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7. Jahrhundert – Mohammed, der Islam und die Seife #jahr100 #7 | MrWissen2go | Terra X
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 51 Zeilen
- Herzlich Willkommen zu einer Reise durch die Jahrhunderte. Das 7. Jahrhundert ist eins, das heute noch sehr viel Einfluss auf Menschen auf der ganzen Welt hat.
- Wir werfen einen Blick zurück auf Ereignisse, Menschen, Geschichten, die uns und unser Denken noch heute prägen. In diesem Video erfahrt Ihr nicht nur, wie eine neue Religion entsteht, die heute noch großen Einfluss hat,
- sondern auch etwas über einen geschorenen König – und darüber, wie die Seife zu uns kam. Die neue Religion, die im 7. Jahrhundert entsteht, ist der Islam.
- Und der wird das Gefüge Europas und der ganzen Welt nachhaltig verändern. Die Geschichte des Islam beginnt mit Mohammed.
- Weil ein Teil der Muslime der Ansicht ist, man solle sein Gesicht nicht zeigen, ist sein Gesicht auf vielen historischen Bildern von einer Flamme verdeckt. Geboren wird Mohammed wohl irgendwann im Jahr 570 in der Stadt Mekka.
- Er gehört zu einer angesehenen Kaufmannsfamilie. Weil seine Eltern früh sterben, wächst er bei seinem Onkel auf. Mekka ist mehr als nur eine Handelsstadt:
- Hierher pilgern zu Mohammeds Zeit Menschen von überall her, um an einem Schrein vor der Stadt unterschiedlichste Götter anzubeten. Auch an diesem riesigen, uralten Quader huldigen sie ihren Göttern, etwa dem Mondgott Hubal und den Göttinnen al-Lat, Manat und Uzza. Es ist die „Kaaba“.
- Wenn ihr euch jetzt fragt: Hä, hat die Kaaba nicht was mit dem Islam zu tun? Dann liegt ihr ganz richtig, aber dazu kommen wir später.
- Mohammed selbst ist zu der Zeit vermutlich ebenfalls noch den Göttern seiner Familie verbunden, sicher ist das aber nicht. Mohammed wächst auf und wird zum Kaufmann. Zu seinem Job gehört es zu reisen.
- . Dort lernt er viel Neues kennen, wahrscheinlich kommt er so auch mit monotheistischen Religionen in Berührung, den Religionen die nur einem Gott huldigen - dem Christen- und dem Judentum.
- Mohammeds Lieblingsplatz ist in einer Höhle auf dem Berg Hira im Nordosten von Mekka. Er geht regelmäßig dorthin, um ganz allein nachzudenken. Der Legende nach, ist ihm dort eine Gestalt erschienen, womöglich der Erzengel Gabriel.
- Er befiehlt Mohammed, eine Botschaft von Gott entgegenzunehmen. Mohammed verlässt den Berg als veränderter Mensch: Er verbreitet ab jetzt die Botschaft des Erzengels und predigt den Glauben an nur einen Gott, an Allah.
- Er unterwirft sich ihm. Und genau das bedeutet das Wort „Islam“: Unterwerfung. Übrigens, nur am Rande: Mohammed verkündet als Prophet im Prinzip dasselbe, was auch die jüdische und christliche Offenbarung verkündet.
- Judentum, Islam und Christentum beziehen sich nämlich im Grundgedanken alle drei auf denselben Gott. Mohammed jedenfalls, so sagt man, trifft Gabriel noch viele weitere Male. Dabei soll der Erzengel ihm nach und nach die Heilige Schrift des Islam diktiert haben: Den Koran
- 20 Jahre wird es dauern, bis die 114 Suren fertig sind: 114 Kapitel, die die Grundregeln für ein gottgefälliges Leben darstellen. Einige dieser Regeln sind zum Beispiel, dass man regelmäßig beten, armen Menschen helfen und im Ramadan fasten soll.
- Mohammed ist inzwischen Ende 40, und man kann nicht gerade behaupten, dass er schon viele Leute bekehrt hätte – zu der Zeit hat er vielleicht 40 Anhänger. Kein Wunder: Viele Menschen sind in Mekka von Mohammeds Predigten nämlich gar nicht begeistert:
- Er redet ihren Glauben an die anderen Götter schlecht, er schimpft über ihre angeblich verdorbenen Geschäftspraktiken, er stellt ihre Moral in Frage. Und: er vergrault Kaufleute und die Pilger, Mekkas wichtigste Einnahmequellen.
- Aber Mohammed gehört zu einer der mächtigsten Familien der Stadt, sein einflussreicher Onkel Abu Talib unterstützt ihn und seine Frau ist eine wichtige Geschäftsfrau. In dieser Zeit schafft Mohammed es, einige Bürger aus der zentralarabischen Stadt Yathrib von seinem Glauben zu überzeugen.
- Sie tragen seinen Glauben weiter in ihre Stadt. Und dort, im ca. 400 Kilometer entfernten Yathrib, finden seine Ideen Gehör. Etwa in dieser Zeit, im Jahr 619, stirbt Mohammeds Frau, kurz darauf sein Onkel.
- Ein schwerer Schlag für ihn. Und es bedeutet: die Lage in Mekka spitzt sich für ihn immer weiter zu: Er muss fliehen, zusammen mit seinen Anhängern. Doch wohin? Dorthin, wo seine Predigten auf fruchtbaren Boden gefallen waren:
- Nach Yathrib will er. Ca. 400 Kilometer, eine Wahnsinnsstrecke zu Fuß oder mit dem Kamel. Im September 622 erreicht Mohammed Yathrib. Diese Flucht nennen die Muslime „Hidschra“, eigentlich bedeutet das Wort vor allem „Trennung“ - und das passt ja,
- weil er sich zu dem Zeitpunkt von seinem Stamm, seiner Familie, seinem alten Leben trennt. Die Hidschra ist für die Muslime so bedeutungsvoll, dass sie ihre Zeitrechnung damit beginnen lassen: Das Jahr 622 wird für sie zum Jahr null.
- Und Yathrib wird umbenannt, in „Medinat rassul Allah“, „die Stadt des Propheten“ – heute kennt man sie nur noch in ihrer Kurzform „Medina“. Sie liegt in Saudi-Arabien.
- In Medina beginnt Mohammed bald, seine Predigten mit Politik zu vermischen. Er knüpft Kontakte, gewinnt als Schiedsrichter in politischen Streitigkeiten Ansehen,
- entwickelt sich nach und nach selbst zu einem geschickten und einflussreichen Politiker. Er schafft es sogar, verfeindete Beduinenclans als Schlichter miteinander zu versöhnen.
- Doch er weiß: Um den Islam wirklich groß zu machen, muss er die große Handelsstadt Mekka, seine Heimatstadt, unterwerfen. Seine Predigten hatten damals nichts bewirkt. Als schnellster und effektivster Weg die Stadt einzunehmen, scheint ihm jetzt der der Gewalt.
- Mohammed eröffnet mit seinen Anhängern den Krieg gegen Mekka. Und nach mehreren Gefechten ergibt sich die Stadt schließlich seinem inzwischen auf 10.000 Krieger herangewachsenen Heer.
- Jetzt ist für Mohammed der Zeitpunkt gekommen, das die Stadt prägende Heiligtum, die Kaaba, umzuwidmen: Er lässt die Götzenbilder entfernen und weiht die Kaaba seinem Gott, Allah.
- Die Menschen können also weiter wie bisher an der Kaaba beten, nur eben jetzt zu einem neuen Gott. Und auch das Brauchtum der Pilgerfahrten nach Mekka münzt er um zu einem zentralen Bestandteil seiner neuen religiösen Regeln.
- Beides wirklich clevere Schachzüge, denn das macht es den Menschen einfacher, sich dem Glauben an Allah anzunähern. Mohammeds Idee von einer großen religiösen Gemeinde, in der sich alle Gläubigen als Brüder und Schwestern fühlen sollen, geht langsam auf.
- In den kommenden Jahren schließen sich immer mehr Stämme Arabiens, darunter auch christliche und jüdische, Mohammeds Glauben an, treten zum Islam über. Nach Mohammeds Tod im Jahr 632 beginnt die Ausbreitung des Islam erst richtig:
- Die ersten drei Kalifen, also Nachfolger Mohammeds, erobern innerhalb nur zweier Jahrzehnte Syrien, Irak, Palästina, Ägypten und das große Persische Reich.
- Sie zwingen die Bevölkerung nicht zur Übernahme des Islams – viele treten aber freiwillig über, weil sie dadurch unter anderem steuerliche Vorteile haben.
- Diese Toleranz gegenüber Andersgläubigen trägt wahrscheinlich mit dazu bei, dass die besetzten Territorien sich ziemlich stabil halten. Das islamische Reich breitet sich immer weiter aus, im 8. Jahrhundert beherrschen die Nachfolger Mohammeds sogar fast ganz Spanien.
- Wusstet ihr das: Mehr als 700 Jahre lang ist Spanien unter muslimischer Herrschaft! Mit dieser „Islamischen Expansion“ endet die Einheit, die bis dahin die Staaten rund um das Mittelmeer verbunden hatte:
- Bis dahin verband die Menschen in dem gesamten Raum eine gemeinsame griechisch-römische Kultur, jetzt trennt ein islamischer Süden sich vom christlichen Norden.
- Es ist übrigens nicht so, als seien deswegen sofort Mauern zwischen den Religionen entstanden oder als hätte es ganz plötzlich eine strikte Trennung zwischen „Morgenland“ und "Abendland“ gegeben:
- Die Menschen egal welcher Religion trieben selbstverständlich weiterhin wie bisher Handel miteinander, sie reisten zwischen den Ländern, und Christen pilgern weiterhin nach Jerusalem.
- Und: Die arabischen Eroberer bringen Vieles mit, das uns heute selbstverständlich ist: Nicht nur bis dahin fremde Pflanzen wie Reis, Spinat oder Zitrusfrüchte, sondern auch ihre Kenntnisse in Medizin, Astronomie oder Architektur.
- Und: Sie verkochen erstmals Öl und Lauge miteinander und: die Seife, fast wie wir sie heute kennen, ist erfunden. Dieses Seifenwissen wird Frankreich und Spanien später zu den internationalen Zentren der Seifenherstellung machen.
- Da sieht man schon: die arabischen Eroberer ziehen noch weiter, ins heutige Frankreich - bis zur Loire dringen sie vor. Doch dann kommt ihnen ein gewisser Karl Martell in die Quere.
- Zu diesem Mann, der für uns Deutsche eine große Rolle spielt, erzähle ich euch mehr im Video zum 8. Jahrhundert. Und was ist im 7. Jahrhundert noch passiert?
- Es entstehen Unmengen an Klöstern, die nicht nur als geistige Zentren dienen, in denen eifrig missioniert wird. Hier kümmern sich Nonnen und Mönche auch um Arme, Kranke und Reisende. Und der politische Einfluss eines Klosters darf nicht unterschätzt werden!
- Besonders im Gebiet um Maas und Mosel erblüht im 7. Jahrhundert eine richtige Klosterlandschaft. Das Geschlecht der Merowinger, von dem ich euch im Video zum 5. Jahrhundert schon etwas erzählt habe,
- ist nach vielen internen Kämpfen und einigen minderjährigen Königen in diesem Jahrhundert faktisch entmachtet. Der letzte wirklich noch bedeutende Merowingerkönig heißt Dagobert –
- und wenn ihr jetzt an Dagobert Duck denkt, liegt ihr nicht falsch: Disney-Übersetzerin Erika Fuchs hat sich nämlich für den deutschen Namen des superreichen Enterichs bei den Merowingern bedient.
- Der wirklich allerletzte Merowingerkönig Childerich III. wird öffentlich geschoren. Eine unglaubliche Demütigung, denn die langen Haare gelten den Merowingern als Statussymbol.
- In Japan sitzt erstmals eine weibliche Tenno, also eine Kaiserin auf dem Chrysanthementhron: Suiko Tenno. Ihr bürgerlicher Name – Achtung, jetzt wird’s richtig schwierig: Mikekashiya-hime-no-mikoto.
- Nach ihr gab es nur noch sieben weitere Frauen auf dem japanischen Thron. Offiziell festgeschrieben ist eine männliche Erbfolge aber erst seit dem 19. Jahrhundert!
- Mohammed aber war die Hauptfigur dieses Jahrhunderts. Ein Prophet, der Gottes Wort verbreitet hat. Im Islam gilt Jesus übrigens als Gesandter Gottes und als wichtiger weiterer Prophet, wenn auch nicht als Sohn Gottes.
- Viele Menschen heute nehmen ja das Christentum und den Islam als total unterschiedlich wahr. Wie seht ihr das?
Zum Nachlesen
MohammedInhaltsverzeichnis · 1 Herkunft und Familie · 2 Die mekkanische Zeit (bis 622) · 3 Die medinensische Periode der Prophetie (622–630) · 4 Nach der Einnahme Mekkas: …
Mirko DrotschmannMirko Drotschmann (* 30. April 1986 in Malsch) ist ein deutscher Journalist, Moderator, Autor und Webvideoproduzent.
IslamDer Islam ist eine monotheistische Religion, die im frühen 7. Jahrhundert in Arabien durch den Mekkaner Mohammed gestiftet wurde.
KoranNach dem Glauben der sunnitischen Muslime ist der Koran die unerschaffene Rede Gottes oder zumindest ein Ausdruck davon. Eine Minderheit von Muslimen ist …