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Afrika

Afrika ist einer der Kontinente der Erde. Seine Fläche von 30,2 Millionen km² entspricht etwa 20 % der gesamten Landfläche des Planeten, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Räume
  2. 2. Natur, Klima und Gewässer
  3. 3. Vegetation und Tierwelt
  4. 4. Bevölkerung, Sprachen und Gesundheit
  5. 5. Geschichte und politische Entwicklung
  6. 6. Wirtschaft, Infrastruktur und Kultur

Überblick und Räume

Afrika ist mit 30,2 Millionen km² beziehungsweise etwa 20 % der Landfläche der Erde nach Asien der zweitgrößte Kontinent. Für 2023 nennt der Artikel etwa 1,45 Milliarden Einwohner, für 2026 etwa 1,589 Milliarden. Es gibt 55 Staaten; nahezu alle sind Mitglieder der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union. Afrika liegt zwischen Mittelmeer, Atlantik, Indischem Ozean und Rotem Meer. Die einzige Landverbindung zu anderen Festlandmassen besteht über die Sinai-Halbinsel zu Eurasien. Die Küste ist 30.490 km lang und im Verhältnis zur Fläche wenig gegliedert; der südlichste Punkt ist Kap Agulhas bei 34°50' Süd.

75 % der Fläche liegen innerhalb der Wendekreise. Deshalb besitzt Afrika die größte zusammenhängende Landmasse der Tropen. Die UN-Statistik unterteilt den Kontinent in Nord-, West-, Zentral-, Ost- und Südliches Afrika. Der kleinste Festlandsstaat Gambia ist etwa so groß wie Zypern, Algerien als größter etwa siebenmal so groß wie Deutschland; die größte Insel ist Madagaskar.

Natur, Klima und Gewässer

Die Landschaft reicht vom tropischen Regenwald bis zur Wüste und zu kalten afroalpinen Höhenstufen. Das Kongobecken ist nach Amazonien das zweitgrößte Regenwaldgebiet der Erde. Große Wüsten sind die Sahara, Namib und Kalahari; rund 60 % der Landoberfläche sind Trockengebiete und Wüsten. Dazwischen liegen ausgedehnte Savannen, Trockenwälder und Feuerökosysteme wie Mopane, Miombo und Chipya. Südostafrika ist durch Monsun sowie die Täler von Sambesi und Limpopo fruchtbarer. Der frühere Temperaturrekord von 58 °C, 1922 in Libyen gemessen, wurde 2013 diskreditiert.

Seen sind entweder flache, in ihrer Größe stark verdunstungsabhängige Beckenseen wie der Tschadsee oder tiefe, lange und schmale Grabenseen des Ost- und Zentralafrikanischen Grabens, etwa Malawisee und Tanganjikasee. Flüsse können in Beckenseen oder Binnendeltas enden, etwa Schari und Okavango, oder ins Meer münden. Der Nil ist mit 6671 km der längste Strom Afrikas und mündet ins Mittelmeer. Der Kongo ist mit 4374 km der zweitlängste, zugleich wasserreichste Fluss des Kontinents und mündet in den Südatlantik. Niger (4184 km) und Sambesi (2736 km) folgen. Der Victoriasee ist mit 68.870 km² Afrikas größter See; der Tanganjikasee ist mit 1470 m nach dem Baikalsee der zweittiefste See der Erde.

Das Atlas- oder Maghreb-Gebirge entstand zusammen mit den Alpen bei der Annäherung der afrikanischen an die eurasische Platte. Der Große Afrikanische Grabenbruch weist auf eine Abspaltung des Horns von Afrika und Arabiens hin. Sein Vulkanismus schuf unter anderem das Kilimandscharo-Massiv mit dem Kibo (Uhuru Peak, 5895 m), dem höchsten Berg Afrikas. Die afrikanische Platte umfasst fast den ganzen Kontinent; geologisch wird auch die Arabische Platte Afrika zugerechnet.

Vegetation und Tierwelt

Wichtige Vegetationsräume sind die Regenwälder West- und Zentralafrikas, die Wüsten und Halbwüsten sowie Savannen und Trockenwälder. Der Regenwald des Kongobeckens ist von den Regenwäldern an Westafrikas Südküste getrennt. Savannen werden unter anderem in Feuchtsavannen-Waldmosaike und Trockensavannen unterschieden; Waldsavannen heißen im Südosten Miombo und im Nordwesten Doka. Hinzu kommen mediterrane Vegetation nördlich der Sahara, Hochgebirgsvegetation etwa am Kilimandscharo sowie das Kapgebiet als eigenes Florenreich und die Karoo-Steppen.

Südlich der Sahara liegt die Afrotropische Region, nördlich davon die Paläarktische Region. Besonders südlich der Sahara gibt es viele Großsäuger: Afrikanischer Elefant, Waldelefant, Flusspferd, Nashorn, Büffel, Giraffe, Zebra und Antilopen. Zu den großen Räubern gehören Löwe, Leopard, Gepard, Hyäne und Wildhund; in zentralafrikanischen Wäldern leben unter anderem Gorillas und Schimpansen. Typische Säugetierordnungen sind Erdferkel, Schliefer, Rüsselspringer, Otterspitzmäuse und Goldmulle, die zu den Afrotheria gehören. Das Nilkrokodil ist das größte Reptil, der Afrikanische Strauß der größte Vogel des Kontinents. Viele Lebensräume und die Großtierfauna der Savannen gehen zurück; bekannte Schutzgebiete sind Serengeti, Chobe- und Kruger-Nationalpark.

Bevölkerung, Sprachen und Gesundheit

Die Bevölkerung stieg laut UN von 225 Millionen im Jahr 1950 auf 1,344 Milliarden im Jahr 2020. Die UN erwartet 2,5 Milliarden Menschen für 2050 und etwa 4,4 Milliarden für 2100. Die meisten Menschen leben in Subsahara-Afrika; Nordafrika hat rund 210 Millionen Einwohner. Nigeria ist mit über 200 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat, die Seychellen mit 80.000 der bevölkerungsärmste. Mauritius ist am dichtesten, Namibia am dünnsten besiedelt. Kinshasa ist mit 16,3 Millionen Einwohnern die größte Stadt, vor Lagos mit 15,9 Millionen und Kairo mit 10,1 Millionen. Hohe Geburtenraten prägen den Kontinent, sinken aber mit der Modernisierung. Die Fruchtbarkeitsrate Subsahara-Afrikas betrug 2018 durchschnittlich 4,7 Kinder je Frau; 2021 entfielen 29 % aller weltweiten Geburten auf diese Region.

Es gibt über 2000 eigenständige afrikanische Sprachen. Wichtige Sprachen sind Swahili, Igbo, Hausa und Fulfulde. Englisch, Französisch und Portugiesisch dienen in vielen Staaten als Amts- und Verkehrssprachen. Sprachfamilien sind unter anderem Afroasiatisch mit Arabisch, Hausa, Amharisch und Oromisch sowie Niger-Kongo mit Bambara, Swahili, Wolof, Yoruba und Zulu. Khoisansprachen sind durch Klicklaute gekennzeichnet. Islam und Christentum sind weit verbreitet; die Angaben zum Islamanteil unterscheiden sich: Auswärtiges Amt 44,2 %, CIA World Factbook 43,4 %. Traditionelle Religionen werden auf 13 bis 20 % geschätzt.

Die Lebenserwartung lag 2010–2015 bei 61,9 Jahren für Frauen und 58,6 Jahren für Männer; insgesamt stieg sie laut UN von 37,5 Jahren 1950–1955 auf 62,4 Jahre 2015–2020. Etwa 4 % der Bevölkerung sind HIV-positiv. Seit etwa 2005 wurden Fortschritte gegen HIV/AIDS erzielt. Die Africa CDC unterstützt die Mitgliedsländer der Afrikanischen Union bei COVID-19-Maßnahmen.

Geschichte und politische Entwicklung

Afrika gilt nach der Out-of-Africa-Theorie als „Wiege der Menschheit“. Die ältesten bekannten menschlichen Lebensspuren und die ältesten Steingeräte, die Oldowan-Geräte des Early Stone Age, wurden dort gefunden. Von Afrika aus breiteten sich zunächst Homo erectus und später Homo sapiens nach Asien und Europa aus. Im Niltal entstand mit Ägypten eine der ersten Hochkulturen. Weitere bedeutende Kulturen und Reiche waren unter anderem Nubien oder Kusch, Groß-Simbabwe und die Swahili.

Karthago war um die Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. eine Großmacht im westlichen Mittelmeer; Rom herrschte nach der Eroberung Ägyptens 30 v. Chr. über Nordafrika. Mit dem Islam wurden Ägypten 641 und Marokko 670 erobert. Ab dem 15. Jahrhundert errichteten Portugal und Spanien Stützpunkte an der Küste. Nach der Entdeckung Amerikas wurde Afrika für europäische Mächte besonders wegen des Sklavenhandels wichtig.

Der „Wettlauf um Afrika“ führte im Imperialismus zur fast vollständigen kolonialen Besetzung. Auf der Kongokonferenz 1884/85 wurde der größte Teil Innerafrikas unter europäischen Mächten aufgeteilt. Unabhängig blieben Liberia und Abessinien, das Italien jedoch 1936 bis 1941 annektierte. Die Dekolonisation begann in den 1950er Jahren; 1960 wurde der Großteil der französischen Kolonien unabhängig, Dschibuti 1977 als letzter Staat von europäischer Fremdherrschaft. Koloniale Grenzziehungen ohne Rücksicht auf historische und ethnisch-kulturelle Gegebenheiten erschwerten die Bildung von Nationalgefühlen und trugen neben Exportabhängigkeit zu Instabilität und autoritären Regimen bei. Die Agenda 2063 der Afrikanischen Union soll Entwicklungshemmnisse abbauen und bis 2063 Wohlstand fördern.

Wirtschaft, Infrastruktur und Kultur

Die Wirtschaft vieler Länder Mittel- und Südafrikas ist exportorientiert, etwa mit Bananen, Tropenholz, Gold, Diamanten und Kakao. Auf dem Land ist Subsistenzwirtschaft verbreitet: Produktion für den Eigenbedarf, etwa mit Maniok, Batate, Fischerei und Tierzucht. Nordafrika erzielt besonders durch Erdöl und Erdgas Einnahmen. Afrikas Weltmarktanteile werden für Kakao mit etwa 70 %, Diamanten mit etwa 50 %, Gold mit etwa 25 % und Erdöl mit etwa 10 % angegeben. Die Bedeutung in der Weltwirtschaft nach BIP ist mit Ausnahmen wie Südafrika, Nigeria, Ägypten, Algerien, Angola und Marokko gering, doch mehrere Länder zählen seit Beginn des 21. Jahrhunderts zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften.

Die Infrastruktur ist regional sehr unterschiedlich. 2009 gab es etwa 7 km Straße je 100 km², davon war nur ein Viertel befestigt; rund die Hälfte der Menschen lebte in einer Region mit asphaltiertem Straßennetz. Etwa ein Drittel hat keinen ausreichenden Zugang zu Elektrizität, mehr als 90 % jedoch Zugang zu Mobilfunk. Land grabbing bezeichnet den Kauf oder die Pacht großer Flächen durch ausländische Kapitalgesellschaften, häufig für Nahrungsmittel oder Biosprit. Als unterschiedliche Entwicklungswege werden eine Afrikanische Grüne Revolution mit Hochertragssorten und hohem Chemieeinsatz sowie eine „Grüne Renaissance“ diskutiert, die das Wissen afrikanischer Bauern einbezieht.

Kulturell entwickelten sich Film, Literatur, Kunst, Musik, Philosophie und Architektur unter sehr verschiedenen regionalen Bedingungen. In der Musik sind Tanz und Musik eng verbunden; Tonsprachen ermöglichen teils, bedeutungsvolle Texte auf Instrumenten zu spielen. Nordafrikanische Architektur steht vor allem in islamischer Tradition, südlich der Sahara prägen unter anderem Rundhütte und Lehm den Bau; Groß-Simbabwe ist ein Beispiel für Steinbauten. Zu wichtigen Organisationen zählen die Afrikanische Union sowie regionale Wirtschaftsorganisationen wie die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft und die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft.

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