Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Pax Romana
Die Pax Romana („Römischer Frieden“) oder Pax Augusta (lateinisch für „Frieden des Augustus“) bezeichnet eine etwa 200–250 Jahre lange Periode des Römischen …
Inhalt6 Abschnitte
Begriff und Zeitraum
Die Pax Romana, auch Pax Augusta genannt, bedeutet „Römischer Frieden“ beziehungsweise „Frieden des Augustus“. Gemeint ist eine etwa 200 bis 250 Jahre lange Phase des Römischen Reichs, die trotz einzelner Aufstände und kurzer Bürgerkriege insgesamt von innerem Frieden, Stabilität, Sicherheit und Wohlstand geprägt war. Der Begriff meint vor allem inneren Frieden: die Abwesenheit von Bürgerkrieg im Reich.
Die Kaiser, auf Latein Augusti, galten als Garanten dieses inneren Friedens. Die Periode begann 27 v. Chr. mit dem Ende der römischen Bürgerkriege und dem Ende der res publica libera, also der freien Republik. Augustus begründete damals eine faktische Alleinherrschaft, den Prinzipat. Das Ende der Pax Romana wird unterschiedlich angesetzt: entweder 192 n. Chr. mit dem Tod des Kaisers Commodus oder 235 n. Chr. mit dem Ende der severischen Dynastie.
Augustus und die Befriedung
Die Bedeutung der Pax Augusta wird besonders deutlich im Vergleich zum Jahrhundert davor. Die Römische Republik war in langen Bürgerkriegen untergegangen, während im Osten die frühere Ordnung der hellenistischen Welt zerbrach. Das frühe Prinzipat brachte dagegen Rom, Italien und den meisten Provinzen eine lange Zeit innerer Ruhe.
Nach den Verwüstungen der Bürgerkriege erholten sich Wirtschaft, Kunst und Kultur. Die Epoche brachte Dichter wie Vergil, Horaz, Ovid und Properz hervor, außerdem den Geschichtsschreiber Titus Livius und den Architekten Vitruv. Augustus selbst beschrieb den Wandel Roms sinngemäß als Entwicklung von einer Stadt aus Ziegeln zu einer Stadt aus Marmor.
Architektonische Zeugnisse dieser Zeit sind unter anderem das Marcellustheater, das von Agrippa erbaute und später unter Kaiser Hadrian erneuerte Pantheon, Augustus’ Mausoleum und die Ara Pacis. Die Ara Pacis, ein Friedensaltar aus dem Jahr 9 v. Chr., zeigt auf einem Relief eine Prozession der kaiserlichen Familie und sollte den Wohlstand des befriedeten Imperiums feiern.
Frieden im Inneren, Krieg an den Grenzen
Die Pax Augusta bedeutete nicht, dass das Römische Reich keine Kriege führte. Spätestens seit dem Jahr 16 v. Chr. standen dem inneren Frieden Kriege an den Grenzen gegenüber. Unter Augustus expandierte das Reich in einem Ausmaß wie nie zuvor und nie wieder danach.
Zum Reich kamen unter anderem das reiche Ägypten und Galatia hinzu. Außerdem wurden Provinzen an Rhein und Donau eingerichtet. Diese Eroberungen waren in ihrer Bedeutung nur mit der Eroberung Galliens durch Julius Caesar vergleichbar.
Krieg gegen äußere Feinde galt nicht als Widerspruch zur Pax Augusta. Entscheidend war, dass im Inneren des Reichs und in den Provinzen nach dem Jahr 31 v. Chr. nur noch wenig vom Krieg zu spüren war. Deshalb konnte Augustus sich trotz umfassender Eroberungskriege als Friedenskaiser darstellen lassen.
Legitimation der Kaiserherrschaft
Frieden und Wohlstand wurden schon von den Zeitgenossen als prägende Merkmale der Epoche wahrgenommen. Das erklärt, warum viele Menschen die Einführung der Monarchie und das Ende der Republik hinnahmen: Der Verlust politischer Freiheit erschien als Preis für die Befriedung des Imperiums.
Daraus entstand eine wichtige Grundlage kaiserlicher Herrschaft. Die Legitimität der Kaiser hing wesentlich davon ab, dass sie ihr Versprechen einlösten, im Reich für Ruhe und Sicherheit zu sorgen. Der innere Frieden war also nicht nur ein Zustand, sondern auch ein politisches Argument zugunsten der Herrschaft der Augusti.
Stabilität und spätere Krise
Der Staat stabilisierte sich während der Pax Romana. Zwar blieb das Reich an seinen Grenzen äußeren Gegnern ausgesetzt, etwa den Germanen an Rhein und Donau sowie den Parthern im Osten. Auch Kaiser Trajan führte offensive Eroberungskriege. Solche großen Kriege blieben aber eher die Ausnahme.
Viele Herrscher hatten in der Regel kein Interesse mehr an großangelegten Kriegen. Wenn sie nicht wie Trajan persönlich in die Schlacht ziehen wollten, mieden sie umfangreiche Eroberungen auch deshalb, weil sehr siegreiche Feldherren politisch zur Gefahr für den Kaiser werden konnten. Im befriedeten Inneren konnten kulturelles und wirtschaftliches Leben blühen. Die Bevölkerung war weitgehend von äußeren Gefahren abgeschirmt, und viele Städte besaßen keine Mauern mehr.
Nach dem Tod Mark Aurels und besonders während der sogenannten Reichskrise des 3. Jahrhunderts änderte sich die Lage. Wiederholt drangen plündernde Feinde in das Reich ein, zugleich schwand die innere Stabilität, und es kam immer wieder zu Bürgerkrieg. In der Spätantike gelang nur teilweise eine neue Stabilisierung, bevor das Weströmische Reich im 5. Jahrhundert nach langen inneren und äußeren Kriegen kollabierte.
Pax auf Münzen
Die Pax Augusta wurde noch bis in die spätrömische Zeit auf Münzen als Grundlage kaiserlicher Legitimität dargestellt. Häufig zeigen Münzrückseiten die Göttin Pax mit der abgekürzten Umschrift PAX AVG.
Die Abkürzung PAX AVGG sollte anzeigen, dass der Friede durch zwei gleichzeitig regierende Kaiser gesichert wurde. PAX AVGG ET CAESS bezog sich auf die beiden Seniorkaiser und ihre Cäsaren, also Juniorkaiser, zur Zeit der Tetrarchie. Selten findet sich auch AVGGGG für die vier Tetrarchen. Ein Beispiel ist eine Münze des Kaisers Maximianus um 300 n. Chr., ein Antoninian mit der Umschrift PAX AVGG und der Göttin Pax.