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Pro-Kopf-Einkommen

Zu den Einkommensgrößen der Privathaushalte zählen das Arbeitnehmerentgelt, Brutto- oder Nettoeinkommen je Arbeitnehmer oder das verfügbare Einkommen nach Art …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Berechnung
  2. 2. Einfluss auf die Kennzahl
  3. 3. Wohlstand und Grenzen
  4. 4. Vergleiche, Nutzung und Armut
  5. 5. Ausgewählte Werte

Begriff und Berechnung

Das Pro-Kopf-Einkommen (PKE; englisch income per capita) ist eine volkswirtschaftliche Kennzahl. Sie setzt Bruttoeinkommen, Durchschnittseinkommen oder andere Einkommensgrößen ins Verhältnis zur Einwohnerzahl eines Staates. Damit beschreibt sie einen rechnerischen Einkommensbetrag je Einwohner und ermöglicht Vergleiche zwischen Ländern oder Zeiträumen.

Zu möglichen Einkommensgrößen der Privathaushalte gehören Arbeitnehmerentgelt, Brutto- oder Nettoeinkommen je Arbeitnehmer sowie verfügbares Einkommen nach Art des Privathaushalts. Auch Brutto- und Nettonationaleinkommen oder Volkseinkommen können pro Kopf angegeben werden; das Volkseinkommen ist jedoch kein Einkommensaggregat nach ESVG 1995.

Häufig wird das PKE aus dem jährlichen Durchschnittseinkommen ØY und der Bevölkerung P berechnet: PKE = ØY / P. Alternativ wird das Bruttoinlandsprodukt BIP verwendet: PKE = BIP / P. Für die Einteilung nach Weltbankkategorien kann das Bruttonationaleinkommen BNE dienen: PKE = BNE / P.

Einfluss auf die Kennzahl

Wächst die Wirtschaft bei gleich bleibender Einwohnerzahl, steigt das Pro-Kopf-Einkommen. Steigt dagegen die Bevölkerung schneller als etwa das Bruttonationalprodukt, sinkt es. Einwanderung erhöht zunächst die Einwohnerzahl; das BIP wächst nur mit, wenn Einwanderer offene Stellen auf dem Arbeitsmarkt besetzen können.

Bei gleicher durchschnittlicher Arbeitsproduktivität und gleicher Bevölkerungszahl hat das Land mit dem höheren Anteil an Arbeitskräften ein höheres PKE. Geburtenrate und Sterblichkeit wirken daher unmittelbar: Mehr Geburten senken das PKE kurzfristig, weil die Zahl der Arbeitnehmer vorübergehend sinkt. Langfristig erhöhen die Neugeborenen die Zahl der Arbeitnehmer und die Sozialproduktgröße. Übersteigt die Sterberate die Geburtenrate, nimmt die Bevölkerung ab und das PKE fällt höher aus.

Mehr Arbeitszeit erhöht bei gleicher Beschäftigtenzahl das Arbeitsangebot und kann das PKE steigern. Da mit mehr Arbeitsstunden die Arbeitsproduktivität sinkt, wächst die Zahl der Arbeitsstunden jedoch schneller als das PKE. Als Alternative nennt der Artikel Qualifizierungsmaßnahmen. Dauerhaftes PKE-Wachstum ist nur durch ständigen technischen Fortschritt möglich: Er erweitert die Produktionsmöglichkeiten, ohne mehr Arbeitnehmer zu benötigen. Länder mit geringer technologischer Entwicklung wie Mexiko oder Rumänien haben danach ein niedrigeres PKE als stark industriell entwickelte Länder wie die Vereinigten Staaten, England und Deutschland; Agrarstaaten liegen im Allgemeinen unter Industriestaaten.

Wohlstand und Grenzen

Das PKE galt lange als einer der wichtigsten Wohlstandsindikatoren. Es zeigt den durchschnittlichen materiellen Wohlstand. Nach Währungsumrechnung können Länder verglichen werden; nach Bereinigung um die Inflationsrate auch verschiedene Rechnungsperioden eines Landes.

Die Kennzahl sagt aber nichts über die Einkommensverteilung aus. Schon eine kleine Gruppe sehr wohlhabender Bürger kann das PKE deutlich erhöhen. Besonders in Entwicklungsländern sind Einkommen laut Artikel oft wesentlich ungleicher verteilt als in Industriestaaten; für Afrika und Südasien werden extrem ungleiche Verteilungen genannt. Dadurch kann das PKE ein zu günstiges Bild der Lebensqualität der Bevölkerungsmehrheit vermitteln.

PKE, Durchschnittseinkommen und Medianeinkommen sind zu unterscheiden. Das PKE ist niedriger als das Durchschnittseinkommen, weil ein Einkommen im Schnitt mehr als einen Kopf versorgen muss und wenige sehr hohe Einkommen den arithmetischen Mittelwert anheben. Das Durchschnittseinkommen wird meist nur für abhängig Beschäftigte berechnet; Einkommen von Selbstständigen, Freiberuflern und Unternehmensgewinne bleiben dabei außen vor. Das Medianeinkommen oder mittlere Einkommen teilt die Einkommensbezieher in zwei gleich große Hälften: Eine verdient mehr, die andere weniger als den Median.

Nicht erfasst werden Werte, die nicht in Geld bewertet werden können, etwa unentgeltliche Hausarbeit oder Schwarzarbeit. Unfreiwillige Arbeitslosigkeit mindert den Wohlstand. Eine höhere Präferenz für Freizeit senkt zwar das Nettonationaleinkommen, kann aber den Wohlstand erhöhen. Auch Umweltschäden werden nicht unmittelbar berücksichtigt; ihre Beseitigungskosten senken zwar den Wohlstand, die Schäden selbst erscheinen jedoch nicht im Indikator.

Vergleiche, Nutzung und Armut

Bürger können ihr eigenes Einkommen mit dem PKE einordnen. Unternehmen nutzen es im Marketing zur Abschätzung des Marktpotenzials und der möglichen Güternachfrage. Es ist außerdem eine wichtigste Grundlage zur Ermittlung des Gender-Pay-Gap. In Medien, Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Wirtschaftswissenschaft wird es breit als Wohlstandsmaß verwendet.

Für internationale Vergleiche wird Kaufkraftparität verwendet, um Fremdwährungsunterschiede zu verringern. Ein inflationsbereinigter Vergleich ergibt das reale Pro-Kopf-Einkommen und zeigt unterschiedliche Einkommensniveaus. Die Aussagekraft hängt jedoch von der Bezugsgröße ab: PKE in Inlands- oder Fremdwährung gibt die nationale Kaufkraft schlecht wieder, und beim Bruttoeinkommen können Extremwerte verzerren. Dennoch lässt sich die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung über Zeit und Länder vergleichen; Unterschiede zwischen BIP und BNP sowie Berechnungsunterschiede wirken sich international nur graduell aus.

Die Weltbank unterscheidet für 2024 anhand des BNE pro Kopf und Jahr: Low Income Country: ≤ 1135 US-Dollar; Lower Middle Income Country: 1136 bis 4465; Upper Middle Income Country: 4466 bis 13845; High Income Country: > 13846. Diese Kategorisierung ist ein Kriterium beim Länderrating. Entwicklungs- und Schwellenländer werden außerdem durch niedriges PKE, geringen Bildungsstand beziehungsweise Analphabetismus, hohe Arbeitslosigkeit und unzulängliche Infrastruktur charakterisiert.

In EU-Mitgliedstaaten wird Einkommensarmut in Armutsstudien bei 50 % des Durchschnittseinkommens angenommen; 40 % gelten als Grenze starker Armut, 60 % als schwache Armut beziehungsweise Armutsnähe. Andere Fachliteratur setzt die Armutsgrenze erst bei 15 % des Durchschnitts- oder PKE an. Für relative Einkommensarmut wird häufig das mittlere Einkommen bevorzugt, da es weniger empfindlich gegenüber Extremwerten ist. Geringes Einkommen bedeutet geringe Kaufkraft und kann im Extremfall die Befriedigung von Gesundheit, Kleidung, Nahrung, Trinkwasser oder Wohnung verhindern.

Das Äquivalenzeinkommen bezeichnet die Höhe des PKE, die bei Gleichverteilung dieselbe Gesamtwohlfahrt garantieren würde wie die tatsächliche ungleiche Einkommensverteilung.

Ausgewählte Werte

Für 2022 wurden folgende Bruttoeinkommen 2021 in US-Dollar angegeben: Australien 65526, Belgien 50114, Deutschland 49200, Frankreich 44100, Griechenland 27800, Italien 38200, Japan 42900, Kanada 55085, Luxemburg 127580, Mexiko 19900, Niederlande 56489, Norwegen 106328, Österreich 52265, Polen 29600, Schweiz 92371, Spanien 38400, Ungarn 29600, Vereinigtes Königreich 44300 und Vereinigte Staaten 76348.

Die Werte veranschaulichen laut Artikel auch, dass Kleinstaaten deutlich höhere Werte als Flächenstaaten aufweisen können.

Lernvideos zu Pro-Kopf-Einkommen

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