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Geschichte Frankreichs

Die Geschichte Frankreichs umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Französischen Republik von der Urgeschichte bis zur Gegenwart.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Ursprünge und Fränkisches Reich
  2. 2. Vom Westfrankenreich zum Königreich
  3. 3. Valois, Bourbonen und Revolution
  4. 4. Napoleon und politische Wechsel bis 1944
  5. 5. Vierte Republik und Entstehung der Fünften Republik
  6. 6. Von Mitterrand bis zur Gegenwart

Ursprünge und Fränkisches Reich

Die Geschichte Frankreichs reicht von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. In der Altsteinzeit lebten Jäger und Sammler unter anderem im Abri de Cro-Magnon und in La Ferrassie; aus dieser Zeit stammen wahrscheinlich auch die Höhlenmalereien von Chauvet und Lascaux. Später breiteten sich Bauernkulturen aus. Ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. gehörten weite Teile des heutigen Frankreich zum keltischen Kernraum. Griechische Kolonien entstanden an der Mittelmeerküste, darunter Massalia (Marseille), Antipolis (Antibes) und Nikaia (Nizza).

Die Römer eroberten die Mittelmeerküste zwischen 154 und 121 v. Chr. und unterwarfen im Gallischen Krieg von 58–51 v. Chr. unter Gaius Iulius Caesar die keltischen Gebiete. Gallien wurde in römische Provinzen gegliedert, darunter Gallia Narbonensis, Gallia Belgica und Gallia Aquitania. Nach dem Ende des Weströmischen Reiches um 476 ließen sich Franken, Burgunder, Westgoten und andere Gruppen in Gallien nieder.

Der Merowinger Chlodwig I. errichtete durch die Vereinigung fränkischer Reiche das Fränkische Reich und nahm um 500 das Christentum an. Die Merowinger eroberten unter anderem Alamannien, Aquitanien, Burgund und die ostgotischen Mittelmeergebiete. 751 begründete Pippin der Jüngere die Dynastie der Karolinger. Karl der Große vereinte das Frankenreich mit Sachsen, Bayern und Oberitalien und ließ sich 800 zum Kaiser krönen. 843 wurde das Reich im Vertrag von Verdun in einen östlichen, mittleren und westlichen Teil geteilt. Aus dem Westfrankenreich entwickelte sich das spätere Frankreich.

Vom Westfrankenreich zum Königreich

Mit dem Vertrag von Verdun 843 begann Frankreichs Geschichte als eigenständiges Gemeinwesen. Karl II. der Kahle wurde erster König des Westfrankenreichs. Das Reich war zunächst politisch schwach und zerfiel in große Herzogtümer und Grafschaften, darunter Franzien, Aquitanien, Gascogne, Bretagne und Normandie. Das Königtum wechselte zeitweise zwischen Karolingern und Robertinern. 987 wurde Hugo Capet König und begründete die Kapetinger-Dynastie. Anfangs war die königliche Herrschaft vor allem auf die Île-de-France beschränkt; durch das Lehnsrecht, die Unterstützung der Kirche und die Privilegierung der Städte erweiterte die Krone ihre Macht.

Die englische Herrschaft in Frankreich wurde zur größten Bedrohung. Heinrich II., Herzog der Normandie und seit 1154 König von England, erwarb durch Heirat große französische Gebiete. Philipp II. August eroberte ab 1202 die Normandie und verdrängte England nördlich der Loire. Ludwig IX. beschränkte die englische Herrschaft auf Teile von Guyenne und Aquitanien. Gleichzeitig unterwarf die französische Krone im Albigenserkreuzzug (1209–1229) Toulouse und das Languedoc; die Inquisition verfolgte dort die Katharer.

Unter Ludwig VIII. wurde das Königtum 1226 zur Erbmonarchie. Philipp IV. der Schöne (1285–1314) stärkte die Königsmacht durch Finanzpolitik, die Erweiterung der Krondomäne um die Champagne und die Liquidierung des Templerordens. Sein Konflikt mit dem Papst führte 1309 zur Übersiedlung der Kurie nach Avignon. 1328 erlosch die ältere direkte Linie der Kapetinger; die Valois übernahmen den Thron.

Die Bezeichnungen änderten sich im Lauf der Zeit: Bis ins 13. Jahrhundert herrschte der Titel „König der Franken“, seit Philipp II. um 1190 zunehmend „König von Frankreich“. Das Königreich Frankreich entwickelte sich aus dem westfränkischen Königreich. Die Kapetinger herrschten in verschiedenen Häusern bis 1848, unterbrochen durch Republiken und Kaiserreiche.

Valois, Bourbonen und Revolution

Unter den Valois führte der Anspruch Eduards III. von England zum Hundertjährigen Krieg (1339–1453). England eroberte zunächst große Gebiete, doch Frankreich gewann den Krieg schließlich. Jeanne d’Arc entfachte 1429 den Widerstand, entsetzte Orléans und führte Karl VII. zur Krönung in Reims. 1453 war England bis auf wenige Stützpunkte nahezu vom Kontinent vertrieben. Der Machtkampf mit Burgund und später mit der spanisch-habsburgischen Macht prägte die Außenpolitik. Die Italienischen Kriege seit 1495 blieben für Frankreich letztlich ohne dauerhafte Erfolge.

Die Reformation verschärfte die inneren Konflikte. In den Hugenottenkriegen (1559–1598) kämpften Katholiken und Protestanten. Das Edikt von Nantes von 1598 gewährte den Hugenotten Religionsfreiheit, wurde jedoch 1685 durch das Edikt von Fontainebleau weitgehend aufgehoben. Nach dem Aussterben der Valois wurde Heinrich IV. aus dem Haus Bourbon 1589 König. Richelieu (1624–1642) und Mazarin (1642–1661) stärkten die Zentralgewalt. Frankreich gewann im Dreißigjährigen Krieg an Einfluss und wurde nach dem Westfälischen Frieden 1648 und dem Pyrenäenfrieden 1659 zur europäischen Vormacht.

Ludwig XIV. vollendete den Absolutismus. Er baute Bürokratie, stehendes Heer und Marine aus, reformierte Verwaltung und Recht und förderte den Merkantilismus. Seine vier expansiven Kriege, besonders der Spanische Erbfolgekrieg (1701–1713), vergrößerten Frankreich, führten aber zu hoher Staatsverschuldung. Die Aufhebung der Religionsfreiheit 1685 löste die Flucht Hunderttausender Protestanten aus und schadete der französischen Wirtschaft. Unter Ludwig XV. gingen im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) große Kolonialgebiete in Nordamerika und Indien an England verloren.

Unter Ludwig XVI. verschärften Reformkonflikte, Kriegskosten, der harte Winter 1783/84 und Missernten 1787 und 1788 die Finanzkrise. Am 17. Juni 1789 erklärte sich der Dritte Stand zur Nationalversammlung. Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 wurde zum Symbol des Endes des Absolutismus. Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte folgte am 26. August 1789; die Verfassung vom 3. September 1791 machte Frankreich zur konstitutionellen Monarchie. Am 21. September 1792 wurde die Erste Republik ausgerufen. Nach Terrorherrschaft und der Hinrichtung Robespierres 1794 übernahm das Direktorium die Macht.

Napoleon und politische Wechsel bis 1944

Am 9. November 1799 ergriff Napoleon Bonaparte im Staatsstreich des 18. Brumaire VIII als Erster Konsul die Macht. 1802 führte er die im Zuge der Revolution abgeschaffte Sklaverei in den Kolonien wieder ein; 1804 erklärte Haiti seine Unabhängigkeit. Am 2. Dezember 1804 krönte sich Napoleon I. zum Kaiser. Er brachte große Teile Europas unter französische direkte oder indirekte Kontrolle und verbreitete zugleich Errungenschaften wie Rechtsgleichheit und den Code civil. Wichtige Siege waren Austerlitz (2. Dezember 1805) und Jena und Auerstedt (Oktober 1806). Der Russlandfeldzug 1812 und die Niederlage bei Leipzig 1813 leiteten den Zusammenbruch ein. Nach den Hundert Tagen wurde Napoleon am 18. Juni 1815 bei Waterloo endgültig besiegt.

Der Wiener Kongress setzte 1815 die Monarchie wieder ein. Ludwig XVIII. und Karl X. regierten in der Restauration; die Julirevolution von 1830 brachte die Julimonarchie Louis-Philippes. Die Februarrevolution 1848 stellte die Republik wieder her. Louis Napoléon wurde Präsident und 1852 als Napoleon III. Kaiser des Zweiten Kaiserreichs. Nach seiner Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde am 4. September 1870 die Dritte Republik ausgerufen.

Die Pariser Kommune von 1871 forderte eine föderalistische Republik und wurde nach Kämpfen vom 21. bis 28. Mai 1871 von Regierungstruppen niedergeschlagen. Die Dritte Republik führte 1905 die Trennung von Kirche und Staat, den Laizismus, ein. Frankreich siegte im Ersten Weltkrieg; Elsass-Lothringen kam zurück. Innenpolitische Krisen und eine wechselnde Regierungsfolge prägten die Zwischenkriegszeit. Die Maginot-Linie, 1930–1936 mit bis zu 20.000 Arbeitern gebaut, erwies sich 1940 als wirkungslos.

Nach dem deutschen Angriff vom 10. Mai 1940 besetzte die Wehrmacht Paris und erzwang am 22. Juni den Waffenstillstand von Compiègne. Frankreich wurde in eine besetzte Zone und eine zunächst unbesetzte Zone geteilt. Das Vichy-Regime unter Philippe Pétain kollaborierte mit Deutschland; im November 1942 besetzte die Wehrmacht auch den Süden. Charles de Gaulle rief am 18. Juni 1940 zum Widerstand auf. 1944 wurde Frankreich befreit. De Gaulle bildete am 3. Juni 1944 eine provisorische Regierung.

Vierte Republik und Entstehung der Fünften Republik

Nach 1944 wurden führende Vertreter des Vichy-Regimes bestraft; Pétains Todesstrafe wurde in lebenslange Haft umgewandelt, Pierre Laval wurde 1945 hingerichtet. Eine neue Verfassung wurde am 13. Oktober 1946 per Referendum angenommen. Die Vierte Republik bestand von 1947 bis 1958. Frankreich wurde trotz der Niederlage von 1940 als gleichberechtigte Siegermacht anerkannt und erhielt ein Vetorecht im UN-Sicherheitsrat.

Die Entkolonialisierung prägte diese Zeit: Frankreich zog sich 1954 aus Indochina zurück, Marokko und Tunesien wurden 1956 unabhängig. Der Algerienkrieg dauerte 1954–1962. In Algerien führte Frankreich von 1960 bis 1966 insgesamt 17 Kernwaffentests durch; beim letzten von vier oberirdischen Tests am 25. April 1961 wurde ein Trupp von 300 Soldaten wissentlich ionisierender Strahlung ausgesetzt. Die Algerienkrise brachte die Vierte Republik zu Fall.

Charles de Gaulle wurde 1958 mit der Bildung einer neuen Regierung und Verfassung beauftragt. Die Verfassung der Fünften Republik wurde im September 1958 mit 80 % Zustimmung bestätigt und trat am 4. Oktober 1958 in Kraft. Frankreich ist seither eine semipräsidentielle Demokratie; dieser Begriff ist in der Politikwissenschaft umstritten. Der Präsident repräsentiert den Staat, ist Oberbefehlshaber der Armee, kann Gesetze verabschieden und die Nationalversammlung auflösen.

De Gaulle regierte bis 1969, machte Frankreich zur Atommacht und förderte mit dem Élysée-Vertrag von 1963 die deutsch-französische Zusammenarbeit. Der Algerienkrieg endete am 18. März 1962 mit den Verträgen von Évian. Die Studentenunruhen und der Generalstreik im Mai 1968 erschütterten die Republik. Georges Pompidou setzte den Gaullismus und die wirtschaftliche Modernisierung fort; unter anderem entstanden Concorde, Airbus, TGV und das Ariane-Programm. Valéry Giscard d’Estaing führte gesellschaftliche Reformen durch, doch die Ölkrise brachte Massenarbeitslosigkeit und Sparpolitik.

Von Mitterrand bis zur Gegenwart

François Mitterrand gewann 1981 als erstes sozialistisches Staatsoberhaupt der Fünften Republik die Präsidentschaft. Unter ihm wurden die Todesstrafe abgeschafft, die Verwaltung dezentralisiert, der Mindestlohn und die Renten erhöht, Banken und Schlüsselindustrien verstaatlicht und die 39-Stunden-Woche eingeführt. Wegen wirtschaftlicher Probleme folgte 1984 ein Austeritätsprogramm. 1986 kam es zur ersten Cohabitation, also zur Zusammenarbeit eines Präsidenten mit einer parlamentarischen Mehrheit der anderen politischen Richtung. Mitterrand wurde 1988 wiedergewählt, führte die Sozialhilfe RMI ein, stimmte der deutschen Wiedervereinigung zu und ratifizierte 1992 den Vertrag von Maastricht.

Jacques Chirac wurde 1995 Präsident. Nach der Parlamentswahl 1997 regierte fünf Jahre lang eine linke Koalition unter Lionel Jospin. Sie führte die 35-Stunden-Woche ein und bereitete den Euro vor, der am 1. Januar 2002 den Franc ersetzte. Ein Referendum verkürzte 2000 die Amtszeit des Präsidenten von sieben auf fünf Jahre. Chirac wurde 2002 mit 82,21 % in der Stichwahl bestätigt. Nicolas Sarkozy war ab 2007 Präsident. Seine Amtszeit umfasste eine Verfassungsreform, ein Hilfspaket von 360 Milliarden Euro in der Weltfinanzkrise, die Rückkehr Frankreichs in die NATO-Kommandostruktur und den Militäreinsatz in Libyen 2011.

François Hollande gewann 2012. 2013 wurde die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt; durch eine Regionalreform gab es seit Anfang 2016 im europäischen Teil Frankreichs 13 statt zuvor 22 Regionen. 2015 ereigneten sich die Anschläge auf Charlie Hebdo mit insgesamt 17 Todesopfern und die Anschlagsserie vom 13. November mit 130 Toten und über 300 Verletzten. Frankreich verhängte den Ausnahmezustand. Hollande verzichtete 2016 auf eine zweite Kandidatur.

Emmanuel Macron gewann 2017 gegen Marine Le Pen und ernannte Édouard Philippe zum Premierminister. Macrons Partei La République en Marche erhielt bei den anschließenden Parlamentswahlen die absolute Mehrheit. 2022 wurde Macron wiedergewählt; sein Bündnis Ensemble erhielt 245 von 577 Sitzen, NUPES 131 und das Rassemblement National 89. 2023 führten die Rentenreform und die Tötung von Nahel Merzouk zu landesweiten Protesten und Ausschreitungen. Im März 2024 wurde das Recht auf Schwangerschaftsabbruch in die Verfassung aufgenommen. Nach Stimmenverlusten bei der Europawahl 2024 löste Macron im Juni das Parlament auf; die Neuwahlen bestätigten die Kräfteverhältnisse. Seit September 2024 wechselte Macron mehrfach den Ministerpräsidenten.

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