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Wirtschaft Islands
Die Wirtschaft Islands hängt stark vom Fischfang und damit verbundenen Industrien ab, die für 60 % der Exporte verantwortlich sind.
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Grundstruktur und Kennzahlen
Islands Wirtschaft ist stark vom Fischfang und den damit verbundenen Industrien abhängig. Diese erwirtschaften 60 % der Exporte, weshalb die wirtschaftliche Lage wesentlich vom Markt für maritime Produkte beeinflusst wird. Gleichzeitig haben sich das produzierende Gewerbe und der Dienstleistungssektor erweitert. Besonders Tourismus, energieintensive Industrie, Software, Biotechnologie und Finanzdienstleistungen gewannen an Bedeutung.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), also der Gesamtwert der im Land erzeugten Waren und Dienstleistungen, betrug 2021 nominal 26 Milliarden USD und nach Kaufkraftparität (PPP) 22 Milliarden USD. Das BIP pro Kopf wird für 2021 sowohl nominal als auch nach PPP mit 69.422 USD angegeben. Island lag 2021 nach nominalem BIP auf Rang 110 der Weltwirtschaft. Die Währung ist die Isländische Krone (ISK); am 28. Februar 2015 entsprachen 1 ISK 0,0067 EUR.
2008 entfielen 6,3 % des BIP auf die Landwirtschaft, 27 % auf die Industrie und 66,7 % auf Dienstleistungen. Das Wirtschaftswachstum betrug 2017 5,5 %, die Arbeitslosenquote 2,7 %. Im zweiten Quartal 2010 gab es etwa 169.500 Erwerbstätige und 16.200 Arbeitslose; die Erwerbsquote lag 2010 bei 53,36 %. Für 2017 werden öffentliche Schulden von 47,4 % des BIP, Staatseinnahmen von 43,4 %, Staatsausgaben von 41,0 % und ein Haushaltssaldo von −2,4 % des BIP genannt.
Im Global Competitiveness Index belegte Island 2019 Platz 26 von 141 Ländern. Im Index für wirtschaftliche Freiheit lag es 2022 auf Platz 13 von 177 Ländern.
Außenhandel und wirtschaftliche Zusammenarbeit
Importe und Exporte entsprechen jeweils ungefähr einem Drittel des isländischen BIP. Fischereiprodukte stellen 42 % der Exporte. Weitere wichtige Ausfuhrgüter sind Aluminium, Ferrosilicium, Ausrüstung für Fischfang und Fischverarbeitung sowie Wollprodukte. Die meisten Exporte gehen in Staaten der EU und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA), in die USA und nach Japan.
2009 beliefen sich die Exporte auf 2,91 Milliarden Euro und die Importe auf 2,58 Milliarden Euro; die Außenhandelsbilanz wies einen Überschuss von 324 Millionen Euro auf. Als Exportgüter nennt die Übersicht Maschinen und Nahrungsmittel. Wichtigste Exportpartner waren 2010 die Niederlande mit 36,5 %, Deutschland mit 13,1 % und das Vereinigte Königreich mit 10,5 %. Importiert wurden vor allem Maschinen, Konsumgüter sowie Treib- und Schmierstoffe. Die wichtigsten Importpartner waren Norwegen mit 9,46 %, die Niederlande mit 8,6 % und die USA mit 8,19 %.
Island verfolgt eine relativ liberale Handelspolitik. Der Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum wurde 1993 vollzogen; das Abkommen trat am 1. Januar 1994 in Kraft. Zusammen mit Vereinbarungen der Uruguay-Runde verbesserte es besonders für Fischereiprodukte den Zugang zu ausländischen Märkten. Der landwirtschaftliche Sektor blieb dagegen stark subventioniert und abgeschottet; manche Einfuhrzölle erreichen bis zu 700 %.
Island ist seit 1970 Vollmitglied der EFTA und schloss 1973 ein Freihandelsabkommen mit der EU. Im Europäischen Wirtschaftsraum können Waren, Arbeitskräfte, Kapital und Dienstleistungen annähernd unbeschränkt zwischen Island, Norwegen und den EU-Mitgliedstaaten verkehren. Der Althing befürwortete am 16. Juli 2009 ein EU-Beitrittsgesuch, das die Regierung Sigurddottir am selben Tag beschloss und am folgenden Tag einreichte. Am 12. März 2015 zog Island den Antrag zurück.
Inflation und Wachstum
Wegen der starken Exportabhängigkeit ist Islands Wirtschaft anfällig für hohe Inflation, also einen anhaltenden Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Während der Energiekrise stieg die Inflationsrate 1974 auf 43 % und 1980 auf 59 %. Bis 1987 sank sie auf 15 %, erreichte 1988 aber erneut 30 %. Danach ging sie deutlich zurück: 1993–1994 betrug sie etwa 1,5 % und 1994–1995 1,7 %.
Während der internationalen Finanzkrise ab 2007 und der anschließenden nationalen Finanzkrise nahm die Inflation wieder stetig zu. Anfang Dezember 2008 lag sie bei 17 %, wurde in den Folgejahren jedoch gesenkt. Für Mai 2015 nennt die Übersicht eine Inflationsrate von 1,6 %. Regierung und Zentralbank verfolgen einen harten finanzpolitischen Sparkurs; angestrebt wird Preisstabilität bei einer jährlichen Inflationsrate von 2,5 %.
Die Wirtschaft diversifizierte sich vor allem in Industrie und Dienstleistungen. Neue Unternehmen entstanden in den Bereichen Software, Biotechnologie und Finanzservice. Auch der Tourismus, besonders Ökotourismus und Walbeobachtung, verzeichnete steigende Umsätze. In den Jahren 2000 bis 2002 war das jährliche Wirtschaftswachstum allerdings nur gering.
Energie und Aluminiumindustrie
Island besitzt nur wenige mineralische Rohstoffe. Früher wurden Schwefel und bis vor wenigen Jahren Kieselgur aus dem See Mývatn gewonnen; das Kieselgurwerk wurde aus Umweltschutzgründen geschlossen. Zement gehört zu den wenigen Naturressourcen, die direkt im Land verarbeitet werden. Beton wird häufig als Baustoff verwendet, auch für Privathäuser.
Von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind die reichlich vorhandene Wasserkraft und Geothermie, also Wärme aus dem Erdinneren. Fast 90 % der Bevölkerung verfügen bereits über eine geothermale Heizung. Wasserkraftwerke wandeln die Energie des Wassers in Strom um. Das größte ist Kárahnjúkavirkjun mit 690 MW nördlich des Vatnajökull. Weitere größere Anlagen sind Búrfell mit 270 MW, Hrauneyjarfoss mit 210 MW sowie Sigalda und Blöndulón mit jeweils 150 MW. Auch ein Stromexport nach Kontinentaleuropa über ein Unterseekabel wurde erwogen.
Der Überschuss an günstigem Strom fördert energieintensive Industrien, besonders Aluminium- und Ferrosiliciumwerke. Aluminium wird durch Elektrolyse hergestellt, ein Verfahren mit sehr hohem Strombedarf. Der Rohstoff Bauxit wird unter anderem aus Australien nach Island gebracht. Aluminiumwerke befinden sich in Straumsvík nahe Hafnarfjörður, in Grundartangi am Hvalfjörður und bei Reyðarfjörður, wo Alcoa das Werk Fjarðarál betreibt; ein weiteres Werk ist nahe Húsavík geplant. Die Werke tragen zur Wirtschaftsleistung bei, schufen Hunderte Arbeitsplätze und ziehen ausländische Arbeitskräfte an. Außerdem ist ein Ausbau ihrer Produktionskapazitäten vorgesehen.
Tourismus und Verkehr
Der Tourismus ist laut Artikel mit Abstand der größte Wirtschaftsfaktor Islands; zugleich gehört das Land zu den weltweit am stärksten vom Tourismus abhängigen Staaten. Im Oktober 2017 beschäftigte die Branche direkt rund 26.800 Menschen bei insgesamt 186.900 Beschäftigten. 2017 überstieg die Zahl ausländischer Besucher erstmals 2.000.000. Im Jahr 2019 erwirtschaftete der Tourismus mehr als 33 % des BIP. Seit 2010 stieg die Zahl der ankommenden Touristen um 378 %.
Der größte Teil des Verkehrs läuft über das Straßennetz, das die meisten bewohnten Orte verbindet. Die Hauptstraße Hringvegur umrundet entlang der Küste fast die gesamte Insel, ausgenommen die Westfjorde. Kleinere Straßen führen zu Orten und Siedlungen im Landesinneren; einige Pisten durch das Hochland sind nur im Sommer nutzbar. Tunnel verkürzen lange Fahrwege: Der Hvalfjarðargöng verringert die Strecke um den Hvalfjörður um etwa 65 km.
Linienflüge verbinden Island mit Europa und Nordamerika. Icelandair ist die nationale Fluggesellschaft, einer der größten Arbeitgeber und für Inlandsflüge zwischen größeren Städten wichtig, weil viele Landesteile schwer zugänglich sind. Schiffe dienen fast nur dem Gütertransport, wobei sich auch dieser zunehmend auf die Straße verlagert. Die wichtigste Fähre fährt in 30 Minuten von Landeyjahöfn zu den Vestmannaeyjar. Eine weitere Verbindung verläuft zwischen Stykkishólmur und Brjánslækur. Island besitzt keine Eisenbahn; eine Strecke zwischen dem internationalen Flughafen Keflavík und Reykjavík wird jedoch wiederholt diskutiert.
Banken und Finanzmärkte
Zu den drei großen Banken gehören Íslandsbanki, Landsbanki und Arion Bank. Laut Artikel entsprechen ihre Aktiva etwa dem Zehnfachen des jährlichen isländischen Bruttosozialprodukts. Ende September 2008 entsprach die Schuldenlast der drei Banken dem Neunfachen des gesamten Bruttosozialprodukts. Am 29. September 2008 wurde Glitnir verstaatlicht; die Regierung übernahm 75 % der Anteile. Am 6. Oktober kündigte Ministerpräsident Geir Haarde ein Notstandsgesetz zur Verstaatlichung der drei Großbanken an. Im Oktober 2008 übernahm die Regierung ihre Kontrolle, um einen Staatsbankrott zu verhindern. Am 15. Oktober konnte sie laut Artikel eine Zahlungsaufforderung über 750 Millionen Euro nicht erfüllen, woraufhin der Inselstaat für zahlungsunfähig erklärt wurde.
Sparisjóðabanki Íslands, auch Icebank, ist das Dachunternehmen von 29 lokalen Sparkassen. Die drei Großbanken verwalten jeweils etwa ein Viertel der Spareinlagen; das übrige Viertel entfällt auf Sparkassen und das Postgiro-System. Wegen der hohen Inflation wird viel Geld als Termingeld mit vereinbarter Laufzeit statt als jederzeit verfügbare Sichteinlage gehalten. Seit der Liberalisierung der Zinspolitik 1986 verschärfte sich der Wettbewerb. Die Banken unterhalten Büros an bedeutenden amerikanischen und europäischen Finanzplätzen, während sich keine ausländische Bank im isländischen Markt etablierte.
Die Isländische Börse Kauphöll Íslands (ICEX) wurde 1985 gegründet. Der Anleihenhandel begann 1986, der Aktienhandel 1990. Aktien, Anleihen und Investmentfonds werden elektronisch gehandelt; seit 2000 nutzt die Börse SAXESS, das Verbundsystem der NOREX-Allianz. Neben dem Hauptmarkt besteht ein weniger streng geregelter Alternativmarkt. Wegen der geringen Größe Islands ist die Zahl der Geschäfte vergleichsweise klein. Wichtigster Aktienindex ist der ICEX 15.
Investoren waren bei isländischen Anleihen wegen hoher Inflation und starker Schwankungen der Krone traditionell zurückhaltend. Der Anleihenmarkt wuchs später vor allem, weil Hypotheken in Anleihen umgewandelt wurden. Für Anlagefonds wären an der ICEX die Voraussetzungen vorhanden, doch wird laut Artikel keine entsprechende Anleihe angeboten. Ein kleiner Derivatemarkt, auf dem von anderen Werten abgeleitete Finanzprodukte gehandelt werden, bestand bis 1999 und wurde wegen geringer Umsätze geschlossen.