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Wirtschaftlichkeit

Wirtschaftlichkeit. Wirtschaftssystem- und unternehmenszielindifferenter Ausdruck dafür, inwieweit eine Tätigkeit dem Wirtschaftlichkeitsprinzip genügt. Artikel …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernbegriff und Grundprinzip
  2. 2. Abgrenzung und Formen
  3. 3. Effektivität und Effizienz
  4. 4. Kennzahlen und Produktionsplanung
  5. 5. Ziele, Märkte und Berechnung
  6. 6. Typische Beispiele

Kernbegriff und Grundprinzip

Wirtschaftlichkeit beschreibt, inwieweit eine Tätigkeit dem Wirtschaftlichkeitsprinzip genügt. Der Begriff ist unabhängig davon, ob es um ein Wirtschaftssystem, ein Unternehmen, den Staat oder andere Wirtschaftssubjekte geht. Wirtschaftssubjekte wie Privathaushalte, Unternehmen, öffentliche Verwaltung, Staatsunternehmen oder Kommunalunternehmen sollen mit knappen Ressourcen rational umgehen. Deshalb ist Wirtschaftlichkeit ein wichtiges Auswahlprinzip sowohl in der Betriebswirtschaftslehre als auch in der Öffentlichen Betriebswirtschaftslehre.

Das Wirtschaftlichkeitsprinzip ist eine besondere Form des Rationalprinzips. Es kann auf zwei Arten erfüllt werden: Beim Minimalprinzip soll ein gegebener Ertrag mit möglichst geringem Aufwand erreicht werden. Beim Maximalprinzip soll mit gegebenem Aufwand ein möglichst großer Ertrag erzielt werden. In beiden Fällen werden Aufwand und Ertrag gegenübergestellt.

Wirtschaftlichkeit liegt vor, wenn der Ertrag E größer ist als der eingesetzte Aufwand A: E > A. Unwirtschaftlichkeit liegt vor, wenn der Aufwand den Ertrag übersteigt: E < A. Auch bei der Kosten-Nutzen-Analyse und der Kosten-Wirksamkeits-Analyse stehen solche Wirtschaftlichkeitsfragen im Mittelpunkt.

Die Einhaltung der Wirtschaftlichkeit kann mit Zielen wie Gewinnmaximierung oder Nutzenmaximierung zusammenpassen; zwischen diesen Zielen besteht Zielharmonie. Öffentliche Haushalte sind nach § 7 Abs. 1 BHO sogar gesetzlich verpflichtet, bei Aufstellung und Ausführung des Haushaltsplans das Wirtschaftlichkeits- und Sparsamkeitsprinzip zu beachten.

Abgrenzung und Formen

Wirtschaftlichkeit ist von Produktivität und Rentabilität zu unterscheiden. Im Unterschied zur Produktivität ist Wirtschaftlichkeit wertmäßig erfassbar: Sie beschreibt eine bewertete Beziehung zwischen Mitteleinsatz und Handlungsergebnis. Produktivität dagegen arbeitet mit Mengen. Im Unterschied zur Rentabilität bezieht sich Wirtschaftlichkeit nicht zwingend auf das eingesetzte Kapital.

Es gibt zwei Hauptformen der Wirtschaftlichkeit. Absolute Wirtschaftlichkeit bezeichnet die für eine bestimmte Handlung ermittelte Beziehung zwischen Handlungsergebnis und dafür erforderlichem Mitteleinsatz. In einem erwerbswirtschaftlichen Unternehmen wird dieser Wert zum Beispiel durch Erträge und Aufwand oder durch Erlöse und Kosten gemessen. Ein Investitionsprojekt ist absolut wirtschaftlich, wenn sein Kapitalwert größer als Null ist.

Relative Wirtschaftlichkeit vergleicht die absolute Wirtschaftlichkeit einer Handlung mit der einer anderen Handlung. Ein Investitionsprojekt A ist zum Beispiel relativ wirtschaftlich gegenüber Projekt B, wenn sein Kapitalwert größer ist, unabhängig davon, ob er größer als Null ist.

Wirtschaftlichkeit kann außerdem durch eine betriebswirtschaftliche Kennzahl dargestellt werden. Dabei wird meist ein Quotient gebildet: Im Zähler steht eine Größe des Nutzens, im Nenner eine Größe der Entbehrung oder des Mitteleinsatzes. Diese Größen müssen in einem sachlichen Zusammenhang stehen.

Effektivität und Effizienz

Effektivität und Effizienz erklären unterschiedliche Aspekte wirtschaftlichen Handelns. Effektiv arbeiten bedeutet, ein angestrebtes Ergebnis zu erreichen. Effektivität beschreibt also den Grad der Zielerreichung oder die Wirksamkeit. Wenn eine Zielgröße maximiert werden soll, lautet die Formel: Effektivität = Erreichtes Ist(-Ergebnis) / Angestrebtes Soll(-Ergebnis). Diese Verhältnisgröße gilt unter der Voraussetzung, dass das erreichte Ist-Ergebnis kleiner als das angestrebte Soll-Ergebnis ist. Wenn eine Zielgröße minimiert werden soll, lautet die Formel: Effektivität = Angestrebtes Soll(-Ergebnis) / Erreichtes Ist(-Ergebnis). Diese Verhältnisgröße gilt unter der Voraussetzung, dass das angestrebte Soll-Ergebnis kleiner als das erreichte Ist-Ergebnis ist.

Für Wirtschaftlichkeit bei einer Effektivität im Intervall zwischen 0 und 1 gilt: Effektivität gegen 0 bedeutet völlige Unwirtschaftlichkeit; Effektivität gegen 1 bedeutet exzellente Wirtschaftlichkeit.

Effizient arbeiten bedeutet, dass das erreichte Ergebnis und die eingesetzten Mittel in einem möglichst günstigen Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen und der Nutzen größer ist als die Kosten. Der Begriff „Kosten“ meint dabei nicht nur Geldkosten und nicht nur sofort entstehende Kosten, sondern alle negativen Folgen einer Handlung. Effizienz ist ein Maß für Wirtschaftlichkeit und wird als Kosten-Nutzen-Relation verstanden: Effizienz = Erreichtes Ist(-Ergebnis) / Mitteleinsatz. Gültige Effizienzwerte liegen im Intervall zwischen 0 und unendlich.

Wirtschaftlichkeit liegt vor, wenn der Quotient aus erreichtem Ist-Ergebnis und Mitteleinsatz gleich oder größer 1 ist. Ist die Effizienz > 1, liegt Wirtschaftlichkeit vor. Ist die Effizienz = 1, liegt aufwandsdeckende Wirtschaftlichkeit vor. Ist die Effizienz < 1, handelt es sich um Unwirtschaftlichkeit. In produzierenden Unternehmen betrifft dies das in Preisen bewertete Verhältnis von Output, also Ausbringungsmenge, zu Input, also Einsatzmenge. Auf reine Dienstleistungsunternehmen und öffentliche Institutionen ist dies nicht ohne Weiteres übertragbar, solange dort keine produzierenden Abteilungseinheiten betriebswirtschaftlich integriert werden müssen.

Peter F. Drucker prägte eine bekannte Unterscheidung: Effektivität bedeutet „Die richtigen Dinge tun“, Effizienz bedeutet „Die Dinge richtig tun“. In seinem Kontext ging es jedoch vor allem um den Unterschied zwischen Aufgaben der Unternehmensführung und Aufgaben der Mitarbeiter; dort kann Efficiency auch eher als Leistungsfähigkeit verstanden werden.

Kennzahlen und Produktionsplanung

Eine zentrale betriebswirtschaftliche Kennzahl lautet: Wirtschaftlichkeit = Erträge / Aufwendungen. Sie ist eine Effizienzgröße, in die Erträge und Aufwendungen eingehen, die üblicherweise aus der Gewinn- und Verlustrechnung eines Unternehmens stammen.

Eine weitere Kennzahl ist die Kostenwirtschaftlichkeit: Kostenwirtschaftlichkeit = Leistungsmenge / Kosten. Hier stammen Leistungsmenge und Kosten in der Regel aus der Kosten- und Leistungsrechnung. Diese Kennzahl ist etwas ungewöhnlich, weil im Zähler eine mengenmäßige Größe und im Nenner eine wertmäßige Größe steht, während Wirtschaftlichkeitskennzahlen sonst meist wertmäßige Größen im Zähler und Nenner verwenden.

Der Sparsamkeitsgrad lautet: Sparsamkeitsgrad = Sollkosten / Istkosten. Er ist eine Effektivitätsgröße. Sein Wertebereich liegt zwischen 0 und 1. Sparsamkeitsgrad gegen 0 bedeutet völlige Unwirtschaftlichkeit; Sparsamkeitsgrad gegen 1 bedeutet exzellente Wirtschaftlichkeit. Damit dieser Wertebereich erreicht wird, müssen realistische Sollkosten angenommen werden, und es muss gelten: Sollkosten < Istkosten. Sollkosten können in der starren oder flexiblen Plankostenrechnung ermittelt werden; Istkosten stammen aus der Kosten- und Leistungsrechnung. Durch Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen sollen die Istkosten den Sollkosten von oben angenähert werden.

Produktivität ist anders definiert: Produktivität = Ausbringungsmenge / Faktoreinsatzmenge. Sie beruht auf mengenmäßigen Größen, während Wirtschaftlichkeit wertmäßige Größen verwendet. Rentabilität ist ebenfalls abzugrenzen: Rentabilität = Gewinn / Kapital. Sie setzt den erzielten Erfolg, etwa Gewinn, zum eingesetzten Kapital in Beziehung und kann als Prozentsatz angegeben werden. Wirtschaftlichkeit nimmt dagegen nicht zwingend Bezug auf Kapital.

In der Produktionsplanung bildet die Produktions- und Kostentheorie die Grundlage. Die Kostentheorie soll die kostengünstigsten Verfahren für eine vorgegebene Produktmenge bestimmen. Eine unterstützende Kennzahl ist die „bezahlte Wirtschaftlichkeit“: „Bezahlte Wirtschaftlichkeit“ = Nettoerlöse der verkauften Erzeugnisse / Kosten der verkauften Erzeugnisse. Auch hier gilt: Ist der Quotient größer oder gleich 1, liegt „bezahlte Wirtschaftlichkeit“ vor; bei genau 1 wurde nur kostendeckend produziert. Zur Beurteilung und Kontrolle der Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens können außerdem Umschlagskennzahlen genutzt werden, etwa Lagerumschlagshäufigkeit, durchschnittliche Lagerdauer und Debitorenlaufzeit.

Ziele, Märkte und Berechnung

Wirtschaftlichkeit wird manchmal nicht als reine Output/Input-Relation gemessen, sondern als Grad der Erreichung bestimmter Vorgaben. Ein Beispiel ist die nachhaltige Sicherung der Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens, weil sie unter normalen Umständen zur Existenzsicherung beiträgt. Ein Wirtschaftssubjekt erreicht dieses langfristige Ziel, indem es aus seiner Umwelt Vorleistungen bezieht, eigene Leistungen hinzufügt und dabei effizient arbeitet. Ein Mehrwert entsteht, wenn die eigenen Leistungen nach Abzug fremder Leistungen ein positives Ergebnis ergeben.

In der Privatwirtschaft wird meist nicht größtmögliche Wirtschaftlichkeit, sondern größtmöglicher Gewinn angestrebt. Der Markt kann Anbieter jedoch dazu zwingen, ein Produkt besonders wirtschaftlich bereitzustellen, vor allem wenn mehrere Anbieter dasselbe Produkt anbieten und in Preiswettbewerb treten. Bei „gesunden Marktverhältnissen“ bietet ein Oligopol Produkte an: Mehrere Anbieter konkurrieren über Preis und Preis-Leistungs-Verhältnis und setzen bestimmte Mengen mit Gewinn ab.

Bei extremen Marktformen verändert sich dieses Verhalten. Bei „vollständiger Konkurrenz“ haben Mengenanpasser wegen vieler Konkurrenten und verhaltener Nachfrage je Abnehmer keinen Einfluss auf den Preis. Der Preis ist praktisch fixiert, Gewinnmaximierung ist vor allem über die Menge möglich, und die Anbieter müssen ihre Produkte mit größtmöglicher Wirtschaftlichkeit liefern. Beim gegenteiligen Extrem, dem Angebotsmonopol, kann der Monopolist die angebotene Menge einschränken und trotzdem seinen Gewinn maximieren, auch wenn er zu unwirtschaftlichen Stückkosten anbietet. In beiden Extremfällen kommt es zu einem ökonomischen Wohlfahrtsverlust, englisch economic deadweight loss.

Die Wirtschaftlichkeitsrechnung ist ein Kalkül zur Bestimmung der Wirtschaftlichkeit einer ökonomisch relevanten Handlung. Dabei spielen absolute und relative Wirtschaftlichkeit eine besondere Rolle. Untersucht wird, ob die in einem Unternehmen oder in einer öffentlichen Institution eingesetzten Produktionsfaktoren dem Wirtschaftlichkeitsprinzip entsprechend genutzt werden. Betrachtet werden können zum Beispiel eine Investition, ein Produktionsverfahren, das Anbieten eines Produkts auf dem Markt oder die Unternehmenstätigkeit insgesamt.

Typische Beispiele

Die Beispiele im Artikel verdeutlichen vor allem den Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz. Ein Feuer kann mit Wasser oder mit Champagner gelöscht werden. Beides erreicht das Ziel und ist daher effektiv. Mit Champagner zu löschen ist aber teurer und normalerweise nicht effizient. Wenn jedoch kein Wasser oder anderes geeignetes Löschmittel verfügbar ist, kann auch Champagner effizient sein, sofern der Nutzen größer ist als die Kosten.

Beim Fällen von Bäumen ist das Ziel, möglichst viele Bäume zu fällen. Eine Motorsäge erreicht pro Zeitspanne mehr als eine Feile und ist deshalb effektiver. Wenn als Kosten nur der Lohn des Baumfällers betrachtet wird, ist die Motorsäge auch effizienter, weil das Verhältnis „Anzahl gefällter Bäume / Lohn“ höher ist. Betrachtet man dagegen ausschließlich Benzinkosten, ist die Feile effizienter, weil sie ohne Hilfsenergieverbrauch funktioniert.

Auch das Sprichwort „Mit Kanonen auf Spatzen schießen“ beschreibt den Unterschied: Wenn die Spatzen getroffen werden, ist das Ziel erreicht und die Handlung effektiv. Ein leichteres Jagdinstrument, etwa eine Schleuder, hätte die Zielerreichung aber günstiger ermöglicht und wäre daher effizienter.

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