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18. Jahrhundert
Der südamerikanische Handel, der der ertragreichste Sektor der südamerikanischen Wirtschaft war, war mit Schmuggel eng verknüpft und konnte kaum von der …
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Zeitraum und globale Entwicklung
Das 18. Jahrhundert dauerte vom 1. Januar 1701 bis zum 31. Dezember 1800. Die Weltbevölkerung stieg schätzungsweise von 600 Millionen auf 970 Millionen Menschen; dieses Wachstum übertraf das kumulierte Wachstum der vorherigen fünf Jahrhunderte. Die Verbindungen zwischen den Kontinenten nahmen zu, doch Europa gewann weltweit an Dominanz. Großbritannien wurde durch Welthandel, Seemacht und die beginnende Industrialisierung zum mächtigsten europäischen Akteur.
Europäische Handelsgesellschaften errichteten und verteidigten teilweise mit Waffengewalt Handelsmonopole. Europäische Kriege wirkten sich oft auch außerhalb Europas aus. Zugleich erreichte die Verschleppung afrikanischer Sklaven nach Amerika ihren Höhepunkt. In Ost- und Südostasien blieben europäische Händler dagegen in vielen Bereichen weniger wichtig.
Die Aufklärung verlangte, Welt und Gesellschaft rational zu beurteilen und zu gestalten. Sie prägte Politik, Bildung, Kunst und Literatur; deshalb wird das Jahrhundert auch „Jahrhundert der Aufklärung“ genannt. Die amerikanische und die französische Revolution leiteten den bürgerlichen modernen Verfassungsstaat ein. Nach vielen Kriegen bildete sich ein Gleichgewicht von fünf europäischen Großmächten heraus, das Europas Politik bis zum Ersten Weltkrieg prägte.
Machtverschiebungen und Revolutionen in Europa
Europa bestand überwiegend aus christlich geprägten Territorialreichen. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation waren viele mittlere und kleine Territorien vereint; Preußen und Österreich stiegen zu Großmächten auf. Preußen eroberte 1740 unter Friedrich dem Großen im Österreichischen Erbfolgekrieg Schlesien und behauptete es im Siebenjährigen Krieg. Österreich verlor damit seine ertragreichste Provinz, reformierte anschließend Armee, Verwaltung und Steuern, konnte aber unter Maria Theresia und Joseph II. nur begrenzt eine absolutistische Zentralherrschaft durchsetzen. Der österreichisch-preußische Gegensatz lähmte zunehmend die Reichsinstitutionen. Die Friedensschlüsse von Basel 1795 und Österreichs von 1797 erkannten den Verlust der linksrheinischen Gebiete an Frankreich an.
Großbritannien entstand durch den Act of Union von 1707 aus England und Schottland. Die Monarchen waren auf das Parlament angewiesen, doch wählen durften nur Männer bestimmter Stände mit Mindestvermögen; das Parlament bestand daher fast nur aus Adeligen. Whigs und Tories waren die maßgeblichen Parteien. In europäischen und außereuropäischen Kriegen wurde Großbritannien zur führenden See- und Großmacht und bewahrte trotz der Aufrüstung anderer Staaten seine Vormachtstellung auf See.
In Frankreich standen der absolutistische Anspruch der Monarchie und die Privilegien von Adel, Kirche und Parlement de Paris im Konflikt. Kriege, Hofhaltung, Reformunfähigkeit, Missernten und Inflation verschärften die Staatskrise. 1789 gründete der Dritte Stand die Nationalversammlung. Sie beseitigte Privilegien, führte Gewaltenteilung ein und verabschiedete die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. Adel und Kirche verloren Macht; Kirchengüter wurden säkularisiert. Der Krieg gegen Österreich und eine europäische Koalition radikalisierte die Revolution bis zum Terrorregime des „Wohlfahrtsausschusses“, in dem König und Königin geköpft wurden. Das Direktorium setzte Napoleon Bonaparte an die Spitze; Revolutionsheere eroberten bis 1800 angrenzende Gebiete.
Spanien orientierte sich nach dem Spanischen Erbfolgekrieg unter den Bourbonen stärker an Frankreich. Zentralisierung, der Abbau von Binnenzöllen und Wirtschaftsreformen führten zunächst zum Aufschwung, doch in den 1780er Jahren folgten Reformende, Abschwung und Kriege. Polen blieb wegen der Macht seines Adels und fehlender Reformen militärisch schwach und wurde 1772, 1793 und 1795 von Preußen, Österreich und Russland geteilt. Russland stieg nach dem Großen Nordischen Krieg durch Armee- und Marineaufbau zur Großmacht auf, expandierte bis zur Krim und verankerte unter Katharina der Großen die Leibeigenschaft rechtlich.
Gesellschaft, Wirtschaft, Wissen und Kultur
Die meisten europäischen Gesellschaften waren Ständegesellschaften: Adel, Bürger und Bauern, in katholischen Ländern zusätzlich der Klerus. Stand und Rechte wurden meist durch Geburt bestimmt. Monarchen konnten trotz absolutistischem Anspruch selten ohne Adel und Stände regieren. Beim Aufgeklärten Absolutismus verbanden Friedrich der Große, Joseph II. und Katharina die Große zentrale Staatsreformen mit Ideen der Aufklärung. Preußen und Österreich schafften die Folter ab; Österreich beseitigte die Leibeigenschaft in der zweiten Jahrhunderthälfte mit zwei Erlassen, Russland weitete sie aus. Montesquieu unterschied Exekutive, Legislative und Judikative als drei unabhängige Gewalten.
Agrarrevolution und beginnende Industrielle Revolution erhöhten die Produktivität. Neue Feldfrüchte wie Rüben, Raps, Klee und Kartoffeln, Fruchtwechsel, Viehzucht sowie Saat- und Dreschmaschinen steigerten Erträge. Kollektive Nutzungsrechte wichen in Westeuropa häufiger dem Privateigentum; Landbesitz konzentrierte sich. Viele Landarme wanderten in Städte oder arbeiteten im Handwerk. In England stieg der Anteil der Stadtbevölkerung von 7 auf 29 Prozent. Weniger Hungersnöte, sinkende Kindersterblichkeit und das Abklingen der Pest förderten das Bevölkerungswachstum.
Merkantilismus bedeutete staatliche Förderung von Infrastruktur, Gewerbe und Industrie sowie Schutz durch Zölle. Textilien, Zucker, Tee und Kaffee wurden wichtige Überseeimporte. 32 Prozent der Importe aus Übersee entfielen auf den Atlantikhandel, 12 Prozent auf Asien und 1 bis 5 Prozent auf den Vorderen Orient. Die Industrielle Revolution begann in Großbritannien: Kohle, Dampfmaschine, Koks für Eisen und Textilmaschinen wie die Spinning Jenny waren zentrale Voraussetzungen. Kapital kamen aus Handel und dem Londoner Bankenwesen; gegen Jahrhundertende gab es erste Industrialisierungsansätze in Nordfrankreich, Flandern und einzelnen deutschen Regionen.
Die Aufklärung verbreitete Wissen durch Druckwerke, Salons, Freimaurerlogen und Enzyklopädien wie die Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers. Naturwissenschaftliche Forschung legte Grundlagen von Biologie, Chemie und Wärmelehre. John Harrisons Schiffsuhr erleichterte die Längengradbestimmung; James Watt entwickelte die Dampfmaschine weiter. Um 1750 konnten in Großbritannien 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen lesen und schreiben. Bildungs- und Gesundheitsreformen stärkten staatliche Verantwortung; ein wirksamer Pockenimpfstoff entstand erst in den letzten Jahren des Jahrhunderts.
In Kunst und Kultur folgten auf Barock und Rokoko der an Antike und Aufklärung orientierte Klassizismus. Literatur und Theater wurden bürgerlicher, verwendeten schlichtere Sprache und behandelten gesellschaftliche Fragen; später betonten Sturm und Drang sowie Frühromantik das Gefühl. Die Musik entwickelte sich vom Spätbarock zur Wiener Klassik: Bach und Händel stehen für Polyphonie und Generalbass, Haydn für Streichquartett und Sinfonie, Mozart unter anderem für Klavierkonzerte und das Singspiel Die Zauberflöte.
Afrika, Osmanisches Reich und West- und Zentralasien
Nordafrika stand außer Marokko formell unter osmanischer Oberherrschaft, war innenpolitisch aber oft autonom. In Ägypten rangen Janitscharen und Mamlukenfamilien um Macht; Ali Bey Bulut Kapan setzte sich Ende der 1760er Jahre zeitweise durch. Die Pest von 1783 verstärkte den wirtschaftlichen Niedergang in Ägypten, Nordafrika und Syrien. Frankreich eroberte Ägypten 1798 unter Napoleon und blieb bis 1801.
Südlich der Sahara bestanden größere Reiche neben vielen Kleinherrschaften. Europäer besaßen meist nur Küstenforts. Westafrikanische Reiche wie Aschanti und Oyo profitierten vom Sklavenhandel; die hohe europäische Nachfrage förderte Kriege zur Gewinnung von Gefangenen. Luanda und Ouidah waren wichtige Häfen des transatlantischen Sklavenhandels. Auch an Ostafrikas Küste und im südlichen Afrika waren Versklavung, Landnahme und europäischer Einfluss bedeutend. 1795 eroberten die Briten die Kapkolonie von der VOC.
Das Osmanische Reich gewann bis in die 1730er Jahre viele verlorene Balkanregionen zurück, verlor später aber Gebiete nördlich des Schwarzen Meeres und die Krim an Russland. Sultan Selim III. reformierte Staat und Armee, verringerte die Janitscharen und schuf die europäisch ausgebildete Einheit Nizâm-ı Cedîd. Lokale Eliten herrschten in vielen Provinzen weitgehend selbstständig.
Auf der Arabischen Halbinsel errichtete die Familie Saud mit Muhammad ibn ʿAbd al-Wahhāb ein territorial organisiertes Emirat; dessen religiöse Grundlage war ein puritanischer Islam. In Persien eroberte Nader Schah große Gebiete und plünderte 1739 Delhi, wurde aber 1747 ermordet. Die Zand-Dynastie brachte danach weiten Teilen Persiens wirtschaftlichen Aufschwung, bevor die Kadscharen die Herrschaft übernahmen. Ahmad Schah Durrani gründete das Durrani-Reich; gegen Jahrhundertende zerfiel es. Russland begann, kasachische Khanate und Sultanate zunehmend zu kontrollieren und seine Expansion nach Zentralasien mit Festungen und Handelsposten abzusichern.
Süd-, Ost- und Südostasien
Das Mogulreich verlor nach Aurangzebs Tod 1707 an Macht. Provinzherrscher wurden in Avadh, Bengalen und Hyderabad semi-autonom; auch das Reich der Marathen wurde wichtig. Die Marathen expandierten unter Baji Rao I. zur größten Territorialmacht Südasiens, erlitten aber 1761 in der Dritten Schlacht von Panipat gegen das Durrani-Reich eine vernichtende Niederlage. Mysore eroberte später Teile Südindiens, wurde in den 1790er Jahren jedoch von der Britischen Ostindien-Kompanie auf einen kleinen Vasallenstaat zurückgedrängt.
Nach den Karnatischen Kriegen verlor Frankreich 1763 seine wichtigsten südasiatischen Positionen. Die Britische Ostindien-Kompanie gewann durch Plassey und die Diwani die zivile Verwaltung und Steuerhoheit in Bengalen. Nach Baksar 1764 kontrollierte sie Bengalen vollständig, erhöhte die Steuern und führte mit dem Cornwallis Code europäische Rechtsvorstellungen ein. Ihre Maßnahmen verschärften die Folgen der großen Hungersnot der 1770er. Kriege, Flucht, Vertreibung und Verarmung belasteten die Wirtschaft weiter.
China unter der Qing-Dynastie eroberte Tibet und zerschlug unter Kaiser Qianlong in den 1750er Jahren das Dsungarenreich. 1759 erreichte das Reich seine größte Ausdehnung. Steuererleichterungen, Infrastruktur, Agrartechnik und Pflanzen aus Amerika ließen Bevölkerung und Wirtschaft stark wachsen. Später führten Landmangel, Korruption und hohe Abgaben zu Aufständen, besonders zum Aufstand des „Weißen Lotus“. Europäer durften ab 1759 nur über Kanton und lizenzierte Handelsgesellschaften handeln; die Macartney-Mission scheiterte mit ihrer Forderung nach Handelsliberalisierung.
Korea steigerte durch neue Anbaumethoden Erträge und Bevölkerung, erlebte aber auch Hungersnöte und Bauernaufstände. In Japan regierten Tokugawa-Shōgune in der Edo-Zeit. Sie hielten die Außenkontakte mit Holländern, Chinesen und Koreanern streng begrenzt, während „Holländische Studien“ westliches Wissen vermittelten. Wirtschaft, Marktproduktion und Urbanisierung in Edo, Osaka und Kyoto nahmen zu. Ab den 1770er Jahren wuchsen Spannungen mit Russland um die Kurilen-Inseln.
In Südostasien konsolidierten und erweiterten Birma, Thailand und Vietnam ihre Reiche. Rama I. gründete die Chakri-Dynastie und machte Bangkok zur Hauptstadt. Die VOC dehnte ihre Herrschaft besonders auf Java aus, wurde 1795 insolvent und ihre Kolonien gingen an die Batavische Republik. Auslandschinesen wurden zu führenden Händlern, Unternehmern und teils politischen Akteuren der Region.
Amerika und Ozeanien
In Nordamerika besaßen Großbritannien, Frankreich und Spanien Kolonien; indigene Gruppen lebten vor allem westlich der Appalachen. Der Französisch-Indianische Krieg begann 1754 und wurde Teil des Siebenjährigen Kriegs. Nach dem britischen Sieg verlor Frankreich seine Gebiete von der Ostküste bis zu den Großen Seen. Streit über Steuern, Zölle, Siedlungsgrenzen und fehlende Vertretung im Londoner Parlament führte zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Die 1776 erklärte Unabhängigkeit wurde 1783 anerkannt. Die Vereinigten Staaten erhielten einen demokratischen Bundesstaat mit Verfassung und Gewaltenteilung, doch Frauen, Indigene und Sklaven waren vom Wahlrecht ausgeschlossen.
Plantagen im Süden Nordamerikas und in der Karibik produzierten vor allem Zuckerrohr mit afrikanischen Sklaven. Harte Arbeitsbedingungen führten zu hoher Sterblichkeit. In den 1790er Jahren eroberten ehemalige Sklaven Teile Hispaniolas; die Haitianische Revolution legte die Grundlage für Haiti, den 1804 gegründeten ersten unabhängigen karibischen Staat. Russland expandierte über Alaska bis Nordkalifornien, während Spanien San Francisco gründete.
Spanien beherrschte Mittelamerika und das westliche Südamerika, Portugal den Osten Südamerikas und das Amazonasgebiet. Der Vertrag von Madrid von 1750 und der Vertrag von San Ildefonso von 1777 beeinflussten die späteren südamerikanischen Grenzen. Verwaltungs- und Steuerreformen stärkten die koloniale Kontrolle, drängten aber Kreolen aus Schlüsselämtern. Silber, besonders aus Mexiko, sowie Tabak und Plantagenwirtschaft brachten Einnahmen. Mehr als 6 Millionen Afrikaner wurden in diesem Jahrhundert nach Amerika verschleppt. Soziale Ungleichheit und Steuerlasten führten zu Revolten, darunter der Aufstand Tupaq Amaru II. 1780/81.
Im Pazifik erkundeten Engländer und Franzosen die Region systematisch; James Cook war der bekannteste Entdecker. Die Suche nach Terra Australis erwies sich als Irrtum. Großbritannien begann Australien und Neuseeland zu kartografieren und Australien als Siedlungskolonie zu besiedeln. Dafür wurden Insassen überfüllter britischer Gefängnisse nach Australien gebracht.
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