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Nigeria
Nigeria ist ein Land mit großer kultureller Vielfalt: 514 verschiedene Sprachen und Idiome werden gesprochen. 371 ethnische Gruppen sind offiziell anerkannt.
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Überblick, Lage und Bevölkerung
Nigeria ist als Federal Republic of Nigeria eine präsidentielle Bundesrepublik in Westafrika. Das Land hat eine Fläche von 923.768 km² und ist mit etwa 230 Millionen Einwohnern 2024 beziehungsweise einer Schätzung von 237,5 Millionen für 2025 das bevölkerungsreichste Land Afrikas und weltweit eines der bevölkerungsreichsten Länder. Hauptstadt ist Abuja; die frühere Hauptstadt Lagos ist mit rund 16 Millionen Einwohnern das wichtigste Wirtschaftszentrum und nach Kinshasa eine der größten Städte Afrikas. Nigeria grenzt an den Atlantik sowie an Benin, Niger, Tschad und Kamerun. Amtssprache ist Englisch, die Währung ist der Naira (NGN), der Nationalfeiertag ist der 1. Oktober, der an die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich im Jahr 1960 erinnert.
Nigeria ist kulturell und sprachlich sehr vielfältig. Es werden 514 Sprachen und Idiome gesprochen, und 371 ethnische Gruppen sind offiziell anerkannt. Die größten Volksgruppen sind Hausa/Fulbe im Norden, Yoruba im Südwesten und Igbo im Süden. Daneben gibt es unter anderem Ijaw, Kanuri, Ibibio und Tiv. Die Bevölkerung wächst stark: Die Volkszählung von 2006 ergab 140 Millionen Menschen; die Weltbank schätzte für 2023 223,8 Millionen. Das jährliche Bevölkerungswachstum lag 2023 bei +2,4 %. Die Bevölkerung ist sehr jung: 2021 lag das Medianalter bei 17 Jahren, 2023 waren 42,8 % der Menschen unter 15 Jahre alt. Die Lebenserwartung lag 2022 bei 53,6 Jahren und gehört damit zu den niedrigsten weltweit.
Das Land ist stark urbanisiert. 2023 lebten 54 % der Einwohner in Städten. Die größten Städte waren Lagos, Kano, Ibadan, Abuja und Port Harcourt. Besonders der Süden ist durch viele große Städte geprägt. Neben innerer Migration in den wirtschaftlich stärkeren Süden gibt es eine große nigerianische Diaspora, vor allem in den Vereinigten Staaten, im Vereinigten Königreich und in Italien. Zugleich haben Konflikte im Land Fluchtbewegungen in Nachbarstaaten wie Kamerun, Niger und Tschad ausgelöst.
Naturraum und Umwelt
Nigeria liegt zwischen 4° und 14° nördlicher Breite und 2° und 15° östlicher Länge. Ein zentrales geografisches Merkmal sind der Niger und sein Nebenfluss Benue, die in Nigeria zusammenfließen und im Nigerdelta in den Golf von Guinea münden. Das Nigerdelta ist mit etwa 70.000 km² eines der größten Flussdeltas der Erde. Die Küste am Golf von Guinea ist rund 850 km lang und wird von Lagunen, Mangrovensümpfen und im Nigerdelta besonders weit ausgedehnten Feuchtgebieten geprägt. Die höchste Erhebung ist der Chappal Waddi mit 2419 m nahe der Grenze zu Kamerun.
Das Klima unterscheidet sich stark zwischen Norden und Süden. Im Norden herrscht Wüsten- beziehungsweise Sahelklima mit 400 bis 600 mm Niederschlag pro Jahr; in der Sudan-Savanne fallen 600 bis 1600 mm. Der Süden ist tropisch feucht-heiß, mit einer Regenzeit von April bis Oktober, hoher Luftfeuchtigkeit von 85 bis 95 % und mittleren Temperaturen um 30 °C. Die Regenzeit des westafrikanischen Monsuns dauert im Allgemeinen von Juni bis September, die Trockenzeit von November bis März; der Harmattan bringt trockene, heiße Luft aus der Sahara. Im Norden können die Temperaturen bis auf 50 °C steigen.
Hydrologisch gehört Nigeria vor allem zum Einzugsgebiet des Niger, das 584.404 km² und damit 63,3 % der Landesfläche umfasst. Das Einzugsgebiet des Tschadsees nimmt 179.300 km² beziehungsweise 19,4 % ein. Weitere Einzugsgebiete sind unter anderem Cross River, Ogun, Imo und Osun. Im Nordosten bilden Flusssysteme wie Komadugu Yobe wichtige Feuchtgebiete.
Nigeria besitzt fünf große Vegetationszonen: Mangrovenwälder an der Küste, tropische Regenwälder, Guineasavanne, Sudan-Savanne und Sahelzone. Die Sudan-Savanne umfasst etwa 70 % der Landesfläche, die Sahelzone etwa 10 %. Die ursprünglichen Regenwälder sind stark zurückgegangen; die Ausdehnung des Primärregenwaldes hat sich in den letzten 100 Jahren um etwa 90 % verringert. Dokumentiert sind unter anderem 5103 Gefäßpflanzenarten, mehr als 1340 an Land lebende Wirbeltierarten, darunter 274 Säugetierarten und 885 Vogelarten, sowie etwa 20.000 Insektenarten. Zu den bedrohten Arten gehört der Cross-River-Gorilla.
Nur etwa 3,22 % der Landesfläche stehen unter Schutz. Wichtige Schutzgebiete sind unter anderem der Cross-River-Nationalpark, der Gashaka-Gumti-Nationalpark und der Kainji-Nationalpark. Große Umweltprobleme bestehen besonders im Nigerdelta durch Öldiebstahl, illegale Raffinerien und Umweltverschmutzung. Laut UNEP-Studie von 2011 sind bis zu eine Million Menschen durch gravierende Verschmutzung bedroht. 2022 starben 125 Menschen durch Explosionen lokaler illegaler Raffinerien; im Oktober 2023 tötete eine Explosion bei Ibaa 37 Menschen. Die Dangote-Raffinerie und eine 1.100 km lange unterseeische Pipeline sollen helfen, Öldiebstahl und Umweltschäden zu verringern.
Geschichte und Staat
Die Küste des heutigen Nigeria wurde 1472 von Rui de Sequeira auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien erreicht. In der frühen Neuzeit entstanden Hafenstädte wie Badagry, Bonny und Calabar. Nach 1700 prägte der transatlantische Sklavenhandel die Wirtschaft vieler Herrschaftsgebiete an der Küste und im Hinterland. Die Region wurde deshalb als „Sklavenküste“ bezeichnet. Im Norden errichtete Usman dan Fodio nach seinem 1804 erklärten Dschihad das Kalifat von Sokoto, eines der größten vorkolonialen Reiche Afrikas.
Großbritannien verbot 1807 den Sklavenhandel und setzte dieses Verbot zunehmend mit der Royal Navy durch. 1855 griffen die Briten in Lagos ein, das wegen seiner Lage als Flottenstützpunkt und Handelsort wichtig wurde. Nach der Berliner Kongokonferenz 1885 dehnte Großbritannien seine Kontrolle im Gebiet des heutigen Nigeria aus. 1903 besiegten britische Truppen unter Frederick Lugard das Kalifat von Sokoto. Am 1. Januar 1914 wurden die Verwaltungsgebiete unter dem Namen „Nigeria“ zusammengeführt. Die Kolonialherrschaft nutzte das Prinzip der „Indirect Rule“, also Herrschaft über einheimische Autoritäten. Die Briten bauten Verwaltung, Häfen, Flughäfen und eines der größten afrikanischen Schienennetze auf, während Unternehmen wie Unilever, Nestlé und Cadbury von Rohstoffen wie Kakao, Palmöl und Erdnüssen profitierten.
Nigeria wurde am 1. Oktober 1960 unabhängig. Wenige Jahre später führten Militärputsche und politische Spannungen 1967 zum Biafra-Krieg, einem Bürgerkrieg zwischen dem südöstlichen Biafra und dem übrigen Nigeria, der bis 1970 dauerte und als große humanitäre Katastrophe beschrieben wird. 1971 trat Nigeria der OPEC bei. Die Öleinnahmen führten zu Boom, aber auch zu Inflation und Korruption. In den folgenden Jahrzehnten wechselten Militärregierungen, kurze demokratische Phasen, Putsche und Gegenputsche. Das Regime von Sani Abacha in den 1990er Jahren gilt im Artikel als Tiefpunkt der jüngeren Geschichte. Nach Abachas Tod 1998 führte sein Nachfolger Abubakar Nigeria 1999 zurück zur Demokratie.
Seit 1999 besteht die Vierte Republik mit einem Präsidialsystem nach US-amerikanischem Muster. Nigeria ist ein Bundesstaat mit 36 Bundesstaaten und dem Hauptstadtterritorium Abuja. Der Präsident ist Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Armee. Das Parlament besteht aus Senat und Repräsentantenhaus. Der Senat hat 109 Mitglieder, das Repräsentantenhaus 360. Präsident, Senat und Repräsentantenhaus werden alle vier Jahre gewählt. Der Präsident darf höchstens zwei Amtszeiten regieren. Die Wahlen werden immer wieder wegen mangelnder Transparenz kritisiert, dennoch kam es 2007, 2010, 2015 und 2023 zu friedlichen Machtwechseln.
Bei der Wahl vom 25. Februar 2023 wurde Bola Tinubu von den All Progressives zum Präsidenten gewählt. Die EU-Beobachtermission kritisierte die Wahl als intransparent: Einige Hundert der 176.800 Wahlurnen seien zerstört worden, es habe Stimmenkauf gegeben, und Server für die digitale Übermittlung der Ergebnisse seien tagelang nicht online gewesen. Am 26. Mai 2023 wies der Oberste Gerichtshof Klagen der PDP und der Labour Party gegen Tinubu und seinen Stellvertreter Shettima ab.
Gesellschaft, Religion und Bildung
Nigeria ist religiös vielfältig. Da es keine zentrale Erfassung der Religionszugehörigkeit gibt, unterscheiden sich die Zahlen. Eine nigerianische Studie von 2003 nannte 50,5 % Muslime und 48,2 % Christen. Andere Schätzungen gehen von etwa 50 % Muslimen, 40 bis 46 % Christen und einem kleineren Anteil traditioneller Religionen aus. Tabellen im Artikel zeigen je nach Quelle Werte von 42,0 % bis 56,1 % Muslimen und 43,4 % bis 56,0 % Christen. Viele Familien umfassen sowohl Muslime als auch Christen.
Der Islam ist vor allem im Norden verbreitet, aber auch in Teilen des Südwestens. Er war traditionell stark durch sufische Bruderschaften wie Qādirīya und Tidschānīya geprägt. Seit den 1970er Jahren gewann eine anti-sufische Richtung an Bedeutung, besonders durch Abubakar Gumi und die Organisation Yan Izala. Im Norden gilt in mehreren Bundesstaaten die Scharia. Seit 1999 wurde jedoch keine Todesstrafe durch ein islamisches Gericht tatsächlich umgesetzt. Das Christentum ist besonders im Süden verbreitet. Bis zu 48 % der Bevölkerung sind Christen; davon sind nach den Angaben im Artikel 74 % Protestanten, 25 % Katholiken und 1 % gehören anderen Konfessionen an. Pfingstkirchen und charismatische Gemeinden spielen eine große Rolle.
Traditionelle Religionen werden nur noch von einem kleineren Teil der Bevölkerung ausgeübt, ihre Elemente wirken aber in Volksislam, Christentum westafrikanischer Kirchen und lokalen Praktiken weiter. Ahnenkult und Fetischismus werden im Artikel als verbreitet genannt. Religiöse Konflikte sind ein großes Problem. Boko Haram terrorisierte seit Mitte 2010 den Nordosten; laut Nigeria Security Tracker starben bis Oktober 2022 über 41.600 Menschen durch diese Gruppierung. Die Erklärung „Muslime gegen Christen“ greift laut Artikel zu kurz, weil die meisten Opfer von Boko Haram Muslime waren. Seit 2021 gilt der Islamische Staat in Westafrika (ISWAP) als dominanter als Boko Haram.
Die Menschenrechtslage wird als unbefriedigend beschrieben. Besonders genannt werden Gefängnisse, polizeiliche Übergriffe und die Repression gegen queere Menschen. Die Anti-LGBT-Gesetze von 2014 gehören laut Artikel zu den drakonischsten weltweit und können theoretisch auch Unterstützer queerer Menschen betreffen. Allerdings nennt der Artikel nur einen bekannten Fall nach diesen Gesetzen, bei dem 47 Männer 2019 verhaftet und 2020 freigesprochen wurden. Verurteilungen erfolgen eher anhand der Scharia im Norden; 2022 wurden drei Männer in Kano zum Tod durch Steinigung verurteilt, die Strafe wurde durch den Obersten Gerichtshof aufgehoben.
Das Bildungssystem besteht aus sechs Jahren Grundschule, drei Jahren Junior Secondary School, drei Jahren Senior Secondary School und anschließend vier-, fünf- oder sechsjähriger Universitätsausbildung bis zum Bachelor. Nigeria bietet kostenlose, staatlich geförderte Bildung an, doch Schulbesuch ist auf keiner Stufe verpflichtend. Die Einschulungsquote liegt bei 93 %, dennoch besucht nur etwa die Hälfte aller Kinder im Schulalter eine Schule. Mindestens 10,5 Millionen Kinder gehen nicht zur Schule, die höchste Zahl weltweit. 2021 besuchte die Hälfte aller nigerianischen Kinder keine weiterführende Schule. Es gibt 138 Universitäten: 40 in Bundesbesitz, 39 in staatlichem Besitz und 59 private. Neben dem westlichen Schulsystem besteht ein islamisches Schulsystem der Madrasas.
Das Gesundheitswesen leidet besonders unter dem Brain-Drain von medizinischem Personal. Nigeria verliert im Schnitt jede Woche 12 Ärzte, und 88 % der verbliebenen Ärzte wollten laut Artikel möglichst bald folgen. 2018 kamen nur 3,8 Ärztinnen und Ärzte auf 10.000 Einwohner; die WHO nennt mindestens 25 medizinische Fachkräfte pro 10.000 Menschen als notwendig für angemessene Grundversorgung. Die Sterblichkeit von Kindern unter 5 Jahren lag 2022 bei 107,2 pro 1000 Lebendgeburten. Malaria, Typhus, Polio-Ausbrüche, Affenpocken seit 2017 und schlechte Trinkwasserversorgung werden als wichtige Gesundheitsprobleme genannt.
Wirtschaft, Soziales und Infrastruktur
Nigeria gehört mit Südafrika und Ägypten zu den größten Volkswirtschaften Afrikas und wird von der Weltbank als Schwellenmarkt angesehen. 2024 betrug das nominale Bruttoinlandsprodukt 252 Milliarden US-Dollar, nach Kaufkraftparität 2,1 Billionen US-Dollar. Der HDI lag 2023 bei 0,56, Rang 164. Die Wirtschaft ist stark von Erdöl, Erdgas und der Verarbeitung dieser Rohstoffe geprägt, diversifiziert sich aber zunehmend. Nach Fertigstellung der Dangote-Raffinerie verlagert Nigeria sein wirtschaftliches Standbein stärker von Erdölexport zu Erdölverarbeitung, Kraftstoff- und Düngemittelexport. Anfang 2026 erreichte Nigeria laut Artikel den höchsten Handelsbilanzüberschuss in einem Quartal seit seiner Gründung 1914; im August 2026 lagen die Währungsreserven bei 54 Milliarden US-Dollar, dem höchsten Stand seit 2008.
Die Wirtschaftspolitik seit Präsident Tinubu wird im Artikel als „Tinubunomics“ beschrieben. 2023 wurden die Benzinsubventionen beendet und der Naira freigegeben. Dadurch verdreifachte sich der Benzinpreis, der Naira fiel innerhalb von 12 Monaten von etwa 400 auf 1.800 Naira pro US-Dollar, und die Inflation stieg von etwa 15 % im Mai 2023 auf 35 % im Dezember 2024. Diese sozialen Härten werden in Nigeria oft als „hardship“ bezeichnet. 2025 folgte eine Stabilisierung: Bis Februar 2026 sank die Inflation auf 15 %, und der Naira stieg auf 1.350 Naira pro US-Dollar. Ausländische Investitionen stiegen 2025 um 90 % auf 23 Milliarden US-Dollar. Weltbank und IMF prognostizierten für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 4,2 % beziehungsweise 4,1 %, der IMF für 2027 4,3 %.
Wichtige Wirtschaftsbereiche sind Öl und Gas, Finanzen, Startups, Pharmazeutik, Unterhaltung, Logistik, Fahrzeugproduktion, Baustoffe und Handel. Lagos ist führender Finanzplatz West- und Zentralafrikas. Nigeria stellt 28 % aller afrikanischen Fintech-Unternehmen; fünf von sieben afrikanischen Tech-Einhörnern befinden sich in Nigeria, und knapp ein Drittel der afrikanischen technologischen Startups kommt aus Nigeria. Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen machen 96 % aller Unternehmen aus, tragen 49 % zum BIP bei und beschäftigen 84 % der Erwerbsbevölkerung. 75 bis 92 % der berufstätigen Nigerianer arbeiten im informellen Sektor, also ohne feste Löhne, Gewerkschaften, gesicherte Arbeitsrechte oder vollständige statistische Erfassung.
Armut bleibt ein zentrales Problem. Der Internationale Währungsfonds gab 2017 an, dass 32 % der Bevölkerung in extremer Armut leben und mit weniger als 2,15 US-Dollar am Tag auskommen müssen. Die Weltbank erklärte im März 2022, die Zahl armer Nigerianer sei während der Covid-Zeit um 5 Millionen auf 95,1 Millionen gestiegen; 40 % lebten unterhalb der von ihr verwendeten Armutsgrenze von 1,90 US-Dollar. Der Artikel weist aber darauf hin, dass diese Grenzwerte die lokale Kaufkraft nicht berücksichtigen und daher umstritten sind.
Die Infrastruktur macht Nigeria zu einem regionalen Verkehrsknotenpunkt. Vier transafrikanische Straßenrouten führen durch das Land: der Algier-Lagos-Highway, der Dakar-N’Djamena-Highway, der Dakar-Lagos-Highway und der Lagos-Mombasa-Highway. Hinzu kommen ein wachsendes Schienennetz und der Super-Post-Panamax-Containerhafen Lekki. Die Stromversorgung ist jedoch unzuverlässig: 94 % der Nigerianer sind mit dem nationalen Netz verbunden, aber nur 1 % gab an, 24 Stunden am Tag Strom zu haben; 68 % haben 1 bis 9 Stunden Elektrizität täglich. 21 % besitzen einen Stromgenerator, 14 % nutzen Sonnenenergie.
Kultur, Medien, Sport und Außenbeziehungen
Die nigerianische Kultur wird durch die vielen Ethnien des Landes, islamisch-arabische Einflüsse im Norden und europäische Einflüsse im Süden geprägt. Besonders bekannt ist die Filmindustrie „Nollywood“, die zusammen mit Hollywood und Bollywood zu den größten der Welt zählt. Seit 2010 wird stärker auf qualitativ hochwertige Produktionen gesetzt; „My Father’s Shadow“ von Akinola Davies Jr. wurde 2025 in Cannes und von der BAFTA ausgezeichnet.
Auch die Musik hat internationale Bedeutung. Afrobeat wurde besonders mit Fela Anikulapo Kuti verbunden. Seit 2018 ist das westafrikanische Afrobeats weltweit erfolgreich, vor allem durch nigerianische Musiker. Laut Billboard Magazine ist nigerianischer Afrobeats das am schnellsten wachsende Genre in den Vereinigten Staaten. 2023 traten Burna Boy, Tems und Rema bei der Halbzeitshow des NBA-All-Star-Spiels auf. Spotify meldete, dass nigerianische Künstler 2022 über 13 Millionen Euro über die Plattform verdienten.
Nigeria ist außerdem ein wichtiges Zentrum englischsprachiger afrikanischer Literatur. Wole Soyinka erhielt 1986 als erster Vertreter afrikanischer Literatur den Literaturnobelpreis. Weitere bekannte Autoren sind Chinua Achebe, Ken Saro-Wiwa und Chimamanda Ngozi Adichie. Die bildende Kunst konzentriert sich besonders in Lagos. Typische Gerichte sind Draw soup, ein zähflüssiger Eintopf mit Fleisch, Fisch und Gemüse, sowie Suya-Fleischspieße aus der Hausa-Küche.
Die Medienlandschaft umfasst etwa 25 überregionale Tageszeitungen mit rund 1,7 Millionen Gesamtauflage, viele davon auf Englisch. Es gibt auch Zeitungen in Yoruba, Hausa und Igbo. Die Pressefreiheit gilt als schwierig; Journalisten sind Gewalt und Einschüchterung ausgesetzt, besonders in Krisenregionen. Die private Rundfunklandschaft wird durch die Nigerian Broadcasting Commission kontrolliert, und die Berichterstattung über sensible Themen wird oft behindert.
Sportlich gilt Fußball als Nationalsport. Die Nationalmannschaft, die „Super Eagles“, nahm 1994, 1998, 2002, 2010, 2014 und 2018 an Weltmeisterschaften teil und gewann den Afrikanischen Nationen-Pokal 1980, 1994 und 2013. Bei den Olympischen Sommerspielen 1996 gewann Nigeria Gold im Fußball und war damit die erste afrikanische Fußballmannschaft mit olympischem Gold. Auch Basketball, Cricket, Boxen, Beachvolleyball, Scrabble, Curling und sogar Wintersport werden genannt. Nigerias Basketballnationalmannschaft besiegte als erstes afrikanisches Team die Männernationalmannschaft der Vereinigten Staaten.
Außenpolitisch spielt Nigeria in Westafrika und Afrika insgesamt eine Führungsrolle. Es ist Mitglied der Afrikanischen Union, der Vereinten Nationen, des Commonwealth, der Bewegung der blockfreien Staaten, der ECOWAS, der Organisation für Islamische Zusammenarbeit und der OPEC. Mit Nachbarstaaten arbeitet Nigeria besonders innerhalb der ECOWAS zusammen; Grenzen sind für ECOWAS-Bürger vergleichsweise offen. In der Tschadsee-Region kooperiert Nigeria mit Niger und Tschad gegen Boko Haram. Das Land beansprucht außerdem einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Rahmen einer Reform. China gewinnt durch Infrastrukturfinanzierung und -bau zunehmend Einfluss, während auf europäischer Seite besonders die Agence Française de Développement Infrastruktur- und Umweltprojekte unterstützt.