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1815

Auf dem Wiener Kongress bemühen sich die Großmächte inzwischen, die politische Landkarte Europas neu zu ordnen. Unter der Leitung des österreichischen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Napoleons letzte Herrschaft und ihr Ende
  3. 3. Wiener Kongress und neue Staatenordnung
  4. 4. Weitere politische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Entwicklungen
  5. 5. Katastrophe, Kultur sowie Geburten und Todesfälle

Überblick

1815 war ein Schlüsseljahr für Europa: Napoleons letzte Rückkehr an die Macht endete nach etwas mehr als 100 Tagen mit seiner endgültigen Niederlage. Gleichzeitig ordnete der Wiener Kongress die politische Landkarte Europas neu. Die Beschlüsse leiteten eine restaurative, also auf die Wiederherstellung konservativer Herrschaftsverhältnisse gerichtete, Epoche ein, die mit dem Metternich’schen System, dem Vormärz in den deutschen Ländern und kulturell dem Biedermeier verbunden wird.

Außerhalb Europas hatte der Ausbruch des Tambora auf Sumbawa in Indonesien weltweite Folgen. Er gilt als größte in geschichtlicher Zeit beobachtete Eruption und verursachte im Folgejahr auf der Nordhalbkugel einen vulkanischen Winter sowie das „Jahr ohne Sommer“.

Napoleons letzte Herrschaft und ihr Ende

Napoleon Bonaparte verließ am 26. Februar Elba und landete am 1. März mit rund 1.000 Mann bei Cannes. Damit begann die Herrschaft der Hundert Tage. Marschall Michel Ney sollte Napoleon am 5. März verhaften, lief beim späteren Zusammentreffen jedoch mit seinen Truppen zu ihm über. König Ludwig XVIII. floh drei Tage nach seiner Rede vom 16. März aus Paris; Napoleon zog am 20. März in die Tuilerien ein.

Am 14. Juni begann Napoleon überraschend den Sommerfeldzug von 1815 an der niederländischen Grenze. Sein letzter Sieg war die Schlacht bei Ligny am 16. Juni. Am 18. Juni wurde er in der Schlacht bei Waterloo endgültig geschlagen. Die Schlacht bei Wavre am 19. Juni war der letzte Kampf der Napoleonischen Kriege: Die Franzosen errangen zwar einen taktischen Sieg, doch die preußischen Einheiten hatten ein französisches Eingreifen bei Waterloo strategisch verhindert. Napoleon dankte am 22. Juni endgültig ab; die Zweite Restauration in Frankreich begann. Am 8. August trat er die Reise in die Verbannung nach St. Helena an.

Die Folgen zeigten sich auch in Frankreich: Bei den Parlamentswahlen vom 12.–22. August erhielten die Royalisten 75 % aller Mandate; dies führte zu einer neuen Welle des Weißen Terrors gegen Napoleonanhänger. Der Zweite Pariser Frieden wurde am 20. November mit Preußen, dem Kaisertum Österreich, Russland und Großbritannien geschlossen. Michel Ney wurde am 7. Dezember wegen Hochverrats erschossen.

Wiener Kongress und neue Staatenordnung

Auf dem Wiener Kongress berieten unter Leitung des österreichischen Außenministers Fürst Klemens von Metternich bevollmächtigte Vertreter aus rund 200 europäischen Staaten, Herrschaften, Körperschaften und Städten. Ziel war eine neue Ordnung Europas nach den Napoleonischen Kriegen. Der Kongress endete am 9. Juni mit der Unterzeichnung der Kongressakte; der Papst als Oberhaupt des Kirchenstaates und Spanien lehnten darin enthaltene Festlegungen ab.

Die Deutsche Bundesakte wurde am 8. Juni beschlossen und am 10. Juni von Vertretern von 39 Staaten unterzeichnet. Dadurch entstand der Deutsche Bund. Seine zentralen Ziele waren „die Sicherheit und Unabhängigkeit Deutschlands, und die Ruhe und das Gleichgewicht Europas“. Preußen übernahm am 5. April die besetzten Rheinlande und wurde am 30. April in zehn Provinzen eingeteilt. Am 12. Juni gründeten Jenaer Studenten die Urburschenschaft, die erste deutsche Burschenschaft.

Weitere Folgen der Neuordnung waren die Errichtung der Republik Krakau durch Österreich, Preußen und Russland am 3. Mai, das Königreich Lombardo-Venetien unter dem österreichischen Kaiser in Personalunion sowie Luxemburgs Erhebung zum Großherzogtum. Die Schweiz erhielt die Anerkennung ihrer immerwährenden Neutralität; Genf, Neuenburg und Wallis traten der Eidgenossenschaft bei, und der Bundesvertrag trat am 7. August endgültig in Kraft. Am 26. September wurde die Heilige Allianz gegründet. Der internationale Sklavenhandel wurde geächtet. Brasilien wurde am 16. Dezember als Königreich Portugal gleichgestellt; es entstand das Vereinigte Königreich von Portugal, Brasilien und den Algarven.

Weitere politische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Entwicklungen

Im Britisch-Amerikanischen Krieg besiegten US-Milizionäre unter Andrew Jackson am 8. Januar bei New Orleans ein britisches Invasionsheer unter Sir Edward Michael Pakenham; damit endete der sogenannte „Krieg von 1812“. Am 15. Januar erbeuteten vier britische Kriegsschiffe die schwere US-Fregatte President. Der zweite serbische Aufstand gegen die Türken begann am 23. April unter Miloš Obrenović. Außerdem begann der zweite Barbareskenkrieg, nachdem der Statthalter von Algier den USA den Krieg erklärt hatte. In Estland wurde die Leibeigenschaft abgeschafft.

Am 3. Februar begann in Kiesen in der Schweiz mit einer genossenschaftlichen Dorfkäserei die kommerzielle Käseverwertung. Wissenschaftlich bedeutsam war die Rurik-Expedition: Die russische Brigg Rurik verließ am 30. Juli Kronstadt zu einer dreijährigen Weltumsegelung unter Otto von Kotzebue. Ziel war vor allem die Entdeckung und Erkundung der Nordwestpassage. Zur Besatzung gehörten unter anderem Adelbert von Chamisso, Ludwig Choris, Johann Friedrich Eschscholtz und Morten Wormskjold. Am 12. Dezember erreichte das Schiff Santa Catarina vor Brasilien und legte bei Florianópolis an. Am 6. November wurde in Wien das k. k. Polytechnische Institut eröffnet, die heutige Technische Universität Wien; erster Direktor war Johann Joseph von Prechtl.

Im religiösen Bereich entstand am 25. September die Evangelische Missionsgesellschaft Basel. Am 3. November endete in der Schweiz mit dem Duldungsedikt die fast drei Jahrhunderte dauernde Verfolgung der Täufer wegen ihres Glaubens.

Katastrophe, Kultur sowie Geburten und Todesfälle

Der Tambora brach ab dem 5. April aus; besonders stark war die Eruption am 10. April. Insgesamt forderte sie etwa 100.000 Todesopfer. Asche fiel bis in einen Radius von 1300 Kilometern; im Umkreis von bis zu 600 Kilometern wurde der Himmel zwei Tage lang fast vollständig verdunkelt. Die Folgen führten 1816 in Europa zu Hungersnöten. Weitere Unglücke waren der Untergang der Arniston am 30. Mai nahe Waenhuiskrans am Kap Agulhas mit 372 Toten bei sechs Überlebenden sowie die Explosion der Dampflokomotive Mechanical Traveller am 31. Juli in Philadelphia, County Durham. Je nach Quelle starben dabei 13 bis 16 Menschen; es war der älteste bekannte Kesselzerknall einer Lokomotive und bis heute der Unfall dieser Art mit den meisten Toten.

In der Kultur wurden unter anderem Rossinis Elisabetta regina d’Inghilterra am 4. Oktober in Neapel und Torvaldo e Dorliska am 26. Dezember in Rom uraufgeführt. Am 25. Dezember erklang in Wien erstmals Beethovens Meeresstille und glückliche Fahrt. Max von Schenkendorf veröffentlichte das von den Befreiungskriegen geprägte Gedicht Freiheit, die ich meine.

Zu den 1815 Geborenen zählen Otto von Bismarck (1. April), George Boole (2. November), Ada Lovelace (10. Dezember), Johannes Bosco (16. August), Karl Weierstraß (31. Oktober) und Adolph Menzel (8. Dezember). Zu den bedeutenden Verstorbenen gehören Matthias Claudius (21. Januar), Franz Anton Mesmer (5. März), Louis-Alexandre Berthier (1. Juni), Joachim Murat (13. Oktober) und Michel Ney (7. Dezember).

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