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Makroökonomie

Im deutschsprachigen Kontext wird die Makroökonomie zur Volkswirtschaftslehre gezählt. Der einfache Wirtschaftskreislauf zwischen Haushalt und Unternehmen.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Abgrenzung
  2. 2. Entwicklung der makroökonomischen Ideen
  3. 3. Märkte in einer geschlossenen Volkswirtschaft
  4. 4. Wichtige Modelle
  5. 5. Offene Volkswirtschaft und Gesamtanalyse
  6. 6. Makroökonomische Instabilität

Gegenstand und Abgrenzung

Makroökonomie ist ein Bereich der Volkswirtschaftslehre. Sie untersucht gesamtwirtschaftliche Vorgänge: das Verhalten von Wirtschaftssektoren, gesamtwirtschaftliche Märkte und deren Zusammenwirken. Wichtige Größen sind unter anderem Bruttoinlandsprodukt (BIP), Nationaleinkommen, Produktion, Konsum, Investitionen, Arbeitslosenquote, Preisindizes, Inflation, Sparen, Energie, Außenhandel, Zahlungsbilanz und Weltwirtschaft.

Anders als die Mikroökonomie betrachtet sie nicht vor allem einzelne Haushalte, Unternehmen oder Märkte, sondern deren Durchschnittsverhalten und zusammengefasste, also aggregierte Größen. So untersucht die Mikroökonomie beispielsweise die Nachfrage eines einzelnen Haushalts, die Makroökonomie dagegen die gesamte Nachfrage aller Haushalte. Zudem bezieht sie Staat und Ausland ein. Die Bereiche sind nicht exakt trennbar: Makroökonomie baut auf den mikroökonomisch untersuchten Einzelentscheidungen auf, während viele Teilgebiete Elemente beider Perspektiven enthalten.

Ziel ist, Bestimmungsgründe, internationale Unterschiede und zeitliche Entwicklungen gesamtwirtschaftlicher Schlüsselvariablen zu erklären. Wichtige Teilgebiete sind Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Einkommens- und Beschäftigungstheorie, Wachstums- und Konjunkturtheorie. Wirtschaftspolitische Empfehlungen betreffen etwa Preisniveaustabilität, Vollbeschäftigung, außenwirtschaftliches Gleichgewicht und Wirtschaftswachstum; diese Ziele werden auch als Magisches Viereck bezeichnet. Regierungen beeinflussen die Entwicklung beispielsweise über Steuern, Zinsen und Staatsausgaben.

Zur Vereinfachung betrachtet die makroökonomische Analyse meist Güter-, Geld-, Arbeits- und Wertpapiermarkt. Das Inlandsprodukt wird auf dem Gütermarkt gedanklich in privaten Konsum, Staatskonsum, Investitionen sowie Importe und Exporte aufgeteilt. Moderne DSGE-Modelle leiten Entscheidungen häufig aus individuellen Optimierungen ab; dies heißt Mikrofundierung. Da Rationalitätsannahmen nach dem Sonnenschein-Mantel-Debreu-Theorem kaum Folgerungen liefern, orientieren sich Modelle auch an stilisierten Fakten, etwa der langfristigen Konstanz des Kapitalkoeffizienten und stärkeren Konjunkturschwankungen der Investitionen gegenüber dem Konsum.

Entwicklung der makroökonomischen Ideen

Frühe wirtschaftliche Fragen finden sich schon bei Platon zur Arbeitsteilung sowie bei Aristoteles zu Geld und Zins. Diese Autoren behandelten ökonomische Fragen jedoch im Zusammenhang mit Ethik, Recht oder politischer Philosophie. Im 16. und 17. Jahrhundert unterstützte der Merkantilismus die nationale Handelskraft und Einnahmen der Fürsten; der deutsche Merkantilismus wird Kameralismus genannt. Sir William Petty formulierte die These eines volkswirtschaftlichen „Überschusses“. François Quesnay entwickelte mit dem Tableau économique im 18. Jahrhundert das erste moderne makroökonomische Totalmodell: einen Wirtschaftskreislauf zwischen Bauern, Kaufleuten und Handwerkern sowie Grundeigentümern.

Die Klassik begann ungefähr 1770. Adam Smith beschrieb mit der „invisible hand“ den Preismechanismus: Rationales individuelles Handeln soll Wirtschaftspläne ordnen. Das klassische Harmonieprinzip vertraut daher auf die Funktionsfähigkeit der Marktwirtschaft. Der Staat soll sich weitgehend zurückhalten und vor allem innere und äußere Sicherheit, ein geeignetes Rechtssystem, Handlungsfreiheit und Schutz des Privateigentums gewährleisten. Klassische Ökonomen fragten besonders, wie Überschüsse entstehen, verteilt und entweder für Luxuskonsum oder Ersparnis verwendet werden. Sie bevorzugten Ersparnis, weil sie langfristig den Wohlstand erhöhen solle.

Die Neoklassik entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie setzt rationale, mathematisch ausdrückbare Präferenzen voraus, Nutzenmaximierung durch Einzelpersonen, Gewinnmaximierung durch Unternehmen sowie unabhängiges Handeln bei vollständigen und relevanten Informationen. Grenznutzen und Grenzkosten erlaubten es, wirtschaftliches Verhalten auf einzelne Individuen zurückzuführen. In der Geldtheorie war die Quantitätstheorie einflussreich: Das Preisniveau ist direkt proportional zur Geldmenge. Irving Fisher formulierte: M · V = P · Q. Dabei ist M die Geldmenge, V die Umlaufgeschwindigkeit, P das Preisniveau und Q die Anzahl der Transaktionen.

John Maynard Keynes legte 1936 mit „General Theory of Employment, Interest and Money“ eine simultane Analyse makroökonomischer Schlüsselvariablen vor und gilt als Begründer der Makroökonomie. Er erklärte während der Weltwirtschaftskrise, warum Märkte nicht zwingend ein Gleichgewicht mit verkauftem Warenangebot und Beschäftigung erreichen. Bei wirtschaftlicher Unsicherheit können Menschen und Unternehmen Geld halten; dies beschrieb er über Liquiditätspräferenzen. Der Multiplikatoreffekt bedeutet, dass bereits geringe Rückgänge von Nachfrage oder Investitionen starke gesamtwirtschaftliche Rückgänge auslösen können. Die neoklassische Synthese verband später Keynes’ Makroökonomie mit neoklassischer Mikroökonomie.

Der Monetarismus, besonders Milton Friedman, betonte die Geldnachfrage und eine stetig wachsende Geldmenge statt häufiger Eingriffe. Friedman hielt Geldpolitik für wirksamer als Fiskalpolitik, bezweifelte aber die präzise staatliche Steuerbarkeit. Zusammen mit Edmund Phelps bestritt er einen stabilen langfristigen Zielkonflikt zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit; die Ölschocks der 1970er Jahre mit hoher Inflation und Arbeitslosigkeit stützten dies empirisch. In der neuen klassischen Makroökonomie wurden rationale Erwartungen durch Robert Lucas zentral: Wirtschaftssubjekte nutzen aktuelle Politik und Bedingungen für Prognosen. Die Lucas-Kritik besagt, dass wirtschaftspolitische Maßnahmen Erwartungen und damit die in traditionellen Modellen angenommenen Zusammenhänge verändern können. Daraus entstand der Paradigmenwechsel zur Mikrofundierung.

Der Neukeynesianismus übernahm rationale Erwartungen, untersuchte aber Preis- und Lohnstarrheiten infolge unvollkommenen Wettbewerbs und anderer Marktversagen. Deshalb können Geld- und Fiskalpolitik reale Wirkungen haben. Ende der 1990er Jahre wurden diese Ansätze mit rationalen Erwartungen und realen Konjunkturzyklen zu DSGE-Modellen verbunden; dies heißt neue neoklassische Synthese. Viele Zentralbanken verwenden solche Modelle, etwa die Europäische Zentralbank das Smets–Wouters-Modell. Der Artikel verweist zugleich auf Probleme bei Inflationsprognosen nach der Pandemie, besonders bei Energiepreisen, sowie auf Fachartikel, die DSGE-Modellen eine schwache Vorhersagequalität zuschreiben.

Märkte in einer geschlossenen Volkswirtschaft

Eine geschlossene Volkswirtschaft hat keine Handelsbeziehungen zum Ausland; Exporte und Importe sind gleich null. Dies ist eine vereinfachende Annahme, die der Realität moderner Volkswirtschaften widerspricht.

Der Gütermarkt umfasst alle Märkte für Waren und Dienstleistungen. Dort treffen aggregiertes Angebot und aggregierte Nachfrage zusammen; dazu gehören Konsum und Investitionen. Die IS-Funktion zeigt alle Kombinationen von Zinssatz und Volkseinkommen, bei denen auf diesem Markt Gleichgewicht herrscht.

Auf dem Geldmarkt werden geldliche Transaktionen betrachtet. Die Transaktionskasse ist Geldhaltung für laufende Zahlungen und wächst proportional mit dem Einkommen. Die Spekulationskasse entsteht aus dem Vermögensmotiv: Werden steigende Zinsen erwartet, drohen Kursverluste bei Wertpapieren; bei sinkendem Zins steigt daher die Spekulationskasse. Das Geldangebot wird durch Kreditvergabe oder Wertpapierkäufe der Notenbank bestimmt. Die LM-Funktion bildet Geldmarktgleichgewichte ab und hat bei gegebener Geldmenge im Zins-Einkommens-Koordinatensystem eine positive Steigung.

Auf dem Arbeitsmarkt bieten Arbeitnehmer Arbeit an, Unternehmen fragen sie als Produktionsfaktor nach. Die Arbeitsnachfrage hängt daher mit der volkswirtschaftlichen Produktionsfunktion zusammen. Wachstumsschwächen können sich dort in hoher Arbeitslosigkeit zeigen.

Wichtige Modelle

Das AD-AS-Modell erklärt Preisniveau und reale Produktion im Gleichgewicht von Gesamtnachfrage (AD) und Gesamtangebot (AS). Die AD-Kurve fällt: Bei niedrigeren Preisniveaus wird mehr Output nachgefragt. Ursachen sind der Pigou- oder reale Gleichgewichtseffekt, nach dem sinkende reale Preise den realen Wohlstand und damit die Konsumnachfrage erhöhen; der Keynes- oder Zinseffekt, nach dem fallende Preise die Geldnachfrage und Zinssätze senken und Kreditaufnahme für Konsum und Investitionen fördern; sowie der Nettoexporteffekt, nach dem höhere inländische Preise Exporte verringern.

In der (neu)keynesianischen Variante ist die AS-Kurve bei niedriger Produktion horizontal und nahe dem potenziellen Output, der Vollbeschäftigung entspricht, unelastisch. Oberhalb des Produktionspotenzials kann die Wirtschaft nicht weiter produzieren; eine Ausweitung der AD führt dann zu Inflation statt zu höherem Output. Übersteigt die Nachfrage nach Gütern das Angebot, entsteht eine Inflationslücke mit Nachfragesoginflation und einer Verschiebung der AD-Kurve zu einem höheren Preisniveau. Steigende Kosten bewirken Kostendruckinflation und eine Verschiebung der AS-Kurve nach oben.

Das IS-LM-Modell stellt Kombinationen aus Zinssatz und Output dar, die gleichzeitig Güter- und Geldmarkt ins Gleichgewicht bringen. IS steht für den Gütermarkt: Investitionen entsprechen öffentlichen und privaten Ersparnissen. Die IS-Kurve fällt, weil bei höherem Output mehr Einkommen gespart wird und niedrigere Zinssätze genügend Investitionen anregen müssen. LM steht für den Geldmarkt: Geldangebot entspricht Geldnachfrage. Die LM-Kurve steigt, weil mit höherem Einkommen die Geldnachfrage wächst und der Zinssatz steigen muss, um sie auszugleichen. Das Modell wird besonders genutzt, um Wirkungen von Geld- und Fiskalpolitik anschaulich zu machen.

Offene Volkswirtschaft und Gesamtanalyse

In einer offenen Volkswirtschaft werden Importe und Exporte und damit das Ausland einbezogen. Außenbeziehungen werden in der Außenwirtschaftsrechnung erfasst, einer Nebenrechnung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Wichtige Bestandteile sind Zahlungsbilanz und Wechselkurse.

Die makroökonomische Totalanalyse betrachtet Güter-, Geld-, Wertpapier- und Arbeitsmarkt gemeinsam. Sie erfasst damit die Interaktionen aller Konsumenten, Produzenten und sonstigen Wirtschaftssubjekte. Zur Vereinfachung arbeitet sie mit festen Daten und Verhaltensweisen und konzentriert sich auf Preistheorie sowie Bewegungen zu Gleichgewichtszuständen. Weil umfassende Analysen teuer sind und viele Daten erfordern, werden oft Partialmodelle eingesetzt.

Das makroökonomische Gleichgewicht beruht auf der Annahme der „unsichtbaren Hand“: Langfristig soll sich im Marktsystem ein Gleichgewicht einstellen. Die Totalanalyse fragt, ob unter den gegebenen Voraussetzungen ein Gleichgewicht existiert, ob es eindeutig ist und ob Wirtschaftssubjekte nach Abweichungen wieder zu ihm zurückkehren.

Finanzpolitik umfasst staatliche Entscheidungen über Haushalte, Einnahmen und Ausgaben. Fiskalpolitik ist ihr Teilbereich: Sie betrifft Steuern T, Staatsausgaben G, Staatskäufe, Transferzahlungen und Steuerstruktur. Höhere Steuern oder geringere Staatsausgaben zum Abbau eines Budgetdefizits heißen kontraktive Fiskalpolitik; Steuersenkungen oder höhere Staatsausgaben mit größerem Defizit expansive Fiskalpolitik. Lohnpolitik gestaltet Höhe, Struktur und Ausrichtung der Löhne. Löhne entstehen häufig nicht allein durch Angebot und Nachfrage, sondern werden zwischen Gewerkschaften und Unternehmerverbänden ausgehandelt und in Tarifverträgen festgelegt.

Makroökonomische Instabilität

Makroökonomische Krisen und problematische Entwicklungen werden so unterschieden:

  • Inflation ist ein länger anhaltender Anstieg des allgemeinen Preisniveaus; Hyperinflation ist eine sehr hohe Inflation.
  • Deflation ist negative Inflation, also ein Fall des allgemeinen Preisniveaus.
  • Rezession bedeutet negatives BIP-Wachstum in zwei oder mehr aufeinanderfolgenden Quartalen. Eine lang anhaltende Rezession heißt Depression.
  • Stagnation ist eine konjunkturelle Phase ohne wirtschaftliches Wachstum.
  • Stagflation verbindet Stagnation und Inflation.

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