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Pilger
Obwohl die Religion des Jainismus keinen Reliquienkult kennt, pilgern auch die Jainas nackt (Digambaras) oder in weißen Gewändern (Shvetambaras) in großer …
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Begriff und Bedeutung
Ein Pilger oder Wallfahrer ist eine Person, die eine Wallfahrt unternimmt. Im Kirchenlatein bezeichnet Pelegrinus eine Person, die aus Glaubensgründen in die Fremde zieht und meist einen Wallfahrtsort aufsucht – zu Fuß oder mit einem Transportmittel.
Anlass können eine auferlegte Buße, das Bemühen um einen Ablass, die Erfüllung eines Gelübdes, ein bestimmtes Anliegen, geistliche Vertiefung oder Dank sein. Ziel ist ein als heilig betrachteter Ort, etwa eine Wallfahrtskirche, ein Tempel oder ein Baumheiligtum. Das Pilgerwesen ist eng mit der Reliquienverehrung verbunden.
In säkularisierten Gesellschaften wird Pilgern auch als besondere Form des Wanderns betrieben. Außerdem wird der Begriff übertragen verwendet, etwa wenn „Kunstliebhaber zur documenta pilgern“.
Heilige Ziele der Antike und Jerusalems Bedeutung
Schon früh galten bestimmte Höhlen als heilige Orte. Zu den berühmten Wallfahrtszielen der griechischen Welt gehörten der Tempel der Artemis in Ephesos und das Apollon-Orakel von Delphi.
Jerusalem ist seit dem Bau des ersten Israelitischen Tempels bis heute einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Welt. Die Stadt ist für drei monotheistische Weltreligionen heilig. Für Juden und Christen ist sie unter anderem wegen Tod und Auferstehung Jesu Christi von Bedeutung. Muslime besuchen in Jerusalem bevorzugt den Felsendom; ihre als Haddsch bezeichnete Wallfahrt führt jedoch nach Mekka und Medina.
Pilgerwesen in Indien und im Buddhismus
Im Buddhismus ist bereits für das 3. Jahrhundert v. Chr. ein Reliquienkult überliefert. Verehrt wurden Reliquien Buddhas und herausragender Mönche, der sogenannten Arhats. Chinesische Pilger wie Faxian um 400, Songyun um 520 und Xuanzang um 630 reisten durch Nordindien und brachten den Buddhismus nach China. Ob Padmasambhava, der halbmythische Begründer des Buddhismus in Tibet, eine vergleichbare Pilgerreise unternahm, ist unklar.
Auch heute pilgern viele Gläubige, meist in organisierten Gruppenreisen, zu den vier heiligen buddhistischen Stätten Lumbini, Bodhgaya, Sarnath und Kushinagar in Nepal und Nordindien.
Der Hinduismus kennt zahlreiche heilige Stätten. Als sieben besonders heilige Orte gelten Ayodhya, der Geburtsort des Gottes Rama, Dwarka, die Hauptstadt des Gottes Krishna, Haridwar am Quellplateau des Ganges, Kanchipuram mit dem Großen Tempel von Shiva, Mathura als Geburtsort Krishnas sowie Ujjain und Varanasi. In Ujjain, Haridwar, Nashik und besonders am Zusammenfluss von Ganges und Yamuna bei Prayagraj findet die Kumbh Mela statt.
Auch Jains pilgern in großer Zahl zu ihren meist auf Bergen gelegenen Heiligtümern, obwohl der Jainismus keinen Reliquienkult kennt. Digambaras pilgern nackt, Shvetambaras in weißen Gewändern. Beispiele für Heiligtümer sind Mount Abu, Ranakpur, Palitana, Girnar, Shravanabelagola und Parasnath.
Christliches Pilgern von der Spätantike bis zur Gegenwart
Mit der Ausbreitung des Christentums und dem Bau von Kirchen in Jerusalem, Bethlehem und anderen Orten des Heiligen Landes unter Kaiser Konstantin entstanden neue Pilgerziele. Zu den frühesten erhaltenen Zeugnissen gehören das 333 aufgezeichnete lateinische Itinerarium Burdigalense, ein Stationenverzeichnis eines Reisenden aus Bordeaux, sowie der etwa 50 Jahre später entstandene Reisebericht der aus Nordspanien oder Südfrankreich stammenden Aetheria oder Egeria. Pilger besuchten biblische und außerkanonische Stätten, vorbildliche Mönche und Würdenträger sowie später das der Legende nach von Helenа identifizierte Kreuz Christi.
Neben dem Heiligen Land wurde Rom als Grabstätte der Apostel Petrus und Paulus wichtig. Ab dem 9. Jahrhundert kam Santiago de Compostela hinzu. Die Stadt wurde im Mittelalter vor allem wegen eines von Klöstern betreuten, weitgespannten Herbergennetzes zu einem führenden Pilgerziel. Auch viele Teilnehmer der Kreuzzüge verstanden sich als bewaffnete Pilger. Für große Pilgermengen entstanden besondere Unterkünfte und Versorgungsangebote; im Spätmittelalter gab es organisierte Gruppenreisen, die vor allem per Schiff von verschiedenen Ausgangspunkten nach Israel führten.
In der Reformation kritisierten Martin Luther, Huldrych Zwingli und Johannes Calvin das mit Aberglauben und Ablasshandel verbundene Pilgerwesen. Nach Luthers theologischer Begründung hilft allein Christus und nicht die Heiligen, allein die Schrift und nicht die Traditionen der Wallfahrtsorte, allein die Gnade und nicht die fromme Leistung des Pilgerns sowie allein der Glaube und nicht das äußerliche Unterwegssein. In Norwegen wurde das Pilgern nach Einführung des Protestantismus 1537 sogar unter Todesstrafe gestellt.
Die römisch-katholische Kirche hielt am Wallfahrtsbrauch fest und förderte ihn. Das Zweite Vatikanische Konzil bezeichnete die Kirche als „pilgerndes Volk Gottes“ und beschrieb sie als stets der Reinigung bedürftig sowie auf einem Weg der Buße und Erneuerung. In den letzten beiden Jahrhunderten kamen viele Marienwallfahrtsorte hinzu, darunter Altötting, Mariazell, Lourdes und Fátima. In den letzten Jahrzehnten wurde besonders der Jakobsweg wiederentdeckt. Davon inspiriert entstanden weitere Wege, etwa der Ignatiusweg und der Elisabethpfad. Auch religiös motivierte Besucher nicht anerkannter Wallfahrtsorte wie Marpingen, Heroldsbach oder Međugorje werden gelegentlich als Pilger bezeichnet. Das heutige Pilgerwesen ist Gegenstand empirischer Forschung. Die Pilgerväter waren puritanische Dissidenten aus England, die nach Amerika segelten, um dort eine Kolonie zur freien Ausübung ihres Glaubens zu gründen.
Pilgern im Islam und heutige Gedenktage
Der Haddsch ist die große islamische Pilgerreise nach Mekka in Saudi-Arabien. Für jeden Muslim, der die Reise antreten kann, ist sie mindestens einmal verpflichtend. Daneben sind in der islamischen Welt weitere Andachtspilgerfahrten verbreitet, insbesondere zu den Gräbern schiitischer Imame oder von Sufi-Heiligen.
Der Weltpilgertag findet jedes Jahr am vierten Sonntag im Juli statt. In seinem Umfeld wird am 25. Juli der Namenstag des Apostels Jakobus begangen. Fällt der vierte Juli-Sonntag mit diesem Gedenktag zusammen, findet ein besonders gefeiertes Heiliges Jakobusjahr statt.
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