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Gläubigentaufe
Mit Gläubigentaufe (auch: Glaubenstaufe, Taufe der Glaubenden und Bekenntnistaufe genannt) wird eine Taufe von Menschen bezeichnet, die ihre Taufe selbst …
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Grundidee und Abgrenzung
Die Gläubigentaufe, auch Glaubenstaufe, Taufe der Glaubenden oder Bekenntnistaufe genannt, ist eine Taufe von Menschen, die ihre Taufe selbst wünschen und dazu ein persönliches Glaubensbekenntnis ablegen. Sie ist in vielen taufgesinnten Kirchen, Freikirchen und christlichen Gemeinschaften die Regel. Der Gegensatz dazu ist die Kindertaufe oder Säuglingstaufe, bei der auch Kinder getauft werden, die ihren Glauben noch nicht persönlich bekennen können; dabei versprechen Eltern und/oder Paten eine christliche Erziehung.
Täuferische und taufgesinnte Christen verwenden den Begriff Gläubigentaufe spätestens seit Balthasar Hubmaiers Schrift „Von der Christenlichen Tauff der gläubigen“ von 1525. Begriffe wie Erwachsenen-, Heranwachsenden-, Groß- oder Mündigentaufe gelten ihnen meist als ungenau, weil nicht das Alter entscheidend ist, sondern das eigene Glaubensbekenntnis des Taufbewerbers. Friedrich Sondheimer betonte, dass auch Kinder getauft werden können, wenn sie ihren persönlichen Glauben an Jesus Christus bezeugen können. Auch Karl Barth unterschied die Gläubigentaufe von einer bloßen „Erwachsenentaufe“: Entscheidend sei, dass der Täufling selbst getauft werden möchte und sagt: „Ich glaube, und also möchte ich zur Gemeinde gehören!“
Biblische Begründung
Die Begriffe Glaubenstaufe und Gläubigentaufe werden mit Texten des Neuen Testaments verbunden. Im Anhang zum Markus-Evangelium heißt es: „Wer da glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet.“ Die Apostelgeschichte berichtet im zweiten Kapitel von den ersten christlichen Taufen und beschreibt die Getauften als Menschen, die gläubig geworden waren.
Nach der Darstellung des Artikels wird im Neuen Testament dort, wo Taufhandlungen genauer beschrieben werden, die Taufe an Menschen vollzogen, die zuvor die Predigt des Evangeliums gehört und darauf in freier Glaubensentscheidung reagiert haben. Im Kommentar zu den Lima-Erklärungen über Taufe, Eucharistie und Amt wird anerkannt, dass die Taufe nach einem persönlichen Glaubensbekenntnis die im Neuen Testament am eindeutigsten belegte Praxis ist. Die Möglichkeit der Kindertaufe werde dort aber nicht ausdrücklich ausgeschlossen.
Für die Kindertaufe werden häufig die sogenannten „oikos-Stellen“ herangezogen. „Oikos“ bedeutet hier Haus oder Hausgemeinschaft. Dabei wird vorausgesetzt, dass zu einem Haus nicht nur Erwachsene und Kinder, sondern auch Säuglinge gehört haben könnten. Kurt Aland wird mit der Auffassung wiedergegeben, dass die Apostelgeschichte keinen konkreten Nachweis für eine in den frühen Gemeinden vollzogene Kindertaufe liefere. Der Sprachforscher Peter Weigant meint, aus der Wendung „jemandes ganzes Haus“ lasse sich bei den neutestamentlichen Haustaufen nicht schließen, welche Personen konkret gemeint waren; der Kontext lasse in allen Fällen nur den Schluss zu, dass Säuglinge und Kleinkinder nicht dazugehörten.
Entwicklung in der frühen Kirche
Für die frühe Kirche nennt der Artikel die Didache, eine Gemeindeordnung aus dem frühen zweiten Jahrhundert für christliche Gemeinden im Raum Syrien, Palästina und vielleicht auch Ägypten. In ihr ist die Säuglingstaufe kein Thema. Die ersten sechs Kapitel beschreiben einen Taufunterricht vor der Taufe, und das siebte Kapitel behandelt die Taufe selbst. Es wird unter anderem empfohlen, dass Täufer und Täufling vor der Taufe fasten. Diese Bestimmungen werden im Artikel so gedeutet, dass vor der Jahrhundertwende keine Säuglinge und Kleinkinder getauft wurden.
Der Brauch, Säuglinge zu taufen, kam nach dem Artikel noch vor 200 n. Chr. auf, stieß aber auf Widerstand. Tertullian († nach 220) erwähnt ihn vermutlich zum ersten Mal in „De Baptismo“ und lehnt ihn zugleich ab. Er fordert einen Aufschub der Taufe, bis Kinder herangewachsen, aufnahmefähig und unterwiesen seien.
Ein erster Ansatz für ein stellvertretend gesprochenes Glaubensbekenntnis erscheint in der Taufordnung des Hippolyt von Rom († 235). Dort wird unterschieden zwischen Kindern, die für sich selbst sprechen können, und Kindern, die dazu noch nicht in der Lage sind; für diese sollten Eltern oder andere Familienangehörige sprechen. Origenes (ca. 185–254) forderte dagegen, die Taufe auch an kleinen Kindern zu vollziehen, und begründete dies unter anderem mit einer Regel der Kirche, die von den Aposteln her komme.
Bis ins fünfte Jahrhundert blieb nach dem Artikel die Gläubigentaufe die Regel, besonders in prominenten Familien wurde die Taufe oft aufgeschoben. Als Beispiele für ein späteres Taufalter nennt der Artikel unter anderem Basilius den Großen mit 27 Jahren, Ambrosius von Mailand mit 34 Jahren, Augustinus von Hippo mit 32 Jahren, Gregor von Nazianz mit etwa 30 Jahren, Hieronymus mit 20 Jahren, Johannes Chrysostomos im Alter zwischen 20 und 25 Jahren und Paulinus von Nola mit etwa 37 Jahren.
Geschichte seit der Reformation
In der frühen Kirche wurde die Kindertaufe nach und nach zum Normalfall. Erwachsenentaufen gab es vor allem beim Übertritt von einer anderen Religion zum Christentum, aber auch bei Menschen aus christlichen Familien, bei denen die Taufe aufgeschoben wurde, wie bei Augustinus. Im Zusammenhang christlicher Mission kam es begrenzt auch zu Zwangstaufen.
Seit dem 16. Jahrhundert traten wieder Bewegungen hervor, die die Gläubigentaufe bevorzugten. In der Reformationszeit war dies besonders die Täuferbewegung, aus der Mennoniten, Amische und Hutterer hervorgingen. Auch frühe Unitarier in Polen-Litauen und teilweise in Siebenbürgen waren täuferisch geprägt; die polnischen Unitarier praktizierten früh die Untertauchtaufe.
Im 17. Jahrhundert entstanden aus dem englischen Puritanismus die Baptisten. Im 18. Jahrhundert folgten die Tunker, die aus dem Radikalen Pietismus hervorgingen. Später kamen weitere Kirchen und Freikirchen hinzu, zum Beispiel die Adventisten. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gibt es auch in evangelischen Kirchen, die weiterhin die Kindertaufe praktizieren, häufiger Taufen von Heranwachsenden oder Erwachsenen. In säkularisierten Gesellschaften Europas spielt die Erwachsenentaufe wieder eine größere Rolle, weil viele Menschen keiner christlichen Kirche mehr angehören und viele Kinder deshalb nicht getauft wurden.
Praxis und Gemeinschaften
Heranwachsende und Erwachsene werden grundsätzlich in allen christlichen Kirchen getauft. Bestimmte Konfessionsfamilien taufen jedoch ausschließlich Menschen, die die Taufe persönlich begehren und ein Bekenntnis ihres Glaubens an Jesus Christus ablegen. In diesen Gemeinden wird die Taufe in der Regel durch Untertauchen vollzogen. Eine Ausnahme bilden verschiedene mennonitische Kirchengemeinschaften, die durch Übergießen taufen.
Die Taufformel kann trinitarisch sein, also „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ nach Mt 28,19. Daneben gibt es die Taufe auf den Namen „Jesu [Christi]“ oder „Christus Jesus“, wie sie in der Apostelgeschichte und an anderen Stellen des Neuen Testaments erwähnt wird, etwa Apg 2,38, Apg 8,12, Apg 10,48 und Röm 6,3.
Als Konfessionsfamilien, die ausschließlich die Gläubigentaufe praktizieren, nennt der Artikel unter anderem Baptisten, die Brüderbewegung, Freie evangelische Gemeinden, Gemeinden Christi, Hutterer, Mennoniten, Pfingstler und Siebenten-Tags-Adventisten. Weitere Gemeinschaften, die die Säuglingstaufe ablehnen, sind Zeugen Jehovas, Christadelphians und die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, also Mormonen.