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Upanishaden
Die Upanishaden (oder Upanischaden) sind eine Sammlung philosophischer Schriften des Hinduismus und Bestandteil des Veda (Spätvedische Zeit). Sie wurden …
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Wesen und Bedeutung
Die Upanishaden sind eine Sammlung philosophischer Schriften des Hinduismus und gehören zum Veda, genauer zur spätvedischen Zeit. Sie wurden zwischen 700 und 200 v. Chr. niedergeschrieben und am Ende in den Kanon der Veda aufgenommen. Als Teil der Shruti, der „gehörten“ und offenbarten Texte, stehen sie neben Samhitas, Brahmanas und Aranyakas.
Im Mittelpunkt der älteren vedischen Religion standen Hymnen, Gesänge, Opfersprüche und Rituale für Gottheiten wie Indra, Agni und Vayu. Die Upanishaden verlagern den Schwerpunkt vom äußeren Opfer auf die innere Erkenntnis. Das Opfer wird als geistiger Vorgang verstanden: Durch Selbstbeherrschung, Betrachtung und Meditation soll der Mensch zur Wahrheit des Göttlichen gelangen. Eine Upanishad richtet sich daher nicht hauptsächlich an Opferexperten, sondern an den denkenden und suchenden Menschen.
Zentrale Lehren
Die Upanishaden entwickelten sich aus den Brahmanas, den vedischen Ritualtexten, und sind teilweise deren Bestandteile. Ihre Lehren kreisen vor allem um folgende miteinander verbundene Gedanken:
- Die letzte Wirklichkeit des Universums kann erkannt werden. Sie wird Brahman genannt und liegt jenseits der wandelbaren Welt.
- Brahman ist identisch mit Atman, der innersten Natur oder dem Selbst jedes Menschen und jedes Wesens.
- Brahman und Atman sind unvergänglich, unsterblich, unendlich, ewig, rein und von äußeren Veränderungen unberührt. Sie sind ohne Anfang und Ende und nicht durch Zeit, Raum und Kausalität begrenzt.
- Brahman und Atman werden als Sat-Chit-Ananda beschrieben: reines Sein oder Existenz an sich (sat), Bewusstsein und Verstehen (chit) sowie Wonne oder Glück (ananda).
- Die Erkenntnis beziehungsweise Realisierung des Brahman befreit vom existenziellen Leid und vom Zwang der Wiedergeburt.
- Gedanken und Handlungen bestimmen das persönliche Karma. Der Mensch wird zu dem, womit er sich identifiziert.
Weitere Themen sind der Sinn des Daseins, Meditation, Gottesverehrung, Eschatologie, Erlösung und Samsara, die Lehre von der Wiedergeburt.
Schriften und Gruppen
Nach hinduistischer Tradition gibt es 108 Upanishaden. Diese Zahl ist in einer mindestens 700 Jahre alten Liste der Muktika-Upanishad überliefert. Die Texte wurden sowohl in Prosa als auch in Versform verfasst.
Zu den ältesten Upanishaden gehören in chronologischer Anordnung:
- Brihadaranyaka-Upanishad
- Chandogya-Upanishad
- Taittiriya-Upanishad
- Kaushitaki-Upanishad
- Aitareya-Upanishad
- Kena-Upanishad
- Maha-Narayana-Upanishad
Eine zweite Gruppe umfasst die Katha-, Shveta-, Shvatara-, Isha-, Mundaka-, Prashna-, Maitrayaniya- und Mandukya-Upanishad.
Die übrigen Texte werden meist fünf Gruppen zugeordnet: Samanya-Vedanta-Upanishaden erläutern den Vedanta allgemein; Samnyasa-Upanishaden behandeln das Ideal der Entsagung; Shakta-Upanishaden den weiblichen Aspekt des Göttlichen und seine Shakti; Sekten-Upanishaden Lehren bestimmter Kulte und Gottheiten; Yoga-Upanishaden verschiedene Aspekte des Yoga, besonders des Hatha Yoga.
Bekannte Verfasser und Lehrer
Die meisten Namen der Weisen, die an den Upanishaden beteiligt waren, sind nicht überliefert. Sie stammten häufig aus dem Priesterstand der Brahmanen oder aus dem Kriegerstand der Kshatriyas.
Namentlich bekannt ist der Brahmane Yajnavalkya. Überliefert sind seine Belehrungen seiner Frau Maitreyi über das Wesen des Atman sowie ein Streitgespräch am Hof des Königs Janaka. Die Upanishaden stellen außerdem den Anspruch der Brahmanen infrage, allein über heiliges Wissen zu verfügen: Auch ein Kshatriya konnte einen Brahmanen über das Wesen des Selbst belehren. Als solche mächtigen Krieger werden König Janaka und Ajatashatru, der Herrscher von Kashi, dem heutigen Varanasi, genannt. Von Janaka heißt es, er sei ein Vollendeter gewesen, ohne seine königlichen Pflichten aufzugeben.
Überlieferung und typische Bilder
Wie die Hymnen des Veda wurden die Upanishaden über Jahrhunderte mündlich weitergegeben. Ihre esoterischen, also nur einem ausgewählten Kreis zugänglichen Lehren wurden im Gegensatz zu den allgemein zugänglichen Ritualtexten an Schüler übermittelt, die den Weisen mit Ehrerbietung und Bescheidenheit begegneten und sich auf eine jahrelange Schülerdisziplin einließen. Deshalb gelten die Upanishaden auch als Geheimlehren.
Die als Shruti bezeichneten Texte wurden von brahmanischen Priestern und Gelehrten äußerst genau auswendig gelernt. Dabei sollten jeder Buchstabe, jedes Wort und jede Betonung unverändert bewahrt werden.
Typische Beispiele veranschaulichen die Lehren: In der Brihadaranyaka-Upanishad wird erklärt, dass das Selbst Brahman ist, aber aus Unwissenheit mit Verstand, Geist, Sinnen, Leidenschaften und den Elementen identifiziert wird. Begehren bestimmt den Willen, der Wille die Handlungen und die Handlungen wiederum, was der Mensch wird.
Die Mundaka-Upanishad vergleicht Ego und Selbst mit zwei Vögeln auf demselben Baum: Das Ego erlebt die süßen und sauren Früchte des Lebens, während das Selbst innerlich losgelöst zusieht. Eine weitere Vorstellung beschreibt die eine, formlose und unsterbliche Gottheit als verborgen in jedem Lebewesen und zugleich alles durchdringend.
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