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Entwicklungsland
Als Entwicklungsland wird ein Land bezeichnet, in dem die Mehrzahl der Bewohner hinsichtlich der wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen einen messbar …
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Begriff und Einordnung
Als Entwicklungsland wird ein Land bezeichnet, in dem die Mehrzahl der Bewohner hinsichtlich der wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen einen messbar relativ niedrigen Lebensstandard hat. Typische Folgen sind eine schlechte Versorgung mit Nahrungsmitteln und Konsumgütern, Armut, Unterernährung und Hunger, Einschränkungen der Gesundheitsversorgung, eine hohe Kindersterblichkeitsrate, geringe Lebenserwartung, mangelhafte Bildungsmöglichkeiten sowie hohe Analphabeten- und Arbeitslosenquoten. Ob ein Land als Entwicklungsland gilt, hängt vom verwendeten Maßstab ab. Eine allgemein anerkannte Definition existiert trotz zahlreicher Ansätze nicht.
Bezeichnungen wie „Dritte Welt“, „Vierte Welt“, „Globaler Süden“ und „Trikont“ werden teilweise als Synonyme verwendet, sind aber ebenso wie „Entwicklungsland“ umstritten. Kritiker wenden ein, dass „Entwicklung“ eine zielgerichtete Bewegung zu einem angeblich besseren Endzustand nahelegt. Ethnologen weisen darauf hin, dass etwa Jäger und Sammler ihre Ressourcen effizient und nachhaltig nutzen und traditionelle Subsistenzwirtschaften ihre Mitglieder mit lebensnotwendigen Gütern aus eigener Herstellung versorgen können. Sie seien daher nicht unbedingt „unterentwickelt“, sondern anders strukturiert. Auch Gunnar Myrdal kritisierte die Annahme, Entwicklung müsse in jedem Land stattfinden.
Die früher verwendeten Ausdrücke „unterentwickelte Länder“, „rückständige Länder“ und „nicht-entwickelte Länder“ tauchten erstmals im UNO-Programm von 1949 auf. Wegen ihrer starken Wertung und ihrer möglicherweise verletzenden Wirkung werden sie von UNO und Weltbank nicht mehr benutzt; gelegentlich werden sie dennoch bewusst verwendet, um Probleme ohne beschönigende Umschreibungen zu benennen. Eine international eindeutige Sprachregelung gibt es nicht. Das BMZ verwendet entweder „LDC“ oder „Entwicklungsland“ und unterscheidet nicht zwischen LDC und LLDC; die Schweizer DEZA verwendet zusätzlich „Partnerland“.
„Nord-Süd-Beziehungen“ gilt als wertfreie beziehungsweise politisch korrekte Bezeichnung und bedeutet nicht, dass Entwicklungsländer zwangsläufig auf der Südhalbkugel liegen. Die Begriffe „reich“ und „arm“ beschreiben den Entwicklungsstand ebenfalls nur unzureichend: Armut gibt es auch in Deutschland oder der Schweiz, Reichtum etwa in ölexportierenden Entwicklungsländern. Aussagekräftiger sind mittleres Einkommen und mittleres Vermögen sowie Einkommens- und Vermögensverteilung.
Bildung, Entwicklung und strukturelle Zusammenhänge
Strukturelle Probleme wirken über längere Zeiträume und entstehen durch miteinander vernetzte Basiselemente und Wirkungszusammenhänge eines Landes. Entwicklungstheorien erklären das geringe Entwicklungsniveau entweder stärker durch endogene, also vom Land selbst verursachte, oder durch exogene, also von außen verursachte Faktoren. Ziel der Entwicklungspolitik ist es, diese strukturellen Probleme zu beseitigen.
Ein zentraler Zusammenhang ist ein sich selbst verstärkender Kreislauf: Unterversorgung führt zu Armut und Hunger, dadurch sinkt die Produktivität, was die Versorgungslage weiter verschlechtert. Chronische Unterernährung beeinträchtigt besonders bei Kindern die geistige und körperliche Entwicklung. Dadurch werden Kreativität und Produktivität eingeschränkt, mit denen die eigene Lage verbessert werden könnte. Eine ungleiche Verteilung von Reichtum kann dabei ein politisches Strukturproblem sein: Die Weltbank stellte fest, dass viele lateinamerikanische Staaten die Massenarmut bereits durch eine geringe Umverteilung des vorhandenen Reichtums überwinden könnten.
Zu den grundlegenden Problemen gehören außerdem die Diskriminierung von Frauen und ein zu schnelles Bevölkerungswachstum. Wenn das Wirtschaftswachstum nicht mit dem Bevölkerungswachstum Schritt hält, entstehen in Städten Slums und Arbeitslosigkeit; auf dem Land treten Ernährungsprobleme und unangemessene Landnutzung mit schweren ökologischen Schäden auf. Die Ölkrise von 1973 traf ölimportierende Entwicklungsländer besonders stark, weil sie die Preissteigerungen nicht ausgleichen konnten. Ihre Entwicklung wurde dadurch gebremst oder zurückgeworfen.
Bildung gilt in der Entwicklungsökonomie als wichtiger Bestandteil des Humankapitals, zu dem auch Gesundheit gehört. Theodore W. Schultz zeigte, dass ein schreib- und lesekundiger Landwirt produktiver sein kann als ein Analphabet. Andere Forscher, darunter Mohammed Tamim, betrachten den Übergang von traditionellen zu modernen Lebensweisen seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert vor allem anhand des Bildungsniveaus. Nach dieser Sicht kann der von Walt Whitman Rostow beschriebene „Take-Off“ beginnen, sobald die Bevölkerung ein ausreichendes Bildungsniveau erreicht. Viele Forscher nehmen einen kausalen Zusammenhang zwischen Bildung und Entwicklung sowie zwischen höherem Bildungsniveau und geringerem Bevölkerungswachstum an.
Rostow veröffentlichte 1960 das Buch „The Stages of Economic Growth: A Noncommunist Manifesto“. Sein Take-Off-Modell beschreibt fünf Stufen der ökonomischen Entwicklung, die grundsätzlich jeder Staat durchlaufe, auch wenn es Abweichungen, Verzögerungen und Unterschiede gebe. Das Modell beruht vor allem auf historischen Entwicklungen Europas und der USA. Entwicklungsländer befinden sich in dieser Terminologie in Phase drei, dem „Take-off“; für die Phasen drei, vier und fünf wird ein gewisses Bildungsniveau vorausgesetzt.
Gemeinsame Merkmale und Kritik an der Einteilung
Merkmalslisten versuchen seit den 1950er-Jahren, die Symptome struktureller Probleme zusammenzufassen. Ihre Aussagekraft ist umstritten: Zwei Entwicklungsländer müssen sich nach einem solchen Katalog nicht ähnlicher sein als ein Entwicklungsland und ein Industrieland. Einzelne Merkmale kommen auch in Industrieländern vor, und die Merkmale beeinflussen sich gegenseitig.
Ökonomische Merkmale:
- geringes Pro-Kopf-Einkommen sowie eine extrem ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung, gemessen unter anderem mit dem Gini-Koeffizienten;
- niedrige Spar- und Investitionstätigkeit, hohe Arbeitslosigkeit und unzureichende Infrastruktur;
- ein großer Anteil der Beschäftigten im primären Sektor, der meist nur geringe Wertsteigerung erzielt, sowie eine bedeutende Rolle des informellen Sektors;
- passive Handelsbilanz, einseitige Exportpalette mit landwirtschaftlichen Gütern oder Bodenschätzen, außenwirtschaftliche Ausrichtung auf Industrieländer und ein schlechtes reales Austauschverhältnis (Terms of Trade);
- hohe Auslandsverschuldung, Kapitalflucht und starke regionale Unterschiede zwischen Zentrum und Peripherie.
Ökologische Merkmale sind unkontrollierte Verstädterung, Bodendegradation wie Versalzung, Desertifikation, die Bedrohung der Biodiversität, die Vernichtung von Tropenwäldern, belastetes Grundwasser und gesundheitsgefährdende Luftverschmutzung in Ballungsgebieten. Nach UNEP und dem World Watch Institute finden in Entwicklungsländern 90 % des weltweiten Artensterbens, der Bodenerosion und der Waldrodung statt. Weil diese Länder stark von natürlichen Ressourcen abhängen, treffen Umweltkrisen sie besonders; bei globalen Umweltproblemen ist zugleich die Rolle der Industrieländer zu berücksichtigen.
Demographisch kennzeichnen viele Entwicklungsländer eine hohe Geburtenrate, eine hohe, aber stark abnehmende Säuglings- und Kindersterblichkeit, hohes Bevölkerungswachstum, geringe Lebenserwartung, grenzüberschreitende Migration und unkontrollierte Binnenmigration. Dies entspricht der frühen Phase des Modells des demographischen Übergangs. Pandemien wie AIDS können den Rückgang der Sterberate umkehren. In Botswana waren etwa 40 % der Erwachsenen mit HIV infiziert. Dann kann die Bevölkerungspyramide eine Sanduhrform annehmen; besonders der wirtschaftlich aktive Teil der Bevölkerung wird getroffen.
Volksgesundheitliche Probleme sind ungesunde oder unzureichende Ernährung, fehlendes sauberes Trinkwasser, fehlende Abwasserreinigung, unzureichende medizinische Versorgung, Mängel in der schulischen Gesundheitserziehung und die unkontrollierte Ausbreitung von Pandemien wie AIDS. In Slums begünstigt mangelnde Hygiene Epidemien, beispielsweise Cholera.
Soziokulturelle Merkmale sind die starke Orientierung an Primärgruppen wie Familie oder Sippe, geringe soziale Mobilität, Kinderarbeit, unzureichende Bildung und eine hohe Analphabetenquote. Die Benachteiligung von Frauen blockiert Entwicklungspotenziale. Eine Weltbankstudie bezeichnet Investitionen in die Bildung von Mädchen als die wirksamsten Einzelinvestitionen, die ein Entwicklungsland vornehmen kann. Auch die Schatzbildung einer reichen Oberschicht statt Reinvestitionen kann entwicklungshemmend wirken.
Politische Merkmale umfassen autoritäre und undemokratische Strukturen, Menschenrechtsverletzungen, politische Instabilität, geringe Akzeptanz politischer Institutionen, Klientelismus, Korruption, geringe Besteuerung von Spitzeneinkommen, hohe Rüstungsausgaben sowie Bürgerkrieg oder Staatsverfall. Ursachen sind unter anderem ineffiziente Institutionen, eine schwache staatliche Präsenz in Provinzen und eine wenig tragfähige politische Kultur.
Natürliche Faktoren und Kapitalmangel
Mit „unzureichender Faktorausstattung“ sind aus dem Geodeterminismus abgeleitete ungünstige Bedingungen gemeint, etwa ein ungünstiges Klima, fehlende Bodenfläche, Mangel an Bodenschätzen oder die wirtschaftliche Isolierung eines Binnenstaates. Diese Faktoren und Kapitalmangel sind jedoch keine zwingenden oder typischen Merkmale eines Entwicklungslandes. Fehlende Wirtschaftsfaktoren können durch andere Maßnahmen ausgeglichen werden.
Auch das Vorhandensein natürlicher Ressourcen führt nicht automatisch zu Entwicklung. Entscheidend kann sein, ob Rohstoffe im Land verarbeitet werden und dadurch höhere Wertschöpfung entsteht oder ob eine geeignete Politik den Rohstoffreichtum in Entwicklung umsetzt. Ebenso bewirkt vorhandenes Kapital allein noch keine positive Entwicklung.
Kapital kann durch Luxuskonsum und Schatzbildung der Oberschicht, Korruption, geringe Besteuerung der Spitzeneinkommen, Kapitalflucht, den Gewinntransfer ausländischer Unternehmen und hohe Militärausgaben entzogen oder unproduktiv verwendet werden. Zusätzlich verhindert mangelnde Good Governance, also eine schlecht funktionierende Regierungsführung, Entwicklung. Dazu zählen eine defizitäre Besteuerung, eine ineffiziente und kostenaufwendige Verwaltung sowie mangelnde Rechtssicherheit.
Internationale Klassifikationen
Die UNO unterscheidet seit einer Vollversammlung von 1971 weniger entwickelte Länder (Less Developed Countries, LDCs) und am wenigsten entwickelte Länder (Least Developed Countries, LLDCs). Diese Unterscheidung wird international noch verwendet, aber nicht von allen UN-Organisationen. Nach der Reform von 1991 gelten vier Kriterien:
- durchschnittliches Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von unter 900 US-Dollar in drei Jahren;
- ein wirtschaftlicher Verwundbarkeitsindex (EVI), der unter anderem Exporte, die Instabilität der Exporterlöse, Agrarproduktion sowie den Anteil von verarbeitender Industrie und Dienstleistungen am BIP berücksichtigt;
- ein Human Assets Index (HAI) zu Gesundheit und Bildung, unter anderem mit Nahrungsenergie pro Kopf in Prozent des Minimalbedarfs, Kindersterblichkeit, Alphabetisierungsrate der Erwachsenen und Einschulungsrate in Sekundarschulen;
- höchstens 75 Millionen Einwohner.
Kritisiert werden besonders das Bevölkerungsgrenzwert-Kriterium, die mögliche politische Instrumentalisierung und der hohe Aufwand der Klassifikation. Eine Aufnahme kann dennoch vorteilhaft sein, weil LLDC-Staaten bevorzugt nichtrückzahlbare Zuschüsse oder günstigere Kredite der International Development Association (IDA) erhalten.
Nach der Ölkrise von 1973 bezeichnete MSAC („Most Seriously Affected Countries“) ein UNO-Sonderprogramm für besonders stark betroffene Länder. Die Bezeichnung verschwand gegen Ende der 1980er Jahre. LLDC kann außerdem „Landlocked Developing Countries“, also Entwicklungsländer ohne Meereszugang, bedeuten; ihre Importe und Exporte verteuern sich durch die küstenferne Lage, beispielsweise in Ruanda, Burundi, Nepal und Bolivien. SIDS („Small Island Developing States“) sind kleine Inselentwicklungsländer. Sie schlossen sich zur AOSIS zusammen und vertreten gemeinsame Interessen, etwa wegen des möglichen Meeresspiegelanstiegs.
Der 1990 vom UNDP eingeführte Index der menschlichen Entwicklung (HDI) sollte dem eindimensionalen Weltbankkonzept soziale Faktoren entgegensetzen. Er wird jährlich im „Human Development Report“ veröffentlicht. Für 2021 werden die Gruppen sehr hoch mit 0,800–1,000, hoch mit 0,700–0,799, mittel mit 0,550–0,699 und niedrig mit 0,350–0,549 angegeben. Der HDI wurde politisch kritisiert, unter anderem wegen der Bewertung Japans, der Menschenrechtslage ostasiatischer Länder und der Rangfolge einzelner Staaten. Auf Antrag Indiens wird er seit Mitte der 1990er Jahre in offiziellen UN-Dokumenten nicht mehr erwähnt.
Die Weltbank klassifiziert Länder vor allem nach dem Pro-Kopf-Einkommen beziehungsweise dem Bruttonationaleinkommen pro Kopf. Für 2019 galten: bis 1.045 US-Dollar als geringes mittleres Pro-Kopf-Einkommen (27 Länder), 1.046 bis 4.095 US-Dollar als untere mittlere Gruppe (55 Länder), 4.096 bis 12.695 US-Dollar als obere mittlere Gruppe (55 Länder) und mehr als 12.695 US-Dollar als hohes mittleres Pro-Kopf-Einkommen (80 Länder). Die Grenzen können sich jährlich, unter anderem wegen der Inflation, ändern. Die Einteilung dient als Datenbasis und für die Kreditvergabe, spiegelt laut Weltbank aber nicht zwangsläufig den Entwicklungsstand wider.
Zur Betonung der Schuldenlast verwendet die Weltbank SILIC für schwer verschuldete Länder mit niedrigem Einkommen und SIMIC für schwer verschuldete Länder mit mittlerem Einkommen. Bei SIMIC wird zwischen mäßig verschuldeten (MIMIC) und wenig verschuldeten Ländern (LIMIC) unterschieden. „Schwer verschuldet“ bedeutet, dass drei von vier Kennziffern eine kritische Marke überschreiten: Schuldenstand zu BNE 50 %, Schuldenquote 275 %, Schuldendienstquote 30 % und Zinslast am Schuldendienst 20 %. Die kritischen Marken sind umstritten. In den 1990er Jahren wurden hochverschuldete arme Länder (HIPC) in eine 1996 von Weltbank und IWF initiierte Entschuldungsinitiative aufgenommen; die erweiterte HIPC-Initiative umfasste 38 Länder, davon 22 SILIC.
Spezialfälle und gescheiterte Staaten
Ölexportierende Länder bilden einen Sonderfall. Hohe Einnahmen aus Erdöl und die Politik der OPEC können zu starken Einkommenssprüngen und einer besseren weltpolitischen Verhandlungsposition führen, garantieren aber keine Versorgung mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen oder eine breite soziale Entwicklung. Die OPEC-Staaten besitzen etwa drei Viertel der weltweiten Ölreserven, im Nahen Osten liegen zwei Drittel der Weltreserven. Ölmilliarden wurden beispielsweise für Luxus, hohe Militärausgaben oder den achtjährigen Krieg zwischen Irak und Iran verwendet. In Nigeria und Iran trugen Öleinnahmen dazu bei, marode und menschenrechtsfeindliche Regime zu stabilisieren. Franz Nuscheler bezeichnete die ölexportierenden Länder deshalb als „Fata Morgana der Entwicklung“. Wegen ihrer strategischen Bedeutung unterscheiden sie sich von LDC und LLDC.
Schwellenländer (Newly Industrializing Economies) werden traditionell noch zu den Entwicklungsländern gezählt, zeigen aber nicht mehr deren typische Merkmale. Die angenommene „Schwelle“ zum Industriestaat ist nicht definiert. Eine verbindliche Liste existiert nicht; je nach Institution schwankt die Zahl zwischen 10 und 30. Weltbank und IWF kategorisieren jeweils 10 Länder, die OECD deutlich mehr. Ein gemeinsamer Versuch von BMZ und EU, zusätzlich soziale und politische Kriterien durchzusetzen, wurde international abgewiesen; das BMZ zog seine Liste mit 30 Schwellenländern, darunter Ecuador und Nicaragua, zurück.
Transformationsländer sind vor allem ehemalige sozialistische Staaten der Sowjetunion. Sie unterscheiden sich durch andere historisch-kulturelle Ursachen ihrer Defizite, den Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft, vergleichsweise hoch entwickeltes Humankapital, ausdifferenzierte Industriestrukturen und technologisches Potenzial. Europäische Staaten profitieren zudem von der Nähe zur EU. Man unterscheidet Länder, die durch die EU-Einbindung Teil der Ersten Welt wurden, von den „Newly Declining Countries“ (NDC), die zwischen weiterem Abstieg und Stabilisierung stehen, besonders in Zentralasien. Die künftige Einordnung von Kasachstan und Aserbaidschan hängt unter anderem davon ab, ob Rohstoffeinnahmen zur Diversifizierung und Verbesserung des Bildungssystems eingesetzt werden.
Gescheiterte Staaten (Failed States) sind durch den vollständigen Kollaps des Staatsapparats gekennzeichnet. Der Staat kann sein Territorium nicht mehr kontrollieren, bietet keine staatlichen Dienstleistungen an und besitzt keine erkennbare politische Ordnung. Diese Länder, zu denen mehrheitlich afrikanische Staaten wie die DR Kongo, Liberia, Somalia und Sierra Leone zählen, fallen teilweise aus dem Erklärungsbereich der Entwicklungstheorien und dem üblichen Zielgebiet der Entwicklungspolitik heraus. Das entstehende Ordnungsvakuum stellt besondere Anforderungen an Entwicklungs- und Sicherheitspolitik, weil Konflikte die Stabilität ganzer Regionen und durch internationalen Terrorismus auch die weltweite Sicherheit bedrohen.
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