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Zeittafel zur Geschichte der Täufer
Die Zeittafel zur Geschichte der Täufer gibt eine Übersicht über die vielfältigen Ereignisse in den Jahren nach der Entstehung der Täuferbewegung 1523.
Inhalt5 Abschnitte
Überblick über die Täuferbewegung
Die Zeittafel behandelt wichtige Ereignisse der Täuferbewegung von ihrer Entstehung ab 1523 bis 1569. Die Täufer waren eine radikale Strömung der Reformationszeit. Ein zentraler Konflikt bestand in der Taufe: Sie vertraten die Gläubigentaufe, also die Taufe von Menschen, die ihren Glauben selbst bekennen können, und lehnten damit die Kindertaufe ab. Daraus entstanden Auseinandersetzungen mit zwinglischen, lutherischen und katholischen Obrigkeiten.
Die Übersicht stützt sich auf das Geschichtbuch der Hutterischen Brüder (GHB) und Heinold Fasts Der linke Flügel der Reformation (LFR).
Entstehung, Gemeinden und Verfolgung
1523 kam es auf der Zweiten Zürcher Disputation zum offenen Bruch zwischen Huldrych Zwingli und radikalen Anhängern wie Konrad Grebel und Felix Manz. 1525 erfolgten in Zürich die erste Gläubigentaufe und die Gründung der Zürcher Täufergemeinde. Balthasar Hubmaier gründete in Waldshut ebenfalls eine Täufergemeinde.
Schon 1526 drohte der Zürcher Rat Täufern die Todesstrafe an. 1527 wurde Felix Manz in der Limmat bei Zürich ertränkt. Weitere Hinrichtungen folgten: Michael Sattler wurde 1527 in Rottenburg verbrannt, Leonhard Schiemer und Hans Schlaffer 1528 in Rattenberg enthauptet, Balthasar Hubmaier 1528 in Wien verbrannt und Jörg Blaurock 1529 in Südtirol hingerichtet. 1529 erließ der Reichstag zu Speyer das Wiedertäufermandat, das ebenfalls die Todesstrafe androhte. 1530 wurden in Basel und Stuttgart Täufer hingerichtet.
Neben Verfolgungen fanden Disputationen statt, also öffentliche Streitgespräche über Glaubensfragen, besonders über die Taufe. Solche Gespräche sind für St. Gallen (1526), Teufen AR (1529), Zofingen (1532) und Bern (1538) genannt.
Wichtige Richtungen und religiöse Regeln
1527 beschloss eine Täufersynode in Schleitheim die Brüderlich Vereynigung. Dabei wurden die unter entscheidender Mitwirkung Michael Sattlers entstandenen Schleitheimer Artikel herausgegeben.
In Nikolsburg führte ein Streit über die Legitimität staatlicher Gewalt 1529 zur Trennung: Die Gruppe der Stäbler zog nach Austerlitz in Mähren und begründete die zunächst kommunitär organisierte Gemeinde der Austerlitzer Brüder. Kommunitär bedeutet hier, dass die Gemeinde gemeinschaftlich organisiert war. In Auspitz entstanden 1530 Gemeinden, die die Gütergemeinschaft der Jerusalemer Urgemeinde nachahmten; später wurden sie Hutterer genannt. Jakob Hutter leitete die Auspitzer Gemeinde von 1533 bis 1536.
Die Confessio Augustana, die 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg vorgelegt wurde, verwirft in Artikel 9 die Lehre, dass die Kindertaufe nicht recht sei. Auch die Artikel 5, 16 und 17 verdammen Täufer. Die von Philipp Melanchthon verfasste Apologie der Confessio Augustana bekräftigt diese Verwerfung in Artikel 9 erneut.
Melchior Hofmann und Münster
Melchior Hofmann wurde 1526 in Augsburg von Hans Denck getauft. 1529 gelangte er nach Straßburg und schloss sich der Täuferbewegung an. Nach seiner Wirksamkeit in Ostfriesland entstand in Emden eine Täufergemeinde; nach seiner Ausweisung wirkte er als Sendbote in den Niederlanden. Nachdem 1531 Täufer hingerichtet worden waren, ordnete Hofmann an, die Taufe für zwei Jahre einzustellen. 1533 wurde er in Straßburg inhaftiert und blieb dort zehn Jahre bis zu seinem Tod im Gefängnis.
1534 übernahm Jan Matthys aus Haarlem die Führung der niederländischen, nach Hofmann auch Melchioriten genannten Täufer. Er hob das Taufverbot auf und schickte Sendboten nach Münster. Dort gewannen die Täufer die Ratswahl; es kam zu Bildersturm und zur Ausweisung aller Menschen, die sich der Täufergemeinde nicht anschlossen. Der Bischof von Münster organisierte daraufhin mit umliegenden Städten die Belagerung. Noch 1534 starb Jan Matthys. Jan van Leiden trat an seine Stelle und wurde zum König ausgerufen.
1535 eroberten Belagerungstruppen Münster zurück. 1536 wurden Jan van Leiden und weitere Täufer dort hingerichtet. Im selben Jahr trat Menno Simons, ein Priester aus Witmarsum in Friesland, aus der römisch-katholischen Kirche aus. Obbe Philips war bereits 1534 in Leeuwarden getauft worden und wird als Mitbegründer der späteren Mennonitengemeinden bezeichnet.
Spätere Ereignisse
Zu den weiteren genannten Entwicklungen gehören die Ausweisung Pilgram Marbecks aus Straßburg 1531. Danach reiste er durch Südtirol, die Schweiz und vermutlich Mähren, arbeitete als Wasserbauingenieur und stärkte durch Verfolgung geschwächte Täufergemeinden. 1536 leitete David Joris in Bocholt eine Synode der melchioritischen Täufer.
Peter Rideman schrieb 1539 in einem hessischen Gefängnis die „Rechenschaft unserer Religion, Lehre und Glaubens“. Im selben Jahr veröffentlichte Menno Simons sein „Fundamentbuch“. 1538 wurden in der Burg Falkenstein zahlreiche aus Mähren vertriebene Wiedertäufer inhaftiert; Frauen und Kinder wurden bald freigelassen, Männer nach Triest gebracht und auf Galeeren eingesetzt. 1569 wurde Dirk Willems in Gelderland auf dem Scheiterhaufen verbrannt.