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Yoga

Einige meditative Formen von Yoga legen ihren Schwerpunkt auf die geistige Konzentration, andere mehr auf körperliche Übungen und Positionen sowie Atemübungen ( …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundidee
  2. 2. Entwicklung und grundlegende Yogawege
  3. 3. Philosophische Grundlage und spirituelle Ziele
  4. 4. Yoga in der heutigen Praxis
  5. 5. Schulen, Richtungen und Verbreitung
  6. 6. Gesundheitliche Aussagen

Begriff und Grundidee

Yoga ist eine aus Indien stammende philosophische Lehre und eine der sechs klassischen Schulen (Darshanas) der indischen Philosophie. Er umfasst geistige und körperliche Praktiken, darunter Yama und Niyama (ethische Verhaltensregeln), Asanas (Körperhaltungen), Pranayama (Atemübungen), Pratyahara (Zurückziehen der Sinne), Kriyas (Reinigungspraktiken), Meditation und Askese.

Yoga kann „Vereinigung“ oder „Integration“ bedeuten. Im Sinn von „Anschirren“ und „Anspannen“ bezeichnet er auch das Sammeln und Konzentrieren, indem Körper und Seele beziehungsweise Bewusstsein verbunden werden. Da jeder Weg zur Selbsterkenntnis Yoga heißen kann, gibt es im Hinduismus zahlreiche, auf unterschiedliche Veranlagungen zugeschnittene Yogawege. Praktizierende heißen Yogī, Jogi oder Yogin; die weibliche Form ist Yoginī.

In Europa und Nordamerika wurde Yoga lange vor allem mit Asanas und damit mit Hatha Yoga gleichgesetzt. Tatsächlich können Yogaformen den Schwerpunkt sehr unterschiedlich setzen: auf geistige Konzentration, Körperhaltungen und Atem, oder Askese. Die philosophischen Grundlagen wurden besonders im Yogasutra von Patanjali zusammengefasst; wichtige Quellen sind außerdem Upanishaden und Bhagavad-Gita. Am 1. Dezember 2016 wurde Yoga als Immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt.

Entwicklung und grundlegende Yogawege

Ältere Upanishaden von etwa 700 v. Chr. beschreiben Atemübungen und Pratyahara als Hilfen für Dhyana, die Meditation. Mittlere Upanishaden um 400 v. Chr. nennen bereits Yoga und wesentliche Bestandteile des späteren Systems. Yoga war eng mit Samkhya verbunden und galt als dessen praktische Weiterführung. Im Mahabharata um etwa 300 v. Chr. erscheint Yoga als praktisches Gegenstück zum theoretischen Sânkhya.

Patanjali fasste vermutlich überlieferte Yoga-Lehren aus der Zeit zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und dem 4. Jahrhundert n. Chr. zusammen. Sein Yogasutra besteht aus 194 kurzen Merksprüchen in vier Büchern. Die klassischen Schriften unterscheiden vier Wege: Raja Yoga, die meditativen Stufen des achtgliedrigen Yoga nach Patanjali; Jnana Yoga, der Weg der Erkenntnis; Karma-Yoga, selbstloses Handeln; und Bhakti-Yoga, Liebe, Verehrung und Hingabe an Gott oder eine Ishtadevata. Als fünfter bedeutender Weg etablierte sich zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert Hatha-Yoga. Ergänzend werden Mantra Yoga, Laya Yoga und Kundalini-Yoga genannt.

Ursprünglich war Yoga vor allem ein spiritueller Weg zur Erleuchtung durch Meditation. Asanas sollten den Körper zunächst kräftigen und beweglich machen, damit ein Meditationssitz wie der Lotossitz lange beschwerdefrei gehalten werden konnte. Die Hathapradipika aus dem 15. Jahrhundert beschreibt Techniken, die den Körper als Mittel für existenzielle und spirituelle Ziele einbeziehen. Mit der Zeit erhielt die körperliche Übungspraxis einen höheren Stellenwert. Am 21. Juni wird der Tag des Yoga begangen.

Philosophische Grundlage und spirituelle Ziele

Die Yoga-Philosophie hat Wurzeln im Hinduismus und in Teilen des Buddhismus. Ein Bild vergleicht das Individuum mit einem Reisenden: Der Körper ist der Wagen, der Verstand der Kutscher, die fünf Sinnesorgane sind die Pferde, die Seele ist der Fahrgast und das Geschirr heißt Yoga. Der wichtigste Quelltext ist das Yogasutra Patanjalis.

Dessen zentrale Aussage lautet: „Yogaś citta-vṛtti-nirodhaḥ“ – „Yoga ist das Aufhören (oder: Verhindern, oder: Kontrolle) der Geisteswendung.“ Gemeint ist ein Zustand, in dem seelisch-geistige Vorgänge zur Ruhe kommen. Dann, so das dritte Sutra, „ruht der Betrachter in der Eigenform“. Andernfalls identifiziert sich der Mensch mit seinen wechselnden geistigen Vorgängen und bleibt Gewohnheiten und Vergangenheit verhaftet.

Die Bhagavad-Gita behandelt unter anderem Karma, also das hinduistische und buddhistische Prinzip von Ursache und Wirkung, Reinkarnation, Meditation, Dharma, Selbsterkenntnis und glaubensvolle Liebe. Sie enthält auch praktische Anweisungen: Der Yogi soll Sinne, Herz und Geist zügeln, Ein- und Ausatmung regeln, in Einsamkeit üben und beim Sitzen Körper, Nacken und Kopf gleichmäßig und unbewegt halten. Den schwer zu kontrollierenden Geist könne man laut Krishna durch Anstrengung und Entsagung disziplinieren; Reinkarnation eröffne weitere Chancen, Samadhi zu erreichen.

Yoga wird von Menschen verschiedener Religionen und Weltanschauungen praktiziert. Die Wurzeln in Hinduismus und Buddhismus prägen jedoch Vorstellungen wie Karma, Reinkarnation sowie Brahman/Atman als universelles, allen Lebewesen gemeinsames Prinzip. In den Yamas und Niyamas bestehen Parallelen zu Geboten des Christentums, Judentums und Islams. Im Sufismus finden sich ebenfalls Parallelen. Patanjalis Yoga ist im Unterschied zur ähnlichen Samkhya-Lehre theistisch orientiert.

Yoga in der heutigen Praxis

Heutige Yogaübungen verfolgen meist einen ganzheitlichen Ansatz: Körper, Geist und Seele sollen in Einklang kommen. Eine typische Unterrichtseinheit verbindet Asanas, Tiefenentspannung, Pranayama und Meditation. Kontrollierte Atmung und Konzentration sollen das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele verbessern; angestrebt werden Vitalität und innere Gelassenheit.

In der ursprünglichen Lehre ist Yoga ein Weg der Selbstvervollkommnung. Dazu gehören das Zügeln von Begierden und Reinigungsmethoden. Schulen unterscheiden sich jedoch deutlich in spirituellem Hintergrund, Sinn und Vorgehensweise. Nach einer traditionellen, vorwissenschaftlich-spirituellen Auffassung sollen Haltungen, Bewegungsfolgen, Konzentrationspunkte, Atemführung, Mantras und Mudras zusammen die Kundalini, eine Lebensenergie, stimulieren. Sie soll durch die Sushumna in der feinstofflichen Wirbelsäule zu den Chakren, den Energiezentren, aufsteigen.

Der westlich gelehrte Yoga beruht häufig auf modernem Yoga, der ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand. Er übernahm teils westliche Esoterik, Psychologie, körperliches Training und wissenschaftliche Annahmen und wird eher als New-Age-Lebenseinstellung denn als hinduistische Spiritualität beschrieben. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich ein schulunabhängiger Yoga, der individuelle Entwicklung und Übungspraxis betont und Gurus sowie verbindlichen Lehren weniger Gewicht gibt. Der moderne körperorientierte Hatha Yoga entstand laut Christian Fuchs in den 1920er und 1930er Jahren; mit US-amerikanischen Yogaformen rückte in Deutschland der Fitness-Aspekt stärker in den Vordergrund.

Schulen, Richtungen und Verbreitung

Hatha Yoga ist im westlichen Sprachgebrauch der Oberbegriff für körperbetonte Praktiken. T. Krishnamacharya sowie seine Kinder und Schüler machten ihn ab der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentlich bekannt. Iyengar Yoga arbeitet sehr körperbetont und verwendet bei Bedarf Hilfsmittel, sogenannte Yoga Props. Sie erleichtern Ungeübten oder Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung die Ausführung und ermöglichen präzises Arbeiten.

Sivananda Yoga, international seit 1957 verbreitet, integriert bekannte Yogasysteme. Kundalini-Yoga nach Yogi Bhajan konzentriert sich auf Erweckung und Lenkung der Kundalini-Energie. Jnana Yoga und Yoga der Stille streben Selbsterkenntnis ohne körperliche Übungen an. Kriya Yoga geht auf Paramahansa Yogananda zurück. Integraler Yoga von Aurobindo verbindet und entwickelt klassische Formen weiter.

Neben traditionellen Richtungen entstanden zahlreiche Fitness- und Wellnessformen. Beispiele sind Power Yoga, das aus Ashtanga-(Vinyasa-)Yoga abgeleitet ist, Bikram Yoga bei hohen Raumtemperaturen, der oft mit Musik geübte Jivamukti Yoga und Yogilates als Mischung aus Yoga und Pilates. Auch neue religiöse Bewegungen wie Sahaja Yoga, Surat Shabd Yoga und die Brahma Kumaris World Spiritual University beziehen sich auf Yoga. Deren Raja Yoga ist eine stille Meditationsform ohne Schwerpunkt auf Körperübungen.

In Deutschland bieten Volkshochschulen und andere öffentliche Bildungseinrichtungen Yoga unabhängig von einzelnen Schulen an; die Kurse werden oft von Krankenkassen unterstützt. Auswahl und Bewertung von Lehrkräften und Richtungen sind teilweise umstritten oder ungeklärt. Laut Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse machen 3,4 Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig und weitere 8 Millionen gelegentlich Yoga-Übungen.

Gesundheitliche Aussagen

Yoga werden positive Wirkungen auf körperliche und psychische Gesundheit zugeschrieben. Seit den 2000er Jahren wird seine medizinische Wirksamkeit verstärkt erforscht; das Forschungsinteresse übersteigt, gemessen an jährlichen Publikationen, inzwischen das zu Tai Chi oder Feldenkrais. Die Studienlage bleibt aber uneindeutig: Viele Studien sind unpräzise oder erfüllen wissenschaftliche Anforderungen nicht, und fehlende Standardisierung erschwert allgemeine Aussagen über Wirkmechanismen.

Unter bestimmten Umständen könne Yoga etwa bei Durchblutungsstörungen, Schlafstörungen, Angst und Depression, chronischen Kopf- oder Nackenschmerzen lindern oder vorbeugen. Bei chronischen Rückenschmerzen hilft Yoga wahrscheinlich nicht. Gesundheitsversprechen beruhen zudem häufig auf Werbeaussagen von Anbietern, weil unter Yoga sehr verschiedene Praktiken verstanden werden können: Körperhaltungen, Atemtechniken, Meditation oder eine philosophische Geistesschule.

In Deutschland können Krankenkassen Yogakurse vor allem zur Prävention spezifischer Risiken und stressabhängiger Krankheiten nach § 20 Abs. 1 und 2 SGB V erstatten. Einige Studien und Übersichtsarbeiten weisen außerdem auf mögliche unterstützende Wirkungen bei weiblichem Hormonhaushalt und vaginaler Gesundheit hin, etwa bei Leucorrhoe, Zyklusverlauf und prämenstruellen Beschwerden. Genannt werden durchblutungsfördernde Asanas, Pranayama, Yoga Nidra zur Entspannung und Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur.

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