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Wirtschaft im Römischen Reich

Die Wirtschaft im Römischen Reich beruhte hauptsächlich auf Landwirtschaft und Handel, in geringen Teilen auch auf Handwerk und Dienstleistungen.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Entwicklung
  2. 2. Landwirtschaft und ländliche Produktion
  3. 3. Bergbau, Handel und Verkehrswege
  4. 4. Handwerk und Spezialisierung
  5. 5. Dienstleistungen und soziale Bereiche
  6. 6. Wohlstand und Veränderungen in der Spätantike

Grundlagen und Entwicklung

Die Wirtschaft im Römischen Reich war vor allem eine vorindustrielle Agrargesellschaft. Ihre wichtigsten Grundlagen waren Landwirtschaft und Handel; Handwerk und Dienstleistungen hatten eine geringere, aber wachsende Bedeutung. Die Produktion erfolgte überwiegend sehr arbeitsintensiv und ohne nennenswerten Einsatz von Maschinen. Dadurch wurden die zunächst hohen Erträge langfristig geschmälert.

Getreide war das zentrale Wirtschaftsgut und die Grundlage der Ernährung. Der Wert des Goldes, das unter anderem als Aureus umlief, stand nicht wie bei modernen Währungen in Beziehung zu anderen Währungen, sondern zu Getreideernten und Vorräten. Für die Kontrolle der Versorgung und der Inflation war deshalb der spätestens 7 v. Chr. von Augustus eingesetzte praefectus annonae besonders wichtig. Die Versorgung mit verbilligtem oder kostenlosem Getreide durch Bezugsmarken (tesserae frumentariae) war eine frühe Form staatlicher Sozialhilfe; rechtliche Grundlage war die lex frumentaria.

Die Entwicklung wird vereinfachend in vier Epochen eingeteilt: Königszeit (753–509 v. Chr.), Republik (509–27 v. Chr.), Prinzipat beziehungsweise Kaiserzeit (27 v. Chr. bis zur Reichskrise des 3. Jahrhunderts) und Spätantike (ab 284/285 bis ins 6./7. Jahrhundert). Eine wichtige Voraussetzung für stabile wirtschaftliche Verhältnisse war die pax Romana, also der relative Frieden in vielen Reichsgebieten. Zugleich war die Wirtschaft, besonders die Landwirtschaft, nach dem Ende der Republik stark von der Ausbeutung versklavter Menschen abhängig.

Landwirtschaft und ländliche Produktion

Nach neueren Schätzungen arbeiteten während der Kaiserzeit 30 bis 40 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft. Neben Getreide wurden Wein, Honig, Obst und Olivenöl erzeugt, die teilweise als gehobene oder Luxusgüter galten.

In der Frühzeit gab es viele kleine Höfe. Nach dem Zweiten Punischen Krieg verloren jedoch zahlreiche Bauern ihr Leben oder konnten ihre brachliegenden Felder nicht wieder bewirtschaften. Viele verarmte Bauern zogen in die Städte. Großgrundbesitzer kauften oder besetzten die verlassenen Güter und bewirtschafteten sie als Latifundien mit versklavten Arbeitskräften. Tiberius Gracchus wollte 133 v. Chr. den Landbesitz auf 500 Joch, etwa 250 Hektar, begrenzen und frei werdendes Land in Parzellen von 30 Joch an Bauern verpachten. Er wurde noch im selben Jahr ermordet; sein Bruder Gaius wurde nach einem ähnlichen Reformvorschlag 121 v. Chr. ebenfalls ermordet. Unter Augustus entspannte sich das Problem durch die Ansiedlung freier Bauern in neu eroberten Gebieten etwas.

Auf Latifundien leitete häufig ein conductor (Großpächter) oder actor (Geschäftsführer) die Arbeit. Ein Teil wurde mit Sklaven und Wanderarbeitern bewirtschaftet, der übrige Boden an Kleinpächter (coloni) vergeben. Diese zahlten meist Naturalien oder Geld. In der Villa Magna Variana betrug die Abgabe ein Drittel der Getreide-, Wein- und Olivenernte sowie ein Fünftel bei Bohnen und anderen Hülsenfrüchten. Die Pachtverträge dauerten meist fünf Jahre; in diesem Beispiel mussten Kolonen außerdem sechs Tage jährlich Frondienst leisten.

Getreide war das häufigste Anbauprodukt. Angebaut wurden unter anderem Saatweizen, Nacktweizen, Emmer beziehungsweise Hartweizen, Dinkel und Gerste. Roggen und Hafer waren nicht bekannt. Wegen des Mangels an Dünger und erschwerter Stickstoffbindung durch Hülsenfrüchte mussten Felder meist alle zwei Jahre brachliegen. Bewässerung und der Nilschlamm verkürzten die Brachzeiten: In Palästina lagen Felder innerhalb von sieben Jahren nur zwei Jahre brach. Das Verhältnis von Einsaat zu Ertrag lag meist bei 3:8, in Etrurien wurden bis zu 15-fache Erträge erreicht; in Palästina war eine siebenfache, in Griechenland eine 4,5- bis 7-fache Ernte üblich.

In städtischen oder hausnahen Gärten (horti) wurden Gemüse, Hülsenfrüchte, Heil- und Gewürzpflanzen angebaut. Oliven- und Weinbau waren wegen teurer Bäume, Bewässerung und Pressen besonders häufig Sache von Großgrundbesitzern. Für Wein nennt Columella bei guten Böden und guter Pflege drei cullei beziehungsweise 1750 Liter pro iugerum als normalen Ertrag. 90 n. Chr. ließ Domitian wegen der starken Ausbreitung des Weinbaus die Rebflächen in den Provinzen um die Hälfte reduzieren. Rinder dienten vor allem als Zugtiere, Ziegen und Schafe der Milchgewinnung und Schweine der Fleischproduktion. Im Osten wurden unter anderem Datteln, Feigen, Zitrusfrüchte und Granatäpfel erzeugt; in Südspanien wurde exportorientiert garum, eine Fischsauce, hergestellt.

Bergbau, Handel und Verkehrswege

Die Römer gewannen Eisen in Rennöfen bei 1200–1300 °C. Dabei entstand keine flüssige Schmelze, sondern ein teigartiges, schmiedbares Eisen, dessen Verunreinigungen durch Schmieden entfernt wurden. Als jährliche Produktionsmengen werden genannt: 82.500 t Eisen, 15.000 t Kupfer, 80.000 t Blei, 11,200 t Silber und 11,119 t Gold. Kupfer und Blei galten als besonders bedeutende vorindustrielle Produktionsmengen. Holz und vor allem nahezu doppelt so effiziente Holzkohle waren die wichtigsten Brennstoffe; in Britannien wurden bereits im späten 2. Jahrhundert n. Chr. große Kohlevorkommen ausgebeutet.

Der Handel blühte besonders unter Augustus und seinen Nachfolgern. Gründe waren der relative Frieden, demografische Stabilität, Freizügigkeit für Bürger und ein verbreitetes Währungssystem. Innerhalb des Reiches wurden vor allem Getreide, Öl, Wein, Fleisch und garum transportiert. Amphorenfunde aus Augusta Raurica zeigen, dass 52 Prozent der Amphoren von der Iberischen Halbinsel, 38 Prozent aus Gallien, 3 Prozent aus Italien und 6 Prozent aus dem östlichen Mittelmeerraum stammten. Allein aus Alexandria wurden jährlich 80.000 t Getreide nach Rom verschifft. Italien exportierte außerdem jährlich 120.000 hl Wein nach Gallien.

Zölle lagen grundsätzlich in der Zuständigkeit der Provinzen und konnten zwischen benachbarten Provinzen und Städten verschieden sein. Zollstationen kontrollierten Waren; Schmuggel führte zur Beschlagnahmung. In spanischen und gallischen Provinzen betrug der Importzoll 2,5 Prozent des Warenwerts, für den Außenhandel werden nach dem Periplus Maris Erythraei etwa 25 Prozent genannt. Ob Zölle den Handel tatsächlich stark hemmten, bleibt unklar.

Der Nordhandel führte über Rhein, Limes und Donau nach Germanien und Skandinavien. Eingeführt wurden unter anderem Getreide, Vieh, Sklaven, später auch Felle, Schinken und Bernstein. In Gegenrichtung gelangten Terra Sigillata, Bronze- und Glasgefäße, Silbergeschirr, Waffen, Ringe und Textilien in den Norden. Der Osthandel mit Arabien, Indien und China umfasste vor allem Weihrauch, Gewürze, Seide, Elfenbein, Perlen und andere Luxuswaren. Seit der Erschließung der Monsunrouten nahm der Seetransport stark zu. Nach Plinius wurden jährlich 100 Millionen Sesterzen für Waren aus Indien und China ausgegeben.

Für den Landtransport konnten Menschen über kurze Strecken etwa 50 kg tragen. Esel transportierten auf langen Strecken etwa 90 kg, Maultiere 110 kg und Kamele 180 kg. Ochsengespanne schafften 10 bis 16 km pro Tag. Flüsse waren wichtige Verkehrsadern; ein Prahm aus dem Niederrheingebiet war 30 m lang und konnte bis zu 100 t befördern. Normale Hochseeschiffe fassten 100–450 t, der Frachter für den vatikanischen Obelisken 1300 t. Seetransport war günstiger als Flusstransport, dieser wiederum profitabler als Landtransport. Wegen des hohen Risikos lagen Zinsen für maritime Darlehen meist bei 30 bis 33 Prozent.

Handwerk und Spezialisierung

Das Handwerk wuchs seit der Republik, besonders durch die Nachfrage des Heeres nach Zimmerleuten, Waffenschmieden und Technikern. Später entstanden unter anderem Bäckereien, Garküchen, Webereien, Färbereien, Schneidereien, Bauhandwerke, Silberschmieden und Werkstätten für Luxusgüter. Handwerker waren meist arme Freie, Freigelassene und Fremde; teilweise arbeiteten auch spezialisierte Sklaven. Ihr gesellschaftliches Ansehen war gering.

Die meisten Betriebe waren kleine Familienunternehmen (officinae) mit einigen Lohnarbeitern oder Sklaven. Die Werkstätten (tabernae) lagen in Städten häufig im Erdgeschoss von Mietshäusern. In Pompeji sind 650 Werkstätten nachgewiesen. Viele produzierten für den lokalen Markt und auf Bestellung. Größere Produktionsstätten gab es etwa für Terra Sigillata, Keramik, Ziegel und Wasserrohre. Die Erzeugnisse wurden meist mit Hersteller- oder Betriebsstempeln versehen. Erst unter Diokletian entstanden staatliche Waffenfabriken (fabricae) größeren Ausmaßes.

Die Berufe waren stark spezialisiert: Bekannt sind etwa 500 lateinische Berufsbezeichnungen und mehr als 200 Gewerbe aus römischen Grabinschriften, wobei nicht immer klar ist, ob jede Bezeichnung einen eigenen Beruf meinte. Eine formale Ausbildung war für viele Tätigkeiten nicht nötig. Für zahlreiche Berufe sind jedoch Lehrverhältnisse belegt, etwa für Weber, Bauhandwerker, Bäcker, Goldschmiede, Mosaikarbeiter und Ziergärtner. Auch Frauen arbeiteten als Flickschneiderinnen, Goldwirkerinnen, Schuhmacherinnen und Bleirohrherstellerinnen oder halfen in den Werkstätten ihrer Männer. Für viele Gewerbe verlangte der Staat eine feste Abgabe, das χειρονἀξιον, die zur Ausübung berechtigte.

Dienstleistungen und soziale Bereiche

Banken (tabernae argentariae) waren zunächst Wechselstuben. Später übernahmen Bankiers (argentarii) die zinslose Aufbewahrung von Geld, Zahlungen an Dritte und ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. auch Kreditgeschäfte. Bei Auktionen konnten sie Kaufsummen vorstrecken; dafür wurde meist 1 Prozent des Preises verlangt. Der staatlich festgelegte Höchstzinssatz für Kredite lag bei 12,5 Prozent. Es gab außerdem professionelle Geldverleiher, private Geldgeber sowie öffentliche und Tempelbanken. Zahlungen konnten durch schriftliche Anweisungen zwischen Konten erfolgen.

Öffentliche Unterhaltung fand vor allem in Arenen, Circussen und Theatern statt. Dort traten Gladiatoren, Wagenlenker, Schauspieler und Musiker auf. Für die ludi Apollinares wurden jährlich 380.000 Sesterzen ausgegeben, für die ludi Romani 760.000 Sesterzen. Politiker finanzierten Spiele häufig, um die Gunst der Wähler zu gewinnen. Tänzer, Sänger und Musiker wurden auch für private Feiern, Leichenzüge und Gastmähler benötigt.

Prostitution bot vielen Frauen und teilweise auch Männern eine Möglichkeit, der Armut zu entkommen; Sklavinnen wurden teilweise dazu gezwungen. In Aesernia kostete der Verkehr mit einem „Mädchen“ laut einer Rechnung 8 As, in pompejanischen Graffiti schwankten die Preise zwischen 2 und 23 As. Auch Staat und Gemeinden erzielten Einnahmen, unter anderem durch eine von Caligula eingeführte Steuer.

Bildung war keine staatliche Aufgabe. Wohlhabende Eltern schickten ihre Kinder zu Privatlehrern oder in private Schulen, die Lesen, Schreiben und Rechnen vermittelten. Daneben gab es Lehrer für Grammatik, Rhetorik, Recht und Philosophie. Ärzte gehörten häufig zur Oberschicht oder waren ausgebildete Sklaven im Dienst wohlhabender Familien. Kaiserliche Leibärzte konnten 500.000 Sesterzen verdienen; Q. Stertinius erzielte mit einer Privatpraxis ebenfalls 500.000 Sesterzen im Jahr.

Wohlstand und Veränderungen in der Spätantike

Schätzungen des Bruttoinlandsprodukts und des Pro-Kopf-Einkommens weichen erheblich voneinander ab. Für das BIP pro Kopf werden je nach Studie 166 bis 380 Sesterzen beziehungsweise 491 bis 855 kg Weizen-Äquivalent angegeben. Die zugrunde gelegten Bevölkerungszahlen reichen von 44 bis 70 Millionen. Das gesamte BIP wird auf etwa 9,2 bis 20,9 Milliarden Sesterzen beziehungsweise 29,5 bis 50 Millionen Tonnen Weizen-Äquivalent geschätzt. Nach einer weiteren Berechnung lagen 2007 etwa 570 internationale Dollar von 1990, 2009 etwa 620 beziehungsweise 940 Dollar pro Kopf vor. Italien gilt als wohlhabendste Region; sein BIP pro Kopf lag schätzungsweise 40 bis 66 Prozent über dem der übrigen Reichsteile.

Im 3. Jahrhundert war die Wirtschaft von Inflation geprägt. Seit dem Ende des 3. Jahrhunderts verlagerte sich das wirtschaftliche Gewicht allmählich von den Städten zu großen Landgütern. Diese verdrängten Kleinbauern und machten sie zu halbfreien Kolonen. Die Anbaumethoden änderten sich nur wenig, während die Nachfrage der Städte stieg. Höchstpreise für landwirtschaftliche Produkte führten dazu, dass Bauern die Städte nicht mehr ausreichend versorgten. Der Staat versuchte deshalb, die erbliche Bindung der Kolonen an den Boden durchzusetzen.

In der ausgehenden Spätantike ging die städtische Wirtschaft in mehreren westlichen Regionen teilweise zurück; in Syrien und anderen östlichen Handelszentren war der Rückgang weniger stark. Die Wirtschaftskraft des Imperiums blieb jedoch beträchtlich, und die Entwicklung verlief regional unterschiedlich. Im Westen verschlechterte sich die Lage ab dem 5. Jahrhundert, im Ostreich kam es erst im späten 6. oder 7. Jahrhundert zu einem Einbruch, an dem Kriege und Pestwellen beteiligt waren. Die Fernhandelswege reichten weiterhin bis nach Indien und Zentralasien.

Im Westen wurden Handwerk und Gewerbe zunehmend mit den autarken großen Gütern verbunden, während naturalwirtschaftliche Formen zunahmen. Die für die Armee wichtigen collegia wurden staatlich kontrolliert. Im Osten blieb die Geldwirtschaft stärker vorherrschend. Die Aristokratie lebte zunehmend auf dem Land, sammelte Boden und Kapital, obwohl die landwirtschaftlichen Überschüsse immer geringer wurden.

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