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Wirtschaft Äthiopiens

Bisher ist die Landwirtschaft die aussichtsreichste Ressource zur Entwicklung des Landes. Das Potenzial einer Selbstversorgung mit Getreide und eines …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und wirtschaftliche Lage
  2. 2. Wichtige Kennzahlen
  3. 3. Landwirtschaft als Grundlage
  4. 4. Rohstoffe, Energie und Industrie
  5. 5. Dienstleistungen, Banken und Tourismus
  6. 6. Historische Entwicklung und internationale Einbindung

Überblick und wirtschaftliche Lage

Die Wirtschaft Äthiopiens ist bislang stark landwirtschaftlich geprägt. Das wichtigste Exportgut ist Kaffee. Äthiopien gilt trotz natürlicher Möglichkeiten als eines der ärmsten Länder der Welt: Für 2013 wird ein Pro-Kopf-Einkommen von etwa 542 US-Dollar genannt; etwa ein Viertel der Bevölkerung hatte weniger als einen US-Dollar am Tag, vier Fünftel weniger als zwei US-Dollar, und etwa 44–50 % lebten unterhalb der Armutsgrenze.

Gleichzeitig besitzt das Land wirtschaftliches Potenzial. Es verfügt in vielen Gebieten über fruchtbare Böden und ausreichend Regen, verschiedene Getreidesorten können angebaut werden, Kaffee wächst besonders an den Südhängen, und Hirten können Vieh, Schafe und Ziegen in großen Teilen des Landes weiden lassen. Außerdem gibt es mineralische Rohstoffe wie Gold und Platin.

Nach der Revolution von 1974 wurde eine sozialistische Zentralverwaltungswirtschaft eingeführt. Dabei kontrollierte der Staat große Teile der Wirtschaft, und viele Betriebe gingen in öffentliche Hand über. Seit Mitte 1991 entwickelte sich das System wieder stärker in Richtung einer dezentralen und marktwirtschaftlich geprägten Wirtschaftsordnung. Im Jahr 2015 hatte Äthiopien mit 10,2 % das höchste Wirtschaftswachstum der Welt und war laut Artikel in diesem Jahr das einzige Land mit zweistelligem Wachstum. Im Index für wirtschaftliche Freiheit lag Äthiopien 2022 auf Platz 150 von 177 Ländern.

Wichtige Kennzahlen

Für 2021 wird das Bruttoinlandsprodukt, also der Gesamtwert der in einem Jahr im Land erzeugten Waren und Dienstleistungen, mit 99,269 Milliarden US-Dollar nominal angegeben. In Kaufkraftparität, also bereinigt nach der Kaufkraft des Geldes, betrug es 2022 312,75 Milliarden PPP-Dollar. Das BIP pro Kopf lag 2021 bei 996 US-Dollar nominal und bei 3.137 US-Dollar in Kaufkraftparität. Das Wachstum betrug 2021 6,3 %, die Inflationsrate 26,8 %. Die Arbeitslosenquote lag 2021 bei 3,7 %, und es gab 55,9 Millionen Erwerbstätige.

Die Wirtschaftsstruktur zeigt die Bedeutung der Landwirtschaft, aber auch den großen Anteil der Dienstleistungen: 2017 entfielen 35,8 % des BIP auf Landwirtschaft, 22,2 % auf Industrie und 42,0 % auf Dienstleistungen. Bei den Erwerbstätigen war die Landwirtschaft 2019 noch viel wichtiger: 66,6 % arbeiteten dort, 9,3 % in der Industrie und 24,0 % im Dienstleistungssektor.

Im Außenhandel hatte Äthiopien 2020/21 ein deutliches Defizit. Die Exporte betrugen 3,24 Milliarden US-Dollar, die Importe 18,088 Milliarden US-Dollar; daraus ergab sich eine Außenhandelsbilanz von −14,848 Milliarden US-Dollar. Wichtige Exportgüter waren Nahrungsmittel mit 60,1 %, Rohstoffe ohne Brennstoffe mit 26,5 % und Textilien mit 6,3 %. Wichtige Exportpartner waren Somalia, die USA, die Niederlande, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Deutschland und Dschibuti. Bei den Importen dominierten chemische Erzeugnisse, Maschinen, Nahrungsmittel, Petrochemie sowie Kfz und Teile. Wichtigste Importpartner waren China, Indien, die Türkei, die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Japan.

Bei den öffentlichen Finanzen werden für 2020/21 Staatseinnahmen von 718,4 Milliarden Birr und Staatsausgaben von 812,6 Milliarden Birr genannt. Der Haushaltssaldo lag bei 94,1 Milliarden Birr beziehungsweise 1,9 % des BIP. Die öffentlichen Schulden betrugen 48,3 % des BIP.

Landwirtschaft als Grundlage

Die Landwirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftsbereich Äthiopiens. Sie trug 2003/04 rund 43,6 % zum Bruttoinlandsprodukt bei, 2005 waren es 40,1 %. Außerdem lieferte sie vier Fünftel der Exporte und beschäftigte nach älteren Angaben vier Fünftel der Bevölkerung. Äthiopien wird deshalb als wenig entwickeltes Entwicklungsland, also als Least Developed Country, eingeordnet.

Das wichtigste Agrarprodukt ist Kaffee. Er trägt 65–75 % zu den Deviseneinnahmen bei, also zu den Einnahmen in ausländischer Währung. 1999 wurden durch den Export von 105.000 Tonnen Kaffee 267 Millionen US-Dollar eingenommen. Der Beitrag des Kaffees zum BIP wird auf etwa 10 % geschätzt. Ein Beispiel für die Bedeutung des Kaffees ist der Streit um Markenschutz für die Anbauregionen Yirgacheffe, Harrar und Sidamo: Äthiopien beantragte ihn 2005, und 2007 wurde ein Rechtsstreit mit Starbucks durch Vergleich beigelegt.

Weitere landwirtschaftliche Exportgüter sind lebende Tiere, Felle, Hülsenfrüchte, Khat und Ölsaaten. Der Agrarsektor hat jedoch große Probleme: periodische Dürren, Erosion durch Überweidung, Entwaldung, hohe Bevölkerungsdichte, hohe Steuern auf Agrarerzeugnisse und eine schlechte Infrastruktur, die den Zugang zu Märkten erschwert. Trotz dieser Schwierigkeiten gilt die Landwirtschaft im Artikel als aussichtsreichste Ressource für die Entwicklung des Landes. Es besteht Potenzial zur Selbstversorgung mit Getreide und zum Ausbau des Exports von Vieh, Getreide, Gemüse und Obst. Gleichzeitig sind rund 4,6 Millionen Menschen auf Lebensmittellieferungen aus dem Ausland angewiesen.

Ein besonders dynamischer Bereich ist die Produktion von Schnittblumen und Jungpflanzen. Für 2005 wurden 32 Firmen erwartet, nachdem es 2001 erst drei waren. Der geschätzte Exporterlös lag bei 20 Millionen US-Dollar. Unter den Unternehmen waren 15 ausländische Investoren, darunter drei deutsche. Als wichtiges Hindernis nennt der Artikel die begrenzte Transportkapazität, obwohl Ethiopian Airlines ihre Frachtflugzeug-Flotte durch Leasing erweitert hatte.

Rohstoffe, Energie und Industrie

Äthiopien hat nach dem Artikel keine bedeutenden Rohstoffvorkommen, und vorhandene Lagerstätten werden nur begrenzt genutzt. Abgebaut werden Gold, Kalkstein und kleinere Mengen Tantal. Gold ist der wichtigste Rohstoff; jährlich werden rund vier Tonnen gefördert. Die Förderung erfolgt durch den MIDROC-Konzern des saudisch-äthiopischen Investors Mohammed Hussein Al Amoudi, der 1997 die ehemals staatliche Goldproduktion für 175 Millionen US-Dollar übernommen hatte. MIDROC nutzt auch Salzvorkommen.

Weitere nachgewiesene und grundsätzlich kommerziell nutzbare Vorkommen sind Kaliumcarbonat, Erdgas, Phosphor, Platin, Eisenerz und Erdöl. Die gesicherten Erdölreserven wurden für Januar 2002 mit 214.000 Barrel angegeben. In Gambela im Westen fanden Erdölexplorationen durch Petronas statt; diese seien angeblich kurz vor der Nutzung gewesen, waren aber durch politische Instabilität gefährdet. Für Erdgas werden gesicherte Reserven von 24,92 Milliarden m³ genannt, davon 12,5 Milliarden m³ im Kalub-Feld im Ogaden beziehungsweise in der Somali-Region. Die Nutzung wird dort durch die Sicherheitslage erschwert. Außerdem steht geothermische Energie zur Verfügung. In West-Wellega in Oromia soll ein Kohlevorkommen von 230 Millionen Tonnen durch ein chinesisches Unternehmenskonsortium mit einem Kohlekraftwerk genutzt werden.

Die Industrie besteht vor allem aus Leichtindustrie: Nahrungsmittel-, Getränke-, Textil- und Lederindustrie. Hinzu kommen chemische Industrie, Metallverarbeitung und Zementindustrie. Die industrielle Produktion konzentriert sich auf städtische Zentren. 2003/04 wuchs der Industriesektor um 6,8 % und damit langsamer als die Gesamtwirtschaft. Das Finanzministerium nannte Anteile von 4,8 % für herstellende Betriebe, 3 % für das Baugewerbe und 1,9 % für Klein-Handwerksbetriebe. Die neu strukturierte Privatization and Public Enterprises Supervising Agency, kurz PPESA, war für Privatisierung und Aufsicht über Staatsbetriebe zuständig und erzielte laut Artikel Erfolge in Textilindustrie, Gerberei und Zuckerindustrie.

Dienstleistungen, Banken und Tourismus

Der Dienstleistungssektor ist seit 1999/2000 der größte Bereich beim Volkseinkommen. 2005 lag sein Anteil an der Wertschöpfung bei 47,2 %. Für 2002/03 nennt das Finanzministerium den Einzelhandel mit 16,2 % des BIP, die öffentliche Verwaltung mit 15,4 % und das Bankwesen mit 7,4 %.

Im Bankensektor waren sieben Privatbanken zugelassen. Sie verbuchten bis Juni 2009 zusammen 21,3 % der Einlagen, also 815 Millionen US-Dollar. Die staatliche Commercial Bank of Ethiopia hielt 74,2 % beziehungsweise 2,8 Milliarden US-Dollar. Damit verschob sich das Verhältnis zugunsten der Privatbanken; 1999 lag es noch bei 1:10. Private Banken engagierten sich stärker bei Krediten an mittlere Unternehmen und Kooperativen und begannen mit internationalen Partnern Import- und Exportfinanzierung. Zusätzlich gab es zwei kleinere staatliche Banken: die Development Bank of Ethiopia und die Construction and Business Bank. Dennoch blieb das Bankensystem unterentwickelt. 2003/04 gab es 784 Bankfilialen, statistisch eine Filiale für 198.000 Menschen. Ausländische Investitionen waren im Banksektor nicht zugelassen. Im Versicherungswesen gab es eine staatliche und neun private Gesellschaften mit insgesamt 238 Filialen.

Der Tourismus leidet laut Artikel unter politischen Ereignissen rund um die Wahl vom Mai 2005 und unter Strukturschwächen des Landes. Dennoch sind große Hotels in Addis Abeba wegen Konferenzen der Afrikanischen Union und der Wirtschaftskommission für Afrika regelmäßig ausgelastet. 2016 stand Äthiopien mit über 864.000 Touristen auf Platz 21 der meistbesuchten Länder Afrikas. Die Tourismuseinnahmen betrugen 280 Millionen US-Dollar. Das Potenzial gilt als groß, auch weil es im Land insgesamt neun UNESCO-Welterbestätten gibt.

Historische Entwicklung und internationale Einbindung

Wirtschaftlich war Äthiopien lange nur begrenzt verändert. Griechen, Armenier und Araber öffneten Kontakte nach außen; Araber siedelten auch im Land und dominierten schließlich geschäftliche Aktivitäten. Die italienische Besetzung seit den 1930er Jahren hinterließ nach ihrem Rückzug eine Wirtschaftsstruktur, die sich kaum von früheren Jahrhunderten unterschied. Auch in den folgenden zwei Jahrzehnten veränderte sich wenig. Die Regierung konzentrierte sich vor allem auf den Ausbau des Behördenapparates und von Nebendienstleistungen.

Erst Anfang der 1950er Jahre griff Kaiser Haile Selassie I. Forderungen nach einem Wandel von einer Subsistenzwirtschaft zu einer agro-industriellen Wirtschaft auf. Subsistenzwirtschaft bedeutet, dass überwiegend für den eigenen Bedarf produziert wird. 1954/55 richtete die Regierung den Nationalen Wirtschaftsrat ein, um Entwicklungspläne zu koordinieren. Anfang der 1970er Jahre gab es ein gewisses Wachstum, und die Wirtschaft begann sich durch verarbeitende Industrie und Dienstleistungen zu diversifizieren. Diese Veränderungen verbesserten das Leben der meisten Äthiopier jedoch nicht.

Äthiopien ist Mitglied mehrerer wirtschaftsrelevanter Organisationen. Regional gehören dazu die Afrikanische Entwicklungsbank, die Afrikanische Union, die Wirtschaftskommission für Afrika der Vereinten Nationen und die Intergovernmental Authority on Development. Im Handel ist Äthiopien Mitglied des Gemeinsamen Marktes für das Östliche und Südliche Afrika sowie der AKP-Gruppe; bei der Welthandelsorganisation war es als Beobachter genannt, 2005 ohne Verhandlungen. Außerdem gehört das Land zu den Bretton-Woods-Institutionen Internationaler Währungsfonds und Weltbank. Die größte Gewerkschaft des Landes ist die Einheitsgewerkschaft Konföderation Äthiopischer Gewerkschaften.

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