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Wettbewerbsfähigkeit
Wettbewerbsfähigkeit bedeutet, dass Wirtschaftssubjekte (zum Beispiel Unternehmen, Branchen, Volkswirtschaften) imstande sind, im Wettbewerb auf ihren …
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Begriff und Grundgedanke
Wettbewerbsfähigkeit bezeichnet die Fähigkeit von Wirtschaftssubjekten – etwa Unternehmen, Branchen oder Volkswirtschaften –, auf ihren Märkten im Wettbewerb langfristig Gewinne zu erwirtschaften. Sie ist ein Forschungsgegenstand der Betriebswirtschaftslehre und der Volkswirtschaftslehre.
Ein Unternehmen gilt als wettbewerbsfähig, wenn es mehr Gewinn als direkte Konkurrenten erzielt oder künftig bessere Gewinnchancen verwirklichen kann. Unter Konkurrenzbedingungen muss es seinen Marktanteil halten oder erhöhen können. Wettbewerb bedeutet dabei die Rivalität um Ressourcen, Kunden, Absatz und Marktanteile. Anbieter versuchen, durch günstige und attraktive Geschäftsbedingungen Vorteile zu erlangen, beispielsweise über Preis, Qualität, Service oder Design. Wer sich dauerhaft nicht am Markt durchsetzen und keine tragfähige Position erreichen kann, gefährdet seine wirtschaftliche Existenz.
Komponenten, Merkmale und Arten
Nach Dieter Schneider umfasst Wettbewerbsfähigkeit drei Fähigkeiten:
• Die vertikale Komponente bezeichnet die Fähigkeit, sich in Marktprozessen gegenüber der Marktgegenseite, etwa Kunden oder Lieferanten, zu bewähren.
• Die horizontale Komponente ist die Fähigkeit, sich gegenüber direkten Konkurrenten zu behaupten.
• Die laterale Komponente besteht darin, Bedrohungen aus dem Umfeld unter Einhaltung der Marktordnung abzuwehren.
Nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit setzt eine Wettbewerbsstrategie und eine Marktstrategie voraus. Zur Beurteilung werden zahlreiche Unternehmensdaten betrachtet, darunter Standortfaktoren, Betriebsgröße, Kostenstruktur, Performance Management, Preispolitik und Wettbewerbsvorteile. Ein solcher Wettbewerbsvorteil ermöglicht es einem Unternehmen, sich gegenüber Konkurrenten durchzusetzen. Beim Global Sourcing beschafft ein Unternehmen Roh- und Grundstoffe aus den weltweit kostengünstigsten Quellen. Ein Grenzanbieter, der wesentliche Anforderungen nicht mehr erfüllt, hat seine Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt.
Man unterscheidet Preis- und Nicht-Preis-Wettbewerbsfähigkeit. Im Preiswettbewerb dient der Preis als Aktionsparameter; er muss die Kosten decken und eine angemessene Gewinnmarge ermöglichen. Nicht-Preis-Wettbewerbsfähigkeit beruht vor allem auf Qualitätswettbewerb, etwa durch kurze Lieferzeiten, hohe Lieferzuverlässigkeit sowie gute Produkt- oder Dienstleistungsqualität. Auch der Mengenwettbewerb kann die Wettbewerbsfähigkeit erreichen oder stabilisieren.
Unternehmen und wirtschaftliche Strategien
In der Mikroökonomie wird vor allem untersucht, wie wettbewerbsfähig Unternehmen untereinander sind. Maßgeblich ist, ob sie auf nationalen oder internationalen Märkten langfristig Gewinne erzielen und sich im gleichen Marktsegment gegen andere Unternehmen behaupten können. Häufig verwendete Vergleichsgrößen sind Design, Preise, Bekanntheitsgrad und Standort.
Im Handel bestehen besondere Wettbewerbsverhältnisse. Nach Otto Schenk ist jeder Handelsbetrieb sowohl in interformale Konkurrenz mit anderen Betriebsformen als auch in intraformale Konkurrenz mit Betrieben desselben Typs eingebunden. Der Einfluss anderer Betriebsformen kann dabei stärker sein. Selbst innerhalb eines Handelskonzerns, Filialunternehmens oder einer Verbundgruppe können die einzelnen Betriebe wegen ihrer unterschiedlichen Standorte verschieden wettbewerbsfähig sein. Verbundgruppen stärken insbesondere Klein- und Mittelbetriebe und können ihr Überleben im Preis- und Leistungswettbewerb ermöglichen. Sie erzeugen unter anderem Wettbewerb innerhalb und zwischen Gruppen sowie horizontale und vertikale Wettbewerbsanreize.
Michael E. Porter unterschied 1990 zwei grundlegende Wettbewerbsstrategien. Erstens kann ein Unternehmen durch Massenproduktion und Skaleneffekte – also sinkende Stückkosten bei wachsender Produktionsmenge – effizienter produzieren. Zweitens kann es durch Produktvariation, Produktdifferenzierung oder Innovation höhere Preise und Pioniergewinne erzielen. Wettbewerbsfähigkeit lässt sich über den Output, etwa Erträge und Umsatzerlöse, oder über den Input, insbesondere Kosten, steuern. Stärken lässt sie sich beispielsweise durch Kostensenkung, eine bessere Kostenstruktur, Lean Management, Lean Production, flache Hierarchien, Produktinnovation, Qualitätsmanagement oder Unternehmenskonzentration. Betriebswirtschaftlich ist ein Unternehmen wettbewerbsfähig, wenn es durch Marktbearbeitung Gewinn erzielt und dabei seine Bonität aufrechterhält.
Internationale Wettbewerbsfähigkeit
Internationale Wettbewerbsfähigkeit kann sich auf Unternehmen, Branchen oder ganze Volkswirtschaften beziehen. Ein Unternehmen ist international wettbewerbsfähig, wenn es auf Auslandsmärkten seine Marktanteile hält und seine Produkte mit Gewinn verkauft. Die Wettbewerbsfähigkeit eines Staates ergibt sich aus der Zusammenfassung der Wettbewerbsfähigkeit seiner Unternehmen; der Staat wird dabei als Wirtschaftsstandort betrachtet.
Branchenspezifische Erfolge hängen nach Porter von der Faktorausstattung, der Nachfrage im Inland, den vorhandenen Zulieferindustrien, der Stärke des inländischen Wettbewerbs, Zufällen wie Kriegen oder Rohstoffkosten und der staatlichen Wirtschaftspolitik ab. Volkswirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit liegt vor, wenn ein Staat bei international hohem Pro-Kopf-Einkommen, außenwirtschaftlichem Gleichgewicht und hohem Beschäftigungsstand erfolgreich ist. Allgemein dient sie volkswirtschaftlich der gesellschaftlichen Wohlfahrt, etwa durch ein höheres Pro-Kopf-Einkommen oder einen größeren Nutzen aus einem verbesserten Güterangebot.
Umfang und Struktur der Exporte sowie die Exportquote gelten als wichtige Größen. Auch die Terms of Trade, also das Verhältnis von Export- zu Importpreisen, spielen eine Rolle, erlauben aber keine eindeutige Bewertung. Der Artikel enthält hierzu widersprüchliche Aussagen: Einerseits wird eine Aufwertung als Nachteil für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit beschrieben, andererseits heißt es, sie verbessere diese, allerdings zulasten der Terms of Trade. Der Rang als Exportweltmeister oder führende Exportnation ist lediglich ein Indiz. Niedrige Faktorkosten, besonders Arbeitskosten, können die Wettbewerbsfähigkeit fördern; hohe Löhne können sie behindern.
Entwicklungs- und Schwellenländer können ihre Position verbessern, indem sie Monostrukturen beim Rohstoffexport abbauen, ihre Produktion vielfältiger gestalten und Wertschöpfungsketten von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung bis zur Veredelung erweitern. Dies wird als Exportdiversifizierung bezeichnet.
Wechselkurse, Löhne und Außenhandel
Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit eines Landes wird vor allem durch den Wechselkurs sowie durch Lohn- und Preissteigerungen im Verhältnis zum Produktivitätswachstum bestimmt. Die daraus entstehenden Lohnstückkosten geben an, welche Arbeitskosten je Produktionseinheit anfallen. Eine Abwertung der Währung verbilligt Exporte relativ und verteuert Importe; sie erhöht damit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit. Eine Aufwertung wirkt umgekehrt. Eine gezielte kompetitive Abwertung wird als Beggar-thy-Neighbor-Politik bezeichnet.
Die Wettbewerbsfähigkeit lässt sich jedoch nicht direkt aus Güterpreisen ablesen, weil sich diese durch Arbitrageprozesse auf internationalen Märkten bereits angenähert haben. Als Indizien dienen beispielsweise veränderte Weltmarktanteile einzelner Sektoren oder der Revealed-Comparative-Advantage-Index. Auch diese Maße sind begrenzt, weil es in einer dynamischen Wirtschaft normal ist, dass manche Sektoren schrumpfen und andere wachsen.
Das Bundesbankgesetz von 1957 erklärte Preisniveaustabilität zum wichtigsten Ziel der Deutschen Bundesbank. Wegen der festen Wechselkurse des Bretton-Woods-Systems von 1949 bis 1973 musste sie jedoch häufig Devisen kaufen. Die daraus folgende Unterbewertung der D-Mark trug bis 1973 erheblich zum Aufstieg der deutschen Automobilindustrie bei. Danach wertete die D-Mark stark auf, wodurch sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit verschlechterte. Die Hersteller reagierten mit höherer Produktqualität, dennoch sank das Wachstum. Auf- oder Abwertungen der D-Mark beeinflussten die deutschen Exporte mit einem time lag von ungefähr einem Jahr.
Bei festen Wechselkursen oder in einer Währungsunion wie dem Euro kann Lohnzurückhaltung die preisliche Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und Leistungsbilanzüberschüsse erzeugen. Bei flexiblen Wechselkursen ist die Verbesserung nur dauerhaft, wenn ein Leistungsbilanzdefizit ausgeglichen wird. Entstehen Überschüsse, kann die Währung aufwerten und den Kostenvorteil wieder beseitigen, sofern der Staat dies nicht durch Devisenmarktinterventionen verhindert. Peter Bofinger zufolge führte die deutsche Lohnzurückhaltung von 1999 bis 2007 zu leicht sinkenden Reallöhnen und zu einem jährlichen Wachstum der Binnennachfrage von nur 0,6 %. Das Wachstum kam hauptsächlich aus dem Export und war darauf angewiesen, dass andere Länder nicht dieselbe Strategie verfolgten.
Nationale Rahmenbedingungen und politische Debatte
Nach einem weiteren Verständnis bedeutet internationale Wettbewerbsfähigkeit, ein hohes Nationaleinkommen und einen hohen Lebensstandard zu erreichen. Als Indikatoren dienen besonders das Produktivitätswachstum und das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts.
Michael E. Porters Diamanten-Modell nennt vier Bedingungen, die einem nationalen Wirtschaftssektor Vorteile gegenüber ausländischer Konkurrenz verschaffen: gute örtliche Standortbedingungen wie Infrastruktur und qualifizierte, produktive Beschäftigte; anspruchsvolle Kunden auf dem Heimatmarkt, die Innovation und Qualität fördern; eine leistungsfähige Wertschöpfungskette mit wettbewerbsfähigen Zulieferern und räumlich nahen verwandten Branchen; sowie gute Unternehmensführung und intensiven Wettbewerb im Inland. Diese Faktoren bilden ein „sich wechselseitig verstärkendes System“. Der Staat kann Infrastruktur und Bildung verbessern sowie Innovation und Konkurrenz fördern. Porter betonte 1993 außerdem die entscheidende Bedeutung der Innovations- und Anpassungsfähigkeit.
Vergleichsstudien verbinden mehrere Einzelindikatoren zu Ranglisten. Der Global Competitiveness Report des Weltwirtschaftsforums bewertet Volkswirtschaften nach ihren „höchsten Wachstumschancen“. Das World Competitiveness Yearbook des International Institute for Management Development erstellt eine Rangliste der „wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften“. Ihre Ergebnisse können stark auseinandergehen: Luxemburg lag in einem genannten Vergleich beim IMD auf Rang 9 von 60 Ländern, beim WEF dagegen auf Rang 21 von 102.
Als wirtschaftspolitisches Schlagwort ist der Begriff umstritten, weil sich die betriebswirtschaftliche Vorstellung vom Konkurrenzkampf zwischen Unternehmen nicht unverändert auf Staaten übertragen lässt. Eine unkritische Übertragung kann internationale Wirtschaftsbeziehungen falsch darstellen. Der Europäische Rat von Lissabon verlangte im März 2000 dennoch, die Europäische Union im Rahmen der Lissabon-Strategie zur wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wissensökonomie der Welt zu machen. Seit dem Weißbuch „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung“ von 1993 wird das Thema auf europäischer Ebene behandelt. Nach Art. 173 AEUV müssen die EU und ihre Mitgliedstaaten die Voraussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie gewährleisten. Innerhalb der Eurozone können einzelne Staaten keine eigenständige Währungs- und Geldpolitik mehr betreiben; der damit verbundene Verlust an Steuerungsmöglichkeiten kann Wettbewerbsnachteile verursachen.