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Subsistenz
Pflanzenanbau für den Eigenbedarf ist eine wichtige traditionelle Wirtschaftsform für lokale Gemeinschaften, auch wenn sie nur noch ergänzend betrieben wird …
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Grundidee und Bedeutung
Subsistenz bezeichnet allgemein die Existenzgrundlage oder den Lebensunterhalt: alles, was materiell und sozial für das alltägliche Überleben gebraucht wird. Dazu gehören Nahrung, Kleidung, eine Behausung sowie Fürsorge und Geselligkeit. Der Begriff meint damit nicht nur körperliche Grundversorgung, sondern auch soziale Bedingungen des Lebens.
Als philosophischer Begriff steht Subsistenz für Selbsterhaltung und für das „Bestehen durch sich selbst und für sich selbst“. In wirtschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Zusammenhängen geht es vor allem darum, wie Menschen ihre Versorgung sichern. Die Art und Weise dieses Bestrebens heißt Subsistenzstrategie.
Daniel Dahm beschreibt Subsistenz als Selbstversorgung mit materiellen und immateriellen Gütern. Dazu zählen Agrarprodukte, handwerkliche Erzeugnisse, Bauwerke, Kunstwerke und Dienstleistungen, aber auch Mütter- und Väterarbeit, Hausarbeit, freiwilliges Engagement und ehrenamtliche Arbeit. Wichtig ist dabei: Diese Tätigkeiten orientieren sich am eigenen oder gemeinschaftlichen Bedarf und werden nicht fremdbestimmt für Geld produziert. Ihre Grundlagen sind Kommunikation, Partizipation und Kooperation auf Basis gegenseitiger Verantwortung.
Subsistenzstrategien und Wirtschaftsformen
In der Ethnologie, Anthropologie, Soziologie, Archäologie und Wirtschaftsgeschichte bezeichnet eine Subsistenzstrategie bestimmte Verhaltensweisen, die die Versorgung sichern sollen. Gemeint ist jede „Strategie zum Lebenserhalt“, etwa Jagd, Feldfruchtanbau, intensive Agrikultur, Handel oder industrielle Produktion. Der Begriff darf nicht mit Subsistenzlandwirtschaft gleichgesetzt werden: Auch Handel kann eine Subsistenzstrategie sein.
Zur Abgrenzung gegenüber modernen marktorientierten Produktionsweisen wird oft von traditionellen Wirtschaftsformen gesprochen. Dieser Begriff ist jedoch umfassender. Eine wichtige traditionelle Wirtschaftsform ist der Pflanzenanbau für den Eigenbedarf, auch wenn er in manchen Gemeinschaften nur ergänzend betrieben wird.
Der Anthropologe James C. Scott beschreibt mit „Subsistenzethik“ eine Strategie nach dem „safety-first“-Prinzip. Sie versucht, Nahrungsengpässe zu vermeiden. Dazu gehören Risikovermeidung und Risikostreuung, die Bevorzugung direkt konsumierbarer Nahrungsmittel und das Ziel stabiler, sicherer Erträge. Dies betrifft technische Aspekte wie Saatgut und Anbautechniken, aber auch soziale Regeln wie Reziprozität, Gemeindeland oder erzwungene Freigiebigkeit.
Subsistenzwirtschaft
Subsistenzwirtschaft, auch Subsistenzlandwirtschaft oder Bedarfswirtschaft genannt, ist eine Wirtschaftsform, bei der Produktion in erster Linie der Selbstversorgung dient. Sie ist auf die Deckung des Eigenbedarfs ausgerichtet und nicht hauptsächlich auf Verkauf oder Gewinn.
Die Arbeit in der Subsistenzwirtschaft ermöglicht derzeit mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung ein weitgehend unabhängiges und selbstbestimmtes Auskommen. Gleichzeitig sind bis zu 1,2 Milliarden der in Subsistenz lebenden Kleinbauern akut von Hunger und Armut betroffen. Der Artikel betont daher, dass Subsistenzwirtschaft nicht für alle eine zukunftssichere Alternative ist.
Subsistenzarbeit und urbane Subsistenz
Nach Daniel Dahm bildet Subsistenzarbeit die Grundlage der Subsistenz. Sie ist unbezahlte, informelle Arbeit und steht in einem komplementären Verhältnis zur Erwerbsarbeit, also zur bezahlten Arbeit. Subsistenzarbeit umfasst haushalts-, familien- und individualorientierte Tätigkeiten ebenso wie bürgerschaftlich getragene, solidarisch-kooperative und gemeinschaftsorientierte Tätigkeiten.
Dahm unterscheidet individualorientierte und gemeinschaftsorientierte Subsistenzarbeit. Besonders die gemeinschaftsorientierte Form wird häufig als Bürgerarbeit verstanden. Sie beruht auf intrinsischer Motivation, Selbstbestimmtheit, Selbstorganisation und Solidarität gegenüber der Gemeinschaft. Durch sie entstehen soziales Kapital, Standortqualität und Lebensqualität in Gemeinschaft.
Urbane Subsistenz wurde von Dahm ab 1999 in den wissenschaftlichen Diskurs eingeführt. Der Begriff erweitert die Idee der agraren und materiellen Selbstversorgung auf unbezahlte, weitgehend informelle Dienstleistungen in Städten. Dazu gehören gemeinschaftliche und individuelle Beiträge, die nicht der Logik von Wettbewerb und Konkurrenz folgen, sondern Kooperation und Solidarität. Urbane Subsistenz soll soziale und kulturelle Dienstleistungen, demokratische Teilhabe, Integrationsprozesse, Kreativität, Selbstorganisation und Innovationskraft fördern. Nach Dahm ist sie für Städte unersetzbar, weil sie zur sozialen und kulturellen Funktionsfähigkeit und zur Lebensqualität beiträgt.
Ökonomische Fachbegriffe
Der Subsistenzlohn ist der Lohn, den Arbeiter zur Finanzierung ihrer Selbsterhaltung benötigen. Dazu zählen Nahrung, Kleidung und Wohnung.
Im klassischen Wachstumsmodell nach Smith und Malthus bezeichnet das Subsistenzniveau den Lohnsatz, auf den die Entlohnung langfristig nach einer Produktivitätssteigerung wieder zurücksinkt.
In der Mikroökonomie werden Subsistenzgüter durch quasilineare Nutzenfunktionen beschrieben. Auf das Subsistenzgut wirken dabei keine Einkommenseffekte. Das bedeutet: Veränderungen des Einkommens verändern in diesem Modell die Nachfrage nach diesem Gut nicht auf die übliche Weise.
Philosophische Bedeutung
In der Philosophie bedeutet Subsistenz das „Bestehen durch sich selbst und für sich selbst“. In der aristotelischen und scholastischen Philosophie ist dies eine Eigenschaft der Substanz, genauer: der geistigen Substanz. Eine Substanz besteht selbstständig, während Akzidentien, also veränderliche Eigenschaften, nur durch einen Träger bestehen und ihm innewohnen.
Der Ausdruck wurde vom römischen Gelehrten Gaius Marius Victorinus um 330 n. Chr. geprägt, der den griechischen Begriff hypóstasis („Grundlage“) aufgriff. Immanuel Kant definierte „Subsistenz“ 1783 in den Prolegomena als die Notwendigkeit, „dass dem Dasein der Dinge ein Subjekt zugrunde liege, das selbst kein Prädikat von irgendeinem anderen Dinge sein könne.“
In neuerer Zeit wurde der Begriff auch sozial und rechtlich verwendet. Bei James C. Scott erscheint er 1976 in The Moral Economy of the Peasant als „Subsistenzethik“. Bei Henry Shue erscheint er 1996 in Basic Rights als „Subsistenzrecht“ (right to subsistence), also als menschliches Grundrecht. In beiden Fällen meint Subsistenz eine Grundsicherung, die nicht nur körperliche Grundbedürfnisse umfasst, sondern auch Teilnahme und Teilhabe an einer Gesellschaft.