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Zwölf Variationen in C-Dur über das Lied „Ah, vous dirai-je, Maman“
Die Zwölf Variationen über das französische Lied „Ah, vous dirai-je, Maman“ KV 265 (300e) sind ein Klavierwerk von Wolfgang Amadeus Mozart, das er Ende 1781 …
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Werk und Bedeutung
Die Zwölf Variationen über das französische Lied „Ah, vous dirai-je, Maman“ KV 265 (300e) sind ein Klavierwerk von Wolfgang Amadeus Mozart. Er schrieb es Ende 1781 für die Pianistin Josepha Barbara von Auernhammer. Als Thema dient die Melodie des gleichnamigen französischen Liedes, die auch aus anderen Liedern bekannt ist, etwa aus dem Wiegenlied „Twinkle, Twinkle, Little Star“ und dem Weihnachtslied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“.
Das Werk besteht aus einem Thema und zwölf Variationen. Eine Variation ist eine Umgestaltung eines musikalischen Themas: Die Melodie bleibt erkennbar, wird aber rhythmisch, harmonisch, technisch oder satztechnisch verändert. Das Stück ist sehr populär und wird häufig im Klavierunterricht verwendet. Obwohl die Variationen grundsätzlich der üblichen Form folgen, enthalten sie viele technische Schwierigkeiten sowie überraschende harmonische, rhythmische und kontrapunktische Wendungen. Kontrapunkt bedeutet, dass mehrere selbstständige Stimmen gleichzeitig geführt werden.
Thema und Aufbau
Das Thema ist zweiteilig und besteht aus Viertelnoten. Es umfasst den Tonraum einer Sexte, also den Abstand von sechs Tonstufen. Die rechte Hand spielt die Melodie, während die linke Hand ebenfalls in Vierteln begleitet. Harmonisch führt das Thema von der Tonika C-Dur, also der Grundtonart, über die Subdominante F-Dur im dritten Takt und die Dominante G-Dur im fünften Takt zurück zur Tonika in Takt 8. Tonika, Subdominante und Dominante sind die wichtigsten harmonischen Grundfunktionen einer Durtonart.
Im Nachsatz, also im zweiten Teil des Themas, greift Mozart in den Takten 9 bis 16 zweimal eine Abwärtsbewegung von G bis D auf. Danach führt er in die Wiederholung des Vordersatzes zurück. Das Thema und die meisten Variationen umfassen jeweils 24 Takte. Das Finale ist länger: Es hat 36 Takte, enthält einen zweiteiligen Nachsatz und wechselt vom 2/4-Takt in den 3/4-Takt.
Pianistische Mittel
Die Variationen sind nicht nur einfache Ausschmückungen, sondern verlangen unterschiedliche pianistische Techniken. In der ersten, zweiten, siebten und letzten Variation steht Skalenspiel im Vordergrund, also schnelle Tonleiterbewegungen. In der dritten und vierten Variation treten Arpeggien auf, bei denen die Töne eines Akkords nacheinander statt gleichzeitig gespielt werden. Die fünfte Variation arbeitet mit Synkopen, also rhythmischen Verschiebungen gegen die erwartete Betonung. Die sechste Variation enthält Basstriller, und in der zehnten Variation müssen die Hände übergreifen.
Zwischen einzelnen Variationen bestehen deutliche Übergänge der kompositorischen Ideen. Die Sechzehntelbewegungen der rechten Hand aus der ersten Variation begleiten in der zweiten Variation die von der linken Hand gespielte und kontrapunktisch umspielte Melodie. An einer Stelle, an der im französischen Lied die Worte „peut-on vivre sans amant?“ stehen würden, bereichert Mozart das Thema durch sehnsüchtige Chromatik. Chromatik bedeutet, dass Töne außerhalb der Grundtonart einbezogen werden. Die Triolenbewegung der rechten Hand aus Variation III wird in der folgenden Variation in die Bassbegleitung verlegt.
Besondere Variationen
Die fünfte Variation verwendet die Syncopatio, also eine Form der Synkope, und führt dadurch zu Wendungen, die am Generalbass orientiert sind. Generalbass bezeichnet eine Begleitpraxis, bei der eine Basslinie die harmonische Grundlage bildet. Ähnliche Wendungen finden sich auch in der ersten, zweiten und vierten Variation der Violinsonate G-Dur KV 379.
Besonders hervorgehoben werden die achte und die elfte Variation. Die achte Variation überrascht durch die Tonart c-Moll, kanonische Einsätze und Dissonanzen. Ein Kanon ist eine Form, bei der eine Stimme eine Melodie beginnt und eine andere sie zeitversetzt nachahmt; Dissonanzen sind spannungsreiche Zusammenklänge, die nach Auflösung verlangen. Die elfte Variation fällt durch das plötzlich zurückgenommene Tempo Adagio und zahlreiche Verzierungen auf. Ihr aufsteigendes Motiv erinnert an das kantable Andante aus dem 21. Klavierkonzert, erreicht dort aber anders die Dominante. Beide Variationen heben sich vom Zyklus ab und geben ihm einen ernsteren Charakter.
Das letzte Stück steht im 3/4-Takt und trägt im Gegensatz zu den vorhergehenden Variationen die Tempoangabe Allegro. Mit Trillern, beidhändigen Sechzehntelbewegungen, Läufen und einer Coda bildet es einen wirkungsvollen Abschluss. Eine Coda ist ein abschließender Zusatzteil eines Musikstücks.
Vorlage und Entstehung
Die Melodie, die Mozart als Vorlage verwendete, wurde 1761 erstmals publiziert. Der Titel „Ah, vous dirai-je, Maman“ ist heute vor allem als Anfang eines Kinderliedes bekannt. Der ursprüngliche Text war jedoch kein Kinderlied, sondern ein Liebesgedicht im Stil der Schäferdichtung und richtete sich an Erwachsene. Er erschien 1774 erstmals zusammen mit der Melodie im Druck.
Das Thema wurde auch von anderen Komponisten aufgegriffen. Genannt werden das Allegretto mit 18 Variationen in G-Dur über „Ah, vous dirai-je, maman“ von Johann Christoph Friedrich Bach, der 12. Satz „Fossiles“ aus dem „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns, die Zehn Variationen über „Ah, vous dirai-je, maman“ von Erwin Schulhoff und die Variationen über ein Kinderlied für Klavier und Orchester, op. 25 von Ernst von Dohnányi.
Mozart komponierte seine Variationen kurz nach seiner Ansiedelung in Wien für seine Schülerin Josepha Barbara von Auernhammer. Ihr widmete er später auch die Sonaten für Klavier und Violine KV 296 und KV 376–380.
Mozarts Variationen im Zusammenhang
Neben den Klaviersonaten gehören Mozarts Variationen zu seinen häufigsten Kompositionen für Klavier. Insgesamt umfasst diese Gruppe 17 Werke. In frühen Stücken sind verschiedene Vorbilder erkennbar, darunter Leopold Mozart, Joseph Haydn und Johann Christian Bach.
Der Artikel betont, dass diese Variationen, abgesehen von den Variationen des ersten Satzes der A-Dur-Sonate, nur wenige Ansätze individueller Prägung und kompositorischer Verdichtung zeigen. Das hängt mit ihrer Entstehungspraxis zusammen: Mozart wurde häufig gebeten, vor einem nicht besonders fachkundigen Publikum über ein vorgegebenes Thema zu improvisieren. Aus solchen Improvisationen konnten später niedergeschriebene Werke entstehen, etwa KV 398 und KV 455. In anderen Fällen wollte Mozart Angehörige des Adels oder andere Komponisten beeindrucken.
Als Beispiel wird der französische Cellist Jean-Pierre Duport genannt, der ab 1787 „Surintendant der königlichen Kammermusik“ am Hof Friedrich Wilhelms II. von Preußen war. Mozart verarbeitete 1789 das Menuett aus Duports Cellosonate Nr. 6 in D-Dur in seinen Duport-Variationen KV 573.