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Attribut (Grammatik)
Attribut, deutsch auch Beifügung oder Satzgliedteil, ist ein Begriff aus der Grammatik und bezeichnet im engen Sinn einen Ausdruck, der von einem Substantiv …
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Was ist ein Attribut?
Ein Attribut (deutsch auch Beifügung oder Satzgliedteil) ist ein grammatischer Begriff. Im engen Sinn bezeichnet er einen Ausdruck, der von einem Substantiv grammatisch abhängt. Beispiel: Das Adjektiv „schnell“ in „schnelles Auto“ ist ein attributives Adjektiv – im Gegensatz zum prädikativen Gebrauch in „Das Auto ist schnell“.
In einem weiteren Sinn spricht man auch bei anderen Bezugswörtern von Attributen, z. B. bei Adjektiven oder Adverbien („erstaunlich weit“, „weit oben“). Hier ist der Sprachgebrauch schwankend. Ausdrücke, die von einem Verb abhängen, gelten im Deutschen nicht als Attribute, weil sie genau die Satzglieder bilden. In der französischen und spanischen Grammatiktradition gibt es dagegen auch „prädikative Attribute“ auf Satzebene.
Manche Grammatiken verwenden „(Satz-)Gliedteil“ und „Attribut“ gleichbedeutend; die Dudengrammatik (2009) vermeidet dies ausdrücklich. Wörtlich verstanden müsste „Satzgliedteil“ weiter gefasst sein: Zum Beispiel ist „direkt“ in „Direkt vor dem Haus …“ kein Attribut (es hängt von der Präposition „vor“ ab), aber Teil des Satzglieds (Ortsadverbial). Umgekehrt heißt in „Der Hund bellt“ kein Teil des Satzglieds „der Hund“ Attribut: Das Substantiv ist der Kern, der Artikel hat eine Sonderfunktion.
Attribute beim Substantiv
Im engeren Sinn sind Attribute Zusätze zu einem Substantiv – entweder verlangte grammatische Ergänzungen oder freie Zusätze (Angaben) mit näheren Beschreibungen.
Funktionswörter sind in der Regel keine Attribute, insbesondere der Artikel nicht. Das Possessivum („Possessivartikel“, z. B. „ihre Jacke“) wird jedoch als Attribut bezeichnet. Die Einordnung von Fokuspartikeln wie „sogar“ ist umstritten, sie gelten aber eher nicht als Attribute.
Beispiel: Im Satz „Sogar die neueren Teile des Ortes auf dem Hügel wurden von der Flut getroffen“ ist „die neueren Teile des Ortes auf dem Hügel“ das Satzglied (Subjekt) mit dem Kern „Teile“. „neueren“ ist ein adjektivisches Attribut, „des Ortes“ eine Genitiv-Ergänzung, „auf dem Hügel“ eine Präpositional-Angabe; „Sogar“ ist eine Partikel, „die“ der Artikel.
Einfache und zusammengesetzte Attribute
Ein adjektivisches Attribut kann selbst zusammengesetzt sein: In „unerwartet heftige Flut“ ist „unerwartet“ eine nähere Bestimmung zum Adjektiv „heftig“; der ganze Ausdruck „unerwartet heftige“ ist das Attribut zum Substantiv. „unerwartet“ wird nicht an das Substantiv angepasst (nicht flektiert), weil es kein direktes Attribut des Substantivs ist.
Setzt man beide Adjektive flektiert („unerwartete, [und] heftige Flut“), entsteht eine andere Konstruktion: eine Reihung aus zwei Attributen – mit anderer Bedeutung.
Typen und Stellung von Attributen
Attribute unterscheiden sich nach ihrer Stellung: vorangestellte Linksattribute und nachgestellte Rechtsattribute. Die Position hängt vor allem von der Wortart ab.
- Adjektivische Attribute: meist Linksattribute („Das kleine Kind…“, „Ein schlafender Hund…“). Als Rechtsattribut kommen vor: altertümliche Stellungen („Ich arme Jungfer zart…“) und nicht-einschränkende „appositive“ Adjektive („Das Kind, klein und ängstlich, …“).
- Substantivische Attribute: Genitiv-Ergänzungen, z. B. als Linksattribut „Peters Fahrrad“ (im heutigen Deutsch fast nur bei Eigennamen) oder als Rechtsattribut „Das Bellen des Hundes“. Im älteren Deutsch waren Genitiv-Linksattribute allgemeiner üblich („Des Menschen Wille ist sein Himmelreich“). Ein weiterer Typ ist die Apposition, die genauer bestimmt, aber weder Ergänzung noch Beschreibung ist: „lockere“ Apposition als Rechtsattribut („Herr Gehrig, unser Lehrer, …“), „enge“ Apposition („Herr Gehrig“, „die Autobahnausfahrt Karlsruhe-Nord“). Der Kasus von Appositionen ist uneinheitlich.
- Adverbien als Attribute: ausschließlich Rechtsattribute („Das Haus dort wird verkauft.“, „Das Haus dort hinten…“).
- Präpositionale Attribute: Rechtsattribute („Die Uhr am Turm schlug zehn.“).
- Attributsätze: Rechtsattribute oder ans Satzende ausgelagert. Häufig sind es Relativsätze, aber nicht alle Attributsätze sind Relativsätze und nicht alle Relativsätze sind Attributsätze. Beispiele: „Die Frau, die ich dort sehe, …“ (Relativsatz), „Die Behauptung, dass die Erde eine Scheibe ist …“ (Inhaltssatz), „Das Risiko, enttarnt zu werden, war zu groß.“ (Infinitivgruppe).
Umstellprobe
Attribute bewegen sich bei der Umstellprobe meist nicht allein, sondern nur zusammen mit dem ganzen Satzglied. Beispiel: „Sarah trägt ein rotes Tuch.“ ↔ „Ein rotes Tuch trägt Sarah.“ – aber nicht: „Rotes trägt Sarah ein Tuch.“ Das zeigt, dass die ganze Wortgruppe ein Satzglied ist.
Teilweise kann ein Adjektivattribut jedoch zurückbleiben, wenn das Substantiv vorangestellt wird, zumindest bei indefiniten Pluralformen („gespaltene Topikalisierung“): „Tücher trägt Sarah nur rote.“ Solche Fälle sind ein Problem für die traditionelle Satzglieddefinition.
Außerdem können Relativsätze, Infinitivgruppen und manchmal Präpositionalgruppen im Satz von ihrem Bezugssubstantiv getrennt werden, indem sie im Nachfeld erscheinen: „Das Risiko ist groß, entdeckt zu werden.“ / „Ich habe eine Frau gesehen, die ein rotes Tuch trug.“
Erweiterter Attributbegriff und prädikatives Attribut
Grundregel des Sprachgebrauchs: Ergänzungen und Angaben beim Substantiv zählen immer als Attribute, solche beim Verb nie. Umstritten ist der Zwischenbereich: Ergänzungen und Angaben zu Adjektiven, Adverbien, Pronomen, Präpositionen und unterordnenden Konjunktionen. Manche Grammatiken schließen diese Fälle aus; für nahezu jeden Fall gibt es aber auch Arbeiten, die sie als Attribute einordnen. Fuhrhop & Thieroff (2005) stellen fest, dass neben dem Verb nur die subordinierende und die koordinierende Konjunktion von Attributen „verschont geblieben“ sind – sprechen sich dann aber selbst dafür aus, Angaben bei subordinierenden Konjunktionen als Attribute zu bezeichnen.
Modifizierende Ausdrücke wie „kurz“ stehen in ähnlicher Funktion bei verschiedenen Kategorien: kurze Zeit / kurz bemessene Zeit (Adjektiv) / kurz danach (Adverb) / kurz nach seiner Abreise (Präposition) / kurz nachdem er abgereist war (Konjunktion). Mehrheitlich wird ein Adjektiv, das ein anderes Adjektiv oder eine andere Wortart modifiziert, aber als adverbieller Gebrauch bezeichnet; „attributives Adjektiv“ meint in der Regel ein Adjektiv beim Substantiv. Auch Ergänzungen von Adjektiven („sein Geld wert“) oder Präpositionen als Attribute einzubeziehen, wird nur vereinzelt vorgeschlagen. Insgesamt besteht über den weiten Attributbegriff keine Einigkeit.
Begriffsgeschichtlich definierte Hans Glinz 1952 („Die innere Form des Deutschen“) den „Satzgliedteil“ wörtlich als jeden beliebigen Teil eines Satzglieds. Die Dudengrammatik von 1984 nannte alle Satzglied-Teile Attribute (einschließlich des Artikels), 1998 distanzierte sie sich vom Terminus, und seit 2009 reserviert sie „Attribut“ ausdrücklich für Einheiten, die von einem Substantiv abhängen.
„Prädikatives Attribut“: Vor allem in der französischen Grammatik werden auch satzbezogene Ausdrücke als Attribute bezeichnet, die dem Subjekt oder Objekt eine Eigenschaft zuschreiben (attribut prédicatif, attribut de l'objet). Ein deutsches Beispiel: „Gustav kam schweißgebadet an“ (= Gustav war schweißgebadet, als er ankam). Im Deutschen ist diese Bezeichnung nicht Standard; gängiger ist der Begriff „freies Prädikativum“.