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Namibia
Namibia ist aufgrund des großen Flächenanteils der namensgebenden Wüste Namib das nach der Mongolei und Australien am drittdünnsten besiedelte Land der Welt.
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Überblick
Namibia ist ein Staat im südlichen Afrika. Er grenzt an Angola, Sambia, Botswana, Südafrika und den Atlantischen Ozean. Hauptstadt und größte Stadt ist Windhoek. Die Amtssprache ist Englisch; Staats- und Regierungsform ist eine semipräsidentielle Republik mit Nationalversammlung und Nationalrat. Seit dem 21. März 2025 ist Netumbo Nandi-Ndaitwah Präsidentin, seit dem 22. März 2025 Elijah Ngurare Premierminister.
Das Land umfasst nach einer Schätzung von 2023 824.292 km² und hat laut Angabe für 2025 3.092.816 Einwohner bei 3,8 Einwohnern je km². Damit gehört es wegen der großen Flächen der Namib zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Welt. Die Währung ist der Namibia-Dollar, daneben wird der Südafrikanische Rand verwendet. Namibia wurde am 21. März 1990 von Südafrika unabhängig; dieser Tag ist Nationalfeiertag. Wirtschaftlich prägen Landwirtschaft, Tourismus und Bergbau, besonders Uran, Gold, Silber und unedle Metalle, das Land.
Landschaft, Klima und Natur
Namibia liegt zwischen 18° und 30° südlicher Breite sowie 12° und 25° östlicher Länge. Im Westen liegt die Namib, im Osten die Kalahari. Dazwischen erhebt sich das Binnenhochland, das durchschnittlich 1700 Meter hoch ist und bei Windhoek über 2000 Meter erreicht. Der höchste Berg ist der rund 2600 Meter hohe Königstein im Brandbergmassiv. Im Nordosten liegt der etwa 450 km lange und bis zu 50 km breite Caprivizipfel. Grenzflüsse sind unter anderem Kunene, Okavango und Oranje; andere Flüsse führen nicht sicher ganzjährig Wasser und heißen außerhalb der Regenzeit Riviere, also trockene Flussbetten.
Das Klima ist überwiegend heiß, trocken und arid, also sehr niederschlagsarm. In der Namib fällt kaum Regen; Sommerwerte liegen meist über 30 °C, Winternächte können bis zum Gefrierpunkt abkühlen. Die Atlantikküste wird vom kalten Benguelastrom geprägt: Er führt zu häufigem Nebel und Wassertemperaturen von selten mehr als 15 °C. Im zentralen Hochland fällt unregelmäßiger, teils starker Sommerregen von November bis April. Der äußerste Süden erhält, wenn überhaupt, vor allem im Juni und Juli Regen. Die Niederschläge steigen von unter 50 mm jährlich im Süden auf bis zu 600 mm im Nordosten. Im Caprivistreifen ermöglichen vergleichsweise sichere Regenzeiten ein Flusssystem und subtropischen Savannenwald.
Namibia liegt auf einem sehr alten Teil der Erdkruste. Die Namib gilt wegen lang andauernder besonderer Klimaverhältnisse als älteste Wüste der Welt. Zu den Schutzgebieten gehören der Etosha-Nationalpark, der Namib-Naukluft-Nationalpark und die Skelettküste; 2013 standen 138.163,7 km² unter staatlichem Schutz. Typische Tiere sind unter anderem Spießbock, Elefant, Zebra, Löwe und Strauß. In der Namib leben zahlreiche endemische, also nur dort vorkommende Arten, etwa Welwitschie, Namibgecko, Zwergpuffotter, Wüstenregenfrosch und Wüstengoldmull.
Bevölkerung, Sprachen und Lebensbereiche
Die Bevölkerung konzentriert sich auf den fruchtbaren Norden und wenige Städte. Rund 44 % leben in Omusati, Oshana, Ohangwena und Oshikoto, etwa ein Drittel in Zentralnamibia. Der Süden beherbergt nur sieben Prozent der Einwohner; die Namib ist abgesehen von Hafenstädten fast unbewohnt. Für 2023 nennt der Artikel etwa 3,02 Millionen Einwohner, während die Übersicht für 2025 3.092.816 angibt. 55 % der Einwohner lebten 2023 in Städten. Windhoek hatte 2023 486.169 Einwohner; weitere große Städte sind Rundu, Walvis Bay und Swakopmund.
Die größte Bevölkerungsgruppe sind die Ovambo mit knapp 50 %. Zu den indigenen Völkern zählen San und Damara; weitere Gruppen sind unter anderem Himba, Nama, Herero, Kavango, Lozi, Tswana, Rehoboth Basters, Afrikaaner und Deutschnamibier. Namibia ist mehrsprachig. 48,9 % der afrikanischen Bevölkerung nannten 2011 Oshivambo als Erstsprache, 11,3 % Khoekhoegowab, 10,4 % Afrikaans, 8,6 % Otjiherero und 8,5 % Kavango-Sprachen. Englisch wurde als alleinige Amtssprache gewählt, um keine Bevölkerungsgruppe zu bevorzugen, obwohl es 3,4 % als Muttersprache sprechen. Deutsch ist für etwa 20.000–30.000 Menschen Muttersprache und für rund 100.000 Zweit- oder Drittsprache.
Rund 87 % der Bevölkerung sind Christen, darunter 50 % Lutheraner und 20 % Katholiken. Etwa 13 % folgen vor allem traditionellen Religionen. Die Primär- und Sekundärbildung ist kostenlos; die Bildungspflicht beträgt sieben Jahre. 2018 lag die Alphabetisierungsrate Erwachsener bei 91,5 %. Gesundheitsausgaben betrugen 2021 9,4 % des BIP. HIV/AIDS bleibt bedeutsam: 2019 waren 11,8 % der 15- bis 64-Jährigen infiziert; Ende 2024 wurden knapp 230.000 Infizierte genannt.
Kolonialzeit und Unabhängigkeit
San und Damara lebten seit vielen Tausend Jahren in den trockenen Gebieten. Ab dem 17. Jahrhundert wanderten unter anderem Herero, Nama, Orlam und Ovambo ein. Europäische Seefahrer aus Portugal erreichten das Gebiet im 15. Jahrhundert; eine stärkere europäische Besiedlung begann im 19. Jahrhundert.
1884 wurde das Gebiet vom Oranje bis zum Kunene als Deutsch-Südwestafrika deutsches „Schutzgebiet“ und später Kolonie. Landnahme, Verschuldung und die wirtschaftliche Not der Herero führten zu wachsenden Konflikten. Von 1904 bis 1908 bekämpfte die deutsche Kolonialmacht den Aufstand von Herero und Nama. Nach der Schlacht am Waterberg im August 1904 ließ Generalleutnant Lothar von Trotha die Fluchtwege der Herero in die wasserarme Omaheke abriegeln. Überlebende wurden enteignet, in Konzentrationslager gesperrt und zur Zwangsarbeit gezwungen. Der Krieg entwickelte sich zu einem Vernichtungskrieg; schätzungsweise 60.000 bis 70.000 Männer, Frauen und Kinder starben. Im Oktober 1904 begann auch der Namaaufstand, der unter Simon Kooper und Jakobus Morenga bis 1908 fortgeführt wurde.
Im Ersten Weltkrieg besetzten südafrikanische Truppen das Land. 1920 übertrug der Völkerbund Südafrika die Mandatsverwaltung über Südwestafrika. Die südafrikanische Verwaltung dehnte die Apartheidpolitik auf das Gebiet aus. Der Internationale Gerichtshof erklärte sie 1971 für illegal. Nach einem bewaffneten Befreiungskampf, insbesondere durch die 1960 gegründete SWAPO, fanden am 7. November 1989 Wahlen mit allgemeinem aktivem und passivem Wahlrecht für Frauen und Männer statt. Am 21. März 1990 wurde Namibia unabhängig; Walvis Bay und die Penguin Islands folgten 1994.
Staat, Recht und internationale Beziehungen
Namibia ist seit 1990 eine semipräsidentielle Republik. Der Präsident ist Staatsoberhaupt und wird alle fünf Jahre gewählt. Er ernennt den Premierminister und das Kabinett. Die Nationalversammlung hat 104 Sitze: 96 werden allgemein gewählt, acht bestimmt der Präsident. Der Nationalrat hat 42 Sitze; jede der 14 Regionen entsendet drei Vertreter. Die Amtszeit beider Kammern beträgt fünf Jahre. Namibia ist in 14 Regionen und insgesamt 121 Wahlkreise gegliedert. Die Verfassung zählt Umweltschutz zu den vorrangigen Staatszielen.
Das Recht beruht überwiegend auf übernommenem südafrikanischem Recht, dem Roman-Dutch Law, einem Mischsystem aus common law und römischem Recht. Gesetze erlässt die Nationalversammlung, während der Nationalrat beratend tätig ist. Höchstes Gericht ist der Supreme Court. Die politischen Indizes bewerteten Namibia 2024 unter anderem als stabilen Staat und als „unvollständige Demokratie“ mit 6,48 von 10 Punkten im Demokratieindex.
Außenpolitisch verfolgt Namibia nach der im Artikel zitierten Leitlinie „keine Feinde und nur Freunde“ ausgewogene Beziehungen und multilaterale Zusammenarbeit. Südafrika ist der wichtigste Handelspartner. Namibia gehört zur SACU, SADC, Afrikanischen Union, UNO und zum Commonwealth of Nations. Der Namibia-Dollar ist im Verhältnis 1:1 an den Südafrikanischen Rand gekoppelt. Die Namibian Defence Force wurde 1990 gegründet und soll die Souveränität und territoriale Unabhängigkeit schützen sowie bei zivilen Aufgaben wie Naturkatastrophen helfen.
Wirtschaft, Verkehr und Kultur
Namibia hat eine überwiegend marktwirtschaftliche Ordnung. Hauptwirtschaftszweige sind Bergbau, Fischfang und Fischverarbeitung, Landwirtschaft und Tourismus. Das BIP betrug 2024 nominal 13 Milliarden USD und nach Kaufkraftparität 35 Milliarden USD; das BIP je Einwohner lag bei 11.861 USD nach Kaufkraftparität. Der Bergbau erwirtschaftete 2012 etwa 12 % des BIP. Bedeutende Rohstoffe sind Uran, Diamanten, Kupfer, Gold, Blei und Zinn. Die Rössing-Mine nordöstlich von Swakopmund wird als größte Uranmine der Welt bezeichnet; 2023 wurden große Erdölvorkommen vor der Küste nachgewiesen. Landwirtschaft ist neben dem Staat der größte Arbeitgeber, aber wegen des trockenen Klimas begrenzt; wichtig sind Viehzucht sowie Perlhirse, Mais und Luzerne.
Die Arbeitslosigkeit lag 2018 bei 34,1 %. Die Einkommensverteilung ist sehr ungleich; 18 % der Bevölkerung lebten im November 2016 unter der namibischen Armutsgrenze. Tourismus trug 2011 11 % zum BIP bei. Wichtige Ziele sind das Namib-Sandmeer, Etosha, Swakopmund, Twyfelfontein, Brandbergmassiv, Fischfluss-Canyon und Skelettküste.
Das Straßennetz ist etwa 45.000 km lang, rund 80 % davon sind nicht asphaltierte Pisten. Es gilt Linksverkehr. Das Schienennetz von TransNamib umfasst 2626 km und dient vor allem dem Güterverkehr. Tiefwasserhäfen liegen in Walvis Bay und Lüderitz; internationale Flughäfen gibt es bei Windhoek und Walvis Bay. Kulturell zeigen sich Einflüsse verschiedener Ethnien sowie der südafrikanischen und deutschen Küche. Beliebte Sportarten sind Rugby, Fußball und Cricket; seit August 2018 gelten Rugby, Fußball und Netball als Nationalsportarten.
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