1995 beendeten beziehungsweise begrenzten die wichtigsten Kämpfe; die Republika Srpska und die Föderation Bosnien und Herzegowina wurden Teilentitäten des neuen Staates Bosnien-Herzegowina.

Der Kosovokrieg 1998–1999 entstand aus dem Konflikt zwischen der UÇK und der serbischen Staatsgewalt. Nach dem Scheitern eines Waffenstillstands und des Vertrags von Rambouillet begann die NATO im März 1999 die Luftangriffe der Operation Allied Force. Im Abkommen von Kumanovo vom 9. Juni 1999 stimmte die jugoslawische Regierung dem Abzug der Armee und Polizei aus dem Kosovo zu. Der Mazedonienaufstand 2001 endete mit dem Rahmenabkommen von Ohrid.

Nach den Sezessionen blieben 1992 nur Serbien und Montenegro übrig; dieser Staat hieß zunächst Bundesrepublik Jugoslawien. 2003 wurde er in „Serbien und Montenegro“ umbenannt, womit der Name Jugoslawien endgültig verschwand. Montenegro löste die Staatenunion nach dem Unabhängigkeitsreferendum 2006 auf. Kosovo erklärte 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien, die serbische Regierung erkannte sie nicht an.

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