Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Zweiter Kreuzzug
Der Zweite Kreuzzug war ein von der katholischen Kirche geförderter Kriegszug zur Entlastung der Kreuzfahrerstaaten, der durch den Verlust der Grafschaft …
Inhalt6 Abschnitte
Anlass und Bedeutung
Der Zweite Kreuzzug war ein von der katholischen Kirche geförderter Kriegszug zur Unterstützung der im Heiligen Land entstandenen Kreuzfahrerstaaten. Er begann 1147 und endete 1149 nach mehreren Niederlagen als Misserfolg. Ausgelöst wurde er durch den Verlust der Grafschaft Edessa im Jahr 1144.
Die nach dem Ersten Kreuzzug gegründeten christlichen Herrschaften waren untereinander zerstritten. Außerdem kämpfte das normannische Fürstentum Antiochia wiederholt gegen das Byzantinische Reich und geriet 1138 unter byzantinische Oberhoheit. Im Herbst 1144 zog der Graf von Edessa mit einem großen Heer zur Unterstützung von Hisn Kaifa und ließ seine Stadt weitgehend ungeschützt zurück. Emir Zengi von Mossul nutzte diese Schwäche, eroberte Edessa und ließ einen großen Teil der Zivilbevölkerung töten. Dadurch gerieten die übrigen Kreuzfahrerstaaten unter stärkeren Druck. Zugleich erhöhte dieser erste vernichtende Schlag gegen eine Kreuzfahrerherrschaft den Kampfeswillen der Muslime.
Aufruf und Mobilisierung
Papst Eugen III. rief am 1. Dezember 1145 in Vetralla mit der Bulle „Quantum praedecessores“, die als erste „Kreuzfahrtbulle“ gilt, zum Zweiten Kreuzzug auf. Der zunächst an König Ludwig VII. von Frankreich sowie die Bevölkerung Frankreichs und Norditaliens gerichtete Aufruf fand wenig Resonanz. Ludwig stellte zu Weihnachten 1145 in Bourges seinen Plan zur Unterstützung der Christen im Orient vor. Die versammelten Edelleute und Bischöfe wollten jedoch zunächst die Meinung des einflussreichen Zisterzienser-Abts Bernhard von Clairvaux hören.
Eugen III. veröffentlichte die Bulle am 1. März 1146 mit kleineren Änderungen erneut und beauftragte Bernhard mit der Kreuzzugspredigt. Auf dessen Vermittlung erklärte Ludwig VII. am 31. März 1146 in Vézelay feierlich seine Teilnahme. Freiwillige aus Frankreich, Flandern, England und Norditalien schlossen sich an. Nach Bernhards weiterem Drängen erklärte kurz nach Weihnachten 1146 auch der deutsche König Konrad III. seine Teilnahme. Ludwig und Konrad organisierten und führten den Kreuzzug gemeinsam; als Beginn wurde Ostern 1147 festgelegt. Roger II. von Sizilien, Kaiser Manuel I. Komnenos, König Géza II. von Ungarn und Konrad III. waren zuvor um freien Durchzug und eine gesicherte Versorgung gebeten worden.
Bernhard richtete seine Werbung besonders an den Adel, um unkontrollierte Volkskreuzzüge zu verhindern, und unterstützte zugleich den 1120 in Jerusalem gegründeten Templerorden. Dennoch stiftete der Zisterziensermönch Radulf in Nordfrankreich und Westdeutschland die Landbevölkerung zu Angriffen auf Juden an, darunter auf Rabbenu Tam in Ramerupt. Bernhard stoppte ihn schließlich. Die Pogrome blieben jedoch hinter den Ausschreitungen während des Ersten Kreuzzugs zurück.
Die Predigten verbanden den Kreuzzug mit dem Ablass, also dem kirchlich zugesagten Erlass zeitlicher Sündenstrafen. Anders als beim Ersten Kreuzzug galt das Nehmen des Kreuzes nun weniger als Nachfolge Christi, sondern als Zeichen der Unterwerfung unter Gottes Gnade. Die Werbung brachte dem Zweiten Kreuzzug mehr Zulauf als dem Ersten.
Weitere Kriegsschauplätze
Der Kreuzzug beschränkte sich nicht auf Palästina. Papst Eugen III. erlaubte den Kreuzfahrern auf der Iberischen Halbinsel 1146, gegen die Mauren in ihrer Heimat zu kämpfen und dafür dieselben Ablässe zu erhalten. Mit Unterstützung europäischer Kreuzfahrer wurden 1147 Almería, 1148 Tortosa sowie 1149 Lerida und Fraga erobert. Eine Flotte mit englischen, schottischen, flämischen und deutschen Kreuzfahrern machte 1147 in Portugal Station. Ihre Kämpfer halfen bei der Eroberung Lissabons sowie der Burgen Sintra und Palmela.
Deutsche, dänische und polnische Teilnehmer durften gegen die heidnischen slawischen Wenden zwischen Elbe und Oder ziehen. Dieser Wendenkreuzzug wurde am 13. April 1147 durch die päpstliche Bulle „Divini dispensatione“ anerkannt; den Teilnehmern wurde ebenfalls Ablass versprochen. Sie brachen im August 1147 von Magdeburg auf. Von wem der Vorschlag zu diesem Feldzug stammte, ist in der Forschung umstritten. Anders als der Feldzug im Heiligen Land brachten die Kämpfe auf der Iberischen Halbinsel den Christen mehrere militärische Erfolge.
Marsch und Niederlagen in Kleinasien
Konrad III. brach Mitte Mai 1147 in Regensburg auf, Ludwig VII. wenige Wochen später in Metz. Beide Heere zogen über Ungarn und den Balkan nach Konstantinopel. Mit ihnen reisten zahlreiche unbewaffnete Pilger, darunter viele Frauen und Kinder, was Marsch und Versorgung erschwerte. Die Wege durch Ungarn und das Byzantinische Reich verliefen größtenteils geordnet; nur bei Philippopolis und Adrianopel kam es zu Plünderungen und Zusammenstößen.
Konrads Heer erreichte Konstantinopel am 10. September und setzte auf Drängen Kaiser Manuels I. Komnenos Ende September nach Kleinasien über, ohne auf Ludwig zu warten. Ludwigs Heer traf am 4. Oktober ein und folgte bald. Weil Manuel inzwischen Frieden mit dem türkischen Sultan von Ikonion geschlossen hatte, stellte er den Kreuzfahrern kaum ortskundige Führer und keine Hilfstruppen zur Verfügung. Das verschärfte die Spannungen zwischen Byzanz und den Kreuzfahrern.
Konrad teilte sein Heer in Kleinasien. Die unbewaffneten Teilnehmer zogen unter Bischof Otto von Freising an der Küste entlang; Konrad nahm mit seinen Truppen den direkten Weg. Im Oktober 1147 erlitt sein Heer gegen die türkischen Seldschuken bei Doryläum eine schwere Niederlage. Konrad floh mit den Überlebenden nach Nicäa. Ein großer Teil der Küstengruppe wurde am 16. November 1147 bei Laodikeia überfallen und getötet.
Etwa einen Monat später vereinigten sich die Franzosen in Nicäa mit Konrads Resttruppen. Ende 1147 erkrankte Konrad bei Ephesos und kehrte nach Konstantinopel zurück. Ludwigs Heer wurde bei der Überquerung des Honaz Dağı nahe Laodikeia angegriffen und erlitt ebenfalls schwere Verluste. Die Überlebenden erreichten Attaleia und setzten von dort nach Antiochia über.
Entscheidung vor Damaskus
Nach seiner Genesung reiste Konrad im März 1148 auf dem Seeweg nach Palästina. Am 24. Juni 1148 berieten Konrad III., Ludwig VII. und König Balduin III. von Jerusalem auf einem Konzil in Akkon über ihr weiteres Vorgehen. Eine Rückeroberung Edessas, des ursprünglichen Kreuzzugsziels, war inzwischen ausgeschlossen: Graf Joscelin II. hatte die Stadt nach Zengis Tod 1146 kurzzeitig zurückgewonnen, doch Zengis Sohn Nur ad-Din hatte sie anschließend fast vollständig zerstören und entvölkern lassen.
Nach kontroversen Beratungen beschlossen die Teilnehmer, Damaskus anzugreifen. Die wohlhabende, nahe gelegene und militärisch nicht besonders starke Stadt erschien als lohnendes Ziel. Ihre Eroberung hätte außerdem die muslimischen Reiche Syriens von denen Ägyptens getrennt. Allerdings war Damaskus bis dahin gegenüber den Kreuzfahrern neutral, mit Nur ad-Din verfeindet und sogar tributpflichtig gewesen.
Die Belagerung begann am 23. Juli 1148. Die buridischen Herrscher von Damaskus baten angesichts der Bedrohung ihren bisherigen Gegner Nur ad-Din um Hilfe. Als er mit einem Entsatzheer näher rückte, waren die Kreuzfahrer durch Wassermangel und Streit zwischen ihren Befehlshabern geschwächt. Nach nur vier Tagen brachen sie die Belagerung ab und zogen nach Jerusalem zurück. Danach fühlten sich alle beteiligten Seiten gegenseitig betrogen.
Scheitern und langfristige Folgen
Nach dem Rückzug wollte Konrad III. Askalon erobern. Wegen des Misstrauens nach dem gescheiterten Angriff auf Damaskus erhielt er jedoch keine Unterstützung und gab den Plan auf. Im September 1148 kehrte er nach Konstantinopel zurück und verbündete sich mit Kaiser Manuel I. Komnenos. Ludwig VII. blieb zunächst in Jerusalem, reiste aber im April 1149 ohne Erfolge nach Frankreich zurück. Bernhard von Clairvaux wurde durch das Scheitern gedemütigt. Nachdem sein Aufruf zu einem weiteren Kreuzzug ohne Wirkung geblieben war, versuchte er sich von dem Misserfolg zu distanzieren; er starb 1153.
Der Angriff auf das zuvor neutrale Damaskus hatte schwere langfristige Folgen für das Königreich Jerusalem. Damaskus misstraute den Kreuzfahrern und unterwarf sich 1154 Nur ad-Din. König Amalrich I. verbündete sich später mit Byzanz, doch eine gemeinsame Invasion Ägyptens scheiterte 1169. Saladin wurde 1171 Sultan von Ägypten und vereinigte Ägypten und Syrien, sodass Jerusalem vollständig umzingelt war. Mit dem Tod Manuels I. Komnenos endete zudem die byzantinische Allianz. Saladins Eroberung Jerusalems im Jahr 1187 löste schließlich den Dritten Kreuzzug aus.
Weil der Kreuzzug als göttlicher Auftrag verkündet worden war, deuteten Zeitgenossen seine Niederlage teilweise als Folge des Zorns Gottes oder als Zeichen des Antichristen. Das Scheitern senkte die Kampfmoral und entmutigte die Christen Westeuropas zunächst. Insgesamt blieb der Feldzug im Heiligen Land erfolglos, während die christlichen Kämpfer auf der Iberischen Halbinsel Erfolge erzielt hatten.