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Weltwirtschaft
Die Weltwirtschaft hat sich im 19. Jahrhundert bedingt durch die Industrialisierung gebildet und war stark abhängig von der Entwicklung der internationalen …
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Grundbegriff und Bedeutung
Unter Weltwirtschaft oder Welthandel versteht man die Gesamtheit der Wirtschaftsbeziehungen der Welt. Sie umfasst alle staatlichen Volkswirtschaften und verbindet verschiedene Teilmärkte miteinander: Rohstoff- und Gütermärkte, Finanzmärkte, Arbeitsmärkte und Informationsmärkte. Das nominale Weltsozialprodukt, das ihr zugerechnet wird, betrug im Jahr 2017 rund 80 Billionen US-Dollar.
Die heutige Weltwirtschaft wird allgemein als globalisierte Wirtschaft beschrieben. Damit ist gemeint, dass Produktion, Handel, Kapitalbewegungen, Arbeit und Informationen über Staatsgrenzen hinweg stark miteinander verflochten sind. Vertragliche Rahmenbedingungen sind unter anderem WTO-Verträge, Zoll- und Währungsabkommen, GATT und OWZE. Solche Regeln sollen den Austausch zwischen Staaten ordnen, erleichtern oder politisch absichern.
Der Welthandel wird besonders von den Industrienationen geprägt. Die Europäische Union hat daran einen Anteil von mehr als einem Drittel. Der gesamte afrikanische Kontinent ohne Nahost erreicht dagegen nur etwa 2 bis 3 Prozent. Zunehmend wichtig sind Schwellenmärkte, also Länder mit wachsender wirtschaftlicher Bedeutung, vor allem die Volksrepublik China und die sogenannten Tigerstaaten.
Entstehung und historische Entwicklung
Wirtschaftliche Verflechtungen zwischen weit voneinander entfernten Gebieten gab es schon im Altertum. Handelsrouten wie die Seidenstraße verbanden verschiedene Wirtschaftsräume. Im Zeitalter der Kreuzzüge verstärkte sich der Austausch besonders zwischen dem arabischen und dem europäischen Raum. Auch das Mongolische Reich spielte im Ost-West-Austausch eine Rolle.
Eine Weltwirtschaft im modernen Sinne entstand jedoch erst im Zusammenhang mit der europäischen Expansion und der Industriellen Revolution. Zunächst brachten die Konquistadoren Reichtümer aus neu entdeckten und eroberten Gebieten nach Europa. Später führte die Industrielle Revolution zu einem Warenaustausch zwischen weit entfernten Wirtschaftsräumen, der den Produktionsaufwand für beide Seiten senkte. Aus diesen Erfahrungen heraus wurde der Merkantilismus, eine ältere wirtschaftspolitische Lehre, zurückgedrängt und zunehmend durch Freihandelstheorien ersetzt.
Im 19. Jahrhundert bildete sich die Weltwirtschaft besonders durch Industrialisierung, internationale Arbeitsteilung, Verkehr und Kommunikation aus. Zwischen 1800 und 1913 nahm der Welthandel auf das 25-fache zu und wuchs damit deutlich stärker als die Weltproduktion. Wichtige Gründe waren sinkende Frachtraten, Zollreduktionen und technische Fortschritte in der Schifffahrt, etwa Dampfschiffe, größere Schiffe und Stahlschiffe. Großbritannien ging im 19. Jahrhundert als führende Seemacht bei Zollsenkungen beispielhaft voran. Nicht alle Staaten senkten Zölle freiwillig: Indien tat dies als Teil des British Empire, China und das Osmanische Reich wurden im Zuge von Kreditverhandlungen dazu verpflichtet. Auch die Rückkehr einiger europäischer Staaten zur Schutzzollpolitik ab 1870 beendete die Handelsausweitung nicht.
Krisen, Blöcke und Globalisierung
Der Erste Weltkrieg spaltete den Weltmarkt zwischen den verfeindeten Kriegsparteien. Danach erreichte die Weltwirtschaft den Integrationsgrad von 1913/14 zunächst nicht wieder. In der Weltwirtschaftskrise ab 1929 brach der Welthandel sogar auf unter 50 Prozent seines früheren Niveaus ein. In den USA prägte die Great Depression die 1930er Jahre. Großbritannien, Frankreich und Japan bauten mit ihren Kolonien große Wirtschaftsräume auf; Deutschland versuchte ab 1933, osteuropäische Staaten durch bilaterale Verträge an sich zu binden.
Nach 1945 entstand eine stark kooperierende west- und mitteleuropäische Wirtschaft. Über das Bretton-Woods-System waren 40 Staaten durch feste Wechselkurse verbunden. Welchen Anteil der Marshallplan an diesem Aufbau hatte, war und ist umstritten. Die wirtschaftliche Spaltung verlief nun zwischen Westblock und Ostblock.
In den 1970er Jahren geriet dieses System in eine Krise. Eine Ursache war stärkere Automatisierung zusammen mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen des ersten und zweiten Sektors in Länder mit billigeren Arbeitskräften. Der erste Sektor umfasst vor allem Landwirtschaft und Rohstoffgewinnung, der zweite Sektor Industrie und Verarbeitung. Eine zweite Ursache war die gestiegene Macht der OPEC-Länder und die dadurch erzwungene Ölpreiserhöhung, die Ölkrise. Der Anstieg der Warenbewegungen und der Ölpreise führte zu einer Vervierfachung des Welthandels; die daraus folgenden Investitionen führten zu einer Versechsfachung der Auslandsinvestitionen.
Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks erweiterte sich der marktgesteuerte Wirtschaftsraum stark. Deregulierung, wie sie im Washington Consensus von 1990 vereinbart wurde, setzte sich weltweit durch. Schon 2005 überschritt der Welthandel die Grenze von einer Billion Dollar. Noch stärker stiegen aber Finanztransaktionen, denen kein Warenaustausch zugrunde lag. Trotz unterschiedlicher Berechnungen besteht Einigkeit, dass der Warenaustausch zu Beginn der Finanzkrise 2007 weniger als 10 Prozent der Finanztransaktionen ausmachte.
Strukturen und Begriffe
Über das 19. und 20. Jahrhundert veränderten sich die Bestandteile der Weltwirtschaft qualitativ und quantitativ. Der Begriff „bipolare Weltwirtschaft“ beschreibt für das 19. Jahrhundert besonders die Bedeutung von Europa und Nordamerika. Für das 20. Jahrhundert meint er die beiden Pole der westlichen Industrienationen einerseits und des RGW andererseits. Der RGW war der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe im sozialistischen Wirtschaftsraum.
Der Begriff „tripolare Weltwirtschaft“ bezieht zusätzlich Ostasien ein. Seit den 1990er Jahren wird damit häufig die Triade aus Nordamerika, Europa und Ostasien bezeichnet. Diese Kernzonen bilden wichtige Schwerpunkte der weltwirtschaftlichen Produktion, des Handels und der Kapitalbewegungen.
Bernhard Harms gilt als Begründer der Weltwirtschaftslehre. Er definierte 1914: „Weltwirtschaft ist der gesamte Inbegriff der durch hochentwickeltes Verkehrswesen ermöglichten und durch staatliche internationale Verträge sowohl geregelten wie geförderten Beziehungen und deren Wechselwirkungen zwischen den Einzelwirtschaften der Erde.“ Der Begriff „Weltwirtschaftslehre“ wurde häufig von marxistischen Ökonomen verwendet, und zwar in Abgrenzung zum Begriff „International Economics“ der liberalen Ökonomie.
Wichtige Kennzahlen
Für 2024 nennt das CIA World Fact Book ein weltweites Bruttoinlandsprodukt von 111,326 Mrd. US-Dollar und ein Bruttoinlandsprodukt nach Kaufkraftparität von 173,163 Mrd. internationalen US-Dollar. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug 13.664 US-Dollar, nach Kaufkraftparität 24.248 internationale US-Dollar. Das reale BIP-Wachstum lag 2024 bei 2,9 Prozent, die Inflationsrate bei 3,0 Prozent.
Die Wirtschaftssektoren hatten 2024 folgende Anteile: Landwirtschaft 4,0 Prozent, Industrie 26,0 Prozent und Dienstleistungen 66,2 Prozent. Auf dem Arbeitsmarkt gab es 2024 weltweit 3,7 Mrd. Arbeitskräfte. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,9 Prozent, die Jugendarbeitslosenquote bei 13,6 Prozent. Für 2013 werden die Arbeitskräfte nach Sektoren mit 31,5 Prozent Landwirtschaft, 23,5 Prozent Industrie und 45,0 Prozent Dienstleistungen angegeben.
Im Außenhandel lagen die Exporte 2024 bei 32.379 Mrd. US-Dollar, die Importe bei 31.244 Mrd. US-Dollar. Zusammen ergab das einen Handel von 63.623 Mrd. US-Dollar. Finanzkennzahlen zeigen die Größe der globalen Kapital- und Vermögensbestände: Die Marktkapitalisierung betrug 2024 114.460 Mrd. US-Dollar. Das Privatvermögen lag 2022 bei 454.400 Mrd. US-Dollar. Für 2017 werden unter anderem eine Staatsverschuldung von 59,9 Prozent des BIP, eine Auslandsverschuldung von 76.610 Mrd. US-Dollar und ein Bestand an ausländischen Direktinvestitionen von 34.730 Mrd. US-Dollar angegeben.
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