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Subjekt (Grammatik)

das finite Verb im Satz muss mit den Merkmalen des Subjekts übereinstimmen (Kongruenz in Person und Numerus); und es ist die hierarchisch höchste Ergänzung …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und wichtigste Merkmale
  2. 2. Bestimmung in Schule und Grammatik
  3. 3. Abgrenzung zu Agens und Topik
  4. 4. Formen und Stellung im Satz
  5. 5. Sätze ohne Subjekt
  6. 6. Wichtige Ausnahmefälle

Grundbegriff und wichtigste Merkmale

Das Subjekt ist in der Sprachwissenschaft eine grammatische Funktion eines Satzteils für den ganzen Satz. Für das Deutsche gelten als typische Merkmale: Das Subjekt steht im Nominativ, das finite Verb stimmt mit ihm in Person und Numerus überein, und es ist meistens die hierarchisch höchste Ergänzung des Verbs. Im Satz „Der Hund biss die Briefträger“ ist „Der Hund“ Subjekt: Es steht im Nominativ, erzwingt die Verbform „biss“ und würde in der passenden Infinitivkonstruktion wegfallen.

Diese Merkmale treffen aber nicht immer alle gleichzeitig zu. Der Begriff „Subjekt“ hat deshalb unscharfe Grenzen, besonders im Sprachvergleich. Für das Deutsche gilt als weitgehender Konsens, dass die Subjekteigenschaft hauptsächlich am Nominativ erkennbar ist. Trotzdem ist nicht jeder Nominativ automatisch ein Subjekt; auch Anreden oder Prädikativa können im Nominativ stehen.

Bestimmung in Schule und Grammatik

In der Schulgrammatik wird das Subjekt oft mit dem „Satzgegenstand“ gleichgesetzt und über die Frage „Wer oder was?“ bestimmt. Der Nominativ heißt daher auch „Wer-Fall“. Bei Personen funktioniert der Test häufig: Das Subjekt kann durch „wer“ oder durch ein Personalpronomen wie „er“ oder „sie“ ersetzt werden.

Der Test hat Grenzen. Bei unbelebten Satzgliedern kann „was“ sowohl nach Subjekten als auch nach Objekten fragen. Außerdem funktioniert der Fragetest nicht gut in manchen Frage- oder Ausrufesätzen und nicht bei bedeutungsleeren Subjekten wie bestimmten Verwendungen von „es“.

Die Duden-Grammatik nennt als Erkennungszeichen des Subjekts: Es ist eine Ergänzung des Verbs, steht im Nominativ, erzwingt die passende Personalform des finiten Verbs, fällt bei Infinitivformen weg und wird bei der Bildung eines entsprechenden Passivsatzes ausgewechselt. Inhaltlich kann ein Subjekt zum Beispiel ein Agens sein, also jemand, der handelt, aber auch Träger eines Vorgangs oder Zustands, etwa in „das Laub fällt“ oder „das Kind schläft ruhig“.

Abgrenzung zu Agens und Topik

Das Subjekt ist nicht dasselbe wie das Agens. Ein Agens ist eine semantische Rolle, also eine Bedeutungsrolle in der vom Verb bezeichneten Situation: Es ist ein bewusst handelnder Verursacher. Viele typische Subjekte sind Agens, aber Subjekte können auch andere Rollen haben. Beispiele aus dem Artikel sind „Die Heckklappe blieb versehentlich offen“, „Die Gitarre fiel heraus“, „Die Gitarre bekam Kratzer“ und „Die Gitarre ist seither verschwunden“. In diesen Sätzen bezeichnet das Subjekt nicht einfach einen Handelnden.

Auch im Passiv zeigt sich der Unterschied. Im Aktiv kann das Agens Subjekt sein; im Passiv wird das höher stehende Argument oft unterdrückt, und ein anderes Argument wird Subjekt. Das unterdrückte Argument wird gelegentlich „logisches Subjekt“ genannt, ist aber kein Subjekt des Passivsatzes, sondern nur semantisch mitgemeint.

Vom Subjekt zu unterscheiden ist außerdem das Topik, auch Satzgegenstand im engeren Sinn oder „psychologisches Subjekt“ genannt. Es ist die bekannte Information, an die der Satz anschließt; der Rest des Satzes liefert einen Kommentar oder neue Information. In vielen Sprachen steht ein Topik häufig am Satzanfang, und weil Subjekte oft vorne stehen, gibt es eine Korrelation. Im Deutschen ist sie schwach, weil viele Satzglieder vorangestellt werden können: In „Diesen Text kann man ohne Brille überhaupt nicht lesen“ steht ein Objekt am Satzanfang und übernimmt die Topik-Funktion.

Formen und Stellung im Satz

Subjekte können einfache Nomina, Eigennamen, Pronomina oder Nominalgruppen sein, zum Beispiel „Otto“ in „Otto horcht“ oder „Ottos Mops“ in „Ottos Mops hopst fort“. Auch ganze Sätze können Subjekt sein: „Ob Ottos Mops zurückkehren wird, ist ungewiss“, „Wer raucht, stirbt früher“ oder „Wörter mit dem Laut „o“ aneinanderzureihen, bereitet mir Vergnügen“. Solche Subjektsätze haben keine Person- und Numerusmerkmale wie Nominalgruppen.

Manche Verben verlangen ein bedeutungsleeres „es“, etwa in „Mal regnet es, dann schneit es wieder“. Dieses „es“ wird oft Expletivpronomen oder Füllpronomen genannt. Es ist hier trotzdem ein vom Verb verlangtes Subjekt und unterscheidet sich von anderen rein stellungsbedingten Expletivformen.

Das Subjekt steht als Ergänzung des Verbs hierarchisch meist höher als Objekte. Das zeigt sich etwa daran, dass Verb und Objekt zusammen eine Konstituente bilden können: „Den Artikel gelesen habe ich auch noch nicht“ ist möglich, eine entsprechende Einheit aus Subjekt und Verb ohne Objekt nicht. Außerdem können Reflexivpronomen wie „sich“ in Objektposition vom Subjekt abhängen, wie in „Der Affe erkannte sich im Spiegel“, aber nicht umgekehrt.

Sätze ohne Subjekt

Obwohl das Subjekt oft als zentrales Satzglied beschrieben wird, gibt es im Deutschen Sätze ohne Subjekt. Dazu gehören Konstruktionen wie „Mich friert“, „Mir läge jetzt sehr an einem dicken Pullover“ oder „Vom Kuchen ist noch da“. Solche Sätze enthalten zwar Ergänzungen im Akkusativ, Dativ oder andere Formen, aber im Deutschen gelten sie nicht als Subjekte im Akkusativ oder Dativ.

Ein wichtiger systematischer Fall ist das unpersönliche Passiv. Es entsteht, wenn auch intransitive Verben ins Passiv gesetzt werden. Nach der Tilgung des zugrunde liegenden Agens kann dann kein anderes Satzglied als Subjekt nachrücken. In „Es wurde eifrig gearbeitet“ ist „es“ daher nicht Subjekt, sondern ein Vorfeld-Expletiv: Es besetzt nur die erste Satzposition im deutschen Verbzweitsatz. Sobald ein anderer Satzteil vorangestellt wird, verschwindet es: „Die ganze Zeit wurde eifrig gearbeitet.“ In Nebensätzen kann dieses „es“ ebenfalls nicht stehen. Anders ist es bei Wetterverben wie „regnen“, wo „es“ vom Verb verlangt wird: „Regnet es immer noch?“ oder „… weil es immer noch regnet“.

Wichtige Ausnahmefälle

Nicht alle Subjekte lösen normale Kongruenz aus. Wenn ganze Nebensätze Subjekt sind, steht das Verb im Deutschen in der 3. Person Singular, der unmarkierten Form. Daher heißt es „Dass Anna nicht kommt und dass Fritz sich so entschuldigt, ärgert mich“, nicht „ärgern mich“, obwohl bei nominalen Subjekten im Plural die Pluralform stehen würde.

Subjekte müssen nicht immer im Nominativ stehen. Subjektsätze können gar keinen Kasus tragen. In anderen Sprachen gibt es außerdem Subjekte in anderen Kasus. Im Lateinischen zeigt „Oportet eum venire“ einen Akkusativ „eum“ als Subjekt des Infinitivs „venire“. Im Isländischen gibt es Dativ- und Akkusativformen mit Subjekteigenschaften, sogenannte „quirky subjects“: Sie können zum Beispiel Reflexivpronomen binden oder in Infinitivkonstruktionen wegfallen. Solche Konstruktionen sind im Deutschen nicht möglich.

Auch die hierarchische Höchststellung ist nicht ausnahmslos. Bei manchen deutschen Verben kann eine Nominativ-Ergänzung tiefer stehen als ein begleitender Dativ oder Akkusativ. Das zeigt sich an neutralen Wortstellungen wie „… weil Mathematikern Formeln gefallen“ oder „… weil Mathematiker Formeln interessieren“. Trotzdem gelten die Nominative weiterhin als Subjekte, weil sie die Kongruenz mit dem Verb kontrollieren.

Lernvideos zu Subjekt (Grammatik)

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