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Hohenzollern
Das Haus Hohenzollern war eine der bedeutendsten Dynastien der deutschen Geschichte. Das nach seinem Stammsitz, der Burg Hohenzollern in Schwaben, …
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Bedeutung und Entstehung des Hauses
Das Haus Hohenzollern ist eine bedeutende deutsche Dynastie. Es stellte seit 1192 die Burggrafen von Nürnberg, seit 1415 die Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg, seit 1525 die Herzöge in Preußen, seit 1701 die preußischen Könige und von 1871 bis 1918 die Deutschen Kaiser.
Die Familie wurde erstmals 1061 mit „Burchardus“ und „Wezil“ in der Chronik Bertholds von Reichenau erwähnt. Die genaue Bedeutung dieser Nennung ist allerdings umstritten, weil die Quelle weder die Umstände des Todes erklärt noch die beiden Männer als Grafen bezeichnet. Gesicherte Urkunden über Familienangehörige gibt es erst seit dem Ende des 11. Jahrhunderts. Eine Abstammung von den rätischen Burchardingern, vom angeblichen Grafen Tassilo von Zollern oder vom römischen Geschlecht der Colonna gilt als nicht belegbar.
Friedrich I. von Zollern, genannt „Maute“ († vor 1125), wurde 1111 als Graf bezeichnet. Er stand im Dienst Kaiser Heinrichs V. und war bei dessen Kaiserkrönung durch Papst Paschalis II. anwesend. Sein Sohn Friedrich II. übernahm den Kernbesitz. Dessen Sohn Friedrich III. heiratete um 1185 Sophia von Raabs. Nach dem Tod ihres Vaters wurde Friedrich III. 1192 von Kaiser Heinrich VI. mit der Burggrafschaft Nürnberg belehnt. Damit entstand die Verbindung zwischen den schwäbischen Stammlanden und der späteren fränkischen Machtbasis.
Um 1218 teilten Friedrichs Söhne die Besitzungen: Konrad I. erhielt die Burggrafschaft Nürnberg und begründete die fränkische Linie; Friedrich IV. führte die schwäbische Linie fort und erbte die Stammburg bei Hechingen. Die Burg Hohenzollern wurde 1267 erstmals erwähnt, 1423 durch schwäbische Reichsstädte weitgehend zerstört und zwischen 1850 und 1867 im neugotischen Stil durch Friedrich Wilhelm IV. neu erbaut. Die heutige „dritte Burg“ liegt bei Bisingen im Zollernalbkreis.
Die fränkische und brandenburgische Entwicklung
Die fränkischen Hohenzollern besaßen die Burggrafschaft Nürnberg von 1192 bis 1427. Das Burggrafenamt war ein Reichsamt, ermöglichte aber durch Erbschaften, Käufe und politische Verbindungen den Aufbau einer großen Territorialherrschaft. Cadolzburg wurde ab 1260 Hauptsitz. Im 14. Jahrhundert erwarben die Hohenzollern unter anderem Ansbach, Kulmbach und die Plassenburg. Nach einer Teilung von 1403 entstanden das Oberland mit Kulmbach und das Unterland mit Ansbach. Die staatsrechtliche Existenz der Burggrafschaft endete 1427, als Friedrich VI. die verbliebenen Teile der Burggrafenburg an die Reichsstadt Nürnberg verkaufte.
Der entscheidende Aufstieg begann mit Friedrich VI. von Nürnberg. König Sigismund übertrug ihm 1411 die Verfügungsrechte über Brandenburg; 1415 erhielt er die Mark als Fahnlehen und wurde als Friedrich I. Markgraf und Kurfürst von Brandenburg. Mit der Kurfürstenwürde war das Recht verbunden, den römisch-deutschen König zu wählen. Friedrich stellte die zentrale Gewalt in der konfliktreichen Mark wieder her und machte das Hohenzollernlehen erblich.
Unter Friedrich II. („Eisenzahn“) wurde der märkische Adel bekämpft und die Neumark teilweise zurückgewonnen. Albrecht Achilles vereinigte zeitweise die fränkischen und brandenburgischen Besitzungen und regelte 1473 mit der Dispositio Achillea die Unteilbarkeit der Mark. 1486 trennte Johann Cicero die Mark endgültig von den fränkischen Ländern. Die fränkischen Zweige regierten die Fürstentümer Ansbach und Kulmbach beziehungsweise Bayreuth bis 1791/1792; Ansbach kam 1806 an Bayern, Bayreuth 1810.
Die Reformation führte zu konfessionellen Spannungen. Joachim I. Nestor blieb katholisch, während Joachim II. Hector am 1. November 1539 zum Protestantismus übertrat und die Reformation in Brandenburg einführte. Johann Sigismund wechselte 1613 aus politischen Gründen zum Calvinismus; Brandenburg blieb überwiegend lutherisch. Die Markgrafschaft Brandenburg-Küstrin bestand als Sekundogenitur von 1535 bis 1571 und fiel danach an Brandenburg zurück.
Brandenburg-Preußen und das Kaiserreich
1525 wandelte Albrecht von Brandenburg-Ansbach als letzter Hochmeister des Deutschen Ordens den Deutschordensstaat in das weltliche Herzogtum Preußen um. Das Herzogtum war ein Lehen des Königreichs Polen. Als Albrecht Friedrich 1618 ohne männlichen Erben starb, wurde sein Schwiegersohn, der Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg, mit Preußen belehnt. Brandenburg und Preußen wurden fortan in Personalunion regiert; für die gemeinsamen Herrschaftsgebiete setzte sich die Bezeichnung Brandenburg-Preußen durch.
Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm stärkte den Staat nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges. Er förderte Landwirtschaft, Einwanderung und Wirtschaft, holte unter anderem Hugenotten sowie Protestanten aus Österreich und den Niederlanden ins Land und erließ 1664 ein Toleranzedikt zwischen Lutheranern und Calvinisten. Im Vertrag von Wehlau endete 1657 das polnische Lehnsverhältnis in Preußen.
1701 erklärte sich Kurfürst Friedrich III. in Preußen als Friedrich I. zum König. Er führte zunächst den Titel „König in Preußen“, weil die polnische Oberhoheit über das spätere Westpreußen die Bezeichnung „König von Preußen“ noch nicht zuließ. Unter Friedrich Wilhelm I. wurden Staatsfinanzen und Verwaltung saniert und die Armee ausgebaut. Friedrich II. eroberte in den Schlesischen Kriegen 1740–1745 Schlesien und die Grafschaft Glatz. Im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 behauptete Preußen diese Eroberungen. Nach der Ersten polnischen Teilung 1772 konnte Friedrich den Titel „König von Preußen“ führen.
Friedrich II. gilt als Vertreter des Aufgeklärten Absolutismus. Er veranlasste die Abschaffung der Folter 1740/1754 und ließ am Allgemeinen Landrecht für die Preußischen Staaten arbeiten. Der Wiener Kongress von 1815 brachte Preußen weitere Gebiete, darunter Rheinland, Westfalen und nördliches Sachsen. Die Stein-Hardenbergschen Reformen und die Industrialisierung veränderten Staat und Wirtschaft.
1866 löste Preußen Österreich als Vormacht in Deutschland ab. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wurde Wilhelm I. am 18. Januar 1871 zum Deutschen Kaiser erhoben. Die Monarchie endete am 9. November 1918 durch die Novemberrevolution, die Ausrufung der Republik und die Abdankung Wilhelms II. Wilhelm II. floh in die Niederlande und lebte später im Haus Doorn.
Der schwäbische Zweig und Rumänien
Die schwäbische Linie blieb zunächst in den Stammlanden um Hechingen. Nach einer Teilung von 1288 entstanden vorübergehend die Linie Zollern-Zollern und die Schalksburger Linie; im 14. Jahrhundert kamen die Straßburger und die Schwarzgräfliche Linie hinzu. Diese Nebenlinien erloschen bis 1412 beziehungsweise 1408. Nach Besitzverlusten im 15. Jahrhundert beschränkte sich das Gebiet der Zollern wieder weitgehend auf die Umgebung von Hechingen. Die Burg Hohenzollern wurde ab 1454 mit brandenburgischer und habsburgischer Unterstützung wiederhergestellt.
Karl I. erhielt 1535 zusätzlich die Grafschaften Sigmaringen und Veringen. Durch die Erbteilung von 1576 entstanden Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Haigerloch. 1623 wurden Hechingen und Sigmaringen in den Reichsfürstenstand erhoben; Haigerloch blieb gräflich und fiel 1767 endgültig an Sigmaringen. 1849/1850 verzichteten die Fürsten von Hechingen und Sigmaringen infolge der Revolution von 1848 auf ihre Landesherrschaft. Die Gebiete fielen an Preußen und wurden als Hohenzollernsche Lande vom Regierungsbezirk Sigmaringen verwaltet.
Hohenzollern-Sigmaringen erlangte durch seine Angehörigen erneut internationale Bedeutung. Karl von Hohenzollern-Sigmaringen wurde 1866 Fürst von Rumänien und am 26. März 1881 als Karl I. zum König proklamiert. Ihm folgte 1914 sein Neffe Ferdinand I. Die Monarchie in Rumänien endete am 30. Dezember 1947, als König Michael I. zur Abdankung gezwungen wurde. Michael starb 2017 im Schweizer Exil; damit erlosch die von Ferdinand I. ausgehende Linie im Mannesstamm.
Heute wird der schwäbische Zweig von Karl Friedrich Fürst von Hohenzollern geleitet. Sein Hauptsitz ist Schloss Sigmaringen. Der Familienbesitz umfasst unter anderem Schloss Sigmaringen, einen Anteil an der Burg Hohenzollern, Schloss Umkirch, das Jagdschloss Josefslust und Schloss Krauchenwies.
Die Hohenzollern seit 1918
Wilhelm II. unterzeichnete am 28. November 1918 im niederländischen Exil eine Abdankungsurkunde. Die ehemalige Herrscherfamilie lebte danach als private Eigentümer ihres Vermögens weiter und blieb politisch auf die Weimarer Republik ausgerichtet. Im Rahmen der Vermögensauseinandersetzung von 1926 behielt der preußische Staat 75 Schlösser; die Hohenzollern erhielten 39 Gebäude und landwirtschaftliche Güter zurück. 1919 hatte Wilhelm II. Haus Doorn erworben, wo er 1941 starb.
Der frühere Kronprinz Wilhelm unterstützte vor und während der nationalsozialistischen Zeit den Aufstieg Hitlers. Historiker bewerten die Rolle des Hauses in der NS-Zeit als Kollaboration. Nach 1945 wurde Wilhelm unter Arrest gestellt. Louis Ferdinand war ab 1951 Familienoberhaupt. Die Vorrechte des Adels waren seit 1919 aufgehoben; der bürgerlich-rechtliche Familienname lautet seither Prinz beziehungsweise Prinzessin von Preußen.
Seit 1994 ist Georg Friedrich Prinz von Preußen Chef des brandenburg-preußischen Zweigs. Die Familie verfügt unter anderem über einen Zwei-Drittel-Anteil an der Burg Hohenzollern. Die Burg wurde 1952 mit Gegenständen zur preußischen Geschichte ausgestattet. Der schwäbische Zweig besitzt das andere Drittel.
Die Sowjetische Militäradministration enteignete 1945 Immobilien der brandenburg-preußischen Hohenzollern in der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin entschädigungslos. Das Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz von 1994 ermöglicht eine Kompensation, wenn der Enteignete dem NS-System keinen erheblichen Vorschub geleistet hat. Die Forderungen Georg Friedrichs und die Bewertung der Rolle des Kronprinzen Wilhelm führten ab 2019 zu heftigen wissenschaftlichen und politischen Kontroversen. Das Land Brandenburg brach die Verhandlungen 2021 ab. Im März 2023 zog Georg Friedrich seine Forderungen nach Entschädigung und Rückgabe von Kunstobjekten zurück; im Mai 2025 wurde auch bei Leihgaben an Museen eine Einigung erzielt.
Forschung, Bauwerke und Wappen
Die wissenschaftliche Erforschung der Familie stützt sich unter anderem auf die von 1852 bis 1890 in neun Bänden veröffentlichte Quellenedition Monumenta Zollerana. Der Hohenzollerische Geschichtsverein beschäftigt sich seit 1867 mit der schwäbischen Landeskunde und gibt die Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte heraus. Zu den wichtigen modernen Gesamtdarstellungen zählt das zweibändige Werk Die Hohenzollern von Wolfgang Neugebauer. Die Ausstellung Frauen der Hohenzollern von 2025/26 untersucht die Bedeutung von Frauennetzwerken des Hauses.
Zu den bedeutenden Bauwerken des brandenburg-preußischen Zweigs gehören das Berliner Schloss, Schloss Charlottenburg, das Potsdamer Stadtschloss, Schloss Sanssouci, das Neue Palais, Schloss Cecilienhof, Schloss Oranienburg, Schloss Rheinsberg und Schloss Babelsberg. Die Burg Hohenzollern bei Hechingen ist der gemeinsame historische Bezugspunkt beider heute bestehender Linien. Sie wurde 1978 durch ein Erdbeben schwer beschädigt und bis Anfang der 1990er Jahre restauriert.
Das Stammwappen zeigt einen von Silber und Schwarz gevierteilten Schild, die sogenannte Zollernvierung. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken befindet sich ein entsprechend gezeichneter Brackenkopf. Auch die Verbindung der schwäbischen, fränkischen und brandenburgischen Linien wird durch die gemeinsame Verwendung dieses Wappens sichtbar. Der preußische Regierungsbezirk Hohenzollern erhielt 1880 ein eigenes, auf dem Familienwappen beruhendes Wappen; 1928 wurde es als monarchisches Hoheitszeichen verändert.