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Index für wirtschaftliche Freiheit
Der Index für wirtschaftliche Freiheit (englisch Index of Economic Freedom) ist ein volkswirtschaftlicher Indikator. Er wird seit 1995 jährlich durch die …
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Zweck und Einordnung
Der Index für wirtschaftliche Freiheit (englisch: Index of Economic Freedom) ist ein volkswirtschaftlicher Indikator zur Beurteilung wirtschaftlicher Freiheit eines Landes. Er wird seit 1995 jährlich von der Heritage Foundation und dem Wall Street Journal berechnet.
Der Index fasst mehrere Bedingungen zusammen, die nach seiner Methode für wirtschaftliche Freiheit wichtig sind: Schutz von Eigentum und Gerichten, Größe und Finanzlage des Staates, staatliche Regulierung sowie Offenheit gegenüber Handel, Kapital und Finanzmärkten. Länder erhalten Werte und werden dadurch vergleichbar gemacht. Der Index misst somit nicht nur einzelne Gesetze, sondern bündelt unterschiedliche Bereiche in einer Gesamtbewertung.
Bewertungsmaßstäbe
Die Erhebung beruht auf vier Säulen:
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Rechtsstaatlichkeit: Eigentumsrechte bewerten den rechtlichen Schutz von Privateigentum und die Qualität, mit der entsprechende Gesetze umgesetzt werden. Integrität und Justizeffizienz erfassen politische und wirtschaftliche Korruption anhand des Korruptionswahrnehmungsindex sowie die Unabhängigkeit der Gerichte.
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Rolle des Staates in der Wirtschaft: Fiskalische Freiheit bezieht sich auf die finanzielle Lage des Staates, die Höhe von Steuern für Unternehmen und Privatpersonen sowie die Steuerlast im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung. Bei Staatsausgaben wird ihr Anteil an der Wirtschaftsleistung bewertet; je höher dieser Anteil ist, desto niedriger ist die Wertung.
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Effizienz der Regulierung: Unternehmerische Freiheit beurteilt den Aufwand für eine Unternehmensgründung und die Wirksamkeit von Regeln und Gesetzen. Arbeitsfreiheit meint das Ausmaß der Arbeitsmarktregulierung, insbesondere Zeit und Kosten für Einstellungen oder Entlassungen. Monetäre Freiheit bewertet Preisstabilität anhand der durchschnittlichen Inflation der vergangenen drei Jahre und die Freiheit von staatlichen Preiseingriffen.
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Offene Märkte: Handelsfreiheit richtet sich nach Importzöllen und der Zahl von Handelsbarrieren. Investitionsfreiheit beschreibt Beschränkungen des Kapitalflusses innerhalb eines Landes und über seine Grenzen hinweg. Finanzielle Freiheit bewertet staatliche Kontrolle und Eingriffe im Finanzsektor, den staatlichen Einfluss auf Banken und Kreditvergabe, die Entwicklung des Kapitalmarkts sowie die Offenheit für ausländische Konkurrenz.
Ergebnisse 2022
Die Länder werden 2022 nach Punktbereichen eingeordnet: „Frei“ (80–100), „Größtenteils Frei“ (70,0–79,9), „Moderat Frei“ (60,0–69,9), „Größtenteils unfrei“ (50,0–59,9) und „Unterdrückt“ (0–49,9).
An der Spitze stehen Singapur auf Rang 1 mit 84,4 Punkten, die Schweiz auf Rang 2 mit 84,2 und Irland auf Rang 3 mit 82,0. Neuseeland und Luxemburg folgen mit jeweils 80,6 Punkten. Deutschland liegt auf Rang 16 mit 76,1 Punkten und damit in der Kategorie „Größtenteils Frei“; gegenüber 2021 stieg sein Wert um 3,6 Punkte.
Am unteren Ende der Liste stehen Kuba mit 29,5 Punkten auf Rang 175, Venezuela mit 24,8 auf Rang 176 und Nordkorea mit 3,0 Punkten auf Rang 177. Die Veränderungen gegenüber 2021 können auch bei hohen Rängen deutlich sein: Singapur verlor 5,3 Punkte, die Schweiz gewann 2,3 Punkte.
Beispiele aus den Daten 2020
Die Datentabelle für 2020 zeigt neben dem Gesamtwert Einzelwerte für Eigentum, Integrität, Korruption, fiskalische Freiheit, Staatsausgaben, fiskalische Gesundheit, Geschäft, Arbeitsfreiheit, monetäre Freiheit, Handelsfreiheit, Investitionen und finanzielle Freiheit. Dadurch wird sichtbar, dass ein Gesamtwert aus unterschiedlich hohen Teilwerten entstehen kann.
Beispiel Deutschland: Der Gesamtwert beträgt 73,5. Besonders hohe Werte hat Deutschland bei fiskalischer Gesundheit (92,9), Handelsfreiheit (86,4) und Eigentum (80,5). Niedriger sind Staatsausgaben (42,2) und Arbeitsfreiheit (53,0).
Beispiel Singapur: Mit einem Gesamtwert von 89,4 weist das Land unter anderem 96,8 bei Eigentum, 92,9 bei Integrität, 92,8 bei Geschäft und 94,8 bei Handelsfreiheit auf. Nordkorea hat dagegen einen Gesamtwert von 4,2; bei fiskalischer Freiheit, Staatsausgaben, fiskalischer Gesundheit, monetärer Freiheit, Handelsfreiheit, Investitionen und finanzieller Freiheit stehen jeweils 0,0 beziehungsweise 0.
Rezeption und Kritik
Die Ersteller des Index gehen davon aus, dass Einschränkungen wirtschaftlicher Freiheit den ökonomischen Wohlstand mindern. Sie beziehen sich auf ihre Interpretation von Adam Smiths Ideen aus „Der Wohlstand der Nationen“. Nach Erlei, Leschke und Sauerland berücksichtigt der Index mögliche „produktive Freiheitsbeschränkungen“ nicht, etwa Transferzahlungen oder eine progressive Einkommensteuer.
Mehrere Medien und vor allem pro-marktwirtschaftliche Denkfabriken nutzen den Index für Länderbewertungen und politische Empfehlungen. Dabei wird darauf verwiesen, dass Länder mit mehr Freiheit im Index tendenziell wohlhabender sind. Der Index wird teilweise auch in ökonomischen Lehrbüchern erwähnt.
Kritik richtet sich gegen die Auswahl und Vergleichbarkeit der Kriterien. Von links wird beanstandet, dass libertäre Maßstäbe wie geringe Arbeitsmarktregulierung mit breiter akzeptierten Maßstäben wie dem Korruptionsindex verbunden werden. Matt Bruenig bezweifelt, dass Regulierungen verschiedener Länder seriös als Rangzahlen verglichen werden können. Auch Carson von der Foundation for Economic Education kritisiert, der Index betrachte Freiheit vor allem aus Unternehmenssicht und nicht etwa aus Sicht von Arbeitern. Sozialstaatliche Leistungen werden negativ bewertet, während staatliche Eingriffe zugunsten großer Unternehmen, beispielsweise umfangreiche Patente, positiv für Freiheit eingeschätzt werden. Dialga und Vallée von der Universität Nantes kamen 2015 zu dem Schluss, dass der Index statistisch nicht valide sei, weil einzelne Kriterien miteinander korrelieren.