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Amerikanische Revolution
Der Beginn der Revolutionszeit wird meist mit dem Jahr 1763 angegeben, als Großbritannien begann, nach seinem Sieg im Franzosen- und Indianerkrieg die …
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Überblick und revolutionärer Charakter
Die Amerikanische Revolution bezeichnet die Ereigniskette, durch die sich die Dreizehn Kolonien in Nordamerika vom Britischen Empire lösten und die Vereinigten Staaten von Amerika entstanden. Sie begann meist 1763, nachdem Großbritannien nach dem Franzosen- und Indianerkrieg Verwaltung und Besteuerung der Kolonien reformieren wollte. Der Konflikt führte 1775 zum Unabhängigkeitskrieg, am 4. Juli 1776 zur Unabhängigkeitserklärung und 1783 im Frieden von Paris zur britischen Anerkennung der Unabhängigkeit. Manche Darstellungen rechnen die Zeit bis zur Ratifizierung der Verfassung und zur Vereidigung George Washingtons am 30. April 1789 hinzu.
Als Revolution gilt eine nachhaltige, tiefgreifende Veränderung politischer und sozialer Strukturen; Gewalt ist dabei nicht zwingend ein Kennzeichen. Ob die amerikanischen Ereignisse eine Revolution waren, ist außerhalb des englischsprachigen Raums umstritten, die heutige Forschung bejaht dies mehrheitlich. Sozial veränderte sich die Gesellschaft weniger grundlegend als bei einer marxistischen sozialen Revolution: Es gab keine ausgeprägte Ständegesellschaft und keine allgemeine soziale Krise. Politisch war der Umbruch dagegen weitreichend: Aus Kolonien entstand eine souveräne Republik mit Volkssouveränität, Parlamentarismus, Gewaltenteilung, gegenseitiger Kontrolle und geschriebenen Verfassungen. Der Gleichheitsanspruch stand jedoch im Widerspruch zu Sklaverei, der Diskriminierung amerikanischer Ureinwohner und dem Ausschluss der Frauen vom politischen Leben.
Langfristige Voraussetzungen
Die Revolution hatte langfristige wirtschaftliche, politische, gesellschaftliche, religiöse und geistige Voraussetzungen. Englische Siedlungen entstanden seit dem frühen 17. Jahrhundert. Jamestown wurde 1607 gegründet. Puritaner unterzeichneten am 21. November 1620 bei Cape Cod den Mayflower Compact, dessen demokratische Ansätze später das amerikanische Selbstverständnis prägten. Als Gründe für Einwanderung nennt das Push-Pull-Modell sowohl ausstoßende als auch anziehende Faktoren, etwa religiöse Motive, freien Landkauf und bessere Lebensverhältnisse.
Die dreizehn Kolonien unterschieden sich wirtschaftlich: Im Norden überwog Farmwirtschaft mit Mais und Getreide, im Süden Plantagenwirtschaft mit Baumwolle, Indigo, Reis und Tabak, die auf afroamerikanischen Sklaven beruhte. Hafenstädte wie Boston und der Seehandel waren besonders wichtig. Navigation Acts von 1707 und der Iron Act von 1750 galten vielen Kolonisten als Beschränkung wirtschaftlicher Freiheiten. Zugleich tolerierte Großbritannien lange eine lockere Durchsetzung der Handelsgesetze, die salutary neglect genannt wurde.
Neben königlichen Gouverneuren bestanden gewählte Unterhäuser, die Assemblies. Sie erlangten besonders durch die Kontrolle von Steuern politischen Einfluss und sammelten Erfahrungen in Selbstverwaltung. Freie weiße Männer hatten im Vergleich zu Europa meist gute Lebensverhältnisse und geringere soziale Unterschiede; die Ausnahme waren rechtlose afroamerikanische Sklaven, die besonders im Süden eingesetzt wurden. Die Erste Große Erweckung der 1730er und 1740er Jahre betonte Gewissen, persönliche religiöse Erfahrung und die Gleichheit aller Menschen vor Gott. Die europäische Aufklärung lieferte weitere Grundlagen: Naturrechte in der Unabhängigkeitserklärung beziehen sich auf John Locke; Gewaltenteilung und Checks and Balances auf Montesquieu.
Von der Steuerkrise zur Rebellion
Nach dem Siebenjährigen Krieg hatte Großbritannien zwar große nordamerikanische Gebiete gewonnen, aber 133 Millionen Pfund Sterling Staatsschulden. Allein die Zinsen betrugen jährlich über 5 Millionen Pfund. Die Regierung wollte deshalb stärkere Einnahmen aus den Kolonien erzielen. Die Königliche Proklamation von 1763 verbot außerdem Neuansiedlung und Landerwerb westlich der Appalachen. Sie sollte Konflikte mit indigenen Völkern verhindern, empörte aber besonders Siedler und Landspekulationsgesellschaften.
Der Sugar Act und der Currency Act von 1764, der Stamp Act von 1765 und die Townshend Acts von 1767 verstärkten den Widerstand. Der Stamp Act verlangte Steuerstempel auf offiziellen Dokumenten, Verträgen, Zeitungen, Prospekten und Spielkarten und war die erste direkte Besteuerungsgebühr innerhalb der Kolonien. Daraus entstand der Grundsatz „No taxation without representation“: Nach Auffassung der Kolonisten durften nur ihre Kolonialparlamente, nicht das britische Parlament, Steuern erheben. Korrespondenzkomitees koordinierten Boykotte; die Sons of Liberty organisierten Widerstand.
Der Stamp Act wurde am 18. März 1766 aufgehoben, doch der gleichzeitig beschlossene Declaratory Act beanspruchte britische Autorität über die Kolonien „in allen Belangen“. Die Townshend Acts besteuerten unter anderem Glas, Farbe, Blei, Papier, Leder, Damenhüte, Kaffee und Tee. Nach dem Massaker von Boston am 5. März 1770, bei dem britische Soldaten fünf Menschen töteten, wurden die meisten Townshendgesetze aufgehoben; die Teesteuer blieb bestehen. Der Tea Act von 1773 ermöglichte der Britischen Ostindien-Kompanie günstigere Direkteinfuhren. Am 16. Dezember 1773 warfen Mitglieder der Sons of Liberty in Boston Tee im Wert von 10.000 Pfund ins Hafenbecken. Die Boston Tea Party markiert den Beginn der Revolution.
Krieg, Kongresse und Unabhängigkeit
Als Reaktion auf die Boston Tea Party erließ Großbritannien 1774 die fünf Coercive Acts, die in den Kolonien als Intolerable Acts bezeichnet wurden. Der Boston Port Act schloss den Hafen Bostons, der Massachusetts Government Act beschränkte die Selbstbestimmung der Kolonie. Weitere Gesetze erleichterten die Verlegung von Gerichtsverfahren, verpflichteten Kolonisten zur Unterbringung britischer Soldaten und ordneten Gebiete dem katholischen Québec zu.
Der erste Kontinentalkongress tagte vom 5. September bis 26. Oktober 1774 mit 56 Delegierten aus zwölf Kolonien; Georgia nahm nicht teil. Er erklärte britische Waren zum Boykott, verlangte die Rücknahme oder Einschränkung der Coercive Acts, setzte Inspektionskomitees ein und rief zur Bildung von Milizen auf. Am 19. April 1775 begannen mit den Gefechten von Lexington und Concord der Unabhängigkeitskrieg. Ungeklärt ist, welche Seite zuerst schoss. Amerikanische Milizen belagerten danach Boston mit rund 15.000 Mann. Fort Ticonderoga wurde am 10. Mai 1775 von einer Truppe unter Ethan Allen und Benedict Arnold erobert; die erbeutete Munition wurde bei Boston eingesetzt.
Der Zweite Kontinentalkongress trat am 10. Mai 1775 zusammen, erklärte am 26. Mai den Verteidigungszustand und schuf die Kontinentalarmee unter George Washington. Die Schlacht von Bunker Hill am 17. Juni 1775 war trotz britischen Sieges wegen 1054 britischen gegenüber etwa 450 amerikanischen Verlusten ein Pyrrhussieg. Thomas Paines Pamphlet Common Sense forderte im Januar 1776 Republik und Unabhängigkeit und erreichte eine Auflage von 500.000 Exemplaren.
Am 2. Juli 1776 stimmte der Kongress Richard Henry Lees Antrag auf Unabhängigkeit mit zwölf von dreizehn Stimmen zu. Die von Thomas Jefferson maßgeblich entworfene Erklärung wurde am 4. Juli einstimmig angenommen. Sie erklärt Rechte auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück, die Gleichheit aller Menschen und das Recht des Volkes, ungerechte Regierungen abzusetzen. Sie begründet die Trennung durch Beschwerden gegen den König und erklärt die Vereinigten Kolonien zu einem souveränen Staatenbund, der Bündnisse schließen sowie über Krieg und Frieden entscheiden darf.
Kriegsende und neue Staatsordnung
Der Krieg dauerte bis 1783. Die Schlachten von Saratoga endeten am 17. Oktober 1777 mit der Kapitulation John Burgoynes und gelten als Wendepunkt. Am 6. Februar 1778 wurde ein französisch-amerikanisches Bündnis ausgehandelt. In Yorktown wurden 8.500 Briten unter Lord Cornwallis von französischen Truppen unter Comte de Rochambeau und amerikanischen Kontingenten unter Washington eingeschlossen. Nach dem französischen Sieg in der Seeschlacht von Chesapeake Bay am 5. September 1781 kapitulierten die Briten am 19. Oktober 1781. Der Frieden von Paris vom 3. September 1783 beendete den Krieg offiziell.
Die Konföderationsartikel wurden am 15. November 1777 als Übergangsverfassung verabschiedet und traten nach der Ratifikation am 1. März 1781 in Kraft. Die Einzelstaaten behielten viele Rechte; die Zentralgewalt erhielt unter anderem Befugnisse über Krieg und Frieden sowie bestimmte Verhandlungen. Die Artikel erwiesen sich jedoch bald als unzureichend. Kriegsschulden, fehlende wirtschaftliche Sicherungsmaßnahmen und Papiergelddruck förderten eine schwere Krise und Inflation. Die Shays’ Rebellion im Winter 1786/87 umfasste über 800 Kleinbauern in Massachusetts.
Der Verfassungskonvent trat am 25. Mai 1787 in Philadelphia zusammen; die Verfassung wurde am 17. September 1787 verabschiedet. Die Bill of Rights folgte im September 1789. Mit der Zustimmung Rhode Islands am 29. Mai 1789 war der Ratifikationsprozess beendet. Die Revolution festigte unter anderem die Trennung von Kirche und Staat, die Zustimmung der Regierten als Grundlage der Regierung, das Widerstandsrecht gegen Tyrannei und die Herrschaft durch eine niedergeschriebene Verfassung.
Beteiligte Gruppen und Folgen
Die Unabhängigkeitskämpfer hießen Patrioten, Whigs oder Rebellen; ihre Ziele unterschieden sich nach sozialer Lage. Wohlhabende Patrioten wollten vor allem britische Steuern und Beschränkungen der Westexpansion überwinden, während Handwerker, kleine Händler und kleine Farmer häufig eine Verringerung von Elitenmacht und -privilegien erwarteten. Loyalisten, auch Royalisten, Tories oder King’s Men, blieben der Krone treu. Benjamin Franklin schätzte ihren Anteil auf ein Drittel der Kolonisten; die heutige Forschung vermutet etwa ein Fünftel. Ungefähr 50.000 United Empire Loyalists flohen nach dem Krieg in verbliebene britische Kolonien Nordamerikas, etwa nach Québec, Oberkanada, Prince Edward Island, Nova Scotia und New Brunswick.
Frauen waren für Boykotte entscheidend, weil sie viele Haushaltseinkäufe tätigten und Tee sowie Kleidung betroffen waren. Sie stellten als „Homespun“-Ware selbst gesponnene und gewebte Stoffe her: 1769 produzierten Bostoner Frauen 40.000 Spindeln Garn, und 180 Frauen in Middletown webten 20.522 Yards (18.765,317 Meter) Stoff. Frauen beteiligten sich auch an Protesten. Im Krieg führten sie oft Haushalt, Familie und Grundbesitz; ärmere Frauen folgten Armeen als Köchinnen oder Wäscherinnen, sogenannte Campfollowers. Politische Gleichberechtigung entstand nicht. Das neue Leitbild der Republican Motherhood verlangte aber Bildung für Frauen, damit sie Kinder sittlich erziehen könnten; allgemeines Frauenwahlrecht erhielten US-amerikanische Frauen erst 1919.
Die Bewegung wirkte über Amerika hinaus. Sie war die erste Welle der Atlantischen Revolutionen und beeinflusste unter anderem die Französische und die Haitianische Revolution sowie Unabhängigkeitsbewegungen in Südamerika. Sie zeigte erstmals praktisch, dass ein Volk in der westlichen Welt die Herrschaft einer Großmacht abschütteln und eine als ungerecht verstandene Regierung stürzen konnte.
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