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Wirtschaft Südafrikas

Das Budget wies auch schon einen Haushaltsüberschuss aus. Die Staatsverschuldung lag 2012 bei 43,3 % des BIP. Gini-Koeffizienten 2014 nach …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Bedeutung
  2. 2. Historische Entwicklung und soziale Probleme
  3. 3. Wichtige Kennzahlen und öffentliche Finanzen
  4. 4. Landwirtschaft, Weinbau und Bergbau
  5. 5. Industrie, Energie und Chemie
  6. 6. Dienstleistungen, Börse und Tourismus

Grundlagen und Bedeutung

Südafrika gehört neben Nigeria und Ägypten zu den leistungsstärksten Volkswirtschaften Afrikas. Für 2024 wird ein Bruttoinlandsprodukt von 401.076 Millionen US-Dollar genannt; der Weltwirtschaftsrang liegt bei 41. Die Währung ist der Südafrikanische Rand. Südafrika ist in Handelsorganisationen wie WTO, SADC, SACU und AfCFTA eingebunden.

Die Wirtschaft ist stark in die Region eingebunden. Südafrika dominiert die Wirtschaft des südlichen Afrika und bildet seit 1910 mit den heutigen Staaten Eswatini, Namibia, Lesotho und Botswana die Zollunion des Südlichen Afrika. Außerdem ist das Land Mitglied der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft und der Neuen Partnerschaft für Afrikas Entwicklung der Afrikanischen Union.

Die Wirtschaftsstruktur ist zweigeteilt: Einerseits verfügt Südafrika über ein gut entwickeltes Finanz- und Rechtssystem sowie eine allgemein gut ausgebaute Kommunikations-, Energie- und Verkehrsinfrastruktur. Andererseits ähneln besonders ländliche Gebiete in ehemaligen Homelands einem Entwicklungsland. Der Dienstleistungssektor trägt 66 % zum Bruttoinlandsprodukt bei, die Industrie 31 %. Die größten BIP-Anteile bildeten 2013 Finanzdienstleistungen, Immobilien und unternehmensnahe Dienstleistungen, das verarbeitende Gewerbe und der öffentliche Dienst.

Historische Entwicklung und soziale Probleme

Lange dominierte im heutigen Südafrika die Subsistenzwirtschaft, also eine Wirtschaftsform, bei der Menschen vor allem für den Eigenbedarf produzieren. Ab 1652 richteten weiße Siedler in Kapstadt eine Versorgungsstation für Schiffsbesatzungen ein, für die Nahrungsmittel angebaut wurden. Die Landwirtschaft blieb bestimmend, bis 1867 am Oranje Diamanten entdeckt wurden. Besonders Kimberley wurde danach ein Zentrum der Diamantenförderung.

Goldfunde bei Pilgrim’s Rest 1873 und Barberton 1881 lockten Goldgräber an. 1886 wurde am Witwatersrand Gold gefunden. Der folgende Goldrausch trug zur Entstehung großer Städte wie Johannesburg bei. Danach kam es zum Zweiten Burenkrieg, in dem die Briten die Oberhoheit über das Gebiet gewannen. Weitere Bodenschätze wurden schnell entdeckt.

Während der Apartheid kamen die hohen Gewinne vor allem der weißen Bevölkerungsgruppe zugute. Schwarze Bergleute verrichteten meist riskante und schlecht bezahlte Arbeit, häufig als Wanderarbeiter. 1977 arbeiteten über 128.000 Bergleute aus Lesotho in südafrikanischen Minen. Nach 1980 gingen besonders im Bergbau viele Arbeitsplätze verloren.

Auch nach dem Ende der Apartheid blieb die wirtschaftliche Ungleichheit groß. Zwischen 1994 und 2004 stieg die Arbeitslosigkeit bei Schwarzen von 36 % auf 47 %, ihr Durchschnittseinkommen sank real um 19 %, während das der Weißen um 15 % stieg. Der Anteil schwarzer Manager in börsennotierten Unternehmen stieg jedoch von 0 % auf 20 %. Mit dem Programm Broad-Based Black Economic Empowerment versucht die Regierung, die Benachteiligung der schwarzen Bevölkerung zu verringern; Vertreter der weißen Bevölkerung kritisieren diese Form der affirmative action, weil aus ihrer Sicht Leistung weniger wichtig werde.

Wichtige Kennzahlen und öffentliche Finanzen

Südafrika erlebte in den Jahren 2005 bis 2007 ein jährliches Wachstum von etwa 5 %. 2012 verlangsamte sich das Wachstum auf geschätzt 2,6 %. Die reale Veränderung des BIP schwankte stark: 2009 lag sie bei −1,5 %, 2020 bei −6,4 %, 2021 wieder bei +4,9 %. Das nominale BIP lag 2012 bei 434 Milliarden US-Dollar, 2016 bei 323 Milliarden US-Dollar und 2021 bei 420 Milliarden US-Dollar. Das BIP je Einwohner betrug 2021 7,0 Tausend US-Dollar.

Die Inflation lag 2012 bei fünf bis sechs Prozent. Für die Jahre 2014 bis 2021 werden Werte zwischen 3,2 % und 6,3 % genannt; 2021 betrug sie 4,6 %. Die Arbeitslosenquote war sehr hoch: offiziell 24,9 % am 25. Februar 2014. Nur 13,6 Millionen Südafrikaner gingen einer Arbeit nach, während rund 13 Millionen Sozialhilfeempfänger waren. Die Gini-Koeffizienten, die die Ungleichheit bei Einkommen und Konsum messen, gehören jeweils zu den höchsten weltweit.

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von 94,6 Milliarden US-Dollar und Einnahmen von 77,9 Milliarden US-Dollar. Daraus ergab sich ein Haushaltsdefizit von 5,9 % des BIP. Die Staatsverschuldung betrug 2009 82,8 Milliarden US-Dollar oder 29,5 % des BIP; 2012 lag sie bei 43,3 % des BIP. Bei den Staatsausgaben 2006 entfielen 8,0 % des BIP auf Gesundheit, 5,4 % auf Bildung und 1,7 % auf Militär.

Im Außenhandel hatte Südafrika 2020 einen Überschuss von 16,3 Milliarden US-Dollar: Einfuhren lagen bei 68,9 Milliarden US-Dollar, Ausfuhren bei 85,2 Milliarden US-Dollar. Die wichtigsten Handelspartner 2020 waren bei den Exporten China mit 11,5 %, die Vereinigten Staaten mit 8,4 % und Deutschland mit 7,5 %. Bei den Importen kamen China mit 20,8 %, Deutschland mit 9,1 % und die Vereinigten Staaten mit 6,4 % an erster Stelle.

Landwirtschaft, Weinbau und Bergbau

Die Landwirtschaft trägt 2,4 % zum südafrikanischen Bruttoinlandsprodukt bei. Sie produziert vor allem Getreide, besonders Mais und Weizen, außerdem Zuckerrohr, Obst, Zitrusfrüchte, Gemüse, Fleisch, Wein und Zellstoff. Die Schafzucht mit sehr feiner Mohair-Wolle ist weltweit bedeutsam. Obwohl ihr Anteil am BIP klein ist, stellt die Landwirtschaft noch 9 % der Arbeitsplätze und bietet vielen Familien über Subsistenzwirtschaft zusätzliches Einkommen oder Nahrungsmittel.

Der Weinbau gehört international zu den wichtigen Bereichen Südafrikas. 425 Güter produzieren fast 4000 verschiedene Weine. Bedeutende Weinorte sind Stellenbosch, Franschhoek, Paarl und Somerset West in der Provinz Westkap; allein dort liegen mehr als 300 Weingüter. Seit 1994 stieg der Weinexport von 51 Millionen auf 370 Millionen Liter im Jahr 2011. Von der Gesamtproduktion von 872 Millionen Litern im Jahr 2012 wurde jedoch der größere Teil im Land selbst getrunken oder verarbeitet. Deutschland gehört zu den größten Importeuren südafrikanischer Weine.

Der Bergbau ist ein Schlüsselbereich. Er beschäftigt etwa 500.000 Menschen, darunter viele Geringqualifizierte, und Rohstoffe liefern ein gutes Drittel der Exporterlöse; an anderer Stelle wird genannt, dass die Förderung von Bodenschätzen seit längerer Zeit für mindestens 43 bis 46 % der Exporterlöse verantwortlich ist. Wichtige Exportprodukte waren 2019 Steinkohle mit rund 4,2 Milliarden Euro Exportwert, Gold und Eisenerz. Südafrika verfügte 1999 über sehr hohe Weltanteile bei Chrom, Platin, Mangan und Vanadium sowie bedeutende Vorkommen von Gold, Diamanten, Kohle, Eisenerz, Nickel, Titan, Antimon und Palladium.

Der Bergbau wird von wenigen großen Konzernen geprägt, darunter Anglo American, Glencore, ARMgold, AngloGold Ashanti und Implats. Probleme sind niedrige Löhne, mangelhafte Arbeitsbedingungen, Streiks, unsichere Energieversorgung und hohe Risiken. Zwischen 1984 und 2005 starben über 11.100 Minenarbeiter. Die Goldförderung ist besonders teuer, weil Minen wie die Mponeng Gold Mine fast 4000 Meter Tiefe erreichen. Die starke Abhängigkeit von Gold wurde inzwischen verringert, doch viele Minen werden bald erschöpft sein. 2012 eskalierte eine Krise der Branche, als Proteste von Bergbauarbeitern mehr als 50 Todesopfer forderten, darunter über 40 Erschossene an der Marikana-Mine.

Industrie, Energie und Chemie

Industrielle Produkte aus dem primären und sekundären Sektor machen einen großen Teil der südafrikanischen Exporteinnahmen aus. Bedeutende Branchen sind der Bergbau, die Energieversorgung, die chemische Industrie, die Fahrzeugproduktion, die Zulieferindustrie, die Textilindustrie, die Telekommunikationsindustrie und die Rüstungsindustrie. Die Rüstungsindustrie wurde während der Apartheid stark ausgebaut, weil Südafrika nur schwer Waffen aus anderen Ländern beziehen konnte; sie wird unter anderem durch Denel weitergeführt.

Die Energieversorgung liegt fast vollständig beim Konzern Eskom, der gemessen an der Produktion der siebtgrößte Stromerzeuger der Welt ist. 2009 wurden rund 91 % der Energie aus fossilen Brennstoffen gewonnen, meist in Kohlekraftwerken. Die Steinkohle hatte bei der Stromversorgung einen Anteil von 90 %. Daneben nutzt Südafrika in kleinerem Umfang Atomenergie, Wasserkraft und Windkraft. Ein unter Präsident Zuma geplanter Ausbau der Atomkraft mit russischer Hilfe wurde 2018 von der Regierung Ramaphosa abgesagt.

Im Frühjahr 2008 kam es zu einer schweren Energiekrise mit häufigen Stromausfällen, weil neue Kraftwerke verzögert gebaut wurden. Die Krise wurde durch gezielte Abschaltungen und Stromsparprogramme, auch in der Industrie, allmählich überwunden. Danach förderte die Regierung erneuerbare Energien. Der Integrated Resource Plan von 2010 öffnete den Energiemarkt für private Investoren und sah bis 2030 insgesamt 17.800 Megawatt neue Kapazität vor.

Die chemische Industrie ist eng mit Kohle und Erdgas verbunden. Bei Mossel Bay wird Erdgas gefördert. Weil Südafrika kaum Erdöl besitzt, entstanden während der Apartheid in Sasolburg und Secunda Kohleverflüssigungsanlagen, die Kraftstoffe und Grundstoffe für die Chemieindustrie herstellen. Das wichtigste Unternehmen ist Sasol, zugleich das umsatzstärkste Unternehmen Südafrikas. 2011 erzielte die Chemieindustrie etwa 281 Milliarden Rand Umsatz. Der Pharmamarkt wuchs 2011 um etwa 8 % auf rund 30 Milliarden Rand; Generika machten mehr als 50 % des Gesamtumsatzes aus. Medikamente dürfen seit 2004 nur noch zu einem staatlich festgelegten Preis verkauft werden.

Dienstleistungen, Börse und Tourismus

Der Dienstleistungssektor ist mit 66 % des Bruttoinlandsprodukts der wichtigste Wirtschaftsbereich. Südafrika hat ein stark entwickeltes Finanzsystem. Die wichtigste Wertpapierbörse ist die Johannesburger Börse, zugleich die größte Börse Afrikas und eine der zwanzig größten der Welt. Wichtige Indizes sind der FTSE/JSE All-Share Index und der FTSE/JSE Top 40 Index. Weitere Börsen sind die Cape Town Stock Exchange und die Bond Exchange of South Africa, die heute unter dem Dach der Johannesburger Börse steht. Zu den großen Unternehmen zählen Standard Bank Group, Sasol, FirstRand, MTN Group, Sanlam, Steinhoff International Holdings und AngloGold Ashanti.

Der Tourismus entwickelte sich seit dem Ende des 20. Jahrhunderts zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Zu den bedeutenden Zielen gehören der Kruger-Nationalpark und weitere Nationalparks, Kapstadt mit Tafelberg und Kap-Halbinsel, die Weinregion um Stellenbosch, Franschhoek und Paarl, Namaqualand, Johannesburg am Witwatersrand, die Garden Route, Durban mit umliegenden Sandstränden, die Drakensberge, die Wild Coast, die Amathole-Berge und Sun City.

2002 besuchten mehr als sechs Millionen Touristen Südafrika. 2005 wurde der Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt auf mehr als 7 % geschätzt. Etwa 3 % der Erwerbstätigen arbeiteten in der Tourismusbranche, für die weitere Zuwächse erwartet wurden. 2002 stellte Umwelt- und Tourismusminister Mohammed Valli Moosa Leitlinien für verantwortungsvolle Tourismusentwicklung vor. Ziel war nicht nur mehr Tourismus, sondern auch eine stärkere Beteiligung der einheimischen Bevölkerung, besonders ärmerer Gruppen, an Planung und Nutzen des Tourismus.

Für die Einreise erhalten Bürger aus den meisten EU-Ländern, aus Skandinavien und den USA üblicherweise eine automatische Einreiseerlaubnis bis zu 90 Tage. Für einige andere Länder gilt eine solche Erlaubnis bis zu 30 Tage; für längere Aufenthalte ist ein Visum nötig.

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