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Donau

Die Donau ist mit einem Abfluss (MQ) von rund 6855 m³/s im langjährigen Mittel und einer Gesamtlänge von 2857 Kilometern nach der Wolga der zweitgrößte und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Quelle, Verlauf und Gewässersystem
  3. 3. Länder und wichtige Städte
  4. 4. Naturraum und Schutzgebiete
  5. 5. Nutzung, Wirtschaft und Schifffahrt
  6. 6. Eingriffe, Gefährdung und Geschichte

Überblick und Bedeutung

Die Donau ist mit einem mittleren Abfluss von rund 6855 m³/s und einer Gesamtlänge von 2857 km nach der Wolga der zweitgrößte und zweitlängste Fluss Europas. Ohne den Quellfluss Breg werden 2811 km angegeben. Ihr Einzugsgebiet umfasst etwa 817.000 km²; 2003 lebten darin 82.740.000 Menschen. Die Donau entwässert große Teile Mittel- und Südosteuropas und mündet über das Donaudelta ins Schwarze Meer.

Besonders ist, dass die Donau zehn Staaten durchfließt oder berührt: Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Republik Moldau und Ukraine. Damit berührt sie mehr Länder als jeder andere Fluss der Erde. 1071 km, also 37 % ihres Laufs, bilden eine Staatsgrenze. Weitere Staaten haben Anteile am Einzugsgebiet, darunter Bosnien-Herzegowina, Tschechien, Slowenien, Montenegro, Kosovo und die Schweiz.

Die Donau ist eine der ältesten und wichtigsten europäischen Handelsrouten. Sie verbindet unterschiedliche Kultur- und Wirtschaftsräume. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat sie wieder stärkere wirtschaftliche Bedeutung. Zugleich ist sie ein wichtiger Naturraum mit vielen artenreichen Abschnitten und ein Standort zahlreicher Wasserkraftwerke.

Quelle, Verlauf und Gewässersystem

Die Donau trägt ihren Namen ab dem Zusammenfluss von Brigach und Breg bei Donaueschingen. Die Breg entspringt etwas südlicher und höher im Schwarzwald und gilt nach gewässerkundlichen Merkmalen als der größere Quellfluss. Traditionell wird aber auch der Quelltopf des Donaubachs in Donaueschingen als Donauquelle bezeichnet. Die Quellhöhe wird deshalb mit 1078 m oder 680 m angegeben.

Der Fluss durchquert drei große Beckenlandschaften: das nördliche Alpenvorland und das Wiener Becken im Oberlauf, die Pannonische Tiefebene im Mittellauf und das Walachische Tiefland im Unterlauf. Zwischen diesen Räumen durchschneidet die Donau Gebirge in Engtälern, zum Beispiel beim Donaudurchbruch bei Beuron, beim Donaudurchbruch bei Weltenburg, in der Wachau, an der Hainburger oder Preßburger Pforte und am Eisernen Tor.

Die Kilometrierung der Donau wird flussaufwärts gezählt. Der offizielle Nullpunkt liegt am alten Leuchtturm von Sulina am Schwarzen Meer; von Kilometer 0 bis 150 werden nautische Meilen verwendet. Große Nebenflüsse prägen die Wasserführung stark. Linksseitig sind unter anderem Altmühl, Naab, Regen, Waag, Theiß, Sereth und Pruth wichtig; rechtsseitig Iller, Lech, Isar, Inn, Traun, Enns, Drau, Save, Morava und Iskar. Die Save ist der wasserreichste Nebenfluss, die Theiß der längste. Inn, Save, Theiß und Drau führen jeweils über 500 m³/s.

Das Einzugsgebiet ist asymmetrisch: 56 % liegen links beziehungsweise nördlich der Donau, 44 % rechts. Trotzdem liefern die rechten Nebenflüsse etwa zwei Drittel des Wassers, weil sie häufig aus wasserreichen Gebirgsräumen wie Alpen, Karpaten und Balkanhalbinsel kommen. Im oberen Bereich verliert die Donau bei der Donauversinkung Wasser an das Rheinsystem; es tritt nach 12 bis 14 km unterirdischem Weg am Aachtopf wieder aus und fließt über den Bodensee in den Rhein.

Länder und wichtige Städte

In Deutschland entsteht die Donau bei Donaueschingen und legt von der Bregquelle bis zur österreichischen Grenze 618 km zurück. Wichtige Städte sind unter anderem Ulm, Ingolstadt, Regensburg, Straubing und Passau. In Passau treffen Ilz, Donau und Inn zusammen. Der Inn ist im Jahresmittel mit 738 m³/s etwas wasserreicher als die Donau mit 690 m³/s, doch die Donau führt in sieben Monaten des Jahres mehr Wasser.

In Österreich fließt die Donau rund 349 km. Das Donautal ist ein Kernraum des Landes: Es umfasst etwa 15 % des Staatsgebietes, aber ungefähr die Hälfte der Bevölkerung lebt dort, darunter die Metropolregion Wien. Wichtige Landschaften sind die Schlögener Schlinge, das Eferdinger Becken, der Strudengau, der Nibelungengau, die Wachau, das Tullnerfeld und die Donau-Auen östlich von Wien. Wien ist mit 1,9 Millionen Einwohnern im Jahr 2020 die größte Donaustadt.

In der Slowakei passiert die Donau Bratislava und bildet danach teilweise die Grenze zu Ungarn. Dort prägt sie mit der Großen Schüttinsel und der Kleinen Donau ein verzweigtes Flusssystem. In Ungarn fließt sie durch das Donauknie bei Vác und durch Budapest, das 2016 etwas mehr als 1,7 Millionen Einwohner hatte. Danach verläuft sie südwärts und verlässt das Land bei Mohács.

Kroatien hat mit 137 km einen kurzen Donauabschnitt; der Fluss bildet dort größtenteils die Grenze zu Serbien. In Serbien liegen unter anderem Novi Sad und Belgrad an der Donau. Belgrad hatte 2016 etwa 1,4 Millionen Einwohner und liegt an der Mündung der Save. Weiter flussabwärts beginnt am Eisernen Tor eine große Schluchtlandschaft an der Grenze zwischen Serbien und Rumänien. Rumänien besitzt mit 1075 km den längsten Donauabschnitt. Dort ist die Donau zunächst Grenzfluss, später Binnenfluss und schließlich Teil des Donaudeltas. Bulgarien liegt fast 500 km lang am rechten Ufer gegenüber Rumänien. Moldau besitzt nur 570 m Donauufer bei Giurgiulești, nutzt diesen Zugang aber für einen Freihafen. In der Ukraine liegen unter anderem Ismajil, Kilija und Wylkowe am Fluss.

Naturraum und Schutzgebiete

Die Donau durchquert viele Landschaften und Klimazonen. Dadurch ist ihre Tier- und Pflanzenwelt sehr vielfältig. Trotz starker menschlicher Eingriffe sind viele Abschnitte artenreich, besonders dort, wo Auen, Feuchtgebiete und Flussarme erhalten sind oder geschützt werden. Ein Problem ist die Erosion des Flussgrunds, gegen die unter anderem regelmäßig ausgebaggert wird.

An der Donau leben über 300 Vogelarten. Der Fluss ist eine bedeutende europäische Vogelzugstraße. Naturnahe Gebiete dienen als Brut-, Rast- und Überwinterungsräume, zum Beispiel für Uhu, Eisvogel, Seeadler, Schwarzstorch, Schwarzmilan und Würgfalke. Besonders wichtig sind die Donauauen, der Naturpark Kopački rit und das Donaudelta. Im Donaudelta rasten, überwintern oder brüten weit über 300 Vogelarten, darunter Pelikane, Reiher, Löffler und die seltene Rothalsgans.

Typische Donaufische sind unter anderem Barbe, Nase, Karpfen, Hecht, Zander, Barsch, Huchen, Sterlet und Wels. Im Donaudelta kommen über 150 Fischarten vor. Störartige können seit dem Bau der Staustufe am Eisernen Tor nicht mehr bis Wien wandern. Bis 2027 sollen vom Schwarzen Meer bis nach Rosenheim am Inn durchgehend Fischwanderhilfen entstehen. Auch Amphibien und Reptilien sind zahlreich vertreten, darunter Äskulapnatter, Ringelnatter, Smaragdeidechse und Europäische Sumpfschildkröte.

Wichtige Pflanzenräume sind Weichholz- und Hartholzauen. In den Weichholzauen wachsen etwa Silber-Pappel und Silberweide; in Hartholzauen kommen Schmalblättrige Esche, Ulmen und Stieleiche vor. Die Donau fließt fast auf ganzer Länge durch Natura-2000-Gebiete, außer in Serbien und in wenigen Stadtabschnitten. Bedeutende Schutzgebiete sind der Naturpark Obere Donau, das Naturschutzgebiet Donauleiten, der Nationalpark Donau-Auen, der Nationalpark Donau-Eipel, Kopački rit, Srebarna, Đerdap, der Naturpark Eisernes Tor und besonders das Biosphärenreservat Donaudelta. Das Donaudelta ist etwa 5000 km² groß, Europas größtes Feuchtgebiet und seit 1991 UNESCO-Weltnaturerbe.

Nutzung, Wirtschaft und Schifffahrt

Die Donau ist eine wichtige Wasserstraße. Für große Güterschiffe ist sie ab Kelheim schiffbar; zwischen Kelheim und Sulina sind 2414 km für große Güterschiffe nutzbar. Insgesamt gelten 2655 km als schiffbar. Über den Main-Donau-Kanal ist die Donau mit Rhein und Main verbunden, sodass eine durchgehende Wasserstraße von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer besteht. Auf dem schiffbaren Abschnitt unterscheidet man Obere Donau von Kelheim bis Komárom/Komárno, Mittlere Donau bis Drobeta Turnu Severin und Untere Donau bis zur Mündung.

Von Kelheim bis zum Schwarzen Meer gibt es 20 Staustufen mit Schleusen, davon sechs in Deutschland. Schleusen sind nötig, damit Schiffe Höhenunterschiede an Wasserkraftwerken überwinden können. Neben Frachtschiffen verkehren knapp 100 Flusskreuzfahrtschiffe, besonders zwischen Passau, Budapest und dem Schwarzen Meer. Außerdem gibt es viele Tagesausflugsschiffe und private Sportboote. Touristisch bedeutend sind unter anderem der Donauradweg, der Donausteig, die Wachau, das Eiserne Tor und das Donaudelta.

Die Donau liefert Trinkwasser für rund zehn Millionen Menschen. In Baden-Württemberg wird aufbereitetes Donauwasser genutzt, 2004 waren es 30 Millionen m³. Österreich gewinnt sein Trinkwasser dagegen zu 99 % aus Grund- und Quellwasser; Ungarn nutzt zu 91 % Grundwasser. Wasserkraft spielt in Deutschland, Österreich, der Slowakei, Serbien und Rumänien eine wichtige Rolle. In Österreich decken Donaukraftwerke rund 20 % des öffentlichen Strombedarfs. Am Eisernen Tor entstand 1972 das damals größte Wasserkraftwerk Europas, gemeinsam von Jugoslawien und Rumänien gebaut.

Weitere Nutzungen sind Weinbau, Fischerei und historische Transportformen. Weinanbau gibt es zum Beispiel in der Wachau mit Grünem Veltliner und Riesling, in Ungarn entlang weiter Donauabschnitte und in der Slowakei bei Devín und Štúrovo. Die Fischerei war früher vielerorts sehr wichtig, ist aber im 19. und 20. Jahrhundert stark zurückgegangen; im Donaudelta hat sie weiterhin Bedeutung.

Eingriffe, Gefährdung und Geschichte

Die Donau war in der Geschichte Grenze, Handelsweg und Verkehrsachse. In der Antike nannten Griechen den Unterlauf Istros; die Römer verwendeten für den Oberlauf den Namen Danuvius. Unter den Römern bildete die Donau lange eine Reichsgrenze, den Donaulimes. Später nutzten Magyaren, Kreuzfahrer und osmanische Heere den Fluss als Route. 1919 wurde die Donau im Friedensvertrag von Versailles zum Internationalen Fluss erklärt. 1948 regelte die Belgrader Konferenz die Schifffahrt neu; Deutschland trat dem Übereinkommen und der Donaukommission erst 1998 bei.

Seit der Industrialisierung wurde die Donau stark verändert. Nur 20 % der Überschwemmungsgebiete des 19. Jahrhunderts sind noch vorhanden, und nur noch etwa die Hälfte des Flusslaufs gilt als zumindest naturnah. Eingriffe entstanden durch Flussregulierungen, Staustufen, Schleusenkanäle, Verschmutzung aus Industrie, Landwirtschaft, Tourismus und Abwässern. In Wien wurde der Fluss ab 1870 stark reguliert; daraus entstanden unter anderem Donaukanal, Alte Donau und später die Donauinsel.

Besonders folgenreich waren die Kraftwerke am Eisernen Tor. Der Bau von Eisernes Tor 1 begann 1964, die Eröffnung erfolgte 1972. Der Stausee wurde 150 km lang, der Wasserspiegel um 35 m angehoben. Für ihn mussten unter anderem Orșova, fünf Dörfer und die Insel Ada Kaleh weichen; insgesamt wurden 17.000 Menschen umgesiedelt. Ökologisch wichtig ist, dass Störe seitdem nicht mehr zum Laichen flussaufwärts schwimmen können. Ein weiteres umstrittenes Projekt war Gabčíkovo-Nagymaros, 1977 von der Tschechoslowakei und Ungarn vereinbart. Ungarische Proteste führten 1989 zur Einstellung der Bauarbeiten auf ungarischer Seite; der Konflikt kam vor den Internationalen Gerichtshof.

Die Donau ist weiter gefährdet. Der WWF zählt sie wegen Schifffahrtsausbau und geplanter Wasserkraftnutzung zu den zehn gefährdetsten Flüssen der Welt. Zwischen Straubing und Vilshofen wird seit langem über den Ausbau eines der letzten frei fließenden Abschnitte diskutiert; Variante A ist Stand 2023 in Ausführung. Eine Untersuchung zwischen Wien und Bratislava fand 2010 bis 2012 durchschnittlich 317 Plastikteilchen pro 1000 m³ Wasser, aber nur 275 Fischlarven; geschätzt gelangen 4,2 Tonnen Plastikmüll pro Tag ins Schwarze Meer. Beim Baia-Mare-Dammbruch am 30. Januar 2000 gelangten über 100.000 m³ Natriumcyanidlauge über Nebenflüsse in die Theiß und dann in die Donau. 2015 meldete die Internationale Kommission zum Schutz der Donau hohe Konzentrationen von Drogenrückständen und antibiotikaresistenten Keimen, Fischarmut und stark verbaute Ufer.

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