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Römische Bürgerkriege

Historische Ereignisse · Die Reformversuche der Gracchen · Marius und Sulla · Das erste Triumvirat · Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius · Das zweite Triumvirat.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Zeitraum, Kernkonflikt und Bedeutung
  2. 2. Die Gracchen und der Beginn der Gewalt
  3. 3. Marius, Sulla und die Bindung der Heere
  4. 4. Vom ersten Triumvirat zu Caesars Alleinherrschaft
  5. 5. Zweites Triumvirat und Sieg Octavians
  6. 6. Erklärungen für den Untergang der Republik

Zeitraum, Kernkonflikt und Bedeutung

Als Zeit der Römischen Bürgerkriege gilt das Jahrhundert von 133 bis 30 v. Chr. In dieser Epoche geriet die Römische Republik in eine schwere Krise und wurde schließlich durch den Prinzipat ersetzt, eine monarchische Herrschaftsform unter Beibehaltung republikanischer Einrichtungen.

Anfangs stritten vor allem Optimaten und Popularen um die politische Richtung. Die Optimaten vertraten den konservativ-aristokratischen Teil des Senatsadels. Die Popularen stützten sich stärker auf die Volksversammlung. Aus politischen Konflikten wurden zunächst Straßenkämpfe und später regelrechte Bürgerkriege: 83/82 v. Chr. zwischen den Lagern von Marius und Sulla, 49–45 v. Chr. zwischen Caesar und Pompeius sowie 44–31 v. Chr. zunächst zwischen Caesars Mördern und seinen Anhängern und danach zwischen Marcus Antonius und Octavian.

Von entscheidender Bedeutung war die wachsende Macht der Feldherren. Seit der Heeresreform des Marius waren Soldaten und Veteranen zunehmend persönlich an ihre Befehlshaber gebunden. Dadurch konnten militärisch erfolgreiche Politiker ihre Legionen gegen politische Gegner und sogar gegen Rom einsetzen. Am Ende setzte sich Octavian, der spätere Augustus, durch und begründete eine dauerhafte Alleinherrschaft.

Die Gracchen und der Beginn der Gewalt

Den Beginn der Epoche markierte 133 v. Chr. der Reformversuch des Volkstribunen Tiberius Sempronius Gracchus. Seine Agrargesetze sollten Land begrenzen, das Großgrundbesitzer unter rechtlich zweifelhaften Umständen erworben hatten, und es in Parzellen an Kleinbauern und die städtische Proles verteilen. Damit sollten soziale Spannungen vermindert und Roms militärische Stärke erhalten werden, weil damals nur Besitzende Militärdienst leisten konnten.

Tiberius setzte die Gesetze durch, indem er einen Volkstribunen absetzen ließ, der sein Veto eingelegt hatte, und eigenmächtig das von König Attalos III. von Pergamon an Rom vererbte Vermögen freigab. Als er im folgenden Jahr erneut Volkstribun werden wollte, verstieß er außerdem gegen das Annuitätsprinzip, nach dem Ämter jährlich neu besetzt werden mussten. Senatoren und Anhänger der Optimaten erschlugen ihn und etwa 300 Gefolgsleute auf dem Kapitol.

Von 123 bis 121 v. Chr. führte sein Bruder Gaius Sempronius Gracchus die Reformpolitik mit Unterstützung der Equites, des römischen Ritterstands, fort. Als er allen italischen Bundesgenossen das Bürgerrecht geben wollte, verlor er jedoch die Unterstützung des stadtrömischen Proletariats, das um seinen politischen Einfluss fürchtete. Der Senat erklärte Gaius zum Staatsfeind. Auf der Flucht ließ er sich von einem Sklaven töten; in den folgenden Kämpfen wurden 3000 Anhänger der Popularen getötet. Damit hatten die Optimaten zwar gesiegt, zugleich aber politische Gewalt als Mittel der Innenpolitik etabliert.

Marius, Sulla und die Bindung der Heere

Gaius Marius, ein Vertreter der Popularen, wurde 107 v. Chr. Konsul. Nach Erfolgen gegen König Jugurtha von Numidien sowie gegen Kimbern und Teutonen gewann er großes Ansehen. Er bekleidete mehrfach hintereinander das Konsulat und verletzte damit das Annuitätsprinzip.

Seine Heeresreform ersetzte das bisherige Bürgeraufgebot durch ein Berufsheer, das auch Angehörige des Proletariats aufnahm. Veteranen erhielten nach dem Dienst Land aus dem ager publicus, dem römischen Staatsland. Weil die Feldherren für diese Versorgung verantwortlich waren, entstand eine Heeresclientel: Die Legionäre fühlten sich stärker ihrem Befehlshaber als dem Staat verpflichtet. Im Bundesgenossenkrieg von 91 bis 89 v. Chr. erlangten zudem die italischen Verbündeten das volle Bürgerrecht. Die Institutionen der Stadtrepublik wurden der stark vergrößerten Bürgerschaft aber nicht angepasst; an Wahlen und Volksversammlungen konnte weiterhin nur teilnehmen, wer sich in Rom befand.

Der Optimat Lucius Cornelius Sulla wurde 88 v. Chr. Konsul. Nach einem Putsch der Popularen marschierte er als erster römischer Feldherr mit seinen Truppen in Rom ein. Während seines Kriegs gegen Mithridates VI. übernahmen Marius und der Konsul Lucius Cornelius Cinna nach zehntägigem Kampf die Stadt und errichteten ein Schreckensregiment. Nach seiner Rückkehr besiegte Sulla 82 v. Chr. mit Unterstützung des Gnaeus Pompeius Magnus die Popularen. Durch die Lex Valeria legitimiert, errichtete er eine Diktatur. Auf Proskriptionslisten erklärte Gegner wurden verfolgt und getötet; auf besonders gefährliche Gegner setzte man Kopfgelder aus. Sulla stärkte den Senat, beschränkte die Volkstribunen und trat 79 v. Chr. zurück. Dennoch hatte auch seine Macht vor allem auf der Kontrolle über Legionen beruht.

Vom ersten Triumvirat zu Caesars Alleinherrschaft

Nach Sullas Rücktritt bestimmten Pompeius und Marcus Licinius Crassus die Politik. Obwohl beide Optimaten waren, machten sie 70 v. Chr. fast alle Änderungen Sullas rückgängig. Ihre militärischen Erfolge und ihre Anhängerschaft unter Soldaten und Veteranen ermöglichten ihnen Politik am Senat vorbei.

Als der Senat 60 v. Chr. Pompeius’ Maßnahmen zur Versorgung seiner Veteranen nicht anerkannte, schlossen Pompeius, Crassus und Julius Caesar das erste Triumvirat. Dieses private und ungesetzliche Bündnis sollte gewährleisten, dass nichts im Staat gegen den Willen eines der drei geschah. Caesar wurde für 59 v. Chr. zum Konsul gewählt und eroberte anschließend von 58 bis 51 v. Chr. von Gallia cisalpina aus das nicht-römische Gallien bis zum Rhein. Dadurch gewann er Reichtum und das Imperium, die Befehlsgewalt über große Heere. Nach Crassus’ Tod 53 v. Chr. wurde Caesar zum stärksten militärischen Machtfaktor.

Pompeius näherte sich dem Senat an und wurde 52 v. Chr. consul sine collega, also alleiniger Konsul. Der Senat verlangte schließlich von Caesar, sein Kommando niederzulegen und als Privatmann nach Rom zurückzukehren, wo ihm ein Gerichtsverfahren drohte. Nachdem Pompeius am 7. Januar 49 v. Chr. den Auftrag erhalten hatte, die Republik zu verteidigen, überschritt Caesar am 10. Januar den Rubikon, die Grenze zum militärfreien Gebiet Roms. Er nahm Rom ein, besiegte Pompeius’ Truppen in Spanien und schlug Pompeius bei Pharsalos in Griechenland. Pompeius wurde anschließend in Ägypten ermordet. Weitere senatorische Heere unterlagen bei Thapsus in Africa und bei Munda in Hispanien. Damit wurde Caesar Alleinherrscher.

Zweites Triumvirat und Sieg Octavians

Caesar konnte seine außergewöhnliche Machtstellung nicht dauerhaft politisch absichern. Ob er eine Königsherrschaft anstrebte, war schon damals umstritten und ist es bis heute. Seine Ernennung zum Diktator auf Lebenszeit blieb eine vorläufige Lösung. Am 15. März 44 v. Chr. ermordeten ihn etwa 60 Senatoren um Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus während einer Senatssitzung.

Der Versuch, die Senatsherrschaft wiederherzustellen, scheiterte. Caesars Großneffe und Erbe Octavian sowie Marcus Antonius und Marcus Aemilius Lepidus gründeten auf Grundlage der Lex Titia das zweite Triumvirat. Durch Proskriptionen beseitigten sie Gegner, darunter Cicero. Bei Philippi besiegten Octavian und Antonius 42 v. Chr. die Heere von Brutus und Cassius. Danach ging es nicht mehr um den Fortbestand der Republik, sondern um ihre Nachfolgeordnung.

Sextus Pompeius blockierte von Sizilien aus Italien. Im Vertrag von Misenum erreichte er 39 v. Chr. die Rehabilitation der Proskribierten, doch bereits im folgenden Jahr begannen die Kämpfe erneut. Marcus Vipsanius Agrippa eroberte 36 v. Chr. Sizilien für Octavian; anschließend schaltete Octavian auch Lepidus politisch aus. Die letzte Entscheidung fiel gegen Antonius und dessen Verbündete Kleopatra VII. von Ägypten. Octavian siegte 31 v. Chr. in der Seeschlacht bei Actium und nahm im folgenden Jahr Alexandria ein. Damit erlangte er die Alleinherrschaft im Römischen Reich.

Als Augustus schuf Octavian den Prinzipat: Die republikanischen Ämter und Institutionen bestanden äußerlich fort, doch der Princeps vereinigte alle entscheidenden Gewalten. Seine tatsächliche Macht beruhte besonders auf seiner Stellung als Imperator. Nach einem Jahrhundert der Kriege akzeptierten viele Römer die kaum verhüllte Einzelherrschaft aus Friedenssehnsucht. Das augusteische Zeitalter leitete die Pax Romana, den römischen Frieden, ein.

Erklärungen für den Untergang der Republik

Die Ursachen wurden unterschiedlich erklärt. Cicero und Sallust sahen einen Sittenverfall, durch den die Verantwortung gegenüber der Republik verloren gegangen sei. Montesquieu betonte zwei strukturelle Probleme: Heerführer hätten sich mithilfe ihrer Heeresclientel der Kontrolle des Senats entzogen, und die Einrichtungen einer Stadtrepublik seien für die Verwaltung eines Weltreichs ungeeignet gewesen. Im Historismus wurden dagegen häufig große Einzelpersonen wie Caesar als Zerstörer der Republik betrachtet.

Theodor Mommsen erklärte die Krise durch das Zusammentreffen einer eigennützigen, „ausgearteten Oligarchie“ mit einer handlungsunfähigen Demokratie. Das politische System habe die wirtschaftlichen und sozialen Konflikte nicht lösen können. Durch die Expansion seien Reichtum und Sklaven in großen Mengen nach Rom gelangt und der Gegensatz zwischen bäuerlicher und geldbasierter Wirtschaft habe sich verschärft. Mommsen bewertete Caesars Übergang von der republikanischen zur monarchischen Ordnung als historische Leistung.

Ronald Syme sah die Republik als Herrschaft einer kleinen Gruppe von Aristokraten, deren Einfluss auf Besitz und Gefolgschaften beruhte. Die Expansion machte sie außerordentlich reich; im Machtkampf zerbrach der bisherige Konsens, bis sich der stärkste Akteur durchsetzte. Marxistisch orientierte Historiker deuteten die Konflikte als Folge wachsender sozialer Ungleichheit oder als Klassenkampf. Helmuth Schneider erklärte den Prinzipat als politischen Preis, den die besitzenden Klassen für die Sicherung ihres Eigentums zahlten.

Karl Christ führte die Krise hauptsächlich auf Roms militärische Erfolge zurück. Die Expansion erzeugte Spannungen zwischen Großgrundbesitzern, Kleinbauern, Rittern, städtischem Proletariat und mächtigen Heerführern. Viele Bauern verarmten, weil sie während des Militärdienstes ihre Höfe nicht bewirtschaften konnten und gegenüber den mit Sklaven arbeitenden Latifundien nicht konkurrenzfähig waren. Popularen griffen ihre Interessen auf, teils für Reformen, teils zur Gewinnung von Wählern und persönlicher Macht. Gleichzeitig wollten Prokonsuln und Proprätoren nach langen Feldzügen ihre Befehlsgewalt nicht wieder verlieren.

Christian Meier bezeichnete die Lage als „Krise ohne Alternative“. Die überkommene Ordnung hatte lange den Interessenausgleich ermöglicht, verhinderte nun aber die Erkenntnis, dass grundlegende Reformen nötig waren. Rom gelang es nicht, seine politische Ordnung an die veränderte Gesellschaft anzupassen und Macht von wenigen Adligen auf die Bürgerschaft zu übertragen. Das Festhalten am Hergebrachten ließ daher keine tragfähige Alternative innerhalb der Republik entstehen.

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