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Bruttoinlandsprodukt
Nordamerika, 19.322, 24,9 % ; Russland und Zentralasien, 2.617, 3,4 % ; Südamerika, 4.368, 5,6 % ; Bruttoweltprodukt (BWP), 77.451 Mrd. 100,0 % …
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Definition und Bedeutung
Das Bruttoinlandsprodukt, kurz BIP, ist eine zentrale volkswirtschaftliche Kennzahl. Es gibt den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen an, die innerhalb einer Rechnungsperiode innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft als Endprodukte hergestellt wurden, abzüglich aller Vorleistungen. Erfasst werden also finale Güter, die für die Endverwendung bestimmt sind. Güter, die produziert, aber nicht direkt weiterverwendet werden, zählen als Vorratsveränderung.
Das BIP misst die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum. Besonders wichtig ist die Veränderungsrate des realen BIP: Sie dient als Messgröße für das Wirtschaftswachstum und ist eine der wichtigsten Größen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.
Das BIP folgt dem Inlands-Prinzip: Entscheidend ist, was innerhalb der Landesgrenzen erwirtschaftet wird. Davon unterscheidet sich das Bruttonationaleinkommen, früher Bruttosozialprodukt. Es folgt dem Inländer-Prinzip und zählt Leistungen von Inländern auch dann, wenn sie im Ausland erbracht werden; Leistungen von Ausländern im Inland bleiben dabei unberücksichtigt. Werden vom BIP die Abschreibungen abgezogen, ergibt sich das Nettoinlandsprodukt, kurz NIP.
Das BIP kann nicht nur für Staaten, sondern auch für andere geographische oder administrative Einheiten berechnet werden. Dafür werden Begriffe wie Bruttoregionalprodukt oder Bruttoweltprodukt verwendet. In sozialistischen Staaten gab es als Pendant das Nettomaterialprodukt.
Berechnung und Preisbereinigung
In Deutschland berechnet das Statistische Bundesamt das BIP. Es veröffentlicht jährlich zweimal Berechnungen für das Vorjahr, im Frühjahr und im Herbst. Im Herbst werden auch frühere Jahre geprüft und meist leicht revidiert. Zusätzlich erscheinen vierteljährlich Zahlen zum laufenden Jahr, die auf Schätzungen beruhen. Das BIP wird zum Beispiel vom Internationalen Währungsfonds genutzt, um die Staatsschuldenquote zu berechnen.
Man unterscheidet nominales und reales BIP. Das nominale BIP bewertet die inländische Wertschöpfung zu aktuellen Marktpreisen. Es steigt daher bei Inflation auch dann, wenn nicht mehr Güter produziert werden. Bei einer Inflationsrate von fünf Prozent und gleichbleibender Güterproduktion steigt das nominale BIP ebenfalls um fünf Prozent. Das reale BIP rechnet Preisveränderungen heraus, indem Waren und Dienstleistungen zu den Preisen eines Basisjahres bewertet werden. In Deutschland verwendet das Statistische Bundesamt seit 2005 Kettenindizes. Die Formel lautet: BIP_real = BIP_nominal / Preisindex.
Der BIP-Deflator ist der Quotient aus nominalem und realem BIP eines Jahres. Er heißt auch impliziter Preisindex des BIP und misst die Preisentwicklung der produzierten Endgüter: BIP_Deflator = BIP_nominal / BIP_real.
Das Nettoinlandsprodukt ergibt sich aus: Bruttoinlandsprodukt − Abschreibungen = Nettoinlandsprodukt. Abschreibungen erfassen die Wertminderung des Anlagevermögens beziehungsweise der Bruttoanlageinvestitionen durch Verschleiß und Alterung.
Drei Rechenwege
Das BIP kann auf drei Arten berechnet werden. Alle drei Methoden führen grundsätzlich zum gleichen Ergebnis. Im Artikel wird Deutschland 2007 als Beispiel genannt; das BIP betrug damals 2.423,8 Mrd. Euro. Die Methoden und Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung werden in unregelmäßigen Abständen revidiert. So wurden seit der Revision vom 28. April 2005 indirekte Entgelte der Banken aus dem Kredit- und Einlagengeschäft berücksichtigt.
Die Entstehungsrechnung betrachtet die Produktionsseite. Zentrale Größe ist die Bruttowertschöpfung, also die Summe der Produktion abzüglich Vorleistungen. Für Deutschland 2007 lautete die Rechnung: Produktionswert 4.454,57 Mrd. Euro − Vorleistungen 2.282,39 Mrd. Euro = Bruttowertschöpfung 2.172,18 Mrd. Euro. Dazu kamen Gütersteuern abzüglich Gütersubventionen von 251,62 Mrd. Euro, sodass sich ein BIP von 2.423,80 Mrd. Euro ergab.
Die Verwendungsrechnung betrachtet die Nachfrageseite. Sie fragt, wofür Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Für Deutschland 2007 wurden private Konsumausgaben von 1.374,40 Mrd. Euro, Konsumausgaben des Staates von 436,10 Mrd. Euro, Bruttoinvestitionen von 442,50 Mrd. Euro und ein Außenbeitrag von 170,80 Mrd. Euro gezählt. Der Außenbeitrag ergibt sich aus Exporten von 1.133,00 Mrd. Euro minus Importen von 962,20 Mrd. Euro. Zusammen ergab das wieder 2.423,80 Mrd. Euro.
Die Verteilungsrechnung betrachtet die Einkommensseite. Für Deutschland 2007 wurden Arbeitnehmerentgelt von 1.181,0 Mrd. Euro und Unternehmens- und Vermögenseinkommen von 643,2 Mrd. Euro zum Volkseinkommen von 1.824,2 Mrd. Euro zusammengefasst. Hinzu kamen Produktions- und Importabgaben abzüglich Subventionen von 277,0 Mrd. Euro sowie Abschreibungen von 345,2 Mrd. Euro. Daraus ergab sich ein Bruttonationaleinkommen von 2.446,4 Mrd. Euro. Nach Abzug des Saldos der Primäreinkommen aus der übrigen Welt von 22,6 Mrd. Euro ergab sich das BIP von 2.423,80 Mrd. Euro. Das Statistische Bundesamt weist aber darauf hin, dass Deutschland das BIP nicht eigenständig über die Verteilungsseite berechnet, weil ausreichende Angaben über Unternehmensgewinne fehlen.
Vergleiche, Wachstum und weitere Kennzahlen
Das Bruttoweltprodukt, auch Welt-Bruttoinlandsprodukt genannt, ist die Summe der Bruttoinlandsprodukte aller Staaten. Es ermöglicht Vergleiche zwischen Ländern, Regionen und Kontinenten. Das Bruttoweltprodukt lag 2014 bei 77.451 Mrd. US-Dollar und 2022 bei 101.251 Mrd. US-Dollar. 2022 hatte Asien mit 35,3 % den größten Anteil, gefolgt von Nordamerika mit 25,3 % und Europa mit 21,1 %. In Asien entfiel der größte Anteil auf China mit 51,6 %, gefolgt von Japan mit 11,7 % und Indien mit 9,7 %. In Europa führte Deutschland mit 19,0 % des europäischen BIP, vor dem Vereinigten Königreich mit 14,3 % und Frankreich mit 13,0 %.
Wirtschaftswachstum wird häufig als Wachstumsrate des BIP gemessen und von Politikern als Erfolgskriterium verwendet. Der Artikel betont jedoch, dass solche Vergleiche Geldsummen vergleichen, die nach bestimmten Regeln berechnet wurden. Sie geben keinen direkten Einblick in Nutzen oder Befriedigung.
Das BIP pro Kopf ermöglicht Vergleiche zwischen unterschiedlich großen Wirtschaftsräumen und gilt als Maß für materiellen Wohlstand. Die Formel lautet: BIP pro Kopf = BIP / Anzahl der Einwohner. Werte können aber stark schwanken, auch wegen Wechselkursen und Kaufkraftparitäten. 2023 führte Luxemburg mit 129.810 US-Dollar pro Kopf, gefolgt von Irland mit 104.272 US-Dollar und der Schweiz mit 100.413 US-Dollar. 2017 hatte Katar mit 124.529 US-Dollar geführt. Dass Klein- oder Stadtstaaten häufig weit oben stehen, wird als statistischer Effekt beschrieben. In Luxemburg ist der Wert zudem verzerrt, weil etwa die Hälfte der Beschäftigten Grenzgänger sind, das BIP aber nur durch die Einwohnerzahl geteilt wird.
Aus dem BIP werden weitere Kennzahlen gebildet: Exportquote = Exporte / BIP, Importquote = Importe / BIP, Staatsquote = Staatsausgaben / BIP und Staatsschuldenquote = Staatsschulden / BIP. Solche Kennzahlen sind wichtig für Länderratings von Ratingagenturen.
Grenzen und Kritik
Das BIP misst wirtschaftliche Leistung, aber nicht automatisch Wohlstand, Lebensqualität oder Gerechtigkeit. Bestimmte Tätigkeiten werden nicht oder nur teilweise erfasst: informelle Wirtschaft, Schwarzarbeit, Schattenwirtschaft, Subsistenzwirtschaft, Care-Arbeit wie Haus- und Familienarbeit, häusliche Pflege und Kinderbetreuung sowie unbezahlte Tätigkeiten wie Heimwerken, Ehrenämter oder Hobbys.
In einzelnen Staaten kann das BIP verzerrt sein. Irland ist ein Beispiel, weil internationale Unternehmen dort ihren rechtlichen Sitz haben, um Gewinne niedriger zu versteuern. Dadurch wird Wirtschaftsleistung berücksichtigt, die tatsächlich nicht im Land erzielt wurde. In Luxemburg führen Grenzgänger dazu, dass das Pro-Kopf-BIP im Vergleich etwa doppelt so hoch erscheint.
Die Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission, die vom früheren französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy eingesetzt wurde, kritisierte Standardmetriken wie das BIP. Sie empfahl, nicht nur auf Wirtschaftswachstum zu achten, sondern das gegenwärtige Wohlergehen eines Landes zu erfassen. Dazu sollten neben dem BIP unter anderem gemitteltes Haushaltseinkommen, Familienarbeit, Freizeit, Gesundheit und Umweltzustand berücksichtigt werden.
Weitere Kritik betrifft Umwelt und Nachhaltigkeit. Wissenschaftler warnten 2020, dass am BIP gemessenes Wohlstandswachstum Ressourcenverbrauch und Schadstoffausstoß stark erhöht habe. Das BIP zählt auch wirtschaftliche Aktivitäten positiv, die schädlich für Umwelt oder Gesellschaft sein können, etwa Entwaldung, Tagebau oder Überfischung. Der Artikel nennt etwa ca. 10 Milliarden netto verlorene Bäume pro Jahr sowie eine global jährlich entwaldete Fläche von etwa 10 Millionen Hektar in der Demidekade 2015–2020. Eine systematische Übersichtsarbeit von gut 450 wissenschaftlichen Veröffentlichungen kam 2020 zu dem Ergebnis, dass eine Entkopplung von BIP, Ressourcenverbrauch und CO2e-Emissionen nur teilweise möglich ist. Daher gilt das BIP als Wohlstandsindikator mittelfristig als ungenügend, wenn es falsche Anreize setzt.
Außerdem bildet das BIP manche moderne oder nicht-monetäre Werte schlecht ab, etwa kostenlose Informationen und Unterhaltung im Internet oder unbezahlte Arbeit an Open-Source-Software. Auch Naturkapital, Umweltschutz oder Umweltschäden kann es nicht ausreichend unterscheiden.
Alternativen und Ergänzungen
Weil das BIP allein nur begrenzt Aussagen über Wohlstand, Lebensqualität und Gerechtigkeit erlaubt, werden alternative oder ergänzende Indikatoren verwendet. Sie sollen Aspekte erfassen, die im BIP fehlen, zum Beispiel soziale Sicherheit, sozialer Frieden, Luftqualität, Erholungsgebiete und natürliche Ressourcen.
Der Fragile States Index untersucht seit 2005 Staaten auf ihr Risiko von Staatszerfall und fasst zwölf Faktoren zusammen. Der Genuine Progress Indicator soll wirtschaftliche Leistung unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit darstellen; Tätigkeiten mit schweren Umweltschäden können dort negativ erscheinen, obwohl sie im BIP positiv verbucht werden. Der Social Progress Index misst, inwiefern ein Staat wirtschaftliche, soziale und ökologische Bedürfnisse seiner Bürger befriedigt, und ignoriert dabei das BIP. Der World Happiness Report enthält Ranglisten zur Lebenszufriedenheit. Der Gini-Index misst die Gleichheit oder Ungleichheit der Einkommens- und Vermögensverteilung.
Weitere genannte Indikatoren sind der Good Country Index, der Happy Planet Index, der Index der menschlichen Entwicklung, der Inclusive Wealth Index, der Human Sustainable Development Index, der Index der nachhaltigen wirtschaftlichen Wohlfahrt und die W3-Indikatoren. Für internationale Vergleiche werden außerdem Kaufkraftparitäten-Kurse genutzt, weil nominale Wechselkurse bei manchen Fragen irreführend sein können. Ein bekanntes Beispiel ist der Big-Mac-Index, der auf dem Kaufpreis eines Big Mac beruht.
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