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Geschichte der Schweiz

Nach einem Bürgerkrieg im Jahr 1847 wurde 1848 der Bundesstaat gegründet. Wichtige Grundlinien in der Schweizer Geschichte sind der ausgeprägte Föderalismus und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlinien und Vorgeschichte
  2. 2. Alte Eidgenossenschaft
  3. 3. Umbruch und Bundesstaatsgründung
  4. 4. Konsolidierung, Industrialisierung und Weltkriege
  5. 5. Nachkriegszeit bis Ende des 20. Jahrhunderts
  6. 6. Schweiz im 21. Jahrhundert

Grundlinien und Vorgeschichte

Die moderne Schweiz ist ein föderaler Bundesstaat, der seit 1848 besteht. Seine wichtigsten Vorläufer waren die locker verbündete Alte Eidgenossenschaft, die zentralistische Helvetische Republik von 1798 bis 1803 und der 1803 wiederhergestellte, 1815 neu geordnete Staatenbund. Prägende Grundlinien sind der ausgeprägte Föderalismus und die seit 1815 international anerkannte immerwährende Neutralität.

Das heutige Staatsgebiet ist seit der Altsteinzeit besiedelt. Nach der letzten Eiszeit verdichtete sich die Besiedlung besonders an den Seen. In der Eisenzeit lebten Kelten im Mittelland; der Fundort La Tène gab der jüngeren Eisenzeit den Namen Latènekultur. Bis zum 1. Jahrhundert n. Chr. unterwarf Rom die Gebiete der Helvetier, Lepontier, Seduner und Raetier. Wichtige Zentren waren Aventicum, Julia Equestris, Augusta Raurica und Forum Claudii Vallensium. Römische Sprache, Kultur, Christentum, Verkehrswege und kirchliche Grenzen wirkten über das Ende der römischen Herrschaft hinaus.

Seit der Spätantike beherrschten Burgunder die Westschweiz und Alamannen weite Teile der Zentral- und Ostschweiz. Daraus entwickelten sich langfristig die heutigen Sprachräume. Im 6. Jahrhundert kamen die Gebiete zum Fränkischen Reich; 1033 gehörte das gesamte heutige Staatsgebiet zum Heiligen Römischen Reich. Klöster und Missionare förderten die Christianisierung. Städte, Täler, Adelsfamilien wie Habsburger und Savoyer sowie geistliche Herrschaften prägten die politische Ordnung.

Alte Eidgenossenschaft

Im 13. Jahrhundert gewannen Städte und Talschaften an Selbstständigkeit. Uri erhielt 1231, Schwyz 1240 die Reichsunmittelbarkeit, stand also unmittelbar unter König oder Kaiser. Uri, Schwyz und Unterwalden erneuerten 1291 ein älteres Bündnis. Dieses Ereignis wurde erst seit 1891 als Gründung der Eidgenossenschaft verklärt; die neuere Forschung hält die Privilegierung von 1309 für besonders wichtig und bewertet die Bedeutung des Bundesbriefs zurückhaltender.

Die Eidgenossenschaft entstand nicht durch einen einzigen Gründungsakt, sondern durch ein wechselndes Geflecht von Bündnissen. Zürich trat 1351, Bern 1353 bei. Konflikte mit den Habsburgern, darunter Morgarten 1315 und Sempach 1386, sowie die Eroberung des Aargaus 1415 verstärkten die Zusammenarbeit. Nach Siegen in den Burgunderkriegen und im Schwabenkrieg 1499 wurde die Eidgenossenschaft zu einer bedeutenden Macht. 1513 trat Appenzell als 13. Ort bei. Neben den vollberechtigten Orten bestanden Gemeine Herrschaften, einzelörtische Untertanengebiete und verbündete Zugewandte Orte ohne volle Mitsprache in der Tagsatzung.

Die Italienfeldzüge brachten zeitweise das Tessin, das Veltlin und Einfluss auf Mailand. Nach der Niederlage gegen Frankreich bei Marignano 1515 folgten der Ewige Frieden von 1516 und ein Soldbündnis von 1521. Ob danach bereits von Neutralität gesprochen werden kann, ist wegen der Bündnisse, weiterer Eroberungen und des Söldnerwesens umstritten.

Ab 1519 leitete Ulrich Zwingli in Zürich die Reformation ein; Bern, Basel, Schaffhausen und weitere Gebiete folgten. Genf wurde unter Jean Calvin zu einem internationalen Zentrum des Calvinismus. Katholische Orte betrieben mit Jesuiten, Kapuzinern und kirchlichen Reformen die Gegenreformation. Nach den Kappelerkriegen von 1529 und 1531 bestimmten grundsätzlich die Kantone die Konfession ihres Gebiets. Die Glaubensspaltung lähmte die gemeinsame Politik und führte zu weiteren Konflikten. Im Dreissigjährigen Krieg blieb die Eidgenossenschaft als Ganzes neutral; 1647 beschloss sie im Defensionale von Wil die bewaffnete Neutralität.

Der Westfälische Frieden von 1648 gewährte den eidgenössischen Orten die volle Freiheit und Exemtion vom Reich sowie die Befreiung von dessen Gerichtsbarkeit. Ob dies sofort völkerrechtliche Souveränität bedeutete, war umstritten; im 18. Jahrhundert wurde es überwiegend so ausgelegt. Der Bauernkrieg von 1653 wurde niedergeschlagen. Nach dem Zweiten Villmergerkrieg von 1712 endete die katholische Vormachtstellung, und in den Gemeinen Herrschaften galt konfessionelle Parität.

Umbruch und Bundesstaatsgründung

Im 18. Jahrhundert war die Alte Eidgenossenschaft ein lockerer Staatenbund souveräner Kleinstaaten. Die Tagsatzung war die einzige gemeinsame Institution, besass aber wegen des Einstimmigkeitsprinzips wenig Macht. In den Stadt- und Landorten herrschten patrizische, zünftische oder ländlich-aristokratische Eliten; Untertanengebiete waren politisch benachteiligt. Gleichzeitig förderten Aufklärung und Helvetische Gesellschaft Freiheit, Toleranz und ein gemeinsames Nationalbewusstsein.

1798 besetzten französische Truppen die Schweiz und errichteten die zentralistische Helvetische Republik. Die bisherigen Kantone wurden zu Verwaltungseinheiten. Staatsstreiche, Krieg und der Konflikt zwischen Unitariern und Föderalisten destabilisierten den Staat. Napoleon vermittelte 1803 die Mediationsakte: Die kantonale Selbstständigkeit wurde gestärkt, und ein Staatenbund aus 19 Kantonen entstand. Nach Napoleons Niederlage schlossen sich am 7. August 1815 insgesamt 22 Kantone durch den Bundesvertrag zusammen.

Der Wiener Kongress von 1814/15 anerkannte Grenzen und territoriale Integrität. Im Zweiten Pariser Frieden vom 20. November 1815 verordneten die Grossmächte der Schweiz die immerwährende bewaffnete Neutralität. Der Bundesvertrag liess den Kantonen grosse Selbstständigkeit; Tagsatzung und Kanzlei blieben schwache Zentralorgane. Seit 1830/31 beseitigte die liberale Regeneration in vielen Kantonen aristokratische Herrschaften und führte liberal-demokratische Verfassungen ein.

Konfessionelle und politische Spannungen führten 1845 zum Sonderbund der katholischen Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Freiburg und Wallis. Die Tagsatzung liess ihn unter General Henri Dufour militärisch auflösen. Der Sonderbundskrieg dauerte vom 3. bis 28. November 1847, forderte offiziell 130 Tote und rund 450 Verwundete und war der letzte bewaffnete Konflikt auf Schweizer Gebiet.

Am 12. September 1848 trat die Bundesverfassung in Kraft. Sie wurde von den männlichen Stimmberechtigten mit 145'584 Ja- gegen 54'320 Neinstimmen angenommen und verwandelte den Staatenbund in einen föderalen Bundesstaat mit Bern als Bundesstadt. Sie vereinheitlichte unter anderem Münzen, Masse und den Wirtschaftsraum. 1850 wurde der Schweizer Franken eingeführt. Totalrevisionen erfolgten 1874 und 1999.

Konsolidierung, Industrialisierung und Weltkriege

Nach 1848 dominierte zunächst der Freisinn. Die direkte Demokratie wurde ausgebaut: 1874 kam das fakultative Referendum hinzu, 1891 die Volksinitiative zur Änderung der Bundesverfassung. 1891 zog mit Joseph Zemp erstmals ein katholisch-konservativer Vertreter in den Bundesrat ein. Die Verfassung von 1874 stärkte den Bund, garantierte Glaubensfreiheit und schrieb einen obligatorischen, unentgeltlichen und konfessionsunabhängigen Primarschulunterricht vor.

Industrialisierung und Eisenbahnbau verwandelten die Schweiz vom Agrar- zum Industriestaat. Die Bevölkerung wuchs zwischen 1850 und 1900 von 2,4 auf 3,3 Millionen. Textil-, Maschinen-, Chemie- und später Elektroindustrie wurden wichtig. Die Gotthardbahn wurde 1882 eröffnet; private Bahnen gingen ab 1898 schrittweise an die Schweizerischen Bundesbahnen über. Henry Dunant gab den Anstoss zur Gründung des späteren Internationalen Komitees vom Roten Kreuz 1863; die Genfer Konvention von 1864 stärkte den Schutz des Sanitätsdienstes.

Im Ersten Weltkrieg wahrte die Schweiz unter General Ulrich Wille die bewaffnete Neutralität. Das Land blieb militärisch verschont, war aber zwischen deutsch- und französischsprachigen sowie bürgerlichen und sozialistischen Lagern gespalten. Mangel, Inflation, Arbeitslosigkeit und fehlender Lohnersatz verschärften soziale Spannungen. Der Landesstreik vom November 1918 mit Forderungen wie 48-Stunden-Woche, Altersvorsorge und Frauenstimmrecht dauerte drei Tage; in Grenchen starben drei Menschen. Die Spanische Grippe forderte 1918/19 offiziell 24'449 Todesopfer.

In der Zwischenkriegszeit beendete das Proporzwahlrecht 1919 die freisinnige Dominanz. Die Schweiz trat 1920 dem Völkerbund bei und verfolgte eine differenzierte Neutralität: wirtschaftliche, aber keine militärischen Sanktionen. Weltwirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit radikalisierten Teile der Gesellschaft; 1932 wurden bei Genfer Unruhen 13 Arbeiter getötet. Faschistische Bewegungen blieben politisch erfolglos. Ab 1935 näherten sich Sozialdemokraten und bürgerliche Parteien an; 1937 begann mit dem Friedensabkommen der Metall- und Uhrenindustrie die Sozialpartnerschaft.

Im Zweiten Weltkrieg mobilisierte die Schweiz unter General Henri Guisan. Der Réduitplan sah bei einem deutschen Angriff den Rückzug der Armee in den Alpenraum vor. Die Schweiz wurde 77-mal bombardiert; dabei starben 84 Menschen. Sie beherbergte zeitweise knapp 300'000 Schutzsuchende, wies jedoch etwa 24'398 Flüchtlinge ab. Jüdische Verfolgte wurden erst im Juli 1944 als politische Flüchtlinge anerkannt. Wirtschaftlich handelte die Schweiz mit beiden Seiten, gewährte Deutschland hohe Kredite und nahm Raubgold entgegen; 1946 beendete eine Zahlung von 250 Millionen Franken den Streit darüber. Die Rolle der Schweiz wurde in den 1990er Jahren durch den Bergier-Bericht erneut untersucht.

Nachkriegszeit bis Ende des 20. Jahrhunderts

Im Kalten Krieg blieb die Schweiz militärisch neutral, gehörte ideologisch aber zum liberalen Westen. Sie trat weder der NATO noch zunächst der UNO bei, beteiligte sich jedoch an OEEC beziehungsweise OECD, Europarat, OSZE und EFTA. Die Neutralität begünstigte ihre Guten Dienste und internationale Treffen in Genf. 1969 unterzeichnete sie den Atomsperrvertrag und verzichtete damit auf eine eigene atomare Bewaffnung.

Die Hochkonjunktur nach 1945 dauerte bis in die 1970er Jahre. Nationalstrassen, Wasserkraft und fünf Atomkraftwerke wurden gebaut; Wohlstand und Dienstleistungssektor wuchsen. Der Sozialstaat wurde mit AHV 1947, IV 1959 und später weiteren Versicherungen ausgebaut. Für Bau und Tourismus kamen viele ausländische Arbeitskräfte: Ihr Bevölkerungsanteil stieg von 10 Prozent 1960 auf 17,5 Prozent 1970. Initiativen zur Begrenzung der ausländischen Bevölkerung scheiterten.

1971 wurde das Frauenstimm- und Wahlrecht auf Bundesebene angenommen; Appenzell Innerrhoden musste es 1991 als letzter Kanton auf Druck des Bundesgerichts einführen. 1981 wurde die Gleichberechtigung in der Verfassung verankert, 1988 trat das neue Eherecht in Kraft. Die Ölkrise beendete 1973 die Hochkonjunktur; 1975 sank das reale Bruttoinlandprodukt um fast 7 Prozent. Zugleich wuchs das Umweltbewusstsein. 1971 nahm das Volk den Umweltartikel mit 92,7 Prozent Ja an, und ab den 1980er Jahren erstarkten grüne Parteien.

Die Konkordanz der grossen Parteien wurde seit 1959 durch die Zauberformel im Bundesrat verkörpert. Affären wie Mirage, Fichen und P-26 erschütterten das Vertrauen. 1979 entstand durch Abspaltung von Bern der Kanton Jura. Die Armeeabschaffungsinitiative erreichte 1989 trotz Ablehnung 35,6 Prozent Zustimmung.

In den 1990er Jahren lehnte das Volk den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum ab. Die Schweiz setzte danach auf bilaterale Verträge mit der EU. Sie trat 1992 Weltbank und Internationalem Währungsfonds bei und kooperierte ab 1994 mit der NATO-Partnerschaft für den Frieden. Eine lange Wirtschaftskrise, Deindustrialisierung und Arbeitslosigkeit über vier Prozent prägten das Jahrzehnt. Gleichzeitig nahm die Schweiz zahlreiche Flüchtlinge auf, darunter fast 30'000 Menschen aus Bosnien und rund 53'000 während des Kosovo-Konflikts.

Schweiz im 21. Jahrhundert

Die 1999 angenommene totalrevidierte Bundesverfassung trat zu Beginn des neuen Jahrtausends in Kraft. Sie schrieb bisher ungeschriebene Grundrechte fest und stärkte die Bundesversammlung. Nach der Justizreform entstanden Bundesstrafgericht, Bundesverwaltungsgericht und Bundespatentgericht. 2002 trat die Schweiz nach einer Volksabstimmung der UNO bei; seit Oktober 2002 gilt für Schwangerschaftsabbrüche eine Fristenregelung von 12 Wochen. 2005 folgte der Beitritt zu Schengen und Dublin.

Der Aufstieg der SVP veränderte das Parteiensystem und beendete zeitweise die traditionelle Zauberformel. 2003 ersetzte Christoph Blocher Ruth Metzler im Bundesrat, wurde aber 2007 nicht wiedergewählt. Nach Abspaltung der BDP erhielt die SVP 2015 mit Guy Parmelin wieder einen zweiten Bundesratssitz.

Während der Finanzkrise retteten Bund und Nationalbank 2008 die UBS: Der Bund zeichnete eine Pflichtwandelanleihe von 6 Milliarden Franken, während eine Zweckgesellschaft Wertpapiere von bis zu 60 Milliarden US-Dollar übernahm. 2014 stimmte die Schweiz unter internationalem Druck dem automatischen Informationsaustausch in Steuerfragen zu; das strikte Bankgeheimnis gegenüber ausländischen Steuerbehörden wurde damit weitgehend aufgehoben.

Das Verhältnis zur EU blieb zentral. Nach Annahme der Masseneinwanderungsinitiative 2014 setzte das Parlament eine EU-kompatible Stellenmeldepflicht um. Die Begrenzungsinitiative wurde 2020 mit 61,7 Prozent Nein abgelehnt. Die Verhandlungen über ein institutionelles Rahmenabkommen brach der Bundesrat 2021 ab. Das neue Paket Schweiz–EU wurde 2025 paraphiert und am 2. März 2026 von Bundespräsident Guy Parmelin und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unterzeichnet; eine Volksabstimmung wird voraussichtlich 2027 oder 2028 stattfinden, ein Inkrafttreten ist frühestens 2029 realistisch.

2017 nahm das Volk die Energiestrategie 2050 mit 58,2 Prozent an; neue Atomkraftwerke sind damit verboten. 2021 wurde die Ehe für alle mit 61,1 Prozent angenommen. Die Schweiz gehörte vom 1. Januar 2023 bis 31. Dezember 2024 erstmals als nichtständiges Mitglied dem UNO-Sicherheitsrat an.

Bevölkerungswachstum und Zuwanderung prägten die Gesellschaft: Die ständige Wohnbevölkerung stieg von rund 6,3 Millionen 1980 auf 9 Millionen 2023; Ende 2022 waren über 25 Prozent ausländische Staatsangehörige. Zwischen 2007 und 2020 wurden die NEAT-Basistunnel am Lötschberg, Gotthard und Ceneri eröffnet. Während der COVID-19-Pandemie erklärte der Bundesrat am 16. März 2020 die ausserordentliche Lage, schloss zahlreiche Einrichtungen und bot bis zu 8000 Armeeangehörige auf. Am 15. und 16. Juni 2024 fand auf dem Bürgenstock eine Konferenz zum Frieden in der Ukraine statt. Bei der Brandkatastrophe von Crans-Montana am 1. Januar 2026 starben nach dem angegebenen Stand 41 Menschen; 115 wurden meist schwer verletzt.

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