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Realismus einfach erklärt - Literaturepoche (1815-1890) - Weltbild, Themen, Vertreter erklärt!
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 43 Zeilen
- Wer erwartet, dass der Realismus die Wirklichkeit schonlos offen und radikal ehrlich darstellt, der täuscht. Denn obwohl sich das Wort Realismus vom
- lateinischen Wort Ress, also Sache oder Wirklichkeit ableitet, bemühten sich die Autoren ihre Werke eher verklärend und verschönernd auszule.
- Welcher zeithorische Kontext die Epoche prägte und welche Vertreter in ihr wirkten, erfahrt ihr in diesem Video. Viel Spaß.
- Die Epoche des Realismus lässt sich von 1815 bis 1890 datieren und wird anfangs stark durch seine Strömungen, den Vorärz, das junge Deutschland und den
- Biedermeier geprägt. Die Epoche ist gekennzeichnet durch einschneidende gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische
- Ereignisse, beginnend mit der Märzrevolution 1848, welche Wien und Berlin erfasste und zum Rücktritt des österreichischen Staatskanzlers Mettern
- führte. Die Grundlage dafür legten große Sprünge in der Wissenschaft und die zunehmende Alphabetisierung der Bevölkerung, welche
- das Ständesystem, die Vormachtstellung der Kirche und die uneingeschränkte Macht der Monarchen zunehmend hinterfragten.
- Zudem nahm die Industrialisierung massiv an Tempo auf und trug neue Phänomene wie die Bildung einer hartarbeitenden, aber besitzarmen Arbeiterschaft, die
- Urbanisierung und den Pauperismus in die Gesellschaft. Die Entstehung von effizienten Fabriken, welche durch neue Techniken und
- Standardisierung riesige Gütermengen produzieren können, deuteten eine Epoche des Materialismus ein, in dem Gewinn und Besitz an Bedeutung gewannen.
- Gleichzeitig fanden der Gesellschaft ein Umdenken statt. Das Individuum rückte in den Mittelpunkt und der Wunsch nach mehr politischer Mitsprache wurde laut.
- Trotz der gewaltigen Umbrüche setzte sich der Realismus kaum mit dem politischen Geschehen auseinander. Stattdessen sahen sich die Autoren als
- distanzierte Beobachter, welche größtmögliche Objektivität walten ließen, damit sich ihre Leserschaft ein Urteil bilden konnte. In ihren Werken
- bezogen die Autoren daher nur selten Stellung. Trotz der angestrebten Objektivität wurden die beobachteten Ereignisse
- verschönert und verklärt, um die Wirklichkeit literarisch zu verarbeiten. Im Mittelpunkt des Interesses stand dabei oftmals der einzelne. Das Leben
- liebenswerter Außenseiter und einfacher Bürger wie Kaufleute, Bauern oder Handwerker wurde wertfrei dargestellt. Zudem bedienten sich die Autoren der
- Beschreibung von Landschaften und des Wetters, welche sich oftmals im Innenleben der Figur widerspiegelten. Da kritische Themenfelder wie die
- Politik gemieden wurden, waren vor allem der Regionalismus und der Historismus als Tendenzen der Epoche bedeutend. Der Regionalismus stellte die Heimat und
- den Menschen in den Vordergrund, während der Historismus sich mit der wirklichkeitsgetreuen Schilderung der Vergangenheit beschäftigte.
- Die Themenvielfalt jener Epoche war also eher begrenzt. Kritik wurde im Realismus mit Hilfe des Humors geäußert, denn zum einen schaffte dieser eine gewisse
- Distanz zur Wirklichkeit. Zum anderen vereinfachte er die Darstellung von negativen Elementen wie Elend, Krankheit und den Tod. Ein gutes Beispiel hierfür
- ist das humoristische Frühwerk Wilhelm Busch, Max und Moritz, welches in 300 Sprachen und Dialekte übersetzt wurde. Die Sprache des Realismus war dabei
- durchgängig schlicht und einfach, aber künstlerisch. Damit sollte die gesamte Leserschaft in der Lage sein, sich eine eigene Meinung vom Geschehen zu bilden.
- Von der als überladen kritisierten Romantik setzten sich die Schriftsteller bewusst mit einer begrenzten Anzahl verwendeter Stilmittel ab. Stattdessen
- verliehen sie dem Alltäglichen den Schein etwas Besonderem und schwächten die schlechten Aspekte der Wirklichkeit ab, indem sie auf Metaphern oder
- Personifikation zurückgriffen. Aufgrund der dadurch entstehenden Subjektivität hat sich auch die Bezeichnung poetischer Realismus
- etabliert. Die künstlerische Sprache fand hauptsächlich in der Lyrik anklang. Die Gattung sollte eine sinnliche
- Darstellung der Wirklichkeit sein und die poetisierte Welt zur Realität werden lassen. Gerade Dingedichte begeisterten durch ihre distanzierten und objektiven
- Beschreibungen einfacher Gegenstände. Dabei wird auf unwesentliche Details verzichtet. Vorherrschendem Realismus ist jedoch die
- Epik, welche mit dem Roman Soll und haben von Gustav Freitag ihr Aushängeschild findet. Bis heute relevant ist zudem der Roman Effie
- Priest von Theodor Fontane, welcher eine Kritik an den Konventionen der damaligen Gesellschaft darstellt, die unter Zeitgenossen auf Kontroversen traf.
- Neben Entwicklungsromanen und Gesellschaftsromanen erfreuten sich auch die Novellen an großer Beliebtheit. Alle epischen Texte waren dabei durch einen
- überschaubaren Figurenkreis und einen auktorialen Erzähler zu erkennen. Die Dramatik wurde im Vergleich zu Lyrik und Epik nur sehr wenig verwendet. Heute
- noch beliebte Werke sind Maria Magdalena von Friedrich Hebbel oder die Dramentrilogie Das goldene Fließ von Franz Grillpazer.
- Aufgrund der Vielzahl von Autoren solltet ihr euch neben Theodor Fontane, der vor allem für die Epik entscheidend war, auch Wilhelm Busch, Gottfried
- Keller und Gustav Freitag merken. Als eine der wenigen Frauen machte sich Maria von Ebner Escherbach durch ihre Werke uns und das Gemeindekindahmen.
- Noch mal das Wichtigste in Kürze. Der Realismus lässt sich von 1815 bis 1890 datieren und wurde durch die beschleunigte Industrialisierung,
- Meilensprünge in der Wissenschaft und ein Auseinanderbrechen der alten Gesellschaftsordnungen geprägt. Entscheidend für die Werke des Realismus
- waren die Objektivität, die Verschönerung und der Humor, mit dem die Autoren versuchten, das wirkliche verklärt darzustellen.
- Eine ziemlich passende Beschreibung der Epoche lautete daher den Realismus als eine Poesie der Wirklichkeit, die nackten Stellen des Lebens über Blumen
- zu sehen. Geschrieben wurde in einfacher, aber künstlerischer Sprache. Die Epik ist hierbei die wichtigste literarische Gattung, in welcher der
- Schriftsteller Theodor Fontane überragende Bekanntheit besitzt. Wir hoffen, euch hat das Video gefallen.