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Weltwirtschaftskrise
Die Weltwirtschaftskrise zum Ende der 1920er und im Verlauf der 1930er Jahre begann mit dem New Yorker Börsencrash im Oktober 1929.
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Überblick und Bedeutung
Die Weltwirtschaftskrise begann mit dem New Yorker Börsencrash im Oktober 1929 und prägte die späten 1920er und die 1930er Jahre. Sie war die erste Krise von wahrhaft globalem Gewicht: Industrieproduktion, Welthandel und internationale Finanzströme brachen stark ein. Kennzeichnend waren Deflation (sinkende Preise), Schuldendeflation, Bankenkrisen, Unternehmenszusammenbrüche und Massenarbeitslosigkeit. Das führte zu sozialem Elend und politischen Krisen.
Die Krise traf Länder unterschiedlich stark und lang; zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war sie nicht überall überwunden. Als zentrale Ursachen ihres weltweiten Verlaufs gelten heute die Verringerung der Geldmenge, unzureichende Unterstützung der Banken mit Liquidität, der Goldstandard und der Protektionismus. Der Goldstandard band Papiergeld an Gold und erschwerte es Staaten, in der Krise Geldmenge und Staatsausgaben auszuweiten.
Entstehung und Ausbreitung
Nach dem Ersten Weltkrieg waren fast alle kriegführenden Staaten – außer den USA – hoch verschuldet. Großbritannien und Frankreich mussten Schulden an die USA zurückzahlen und erwarteten zugleich Reparationszahlungen vom Deutschen Reich. Deutschland hätte diese dauerhaft vor allem durch Exporterlöse leisten können; die Siegermächte öffneten ihre Märkte dafür jedoch nicht ausreichend. Ob die Reparationszahlungen selbst eine Ursache der Krise waren, ist unter Wirtschaftshistorikern umstritten.
In den USA entstand in den 1920er Jahren ein Boom. Automobilproduktion, Elektrifizierung und neue Haushaltsgeräte förderten die Konsumgüterindustrie. Konsum wurde zunehmend kreditfinanziert: Die Konsumkredite stiegen von 100 Millionen US-Dollar 1919 auf über 7 Milliarden Dollar 1929. Steuersenkungen, Lohnsteigerungen und Ratenkäufe verstärkten den Optimismus. Gleichzeitig stiegen Aktienkurse und Aktienkäufe auf Kredit stark an. US-Investoren zogen Kapital aus Europa ab; ab Juni 1928 brach die Kreditvergabe der USA an Deutschland und andere Länder faktisch zusammen.
Ab Juni 1929 ging die US-Industrieentwicklung bereits zurück. Mit den dramatischen Kursstürzen im Herbst platzte die Spekulationsblase. Der Schwarze Donnerstag, der 24. Oktober 1929, war ein besonders markanter Einschnitt; an diesem Tag wechselten 12.894.650 Aktien den Besitzer. Die Börsentalfahrt dauerte mit Unterbrechungen bis Juli 1932. Der Abzug von US-Krediten traf besonders Deutschland, dessen Wirtschaft stark davon abhing. Geldknappheit und Deflation führten dort zu Produktionsrückgang, Entlassungen und Massenarbeitslosigkeit.
Banken, Produktion und soziale Folgen
Bankenkrisen verschärften den Einbruch. In den USA mussten infolge von Wertverlusten, Zahlungsunfähigkeit von Kreditnehmern und Bankanstürmen ein Drittel aller Banken liquidiert werden. Dadurch entstand Kreditknappheit; Unternehmen konnten Kredite oft nicht mehr erhalten oder verlängern und gingen massenhaft insolvent. Die Federal Reserve verringerte die Geldmenge um etwa 30 %; diese „great contraction“ verstärkte Deflation sowie Banken- und Wirtschaftskrise.
In Deutschland hatten Banken geringe Eigenkapitalquoten und wenig liquide Mittel. Von 1925 bis 1929 flossen 21 Milliarden RM ausländische Kredite nach Deutschland, während deutschen Anlagen im Ausland nur 7,7 Milliarden RM gegenüberstanden. Viele dieser kurzfristigen Kredite waren langfristig weiterverliehen worden. Nach der Zahlungsunfähigkeit der österreichischen Creditanstalt am 11. Mai 1931 zogen Kreditgeber Devisen ab. Am 13. Juli 1931 stellten deutsche Banken ihre Zahlungen ein; Banken und Börse wurden zeitweise geschlossen. Der Banknotenumlauf sank von 5 Milliarden RM 1929 auf 3,5 Milliarden RM 1932.
Die Industrieproduktion fiel auf dem Höhepunkt der Krise besonders stark in den Vereinigten Staaten um 46,8 %, in Polen um 46,6 % und im Deutschen Reich um 41,8 %. In den Industrieländern erreichte die Arbeitslosenquote Anfang der 1930er Jahre 25 %. In Deutschland stieg sie laut Darstellung von 15,7 % 1930 auf 30,8 % 1932; im Februar 1932 gab es 6.120.000 Arbeitslose. In den USA fielen die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise von 1929 bis 1933 um 50 %, sodass viele Bauern ihr Land verloren.
Auch die weltwirtschaftliche Peripherie litt. Staaten, die vor allem Agrar- und Rohstoffe exportierten, waren vom besonders starken Preisverfall landwirtschaftlicher Produkte betroffen. Ihre Terms of Trade, also das Verhältnis von Export- zu Importpreisen, verschlechterten sich. In Kolonien wurden Löhne gedrückt und die Bevölkerung stärker besteuert. Die Erfahrung förderte die Einsicht, dass fehlende eigene Industrie Unterentwicklung bedeutete, und erschütterte den Glauben an eine für beide Seiten vorteilhafte internationale Arbeitsteilung.
Politische Reaktionen und Erholung
Die Regierungen reagierten verschieden. In Deutschland verfolgte Reichskanzler Heinrich Brüning Spar- und Deflationspolitik: öffentliche Gehälter wurden gekürzt, Sozialleistungen reduziert, öffentliche Bauvorhaben beendet und Steuern erhöht. Die Politik verschärfte Deflation und Konjunktureinbruch. Ob realistische Alternativen wie die Abkopplung der Reichsmark vom Golddevisenstandard, Kreditausweitung oder mehr Notenbankkredite bestanden, ist in der Forschung umstritten.
Ab 1932 setzte in Deutschland eine Erholung ein. Unter dem Nationalsozialismus führten Kreditausweitung, Arbeitsbeschaffung und vor allem Rüstung zu raschem Beschäftigungsanstieg und 1936 in wichtigen Punkten zur Vollbeschäftigung. Dies war jedoch kein nachhaltiger Wohlstandsgewinn: Löhne blieben niedrig beziehungsweise eingefroren, der Pro-Kopf-Konsum erreichte bis Ende der 1930er Jahre nicht das Vorkrisenniveau, und die Wirtschaft beruhte wesentlich auf verdeckter Staatsverschuldung und Kriegsvorbereitung.
In den USA setzte Franklin D. Roosevelt ab 1933 mit dem New Deal umfangreiche Wirtschafts- und Sozialreformen durch. Öffentliche Investitionen wurden auch durch Schuldenaufnahme finanziert (Deficit spending). Die Demokratie blieb erhalten, Vollbeschäftigung wurde aber erst 1941 durch die Rüstungskonjunktur nach dem Kriegseintritt erreicht.
Der Tiefpunkt war im Sommer 1932 erreicht. Zwischen Sommer 1932 und Anfang 1933 stieg die Weltindustrieproduktion um rund 7 %, im ersten Halbjahr 1933 um mehr als 20 %. Länder, die den Goldstandard früher aufgaben, erholten sich meist besser. Großbritannien wertete das Pfund nach September 1931 um etwa 25 % ab und übertraf 1934 wieder sein Bruttoinlandsprodukt von 1929. Japan erreichte 1936 Vollbeschäftigung. Frankreich hielt lange am Goldstandard fest und blieb wirtschaftlich bis 1938 deutlich unter dem Niveau von 1929. Weltweit wurden der Goldstandard aufgegeben, Gewerkschaften und Wohlfahrtsstaat ausgebaut sowie Finanzmärkte und Banken stärker reguliert.
Wirtschaftliche Erklärungen
Keynesianismus und Monetarismus stimmen darin überein, dass die Rezession von 1929 ohne die starke Verringerung der Geldmenge und ohne die ungelinderten Bankenkrisen vermutlich nicht zur Weltwirtschaftskrise geworden wäre. Sie unterscheiden sich in der Gewichtung: John Maynard Keynes erklärte die Krise vor allem durch einen Einbruch von Nachfrage und Investitionen. Bei pessimistischen Erwartungen investieren Unternehmen selbst bei niedrigen Zinsen nicht; es kann ein Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung entstehen. Keynes empfahl daher eine Ausweitung der Geldmenge und kreditfinanzierte Staatsausgaben.
Milton Friedman und Anna J. Schwartz sahen die Hauptursache in der Geldpolitik. Nach ihrer Analyse nahm die FED die Kontraktion der Geldmenge von 1929 bis 1931 hin und verschärfte sie später durch Hochzinspolitik. Die Bankenkrise störte zudem die Giralgeldschöpfung, also die Geldschaffung der Banken durch Kreditvergabe. Die monetaristische Erklärung wird überwiegend als zutreffend angesehen, gilt einigen Forschenden allein aber nicht als ausreichend.
Die Schuldendeflation erweitert diese Sicht: Bei Deflation sinken Einkommen und Preise, während nominale Schulden und Zinsen gleich bleiben. Die reale Schuldenlast steigt, Schuldner werden insolvent, Nachfrage und Preise sinken weiter. Banken vergeben wegen fallender Sicherheiten weniger Kredite; es entsteht eine Kreditklemme. Fast jede Industrienation erlebte von 1929 bis 1933 eine Deflation, bei der Großhandelspreise um 30 % oder mehr fielen.
Erwartungen konnten den Umschwung fördern. Mit Roosevelts Amtsübernahme im März 1933 änderten sich Erwartungen, weil Goldstandard, ausgeglichener Haushalt in Krisenzeiten und Minimalstaat nicht mehr als feste Dogmen galten. Unternehmer investierten und Verbraucher konsumierten eher, weil sie moderate Inflation und Expansion erwarteten. Der Goldstandard hatte zuvor Deflationspolitik in vielen Ländern erzwungen. Zusätzlich verringerte Protektionismus den Welthandel: Der Smoot-Hawley Tariff Act vom 17. Juni 1930 löste eine Welle von Zollerhöhungen aus. Dieser Kreislauf verzögerte die Erholung.
Im Vergleich zur Weltwirtschaftskrise ab 2007 reagierten Regierungen und Zentralbanken international koordiniert mit höheren Staatsausgaben, Steuersenkungen und Liquidität. Sozialversicherungen und progressive Steuern wirkten als automatische Stabilisatoren. Dadurch wurde zwar eine schwere Rezession nicht verhindert, aber das Peak-Niveau der Krise ab 1929 vermieden.
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