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Islamischer Kalender
Der islamische Kalender wird heute vorwiegend für religiöse Zwecke benutzt. Der Ramadan und die anderen insgesamt zwölf Mondmonate des Kalenders beginnen in …
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Grundprinzip und Bedeutung
Der islamische Kalender ist ein reiner Mondkalender und bildet mit der Hidschrī-Jahreszählung, abgekürzt AH, die Grundlage der islamischen Zeitrechnung. Er wurde nach der muslimischen Eroberung Mekkas im Jahr 630 eingeführt beziehungsweise reformiert; der genaue Zeitpunkt der Abschaffung des Schaltmonats ist nicht eindeutig und wird für 631 oder 632 genannt. Heute wird der Kalender vor allem für religiöse Zwecke verwendet.
Ein islamisches Jahr besteht aus zwölf Mondmonaten mit jeweils 29 oder 30 Tagen. Es umfasst 354 oder 355 Tage, durchschnittlich etwa 354 1/3 Tage. Damit ist es 10 bis 12 Tage kürzer als ein gregorianisches Sonnenjahr mit 365 oder 366 Tagen, durchschnittlich etwa 365 1/4 Tagen. Daher entsprechen ungefähr 33 islamische Jahre 32 christlichen Sonnenjahren. Die Daten des islamischen Jahres wandern innerhalb von etwa 33 Jahren einmal durch das gesamte Sonnenjahr; der Ramadan beginnt aus Sicht des gregorianischen Kalenders deshalb jedes Jahr 10 bis 12 Tage früher.
Die zwölf Monate heißen in ihrer Reihenfolge: Muharram, Safar, Rabīʿ al-auwal, Rabīʿ ath-thānī, Dschumādā l-ūlā, Dschumādā th-thāniya, Radschab, Schaʿbān, Ramadān, Schauwāl, Dhū l-Qaʿda und Dhū l-Hiddscha. Im Artikel wird beispielsweise der 17. September 2026 als 4. Rabīʿ ath-thānī 1448 angegeben.
Entstehung und Verhältnis zu Sonnenkalendern
Der islamische Kalender geht auf den altarabischen Kalender zurück. Dieser war ein Lunisolarkalender: Er hatte zwölf Mondmonate, aber alle zwei oder drei Jahre wurde ein dreizehnter Monat eingeschoben, damit das Jahr ungefähr im Herbst begann. Dieser Schaltmonat hieß nasīʾ („Verschiebung“). Der altarabische Kalender begann wahrscheinlich Mitte bis Ende September und diente vor allem zur Festlegung von Wallfahrts- und Marktterminen. Vier Monate galten als heilig: Radschab sowie Dhū l-Hiddscha und die beiden angrenzenden Monate. In ihnen galt eine allgemeine Friedenspflicht.
Nach der Reform wurde der Schaltmonat abgeschafft. Im Koran wurde das Einschieben des nasīʾ als heidnisches Verhalten und als Eingriff des Menschen in die göttliche Ordnung bewertet. Die Monatsnamen wurden unverändert übernommen, verloren aber ihre ursprüngliche Beziehung zu den Jahreszeiten, weil die Monate nun durch das Sonnenjahr wandern. Mit dem Wegfall der Interkalation verlor auch der Stamm der Kināna, der zuvor über die Schaltmonate und damit über wichtige wirtschaftliche und militärische Termine mitentschieden hatte, an Macht.
Ein reiner Mondkalender eignet sich nicht für eine Landwirtschaft, die von den Jahreszeiten abhängt. Deshalb wurden in islamischen Ländern zusätzlich Sonnenkalender weitergeführt: im Maghreb und Maschrek zunächst der julianische, später der gregorianische Kalender, in Ägypten der koptische Kalender, im iranischen Raum der iranische Sonnenkalender, in Bengalen der Bengalische Sonnenkalender und im Osmanischen Reich zeitweise der Rumi-Kalender. Der bengalische Kalender beginnt am 15. April und wurde 1966 in Bangladesch, nicht aber in Indien, reformiert und mit dem gregorianischen Kalender synchronisiert.
Die parallele Verwendung führte teilweise zu Problemen. Im Osmanischen Reich wurden Einnahmen nach dem sonnenbasierten Rumi-Kalender, Ausgaben aber nach dem islamischen Mondkalender berechnet. Weil Sonnenjahre länger sind, konnten dadurch Ausgabenjahre ohne entsprechendes Einnahmenjahr entstehen. Der Jahresbeginn des Rumi-Kalenders wurde deshalb von September auf März vorverlegt. Im Alltag und Wirtschaftsleben wird in fast allen islamischen Ländern seit dem frühen 20. Jahrhundert der gregorianische Kalender verwendet; im Gebiet des Osmanischen Reiches löste er den Mondkalender offiziell am 1. März 1917 ab. Seit 1927 gilt er in fast allen islamischen Ländern für Alltags- und Wirtschaftsfragen.
Monate, Zyklen und Monatsanfänge
Astronomisch beginnt ein neuer Monat beim Neulicht: Nach dem Neumond wird am Abend nach Sonnenuntergang erstmals wieder die zunehmende Mondsichel sichtbar. In vielen islamischen Ländern entscheidet daher eine religiöse Autorität aufgrund tatsächlicher Beobachtung über den Monatsbeginn. Wegen örtlicher Bedingungen und der geografischen Länge kann derselbe Monat an verschiedenen Orten an unterschiedlichen gregorianischen Tagen beginnen. Ist die Sichtung wegen schlechten Wetters nicht möglich, endet der laufende Monat nach dem 30. Tag. Besonders wichtig ist dieses Verfahren für Beginn und Ende des Ramadan.
Für Vorausberechnungen wird ein zyklischer, tabellarischer Kalender verwendet. Er arbeitet grundsätzlich mit abwechselnden Monaten von 30 und 29 Tagen und einem Gemeinjahr von 354 Tagen. Weil zwölf synodische Monate im Durchschnitt 12 × 29,53059 Tage dauern, wird gelegentlich ein Schalttag eingefügt. In jedem 30-jährigen Zyklus gibt es elf Schaltjahre; dabei erhält der letzte Monat Dhū l-Hiddscha 30 statt 29 Tage. Ein Schaltjahr liegt vor, wenn die Jahreszahl bei Division durch 30 den Rest 2, 5, 7, 10, 13, 16, 18, 21, 24, 26 oder 29 ergibt. Der letzte Zyklus begann im Jahr 1411 AH, der nächste im Jahr 1441 AH.
Die Länge des rechnerischen Zyklus beträgt 30 × 354 + 11 = 10 631 Tage. Die astronomische Vergleichslänge ist 360 × 29,53059 = 10 631,0124 Tage. Die Abweichung von 0,0124 Tagen in 30 Jahren würde sich erst in etwa 2500 Jahren zu einem ganzen Tag addieren. Rechnerische Monatsanfänge können trotzdem vom tatsächlich beobachteten Neulicht abweichen; gedruckte Kalender weisen bei Festtagen deshalb häufig auf eine mögliche Abweichung von 1 bis 2 Tagen hin.
Ein Beispiel aus der Tabelle: Im zyklischen Kalender begann Ramadan 1438 am 27. Mai 2017, während die Tabelle für die folgenden Jahre den Beginn des Ramadan am 7. Juni 2016, 16. Mai 2018 und weitere jeweils frühere Sonnenjahresdaten zeigt. Die Verschiebung veranschaulicht, dass der Ramadan im Sonnenkalender jährlich nach vorn wandert.
Religiöse Tage und Wochentage
Besonders wichtig sind der Ramadan als Fastenmonat und Dhū l-Hiddscha als Wallfahrtsmonat. Das Opferfest, ʿĪd al-aḍḥā, wird am 10. Dhū l-Hiddscha gefeiert und gilt als höchster islamischer Feiertag. Der zweithöchste Feiertag ist das Fest des Fastenbrechens, ʿĪd al-fitr, am Ende des Ramadan. Schiiten begehen in den ersten zehn Tagen des Muharram die Aschura-Riten als höchstes Trauerfest. Dabei erinnern sie mit Prozessionen, Passionsspielen und Geißelungen an den Tod des Imams Husain ibn Ali in der Schlacht von Kerbela.
Die Abhängigkeit von der Mondsichtung kann praktische Folgen haben. 2005 wurde das Opferfest von Religionsgelehrten überraschend um einen Tag vorverlegt. Dadurch verschoben sich das Ritual am Berg Arafat und das Opferfest; in Ägypten entstand wegen bereits gekaufter Zugfahrkarten ein organisatorisches Chaos.
Die Woche beginnt am Sonntag und endet am Samstag. Der Freitag ist der wöchentliche Feiertag, aber nicht der letzte Wochentag. Ein neuer Tag beginnt jeweils bei Sonnenuntergang. Im Arabischen werden die Wochentage mit Ausnahme des Freitags überwiegend durchgezählt: Sonntag bedeutet „Erster Tag“, Montag „Zweiter Tag“, Dienstag „Dritter Tag“, Mittwoch „Vierter Tag“, Donnerstag „Fünfter Tag“, Freitag „Tag der Zusammenkunft (zum Freitagsgebet)“ und Samstag „Siebter Tag“ beziehungsweise „Sabbat“.
Umrechnung und Kuwaitischer Algorithmus
Eine von Christian Ludwig Ideler beschriebene Umrechnung nutzt julianische Tage, die Epoche der Hidschra und den 30-jährigen islamischen Zyklus. Für den 27. Mai 2017 gregorianisch werden zunächst 13 Tage abgezogen; das ergibt den 14. Mai 2017 julianisch. Bis dahin sind 2016 vollständige julianische Jahre beziehungsweise 504 Vierjahreszyklen vergangen: 504 × 1461 = 736 344 Tage. Zusammen mit dem 134. Tag des Jahres ergeben sich 736 478 Tage. Nach Abzug von 227 016 Tagen, der Differenz zwischen dem 1. Januar 1 n. Chr. julianisch und der Hidschra-Epoche am 16. Juli 622 julianisch, bleiben 509 462 Tage.
Die Division durch 10 631 ergibt 47 vollständige islamische Zyklen und einen Rest von 9805 Tagen. Dieser Rest entspricht 27 islamischen Jahren mit 9568 Tagen und weiteren 237 Tagen im 28. Jahr. Nach der Monatstabelle entsprechen 237 Tage dem 1. Ramadan. Somit ist der 27. Mai 2017 gregorianisch der 1. Ramadan 1438 AH: 47 × 30 + 28 = 1438.
Die Umkehrung derselben Methode wird an einer Sonnenfinsternis erläutert. Ibn Yunus beobachtete sie am 29. Schawwal 367 AH, bezogen auf den 15. Juli 622 julianisch. Wird stattdessen der 16. Juli 622 als Epoche gewählt, entspricht dies dem 28. Schawwal 367 AH. Seit der Hidschra ergeben sich 12 vollständige Zyklen mit 127 572 Tagen, sechs Jahre mit 2126 Tagen, neun Monate mit 266 Tagen und 28 Tage im Schawwal, insgesamt 129 992 Tage. Nach Addition von 227 016 Tagen folgen 244 julianische Zyklen und ein Rest von 524 Tagen. Das gesuchte Datum ist der 8. Juni 978 julianisch. Die unterschiedliche Datierung der Epoche auf den 15. oder 16. Juli 622 führt also zu unterschiedlichen islamischen Tagesangaben.
Microsoft verwendet den „Kuwaitischen Algorithmus“, eine Variante des tabellarischen islamischen Kalenders, zur Umrechnung gregorianischer in islamische Daten. Microsoft erklärte, die Variante beruhe auf einer statistischen Analyse historischer Daten aus Kuwait; der Artikel stellt jedoch fest, dass sie mit einem bekannten tabellarischen Kalender übereinstimmt.