Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Römische Königszeit
Wahrscheinlich wurden die sieben Hügel Roms etwa seit dem 10. Jahrhundert v. Chr. von Latinern und Sabinern besiedelt; nach 600 v. Chr. geriet das Gebiet dann …
Inhalt4 Abschnitte
Einordnung und Quellenlage
Die römische Königszeit bezeichnet die erste Phase der Geschichte der Stadt Rom in der Antike. Nach der traditionellen Chronologie dauerte sie von 753 v. Chr. bis 510 v. Chr. Ihre Bedeutung liegt darin, dass in dieser Zeit die Stadtbildung, die frühe soziale Ordnung und zentrale politische sowie religiöse Institutionen entstanden sein sollen.
Die Berichte antiker Historiker über diese Epoche gelten in der modernen Wissenschaft überwiegend als Legenden. Die römische Geschichtsschreibung setzte erst spät ein; ihr Wissen über die Königszeit beruhte vor allem auf mündlichen Überlieferungen. Spätere Autoren rekonstruierten die Vergangenheit daraus, doch viele Angaben sind propagandistisch gefärbt, unsicher oder nachweislich falsch. Historische Rekonstruktionen stützen sich deshalb vor allem auf Archäologie und überlieferte Institutionen.
Gründungsmythos und Könige
Dem Mythos zufolge gründeten die Brüder Romulus und Remus Rom im Jahr 753 v. Chr. Weil sie aus Alba Longa stammen sollen, leiteten römische Adlige ihre Herkunft später von Aeneas ab, einem trojanischen Helden des Trojanischen Krieges. Die Erzählung von Alba Longa gilt vermutlich als nachträglicher Versuch, Roms Geschichte mit dem Trojanischen Krieg zu verbinden, den Griechen und Römer um 1180 v. Chr. datierten.
Das Jahr 753 v. Chr. wurde im 1. Jahrhundert v. Chr. durch Varros Neuberechnung zum kanonischen Gründungsdatum. Varro rechnete vom Untergang Trojas 1184 v. Chr. zwölf Jahre für die Dauer des Trojanischen Krieges zurück und addierte viermal das römische saeculum von 110 Jahren. Um den dadurch größeren Abstand zwischen Aeneas und Romulus zu füllen, ergänzte er die latinischen Könige von Alba Longa. Titus Livius und Theodor Mommsen verwendeten das Datum für die römische Chronologie.
Auf Romulus sollen sechs Könige gefolgt sein, für die es keine historisch gesicherten Quellen gibt: Numa Pompilius führte religiöse Bräuche und Zeremonien ein; Tullus Hostilius zerstörte Alba Longa; Ancus Marcius baute den Hafen Ostia; Lucius Tarquinius Priscus dehnte Roms Herrschaft auf Nachbarvölker aus; Servius Tullius teilte die Bevölkerung in Hundertschaften ein. Der letzte König, Lucius Tarquinius Superbus, soll nach dem Lucretia-Mythos als Tyrann 510 v. Chr. vertrieben worden sein. Der etruskische König Lars Porsenna von Clusium soll Rom danach kurz erobert, es aber um 503 v. Chr. wieder aufgegeben haben.
Stadt, Gesellschaft und Herrschaft
Wahrscheinlich wurden die sieben Hügel Roms seit etwa dem 10. Jahrhundert v. Chr. von Latinern und Sabinern besiedelt. Wohl zwischen dem Ende des 7. und der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. besetzten Etrusker die Dörfer und fassten sie zu einer Stadt zusammen. Wegen der mangelhaften Quellenlage weichen moderne Datierungen erheblich voneinander ab. Die Etrusker sollen der Stadt den Namen Roma nach dem etruskischen Geschlecht der Ruma gegeben haben und ein Königtum errichtet haben.
Das Volk war bereits in Patrizier, also Adlige, und Plebs, das übrige Volk, gegliedert. Politische Rechte besaßen nur Patrizier; nur sie konnten Senatoren stellen. Der Senat war ein beratender Rat ohne Gesetzgebungskompetenzen und Vetorechte. Im Stadtstaat galten vor allem Gewohnheitsrecht und Sakralrecht, also religiös begründetes Recht. Bei schweren Konflikten zwischen Familienverbänden, den gentes, konnte der König als oberster Staatspriester und Gerichtsherr ein Gericht einberufen und schlichten.
Die wichtigste Aufgabe des Königs lag in der Außenpolitik: Er vertrat die Stadt und war oberster Feldherr. Das Heer bestand aus der vom Adel gestellten Reiterei und Fußsoldaten aus dem einfachen Volk.
Ende des Königtums und Folgen
Titus Livius erklärte den Systemwechsel mit dem Wunsch des Volkes nach einem Ende fremder Willkürherrschaft. Nach der historischen Rekonstruktion schaffte jedoch das erstarkte Patriziertum den König ab. Sein Machtanspruch beruhte auf Reichtum, militärischem Einsatz und Abgaben zur Kriegsfinanzierung. Zugleich hatten die Patrizier keinen Einfluss auf die Außenpolitik, während die etruskischen Könige eine stärkere Beteiligung des Adels ablehnten.
Die etruskische Macht nahm überregional ab. 474 v. Chr. erlitten die Etrusker bei Kyme eine schwere Niederlage gegen eine griechische Flotte; dies wird als Tiefpunkt ihrer Macht bezeichnet. In diesem Zusammenhang nutzte der römische Adel wohl die Gelegenheit, die Monarchie zu stürzen. Ähnliche Befreiungen von Fremdherrschaft gab es damals auch in anderen Stadtstaaten des etruskischen Gebiets.
In der römischen Republik wurde der Senat zur mächtigsten politischen Institution und bestimmte den jährlich wechselnden Jahresmagistrat, den praetor maximus. Die religiösen Aufgaben des Königs übernahm der rex sacrorum. Nach Ansicht vieler Forscher entstand das Konsulat erst später.