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Japan

Japan ist zu großen Teilen (68,4 %) von Bergwäldern bedeckt. · Japan hat neun Ökoregionen, die das Klima und die Geographie der Inseln widerspiegeln. Sie reichen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Naturraum
  3. 3. Bevölkerung und Gesellschaft
  4. 4. Geschichte
  5. 5. Staat und Außenpolitik
  6. 6. Wirtschaft, Infrastruktur und Kultur

Überblick

Japan ist ein ostasiatischer Inselstaat am Pazifik. Er umfasst 14.125 Inseln, ist über 3000 Kilometer lang und reicht vom Ochotskischen Meer bis zur Philippinensee. Die vier großen Hauptinseln sind Hokkaidō, Honshū, Shikoku und Kyūshū; häufig wird auch Okinawa als fünfte Hauptinsel genannt. Japan hat keine Landgrenzen. Nachbarstaaten sind Russland, Nordkorea, Südkorea, China und Taiwan. Die Fläche beträgt 377.975 km² beziehungsweise 377.980,29 km² nach einer Angabe für 2025; tatsächlich kontrolliert Japan wegen des Streits um die südlichen Kurilen etwa 372.340 km².

De-facto-Hauptstadt und größte urbane Siedlung ist Tokio. De jure wird ein „Hauptstadtgebiet“ aus acht Präfekturen einschließlich Tokio genannt. Japan ist eine parlamentarische Monarchie. Der Kaiser, seit 2019 Naruhito, ist nach der Verfassung nur „Symbol des Staates und der Einheit des Volkes“ und hat zeremonielle Aufgaben. Die Regierungschefin ist Premierministerin Sanae Takaichi; das Parlament heißt Kokkai und besteht aus Shūgiin und Sangiin.

Japan zählt zu den größten Industriestaaten der Welt. Für 2024 werden ein nominales Bruttoinlandsprodukt von 4,0 Billionen US-Dollar und ein kaufkraftbereinigtes BIP von 6,5 Billionen US-Dollar angegeben. Die Währung ist der Yen. Der Index der menschlichen Entwicklung lag 2023 bei 0,925, was als sehr hohe menschliche Entwicklung gilt.

Naturraum

Japan ist stark gebirgig: Eine Gebirgskette zieht sich über den Archipel, mehr als zwei Drittel der Landfläche sind Gebirge. Der höchste Berg ist der Fuji auf Honshū mit 3776 m. Landwirtschaft, Industrie und Siedlungen konzentrieren sich auf etwa 20 % der Landfläche. In den großen Ebenen entstanden die wichtigsten Ballungsräume, darunter Kantō mit Tokio und Yokohama, Kansai beziehungsweise Keihanshin mit Osaka, Kyōto und Kōbe, Chūkyō mit Nagoya und Kitakyūshū-Fukuoka.

Geologisch liegt Japan an einer besonders aktiven Plattengrenze. Dort treffen die Nordamerikanische Platte, die Eurasische Platte, die Philippinische Platte und die Pazifische Platte aufeinander. Teile der Pazifischen Platte schieben sich unter andere Platten; diese Subduktion verursacht Vulkanismus und häufige Erdbeben. Von etwa 240 Vulkanen des pazifischen Feuerrings sind 40 aktiv. Das Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 war mit Stärke 9,0 MW das stärkste Erdbeben der japanischen Geschichte. Es löste einen Tsunami und die Unfälle im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi aus. Japan besitzt heute ein Tsunami-Frühwarnsystem mit Messbojen und betreibt regelmäßige Katastrophenschutzübungen.

Das Klima reicht von gemäßigt-kontinental auf Hokkaidō und im Norden Honshūs bis zu subtropisch auf den südlichen Inseln. Im späten Juni und frühen Juli bringt die Regenfront baiu zensen im Süden viel Niederschlag. Im Frühsommer beginnt die Taifun-Saison; statistisch erreichen Japan die meisten Taifune im September. Der Ise-wan-Taifun von 1959 war der stärkste je aufgezeichnete Taifun Japans und forderte über 5000 Todesopfer.

Japan ist zu großen Teilen bewaldet; genannt werden 68,4 % Bergwälder. Durch die Inselposition entstand eine eigenständige Flora und Fauna. Es gibt über 90.000 Tierarten, darunter Braunbär, Japanmakak und Japanischer Riesensalamander. Schutzgebiete spielen eine wichtige Rolle: Zum 31. März 2017 gab es 34 Nationalparks, 56 Quasi-Nationalparks und 309 Präfekturparks; außerdem 53 Ramsar-Feuchtgebiete und fünf UNESCO-Weltnaturerbestätten.

Bevölkerung und Gesellschaft

Japan hatte 2025 laut Infobox 123.366.734 Einwohner und gehört damit zu den bevölkerungsreichsten Ländern der Erde. Die Bevölkerung nimmt seit Jahren ab: 2010 wurden 128.056.026 Menschen gezählt, 2015 noch 126.659.683. Für 2050 wird eine Einwohnerzahl von 107 Millionen erwartet. Zugleich ist Japan eine stark alternde Gesellschaft. Der Median des Alters lag 2020 bei 48 Jahren; damit war Japan die älteste Gesellschaft der Welt. Die Lebenserwartung lag 2022 bei 84 Jahren, für Frauen bei 87,1 und für Männer bei 81,1 Jahren. 2023 lag sie bei 84,71 Jahren.

Die Gesellschaft gilt ethnisch als weitgehend homogen. Der Anteil der Ausländer lag 2014 bei 2 %, steigt aber. Zu den Minderheiten gehören die Ainu auf Hokkaidō, die 2008 von der Regierung als indigene Minderheit anerkannt wurden, Zainichi-Koreaner, Burakumin, Ryūkyū-Völker, die chinesische Diaspora, Dekasegi aus Südamerika sowie Gastarbeiter aus arabischen Staaten, Indien und Südostasien.

Die Landessprache ist Japanisch. Sie wird von nahezu der gesamten Bevölkerung und den meisten Minderheiten gesprochen. Japanisch verwendet Kanji, also chinesische Schriftzeichen, sowie die beiden Silbenschriften Hiragana und Katakana. Rōmaji bezeichnet die lateinische Umschrift, die etwa auf Schildern vorkommt. Minderheitensprachen sind das nicht mit Japanisch verwandte Ainu und die mit Japanisch verwandten, aber eigenständigen Ryūkyū-Sprachen.

Religiös sind viele Menschen nicht eindeutig einer Religion zuzuordnen. Shintō, der indigene Volksglaube, und Buddhismus überschneiden sich häufig. Shintō ist polytheistisch, hat keinen Gründer und keine festgelegten Lehren; im Mittelpunkt steht unter anderem die Sonnengöttin Amaterasu. Der Buddhismus in Japan wird oft dem Mahayana-Buddhismus zugerechnet. Das Christentum spielt heute nur eine Randrolle. Seit dem 19. Jahrhundert verbreiteten sich außerdem „Neue Religionen“, von denen rund 300 amtlich gelistet sind.

Japan besitzt eine universelle Gesundheitsvorsorge. Jeder Bewohner muss gesetzlich versichert sein; öffentliche Krankenversicherungen übernehmen für die meisten Bürger 70 % oder mehr der Kosten für Pflege und Medikamente. Als große Herausforderung gilt wegen der Alterung die künftige Finanzierung. Schwächer bewertet wird das System bei psychischen Erkrankungen; Japan hat eine hohe Suizidrate.

Geschichte

Die Besiedlung des heutigen Japan reicht weit zurück. In der Jōmon-Periode von 10.000 v. Chr. bis etwa 300 v. Chr. wanderten vermutlich Menschen aus Zentralasien, Sibirien und dem südpazifischen Raum ein. In der Yayoi-Periode von etwa 300 v. Chr. bis 300 n. Chr. sind Kontakte zum chinesischen Reich bestätigt. In der Kofun-Periode von etwa 300 bis 710 n. Chr. entstanden große Grabanlagen, enge Kontakte zu Korea und ab dem 5. Jahrhundert die Übernahme der chinesischen Schrift.

In der Nara-Periode wurde der Buddhismus stark gefördert, und die Staatsform orientierte sich an China. In der Heian-Zeit blühte die höfische Kultur in Kyōto auf; zugleich verlor der Kaiser an Macht, und Kriegerfamilien gewannen Einfluss. Später entstanden Shōgunate, also Militärregierungen. In der Kamakura-Zeit scheiterten zwei Invasionsversuche Kublai Khans an Taifunen, die später als Kamikaze, „Götterwind“, gedeutet wurden. In der Sengoku-Zeit beendeten Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu den langen Bürgerkrieg.

Die Edo-Zeit von 1603 bis 1867 war durch die Herrschaft der Tokugawa geprägt. Japan schottete sich weitgehend ab; nur begrenzter Austausch mit China und den Niederlanden blieb möglich. 1854 zwang US-Kommodore Matthew Perry Japan zur Öffnung. Mit der Meiji-Restauration ab 1868 begann die Modernisierung: Japan wurde konstitutionelle Monarchie, erhielt Verfassung und Parlament und stieg zur Großmacht auf. Korea wurde 1910 kolonialisiert.

Im Ersten Weltkrieg stand Japan auf Seiten der Entente. In den 1930er Jahren besetzte Japan den Nordosten Chinas, gründete Mandschukuo und weitete den Krieg aus. 1941 griff Japan Pearl Harbor an. Während des Krieges beging Japan schwere Kriegsverbrechen, darunter das Massaker von Nanking, Zwangsprostitution und Menschenexperimente der Einheit 731. Nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima am 6. August 1945 und Nagasaki am 9. August sowie dem Kriegseintritt der Sowjetunion kapitulierte Japan am 15. August 1945 bedingungslos.

Nach 1945 wurde Japan unter alliierter Besatzung umgebaut. Die Besatzung endete 1952. Japan wurde in das westliche Bündnissystem eingebunden und erlebte ein rasches „japanisches Wirtschaftswunder“. Nach dem Platzen der Bubble Economy Anfang der 1990er Jahre folgten Deflation, hohe Staatsverschuldung und die „Verlorenen Jahrzehnte“. 2011 verursachten das Tōhoku-Erdbeben und Fukushima eine schwere Krise. Seit 2020 wirkte sich die COVID-19-Pandemie negativ auf Wirtschaft und Gesellschaft aus und kostete bis September 2022 mehr als 40.000 Menschen das Leben.

Staat und Außenpolitik

Die Verfassung von 1947 macht Japan zu einer parlamentarischen Demokratie. Souverän ist das Volk. Der Kaiser hat keine politische Entscheidungsgewalt, sondern ernennt formell unter anderem den vom Parlament gewählten Premierminister und den Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, verkündet Gesetze und beruft das Parlament ein.

Die Legislative ist der Kokkai, ein Zweikammerparlament. Das Unterhaus heißt Shūgiin, das Oberhaus Sangiin. Seit Reformen von 2017 und 2018 gibt es insgesamt 710 Abgeordnete: 465 im Unterhaus und 245 im Oberhaus. Bei der Wahl des Premierministers, beim Haushalt und bei internationalen Verträgen hat das Unterhaus grundsätzlich Vorrang. Wahlberechtigt sind seit 2016 alle japanischen Männer und Frauen ab 18 Jahren. Das Frauenwahlrecht wurde 1945 für das Unterhaus und 1947 für das Oberhaus eingeführt.

Die Exekutive besteht aus dem Kabinett unter Führung des Premierministers. Der Premierminister wird von Oberhaus und Unterhaus gewählt; bei Konflikten entscheidet das Unterhaus. Nur Parlamentsabgeordnete können Premierminister werden, und Premierminister sowie Minister müssen Zivilisten sein. Die Judikative ist unabhängig. An ihrer Spitze steht der Oberste Gerichtshof mit dem Obersten Richter und 14 weiteren Richtern.

Das Parteiensystem ist pluralistisch, aber seit 1955 dominiert die Liberaldemokratische Partei, mit Unterbrechungen 1993–1994 und 2009–2012. Weitere wichtige Parteien sind unter anderem Kōmeitō, die Konstitutionell-Demokratische Partei, die Kommunistische Partei Japans, Nippon Ishin no Kai und die Demokratische Volkspartei.

Artikel 9 der Verfassung lehnt Krieg als souveränes Recht ab und verbietet die Androhung militärischer Gewalt zur Lösung internationaler Konflikte. Besonders umstritten ist Absatz 2, weil er Japan untersagt, ein Militär zu unterhalten. Dennoch bestehen die Selbstverteidigungsstreitkräfte. Die Auslegung von Artikel 9 wurde seit den 1950er Jahren erweitert, unter anderem für Wiederbewaffnung, Auslandseinsätze und seit 2015 für bestimmte Formen kollektiver Selbstverteidigung. Japan hat keine Wehrpflicht. Bedrohungsszenarien betreffen vor allem China, Nordkorea und Terrorismus. Ende 2022 stufte Japan China als „beispiellose und größte strategische Herausforderung“ ein und plante höhere Verteidigungsausgaben.

Außenpolitisch sind die Bindung an die Vereinigten Staaten, Handelspolitik und der verfassungsrechtliche Verzicht auf militärische Aggression zentral. Streitpunkte bestehen mit Russland um die südlichen Kurilen, mit Südkorea um die Liancourt-Inseln und mit China sowie Taiwan um die Senkaku-Inseln. Die Beziehungen zu China, Südkorea und Nordkorea sind auch wegen der unzureichend aufgearbeiteten imperialistischen Vergangenheit belastet. Japan ist unter anderem Mitglied der Vereinten Nationen seit 1956, der OECD seit 1964, der Gruppe der Sieben seit 1975 und der Welthandelsorganisation seit 1995.

Wirtschaft, Infrastruktur und Kultur

Japan ist eine hoch industrialisierte freie Marktwirtschaft mit einigen Elementen staatlicher Lenkung. Nach dem Zweiten Weltkrieg griff die Regierung besonders über das MITI gezielt in Wirtschaftsbereiche ein; später wurden Deregulierung und Privatisierung wichtiger. Japan wurde hinter den Vereinigten Staaten, der EU und China eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt. In den 1960er Jahren lag das durchschnittliche Wachstum bei 10 %, in den 1970er Jahren bei 5 % und in den 1980er Jahren bei 4 %. Nach dem Platzen der Bubble Economy in den 1990er Jahren folgten Stagnation und Deflation. Unter Shinzō Abe sollten die „Abenomics“ mit expansiver Geldpolitik, staatlichen Investitionen und Strukturreformen das Wachstum steigern.

Japan ist stark in den Welthandel eingebunden. 2018 betrug der Export 917 Milliarden US-Dollar. Wichtige Ausfuhrgüter waren 2021 Maschinen, Kraftfahrzeuge und -teile, chemische Erzeugnisse, Elektronik und Elektrotechnik. Wichtige Handelspartner waren 2021 bei Ausfuhren vor allem China mit 21,6 % und die Vereinigten Staaten mit 18,0 %; bei Einfuhren China mit 24,1 % und die Vereinigten Staaten mit 10,8 %. Die Staatsverschuldung gehört zu den höchsten der Welt, ist aber überwiegend in eigener Währung und im Besitz japanischer Anleger oder der Zentralbank.

Die Energieversorgung ist importabhängig. 2016 hatte Japan den fünfthöchsten Primärenergieverbrauch der Welt und gehörte zu den größten CO₂-Emittenten. Es verbraucht besonders viel verflüssigtes Erdgas, ist zweitgrößter Kohleimporteur und drittgrößter Erdölimporteur. Nach Fukushima wurden alle Kernkraftwerke bis 2013 abgeschaltet; ab August 2015 wurde Kernenergie wieder genutzt. 2017 waren fünf von 42 Reaktoren wieder in Betrieb.

Die Infrastruktur ist modern und leistungsfähig. Das Bahnnetz hatte 27.311 km, davon 20.534 km elektrifiziert. Der Shinkansen verbindet seit 1964 Tokio und Osaka und gilt als wichtige Ost-West-Verbindung. Japan besitzt außerdem ein dichtes Netz aus Privatbahnen, U-Bahnen, Bussen, Fähren, Häfen und Flughäfen. Wegen Gebirgen, Inseln, Erdbeben, Taifunen und Vulkanen ist der Bau und Erhalt der Infrastruktur aufwendig. 2022 nutzten 84,9 % der Einwohner das Internet.

Kulturell verbindet Japan eigene Traditionen mit Einflüssen aus China, Korea und dem Westen. Zu wichtigen Traditionen gehören Dichtung und Literatur der Heian-Zeit, Zen, Teezeremonie, Gartenkunst, Kabuki, Samurai-Kampfkünste und später moderne Popkultur. Anime, Manga, japanische Filme und Popmusik sind auch im Ausland beliebt. Die Küche basiert häufig auf Reis oder Nudeln, Suppe und Okazu, also Beilagen aus Fisch, Gemüse, Tofu und Ähnlichem. Bedeutend sind saisonale Zutaten, regionale Spezialitäten, Sushi, Wagashi, Sake und auch Karē, das als Nationalgericht bezeichnet werden kann.

Bildung hat einen hohen Stellenwert. Das Schulsystem umfasst sechs Jahre Grundschule, drei Jahre Mittelschule und drei Jahre Oberschule; die Schulpflicht beträgt neun Jahre. In PISA 2015 erreichten japanische Schüler Platz 5 in Mathematik, Platz 3 in Naturwissenschaften und Platz 8 beim Leseverständnis. Forschung konzentrierte sich nach 1945 stark auf industrielle Produkte; Japan zählt heute zu den innovativen Ländern und belegte im Global Innovation Index 2021 Platz 13 von 132 Volkswirtschaften.

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