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Taufe
Die Taufe, genannt auch Taufritus, ist ein christlicher Ritus, der seit der Zeit des Neuen Testaments besteht. Die Auffassungen über Voraussetzung, …
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Grundbedeutung
Die Taufe ist ein christlicher Ritus, der seit der Zeit des Neuen Testaments besteht. Sie wird mit Wasser vollzogen: entweder durch Übergießen des Täuflings mit Wasser (Infusionstaufe) oder durch Untertauchen im Wasser (Immersionstaufe oder Ganzkörpertaufe). Dabei wird eine Taufformel gesprochen.
Christliche Kirchen verstehen die Taufe unterschiedlich. In vielen Kirchen gilt sie als Reinigung von religiös verstandener Schuld, besonders von Sünde oder Erbsünde, und als Teilhabe an der Sündenvergebung durch den Tod Christi am Kreuz. Sie wird dort als „Eingliederung in den gestorbenen und auferstandenen Christus“ und damit als Eingliederung in die kirchliche Gemeinschaft verstanden. Eine weitere Deutung ist die „Neugeburt zur Gotteskindschaft“. Andere Kirchen sehen die Taufe eher als symbolische Handlung: Sie bewirkt die genannten Vorgänge nicht selbst, sondern bezeichnet sie sichtbar.
Auch die Praxis ist verschieden. Viele Kirchen taufen Säuglinge und kleine Kinder; andere praktizieren nur die Gläubigentaufe, also die Taufe von Menschen, die ihren Glauben selbst bekennen. Fast alle Kirchen taufen nach dem biblischen Taufauftrag Jesu in Matthäus 28 „auf den“ oder „im“ Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Einige wenige Gemeinschaften taufen nach der Apostelgeschichte nur „auf den Namen Jesus“.
Biblische Grundlagen
Im Alten Testament und im Judentum gab es rituelle Waschungen und Reinigungen mit Wasser. Beispiele sind Naamans siebenmaliges Untertauchen im Jordan auf Befehl des Propheten Elischa (2 Kön 5,1) und die Verbindung von Waschung und Sündenvergebung in Psalm 51,9. In Hesekiel 36,25 wird ein Besprengen beschrieben, das Unreinheit beseitigen soll. Jüdische Gruppen wie die Gemeinschaft von Qumran und die Essener kannten regelmäßige Waschungen zur äußeren und inneren Reinigung. Im Unterschied zur christlichen Taufe waren solche Waschungen meist wiederholt, ohne öffentliches Bekenntnis und ohne taufende Person.
Die erste Taufe im Neuen Testament ist die Taufe durch Johannes den Täufer im Jordan. Sie war mit Sündenbekenntnis, Umkehr und Buße verbunden und geschah „zur Vergebung der Sünden“. Auch Jesus ließ sich nach den Evangelien von Johannes taufen. Die christliche Taufe unterscheidet sich von der Johannestaufe vor allem durch die Gabe des Heiligen Geistes und die Taufe auf den Namen Jesu Christi, wie Apostelgeschichte 19,1–7 zeigt.
Eine zentrale Stelle ist der Tauf- oder Missionsbefehl in Matthäus 28,18–20: Die Jünger sollen alle Völker zu Jüngern machen, sie „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ taufen und sie lehren. In der Apostelgeschichte ruft Petrus zur Taufe „auf den Namen Jesu Christi“ zur Vergebung der Sünden auf und verbindet sie mit dem Empfang des Heiligen Geistes (Apg 2,38–39). Paulus deutet die Taufe in Römer 6 als Mitbegrabenwerden mit Christus und als Beginn eines neuen Lebens.
Geschichtliche Entwicklung
In der Alten Kirche war die Taufe eng mit dem Glaubensbekenntnis verbunden. Die älteste bekannte Kurzform lautet „Jesus ist der Herr“. Die Taufe bedeutete Eingliederung in den Leib Christi und Unterstellung unter die Herrschaft Jesu Christi. Schon früh wurde die trinitarische Formel aus Matthäus 28 verwendet, etwa in der Didache. Ab dem ausgehenden 2. Jahrhundert wurden Taufen in Rom und Nordafrika besonders in der Osternacht gefeiert, um Sterben und Auferstehen mit Christus zu verdeutlichen.
Ursprünglich geschah die Taufe wohl meist durch vollständiges Untertauchen in kaltem, fließendem Wasser. Übergießen war aber schon im 1. oder 2. Jahrhundert möglich, wenn Untertauchen nicht möglich war. Die Kindertaufe ist um 215 in der Hippolytischen Kirchenordnung bezeugt und wurde bis zum 5. Jahrhundert zur vorherrschenden Praxis. Theologen wie Cyprianus, Tertullian und Augustinus prägten die Lehre stark. Augustinus verstand die Taufe als sichtbare Handlung, durch die unsichtbare Gnade wirksam wird, und als Heilmittel gegen die Erbsünde.
Im Mittelalter wurde die Taufe mit den Begriffen Materie, Form und Absicht erklärt: Materie ist das Taufwasser, Form die Taufformel, und die Absicht des Spenders ist die Intention zu taufen. Diese Lehre wurde 1439 in der Bulle Exsultate Deo verkündet und gilt in der katholischen Kirche bis heute. In der Reformation betonte Martin Luther die Taufe als sichtbare Zusage Gottes und als Bund mit Gott, der im Leben immer wieder geistlich erneuert werden soll. Ulrich Zwingli und Johannes Calvin verstanden sie stärker als äußeres Zeichen göttlicher Gnade. Täuferische Gruppen sahen sie als Bekenntnistaufe nach bewusster Glaubensentscheidung. Das Konzil von Trient formulierte als katholische Reaktion die scholastische Tauflehre neu und machte die Kindertaufe nach kirchlichem Verständnis verpflichtend.
Formen und Ritus
Das wesentliche sichtbare Element der Taufe ist Wasser. Die Taufe durch Untertauchen soll besonders deutlich das „Begrabenwerden und Auferstehen mit Jesus Christus“ ausdrücken. Sie wird unter anderem in Ostkirchen, bei Baptisten, vielen Freikirchen, der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und bei den Zeugen Jehovas praktiziert. In vielen westlichen Kirchen ist das Übergießen verbreitet. Die Deutsche Bischofskonferenz erklärt, man könne durch Untertauchen oder Übergießen taufen; Untertauchen eigne sich besser als Zeichen der Teilnahme an Tod und Auferstehung Christi, doch in den üblichen Verhältnissen bleibe es meist beim Übergießen.
Die Taufformel hat in den meisten Kirchen denselben Kern: „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Unterschiede gibt es in der Einleitung, etwa „ich taufe dich im …“, „ich taufe dich auf den …“ oder in ostkirchlichen Riten „Der Diener Gottes N. N. wird getauft im …“. Einige Kirchen verwenden statt der trinitarischen Formel die Formel „auf den Namen Jesu (Christi)“ oder „im Namen Jesu (Christi)“ und berufen sich dabei auf die Praxis der Urgemeinde in der Apostelgeschichte.
In Notfällen kann in vielen Kirchen auch ein Laie eine gültige Taufe spenden. In der römisch-katholischen Kirche kann im Notfall sogar jeder Mensch taufen, wenn er die nötige Absicht hat. Dazu wird Wasser über den Kopf des Täuflings gegossen und gesprochen: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Neben dem eigentlichen Ritus gibt es Formen des Taufgedächtnisses, etwa Weihwasser, die Erneuerung des Taufversprechens in der Osternacht oder ökumenische Taufgedächtnisse.
Taufe in den Kirchen
In der römisch-katholischen Kirche ist die Taufe die Grundlage des ganzen christlichen Lebens, das Eingangstor zum Leben im Geist und zu den anderen Sakramenten. Es gibt eigene liturgische Ordnungen für die Eingliederung Erwachsener in die Kirche und für die Kindertaufe. Zur Feier gehören unter anderem Kreuzzeichen, Lesungen, Allerheiligenlitanei, Taufexorzismus, Salbung mit Katechumenenöl, Weihe des Taufwassers, Glaubensbekenntnis und Absage an das Böse. Bei Erwachsenen folgen gewöhnlich Firmung und Erstkommunion in derselben Feier. Bei Kindern folgen unter anderem Chrisamsalbung, Taufkleid, Taufkerze und Effata-Ritus.
In der Orthodoxie bilden Taufe, Myronsalbung und Ersteucharistie eine einheitliche Feier der Eingliederung in Christus und die Kirche. Der Täufling wird vollständig untergetaucht, auch Kleinkinder empfangen danach die Myronsalbung und grundsätzlich auch die Kommunion. Vor der Taufe stehen mehrere vorbereitende Riten, etwa Gebete zur Geburt, am achten und am vierzigsten Tag sowie der Katechumenat. Zur Taufe gehören Exorzismen, Absage an Satan, Zusage an Christus, Glaubensbekenntnis, Salbung, dreimaliges Untertauchen und das weiße Gewand.
In evangelischen Kirchen kann die Taufe im Gemeindegottesdienst oder in einem besonderen Taufgottesdienst stattfinden. Bei Säuglingen antworten Eltern und Paten stellvertretend, sprechen das Glaubensbekenntnis und versprechen christliche Erziehung. Ältere Täuflinge antworten selbst. Häufig erhält der Täufling einen Taufspruch, eine Taufkerze und einen Segen; die Taufe wird in die Kirchenbücher eingetragen. In baptistischen Gemeinden gibt es keine vorgeschriebene Liturgie. Typisch sind ein persönliches Bekenntnis zu Jesus Christus, das Untertauchen im Baptisterium oder Gewässer, ein Taufspruch, Segnung und Aufnahme in die Gemeinde. In der Neuapostolischen Kirche gilt die Wassertaufe als erste grundlegende Gnadenmitteilung; zusammen mit der Versiegelung bildet sie die „Wiedergeburt aus Wasser und Geist“.
Anerkennung und Recht
Die Gültigkeit einer Taufe hängt in den meisten Kirchen nicht von der Konfession des Täuflings oder des Taufenden ab. Meist anerkannt wird eine Taufe, wenn sie auf den Namen des dreieinigen Gottes, mit Wasser durch Untertauchen oder Begießen und mit der richtigen Absicht des Taufenden vollzogen wurde. Für Deutschland wurde auf dieser Grundlage am 29. April 2007 die Magdeburger Erklärung unterzeichnet. Umstritten bleibt die Gültigkeit dort, wo Freikirchen eine bewusste Entscheidung des Täuflings verlangen, Untertauchen zwingend fordern oder ausschließlich „auf den Namen Jesu“ taufen.
In der ökumenischen Diskussion wird der verbindende Charakter der Taufe betont. Eine Erklärung des Ökumenischen Rates der Kirchen von 2006 sagt, die Taufe mache sichtbar, dass Christen zueinander gehören, auch wenn manche Kirchen andere noch nicht als Kirchen im vollen Sinn anerkennen. International formulierte die Lima-Erklärung von Januar 1982 Gemeinsamkeiten der Taufauffassung der im Ökumenischen Rat der Kirchen zusammengeschlossenen Kirchen; römisch-katholische Vertreter waren an der Ausarbeitung beteiligt.
Kirchenrechtlich begründet die Taufe in vielen Religionsgemeinschaften die Mitgliedschaft. In der Evangelischen Kirche in Deutschland heißt es in § 6 Satz 1 des Kirchenmitgliedschaftsgesetzes: „Die Kirchenmitgliedschaft wird durch die Taufe in einer Kirchengemeinde, die einer Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland angehört, erworben.“ Staatlich ist in Deutschland wegen der Trennung von Staat und Kirche nicht der Staat dafür zuständig zu bestimmen, wer einer Kirche angehört. Er erkennt aber die von Kirchen selbst geregelte Mitgliedschaft an, wenn daran staatliche Folgen wie Kirchensteuer anknüpfen. Das gilt auch für Kindertaufen, bei denen sorgeberechtigte Eltern handeln.
Lernvideos zu Taufe
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Was bedeutet Taufe?
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