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Wirtschaftskrise

Historische Beispiele · Deutsche Geldkrise / Schinderlingkrise · Sächsische Geldkrise · Tulpenmanie · Englische Geldkrise · Weitere Krisen des 18. Jahrhunderts.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundformen
  2. 2. Ursachen und Krisenarten
  3. 3. Historische Entwicklung bis 1929
  4. 4. Krisen seit 1973
  5. 5. Gesellschaftliche und politische Folgen

Begriff und Grundformen

Eine Wirtschaftskrise ist in der Volkswirtschaftslehre eine Phase, in der sich das Wirtschaftswachstum deutlich negativ entwickelt. Der Begriff wird auch verwendet, wenn sich andere gesamtwirtschaftliche Größen wie Preisniveau, Beschäftigung oder Kapitalströme stark verschlechtern. Eine Krise kann eine einzelne Volkswirtschaft, mehrere Länder oder die gesamte Weltwirtschaft betreffen. Besonders schwere weltweite Krisen heißen Weltwirtschaftskrisen.

Im Konjunkturverlauf werden drei Formen unterschieden. Bei einer Stagnation wächst die Volkswirtschaft nicht; ihr gesamtwirtschaftlicher Output bleibt zwischen zwei Zeitpunkten unverändert. Ob bereits eine Stagnation als Wirtschaftskrise gilt, ist umstritten. Eine Rezession liegt nach der im Artikel genannten amerikanischen Definition vor, wenn der volkswirtschaftliche Output nach einem Boom mindestens zwei Quartale hintereinander schrumpft. Eine Depression ist eine lang andauernde Rezession.

Ursachen und Krisenarten

Theorien über konjunkturelle Auf- und Abschwünge unterscheiden zwischen endogenen und exogenen Ursachen. Endogene Theorien erklären Krisen durch Vorgänge innerhalb der Wirtschaft; exogene Theorien führen sie auf äußere Einflüsse zurück.

Eine Währungskrise kann etwa durch Hyperinflation, also eine extrem hohe Geldentwertung, entstehen. Auch dauerhaft starke Kapitalzuflüsse aus dem Ausland können wegen eines künstlich überhöhten Wechselkurses eine Zahlungsbilanzkrise hervorrufen, die häufig in eine Währungskrise übergeht. Treten eine Banken- und eine Währungskrise gemeinsam auf, spricht man von einer Zwillingskrise. Typische Folgen sind Kapitalflucht, eine restriktive Geldpolitik und eine Kreditklemme, also eine starke Einschränkung der Kreditvergabe. Dadurch kann sich die Währungskrise zu einer Finanz- und Wirtschaftskrise ausweiten.

Deflation bezeichnet einen längerfristigen Rückgang der Preise und kann ebenfalls Krisen auslösen. Der Monetarismus sieht die Verringerung der Geldmenge in den USA um 30 % zwischen 1929 und 1933 als Hauptursache der Weltwirtschaftskrise.

Finanzkrisen sind schwere Störungen des Finanzsystems. Kennzeichnend sind sinkende Vermögenswerte, die Zahlungsunfähigkeit zahlreicher Unternehmen und eine Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Tätigkeit. Bricht zugleich das Bankensystem zusammen, handelt es sich um eine Bankenkrise. Ausgangspunkt ist allgemein eine wachsende Unsicherheit der Anleger über eine Geldanlage in einem Land oder bei bestimmten Banken. Bei Bankenkrisen können ein schlecht funktionierendes Bankensystem, eine unzureichende Bankenaufsicht oder eine schlechte gesamtwirtschaftliche Lage dazu führen, dass Banken viele Forderungen abschreiben müssen und selbst in Schwierigkeiten geraten.

Weitere Ursachen sind Ineffizienzen der Finanzmärkte und Spekulationsblasen. Niedrige Transaktionskosten erleichtern den schnellen Abzug von Kapital. Je kürzer die durchschnittliche Laufzeit des in einem Land angelegten Kapitals ist, desto höher ist das Krisenrisiko. Als Warnzeichen nennt der Artikel eine inverse Zinsstruktur, die bisher vor jeder Finanzkrise aufgetreten sei. Unsichere Konjunkturaussichten und politische Risiken wie Putschgefahr, fehlende Rechtssicherheit oder drohende Enteignungen begünstigen Finanzkrisen. Besonders starke Verkäufe an Börsen können als Börsenkrach auftreten.

Historische Entwicklung bis 1929

Frühe Krisen entstanden häufig durch minderwertiges Geld, Zahlungsmangel, Spekulation oder unverkäufliche Waren. Ab 1459 lösten minderwertige Silberpfennige, die später sogenannten Schinderlinge, im deutschen Sprachraum eine schwere Geldkrise aus. In Kursachsen verursachten die stark kupferhaltigen Roten Seufzer, die August der Starke 1701 und 1702 in großen Mengen prägen ließ, eine weitere Geldkrise. Die englische Geldkrise von 1696 beruhte auf einer veränderten Zusammensetzung der Münzen und einem allgemeinen Zahlungsmangel.

Die niederländische Tulpenmanie von 1634 bis 1637 war mit Spekulationen auf Haarlemer Tulpenzwiebeln verbunden, denen ein überhöhter und oft rein fiktiver Wert zugeschrieben wurde. Weitere Beispiele sind der Lawsche Aktien- und Banknotenschwindel von 1716 bis 1720, der englische Südseeschwindel von 1711 bis 1720 und die französische Assignatenwirtschaft von 1790 bis 1797. Die Hamburger Handelskrise von 1799 entstand, weil der Markt mit nicht absetzbaren Waren überfüllt war.

Die britische Krise von 1815 wurde durch eine Überschätzung der Nachfrage auf dem europäischen Kontinent ausgelöst. 1825 folgte eine Krise nach einem Gründungs- und Aktienschwindel: Von geplanten 372 Millionen Pfund Sterling waren tatsächlich nur 17,6 Millionen eingezahlt. Die Krise von 1837 bis 1843 begann in den USA mit Fehlinvestitionen der Banken und mangelndem Vertrauen in Papiergeld und griff besonders auf Großbritannien über. Dort lösten 1847 Eisenbahn- und Zuliefererspekulationen eine weitere schwere Krise aus. Zugleich führte der durch den Ersten Opiumkrieg verursachte Silberabfluss nach China zu einem Einbruch anderer britischer Exporte nach China.

Die Wirtschaftskrise von 1857 gilt als erste Weltwirtschaftskrise. Sie begann im August 1857 in New York City mit der Zahlungseinstellung einer Bank und breitete sich rasch aus; besonders betroffen waren die Finanzzentren Europas und Amerikas.

Nach dem Boom der Gründerzeit führte der Gründerkrach von 1873 allein in Deutschland und Österreich zur Insolvenz von mehr als 60 Banken. Überhitzung, überhöhte Unternehmenspreise und zu hohe Wachstumsraten spielten eine wichtige Rolle. Zusammen mit einer US-amerikanischen Krise entstand in den hochentwickelten Ländern eine lange Stagnation. Der Tiefpunkt wurde 1878 erreicht, eine Besserung begann in der zweiten Hälfte von 1879. Die internationalen Wachstumsstörungen von 1873 bis 1896 werden Große oder Lange Depression genannt. Nicholas Gregory Mankiw vertritt die Auffassung, dass die Goldfunde am Klondike die Krise unter den Bedingungen des Goldstandards beendeten. In Frankreich endete ein von der Union générale beeinflusster Börsenschwindel am 19. Januar 1882 in einem Börsenkrach, der vor allem Paris und Lyon traf.

Die Weltwirtschaftskrise begann nach verbreiteter Datierung mit dem Schwarzen Donnerstag am 24. Oktober 1929. Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit und Deflation trafen alle wichtigen Industrienationen. Goldstandard und Stabilitätspolitik verlangten Austerität, also eine Politik strenger Einsparungen. In einigen Ländern hielten die Folgen bis in die späten 1930er-Jahre an.

Krisen seit 1973

Die erste Ölkrise von 1973 entstand durch das Ölembargo der OPEC und traf zusammen mit der hohen Staatsverschuldung der USA infolge des Vietnamkriegs. In den USA kam es zur Stagflation, also zu wirtschaftlicher Stagnation bei gleichzeitig steigenden Preisen. Alle wichtigen Industrienationen waren betroffen; in Deutschland endete das Wirtschaftswunder. Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und steigende Sozialausgaben traten verstärkt auf.

Die zweite Ölkrise von 1979/1980 wurde vor allem durch Produktionsausfälle und Unsicherheit während des ersten Golfkriegs zwischen Iran und Irak ausgelöst. Sie war ein Hauptgrund für die damals schwerste Rezession der Bundesrepublik 1981/82 und ein entscheidender Auslöser der Schuldenkrise mehrerer Entwicklungsländer. Teilweise mussten diese bis Mitte der 1990er-Jahre Umschuldungen politisch aushandeln.

Zur Bewältigung der nordischen Bankenkrise der 1990er-Jahre kauften Schweden und Finnland schlechte Wertpapiere über Vermögensverwaltungsgesellschaften, sogenannte Bad Banks, auf und verstaatlichten wichtige Banken. Strenge Übernahmebedingungen und erfolgreiche Verwertungsstrategien ermöglichten es den schwedischen Bad Banks, die Steuerzahler von den Krisenkosten zu entlasten. In der Schweiz verringerte eine Immobilienblase ab 1991 die Zahl der Regionalbanken stark.

In Japan platzte Anfang der 1990er-Jahre eine Immobilienpreisblase. Die Krise prägte das Land fast 15 Jahre. Sinkende Vermögenspreise erzeugten ein Gefühl der Verarmung und führten zu Konsum- und Investitionszurückhaltung. Unternehmerische Fehler, Überkapazitäten und Ineffizienzen verstärkten die Entwicklung. Die Folgen waren steigende Arbeitslosigkeit, die weltweit höchste Staatsverschuldung des japanischen Staates und eine weiterhin andauernde Deflation.

Die Asienkrise von 1997 und 1998 begann im Juli 1997 in Thailand und erfasste mehrere ostasiatische Staaten, besonders Indonesien, Südkorea und Thailand. Zu hohe Renditeversprechen an ausländische Investoren konnten nicht mehr durch reale Investitionserträge gedeckt werden. Feste Wechselkurse zum US-Dollar beseitigten zunächst das wahrgenommene Wechselkursrisiko und zogen viel kurzfristiges Kapital an. Nach ersten Krisenzeichen führte Herdenverhalten zu einem massiven Kapitalabzug und einer mehrjährigen Finanz- und Wirtschaftskrise.

Im März 2000 platzte in vielen Industrieländern die Dotcom-Blase. Besonders betroffen waren Internetunternehmen. Der empfundene Vermögensverlust senkte die Kaufbereitschaft und verstärkte rezessive Entwicklungen.

Die Weltfinanzkrise begann im Frühsommer 2007 mit der US-Immobilien- beziehungsweise Subprimekrise. Nach langem Preisanstieg platzte die Immobilienblase; zugleich konnten immer mehr Kreditnehmer ihre Raten wegen steigender Leit- und Kreditzinsen oder sinkender Einkommen nicht mehr zahlen. Durch Verbriefung, also den Weiterverkauf gebündelter Kredite, waren die Risiken weltweit verteilt. Verluste und Insolvenzen erfassten zunächst die Finanzbranche und ab Ende 2008 auch die Realwirtschaft in der „Großen Rezession“. Deutschland, Frankreich und die USA verzeichneten eine schrumpfende Wirtschaft; Japan, Südkorea und Italien waren ebenfalls schwer betroffen. In Schwellenländern wie China, Russland, Indien und Brasilien sanken die Wachstumsraten.

Die Wirtschaftskrise 2020–2021 im Zuge der COVID-19-Pandemie war mit Börsencrashs in mehreren Ländern verbunden. Neben dem Ölpreisverfall nach gescheiterten Verhandlungen zwischen Saudi-Arabien und Russland waren Kontaktverbote, Ausgangs- und Reisebeschränkungen, Umsatzeinbrüche und eine durch Arbeitslosigkeit sinkende Kaufkraft zentrale Ursachen. Produktions- und Lieferunterbrechungen zeigten die Anfälligkeit globaler Lieferketten. Störungen der internationalen Logistik hatten besonders für stark in den Welthandel eingebundene Länder und für Unternehmen mit globalen Prozessketten enorme wirtschaftliche Folgen.

Gesellschaftliche und politische Folgen

Wirtschaftskrisen führen durch hohe Bilanzverluste und mehr Konkurse zu starken Veränderungen in der Unternehmenslandschaft, besonders im Mittelstand. Einige Kapitaleigner bewerten Krisen nicht ausschließlich negativ, etwa wenn weniger wettbewerbsfähige Unternehmen verschwinden. Unter günstigen Umständen kann eine Krise zudem politischen Reformdruck erzeugen, sodass strukturelle Probleme angegangen werden, die zur Krise beigetragen oder sie verstärkt haben.

Am stärksten leiden meist ärmere Bevölkerungsschichten. Ein starker und anhaltender Anstieg der Arbeitslosigkeit kann Dauerarbeitslosigkeit und sozialen Abstieg verursachen. Mögliche gesundheitliche Folgen sind Depressionen und andere stressbedingte Krankheiten; auch die Lebenserwartung kann sinken. Gleichzeitig verschlechtern sich die Möglichkeiten, medizinische Betreuung zu erhalten.

Krisen erhöhen die wirtschaftliche und soziale Unsicherheit. Ein OECD-Bericht vom April 2009 bezifferte den Anteil informeller Arbeit auf einen damaligen Rekordwert von mehr als der Hälfte aller Erwerbstätigen weltweit und schätzte, dass er bis 2020 auf zwei Drittel steigen könnte.

Welchen politischen Ausweg eine Regierung wählt, hängt laut Artikel von fünf Faktoren ab: von der wirtschaftlichen Stellung wichtiger gesellschaftlicher Kräfte und dem Gewicht ihrer Organisationen wie Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände; von der Fähigkeit politischer Akteure, Koalitionen zu bilden; von der Bereitschaft und Fähigkeit des Staates, in Unternehmenstätigkeiten einzugreifen; von den mehr oder weniger liberalen staatlichen Traditionen; und von der geopolitischen Position des jeweiligen Staates.

Häufig verschärfen Wirtschaftskrisen soziale Spannungen, beispielsweise beim Cacerolazo infolge der Argentinien-Krise. Manche Krisen erhöhten außerdem vorhandene Konfliktpotenziale oder verschärften bestehende Auseinandersetzungen und trugen dadurch zu Bürgerkriegen oder anderen bewaffneten Konflikten bei.

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