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Vereinigte Arabische Emirate
In den VAE gibt es ein stark an den Interessen der Arbeitgeber orientiertes Arbeitsrecht, das die meisten Aspekte, wie Arbeitszeiten, Ausscheiden aus dem …
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Staat, Lage und Bevölkerung
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind eine Föderation aus sieben Emiraten im Osten der Arabischen Halbinsel: Abu Dhabi, Adschman, Dubai, Fudschaira, Ra’s al-Chaima, Schardscha und Umm al-Qaiwain. Sie liegen am Persischen Golf und am Golf von Oman und grenzen an Saudi-Arabien und Oman. Hauptstadt ist Abu Dhabi; weitere große Städte sind Dubai und Schardscha. Die Fläche beträgt 83.600 km², die Einwohnerzahl 10.877.000 (2024). 88 Prozent der Einwohner lebten 2023 in Städten.
Die Amtssprache ist Arabisch; Englisch dient im Handel und zwischen ethnischen Gruppen oft als gemeinsame Sprache. Staatsreligion ist der Islam. Von der Gesamtbevölkerung sind 76 Prozent Muslime, 9 Prozent Christen und 15 Prozent vor allem Hindus und Buddhisten; für den Christenanteil gibt es abweichende, höhere Angaben. Die VAE wurden am 2. Dezember 1971 vom Vereinigten Königreich unabhängig; Ra’s al-Chaima trat am 11. Februar 1972 bei.
Die Bevölkerung wuchs vor allem durch Arbeitsmigration stark: von 240.000 Menschen bei der Staatsgründung 1971 auf 9,9 Millionen im Jahr 2020. 2020 betrugen die Geburtenrate 1,5 Kinder pro Frau, die Lebenserwartung 78,9 Jahre und das Medianalter 32,6 Jahre. Nur rund 10 Prozent der Einwohner sind Staatsangehörige der VAE. Fast 90 Prozent waren 2015 Ausländer; 2016 kamen auf 100 Frauen 218 Männer. Ursache ist der hohe Anteil meist männlicher Arbeitsmigranten. Die Staatsbürgerschaft erhalten im Land geborene Kinder grundsätzlich nur, wenn ihr Vater Emirati ist.
Geschichtliche Entwicklung
Archäologische Funde aus Jebel Faya sind etwa 210.000 Jahre, jene aus dem Abri Buhais etwa 125.000 Jahre alt. Auf Umm an-Nar bei Abu Dhabi weisen Funde auf Besiedlung im 4. Jahrtausend v. Chr. hin. Um 2500 v. Chr. wurde im Hadschar-Gebirge Kupfer abgebaut und gehandelt. Perlentaucherei und Seehandel über den Persischen Golf nach Indien waren lange wichtige Erwerbszweige.
630 bekehrten Boten Mohammeds die örtlichen Stämme zum Islam. Nach Mohammeds Tod kam es 632 in den Ridda-Kriegen bei Dibba zu einer entscheidenden Schlacht; danach setzte sich der Islam endgültig durch. Julfar, das heutige Ra’s al-Chaima, entwickelte sich ab 637 zu einem wichtigen Hafen des Perlenhandels. Im frühen 16. Jahrhundert wurden die Portugiesen am Golf einflussreich, bis omanische Stämme sie um 1650 vertrieben.
Ab 1747 betrieben die Qawasim von Schardscha und Ra’s al-Chaima aus neben Perlenfischerei auch Piraterie gegen Handelsschiffe. Britische Strafexpeditionen führten 1820 zu einem Friedensvertrag und 1853 zu einem „ewigen Seefrieden“. Die Emirate wurden schrittweise britische Protektorate und hießen „Vertragsküste“ oder Trucial States. Der Vertrag von 1892 untersagte den Scheichs ohne britische Zustimmung territoriale Abtretungen und Beziehungen zu anderen Staaten.
Öl wurde Anfang der 1960er-Jahre in großem Umfang gefunden; 1962 exportierte Abu Dhabi die erste Schiffsladung. Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan nutzte ab 1966 die Öleinnahmen für Entwicklung und unterstützte auch ärmere Emirate. Nachdem Großbritannien seinen Rückzug bis Ende 1971 angekündigt hatte, gründeten sechs Emirate am 2. Dezember 1971 die VAE. Scheich Zayid wurde erster Präsident. Seit Mai 2022 ist Scheich Muhammad bin Zayid Al Nahyan Herrscher von Abu Dhabi und Präsident der VAE.
Politisches System, Recht und Rechte
Die VAE sind de jure eine föderale konstitutionelle Monarchie, de facto eine föderale absolute Monarchie beziehungsweise Autokratie. Die Verfassung von 1971 wurde 1996 endgültig; Abu Dhabi wurde dabei dauerhaft Hauptstadt. Die sieben Emirate sind autonome Gliedstaaten mit erblichen Herrscherfamilien. Der Oberste Herrscherrat aus den sieben Herrschern ist die höchste Bundesinstanz und besitzt gesetzgebende und ausführende Befugnisse. Er wählt Präsident und Vizepräsident für jeweils fünf Jahre. Üblicherweise stellt Abu Dhabi den Präsidenten und Dubai den Premierminister; Premierminister ist Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum.
Der Föderative Nationalrat (FNC) ist das Bundesparlament. Er prüft und kann Entwürfe von Bundesgesetzen ändern sowie Minister befragen. Seit Ende 2006 wird die Hälfte seiner Mitglieder indirekt gewählt, allerdings durch eine von der Verwaltung bestimmte Wählerschaft. Traditionelle offene Madschlis, Versammlungen, bei denen Anliegen direkt vor Herrschern oder hochrangigen Familienmitgliedern vorgebracht werden können, bleiben wichtig.
Die Rechtsordnung verbindet weltliches und islamisches Recht. Die Scharia ist laut Verfassung Hauptquelle der Gesetzgebung, spielt im Zivilrecht laut deutschem Auswärtigen Amt aber außer im Familienrecht praktisch keine Rolle. Als Rechtsquellen gelten der Reihe nach Verfassung, Bundes- und Emiratsgesetze, Scharia sowie Handelsbräuche und Praxis. Höchste Gerichtsinstanz ist das Hohe Bundesgericht der Union. Dubai und Ra’s al-Chaima haben teilweise eigene lokale Gerichte.
Meinungs- und Pressefreiheit sind stark eingeschränkt. Der Demokratieindex bewertete die VAE 2024 mit 3,07 von 10 Punkten als autoritäres Regime, Freedom in the World 2024 mit 18 von 100 als „unfrei“. Amnesty International, Human Rights Watch und weitere Organisationen berichten über Menschenrechtsverletzungen, besonders gegenüber Arbeitsmigranten und Frauen. Homosexuelle Handlungen sind illegal. Die Todesstrafe ist gesetzlich vorgesehen; in den letzten zwanzig Jahren wurde sie laut Artikel nur bei Morden vollstreckt. Für Muslime gilt im Familienrecht die Scharia; seit 2005 benötigen emiratische Frauen zur Heirat grundsätzlich die Zustimmung eines männlichen Verwandten. Abu Dhabi erlaubte 2021 als erstes Emirat Zivilehen für Nichtmuslime.
Wirtschaft und Arbeitsmigration
Die VAE besitzen die sechstgrößten Ölvorkommen der Welt und gehören zu den wohlhabenden Staaten. Für 2024 werden ein nominales BIP von 552 Milliarden USD, ein kaufkraftbereinigtes BIP von 872 Milliarden USD und ein kaufkraftbereinigtes BIP pro Kopf von 79.253 USD angegeben. Der HDI lag 2023 bei 0,94. Öl und Erdgas, vor allem aus Abu Dhabi, sind weiterhin zentral; Einnahmen werden zwischen reichen und rohstoffarmen Emiraten ausgeglichen. Zugleich wird die Wirtschaft durch Bauwesen, Industrie, Handel, Finanzdienstleistungen, IT und Tourismus diversifiziert. 2024 betrug das reale BIP-Wachstum 4,0 Prozent.
2016 entstanden 0,7 Prozent des BIP in der Landwirtschaft, 44,6 Prozent in der Industrie und 54,7 Prozent im Dienstleistungssektor. In der Landwirtschaft ermöglichen Bewässerung und fossiles Grundwasser begrenzten Anbau von etwa Datteln, Gemüse und Zitrusfrüchten. Die Industrie verarbeitet Öl und Gas und umfasst unter anderem Aluminium, Düngemittel, Zement, Baustoffe, Metallverarbeitung und Rüstungsgüter. Zu den wichtigsten Börsen zählen die Abu Dhabi Securities Exchange und der Dubai Financial Market; die Währung ist der VAE-Dirham (AED). Direkte Steuern fallen grundsätzlich nicht an, seit dem 1. Januar 2018 gibt es 5 Prozent Mehrwertsteuer.
Tourismus ist wirtschaftlich bedeutend: 2016 besuchten 14,9 Millionen Touristen das Land und brachten 19,4 Milliarden USD ein; 2023 waren es 28 Millionen ausländische Besucher mit Einnahmen von mehr als 50 Milliarden USD. Dubai ist besonders als Handelsplatz, Freizone sowie Standort großer Bauprojekte bekannt.
Etwa 80 Prozent der Einwohner sind Arbeitsmigranten. Laut Vereinten Nationen gab es 2015 rund 8.095.000 Arbeitsmigranten; große Gruppen stammen unter anderem aus Indien, Ägypten, Bangladesch, Pakistan und den Philippinen. Viele Beschäftigte aus Asien und Afrika unterliegen dem Kafala-System, einer Bürgschaft. Das Arbeitsrecht ist stark arbeitgeberorientiert; Gewerkschaften und Streiks sind verboten. Berichtet wird über ausbleibende Löhne, besonders im Baugewerbe, und über die trotz Verbots weiterhin verbreitete Einbehaltung von Reisepässen. Die genannten Monatslöhne im Niedriglohnsektor lagen 2005 bei 750 bis 1500 AED für Facharbeiter und 400 bis 650 AED für ungelernte Arbeiter.
Infrastruktur, Energie und Versorgung
Die VAE verfügen über eine weit ausgebaute Verkehrs- und Logistikinfrastruktur. Asphaltierte Schnellstraßen verbinden auch entlegene Gebiete; es gibt emirateübergreifende Buslinien, Taxis sowie in Dubai seit dem 9. September 2009 die Dubai Metro und seit 2014 eine Straßenbahn. 2013 starben 10,9 Menschen je 100.000 Einwohner im Straßenverkehr.
Alle Hauptstädte der Emirate und Al-Ain besitzen internationale Flughäfen. Wichtige Fluggesellschaften sind Emirates aus Dubai, Etihad Airways aus Abu Dhabi, Air Arabia aus Schardscha und flydubai. Die wichtigsten Häfen sind Jebel Ali und Port Rashid in Dubai, Port Zayid in Abu Dhabi, Port Khalid in Schardscha, Port Saqr in Ra’s al-Chaima und Fudschaira. Jebel Ali ist der größte Hafen im Nahen Osten und der größte künstliche Hafen der Welt.
Elektrizität entsteht hauptsächlich in gasbefeuerten GuD-Kraftwerken, die häufig mit Meerwasserentsalzungsanlagen verbunden sind. Im Kernkraftwerk Barākah wurden vier Reaktoren des Typs APR-1400 mit jeweils 1400 MWₑ geplant; der erste Reaktor ging am 1. August 2020 in Betrieb. Der Nettostromverbrauch stieg von 11,88 TWh 1987 auf 114,71 TWh 2017.
Trinkwasser wird überwiegend durch Meerwasserentsalzung gewonnen und über Pipelines verteilt. Etwa 70 Prozent des Trinkwassers werden in der Landwirtschaft verwendet. Beim Wasserverbrauch pro Kopf liegen die VAE weltweit nach den Vereinigten Staaten und Kanada auf Platz drei. Die VAE haben zudem die weltweit viertgrößte CO₂-Bilanz pro Kopf.
Kultur, Bildung und Alltag
Die heutige Gesellschaft ist durch Arbeitsmigration multikulturell, während die einheimische Kultur vor allem islamische Rituale und arabisch-beduinische Traditionen bewahrt. Der Gebetsruf ertönt fünfmal täglich. Wichtige Feiertage sind Eid al-Fitr am Ende des Ramadan und der Nationalfeiertag am 2. Dezember. Viele Männer tragen die weiße Kandura, viele Frauen die schwarze Abaya; eine allgemeine islamische Kleidungsvorschrift besteht nicht.
Traditionelles Essen besteht vor allem aus Reis, Fisch und Fleisch; Lamm und Schaf werden häufig bevorzugt. Meeresfrüchte sind wichtig. Kabsa ist ein traditionelles Gericht. Alkohol wird vor allem in Angeboten für Ausländer ausgeschenkt, in Schardscha ist er vollständig verboten. Die Literatur ist besonders von arabischer Poesie geprägt. In Musik und Tanz gehören beduinische Traditionen sowie Liwa, Musik und Tanz vor allem ostafrikanischstämmiger Gruppen, dazu. Beliebte Freizeitaktivitäten sind Wassersport, Wüstensafaris, Bergwandern, Camping und Falknerei; Fußball und Cricket sind wichtige Sportarten.
Für Sechs- bis Zwölfjährige besteht seit 1971 allgemeine Schulpflicht. Die Alphabetisierungsrate lag 2016 bei 93,8 Prozent. Bildung ist für Emiratis kostenlos; ausländische Familien zahlen Gebühren. Das Programm Bildung 2020 soll moderne Lehrmethoden und selbstständiges Lernen stärken. Wichtige staatliche Hochschulen sind die 1976 gegründete United Arab Emirates University in al-Ain, die Higher Colleges of Technology und die Zayed-Universität für Frauen.
Das Gesundheitswesen gilt als hochwertig. Staatsbürger werden kostenlos versorgt, ausländische Einwohner benötigen eine Krankenversicherung oder zahlen Behandlungen selbst. Die Haupttodesursache sind mit 28 Prozent Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 2015 waren 37,2 Prozent der Bevölkerung fettleibig. Medien und Internet unterliegen Zensur; Inhalte, die als pornografisch oder als Verletzung islamischer Kultur gelten, werden gesperrt, teils auch weitere Angebote wie Glücksspielseiten oder israelische Internetseiten.