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Nachhaltigkeit
Drei Leitstrategien · Suffizienz: Verringerung bzw. · Effizienz: ergiebigere Nutzung von Material und Energie (Bsp.: Steigerung des Outputs bei gleichem Input).
Inhalt5 Abschnitte
Grundidee und Bedeutung
Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip für die Nutzung von Ressourcen. Bedürfnisse sollen dauerhaft befriedigt werden, ohne die natürliche Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme zu zerstören, besonders die von Lebewesen und Ökosystemen. Es besteht ein Zielkonflikt: Eine stärkere Ressourcennutzung kann nicht verbessert werden, ohne den Ressourcenerhalt zu verschlechtern.
Heute wird Nachhaltigkeit meist als gleichzeitige und gleichberechtigte Verbindung von Umweltschutz, langfristigem Wirtschaften und fairem Zusammenleben verstanden. Ziel ist, dass auch zukünftige Generationen gut leben können. Das ursprüngliche Beispiel stammt aus der Forstwirtschaft: Es darf nur so viel Holz geschlagen werden, wie dauerhaft nachwächst. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird das Prinzip auf alle Rohstoffe und Energievorräte übertragen.
Das Wort „nachhaltig“ kann außerdem einfach „lange anhaltend wirkend“ bedeuten, etwa wenn eine Erfahrung einen Menschen nachhaltig prägt. Davon ist die neuere Bedeutung als ressourcenerhaltendes Handlungsprinzip zu unterscheiden.
Nachhaltige Entwicklung und ihre Deutungen
Die von den Vereinten Nationen 1983 eingesetzte Brundtland-Kommission prägte die internationale Debatte. Ihr Bericht Unsere gemeinsame Zukunft von 1987 definiert nachhaltige Entwicklung als Entwicklung, welche die Bedürfnisse heutiger Menschen und zukünftiger Generationen gewährleistet.
Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung werden häufig synonym verwendet. Als normativer Zielbegriff beschreibt Nachhaltigkeit nicht nur einen Zustand, sondern eine gewünschte Entwicklung. Das Drei-Säulen-Modell unterscheidet ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit. Die drei Ziele sollen gleichrangig verfolgt und nicht gegeneinander ausgespielt werden. Dazu gehören globale Gerechtigkeit zwischen Ländern und Generationengerechtigkeit zwischen heutigen und künftigen Menschen. Kritiker sehen in der Gleichgewichtung der Säulen teilweise eher eine Beschreibung des bestehenden Zustands als eine Forderung nach Veränderung.
Weitere Deutungen betonen ökologische Modernisierung oder verstehen Nachhaltigkeit wirtschaftlich als dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg, etwa in der Finanzpolitik. „Finanzielle Nachhaltigkeit“ gilt dabei als notwendige Voraussetzung nachhaltiger Entwicklung. Im allgemeinen Sprachgebrauch gibt es daher neben dem dreidimensionalen auch wirtschafts-, umwelt- und sozialökologisch ausgerichtete Begriffe. Wegen dieser Vielfalt wird Nachhaltigkeit teils als „Gummiwort“ kritisiert; zugleich wird gerade dadurch eine Kommunikation in vielen gesellschaftlichen Bereichen ermöglicht.
Gerechtigkeit und Handlungsstrategien
Nachhaltigkeitsethik untersucht Handlungen danach, ob sie heutiges und künftiges menschliches Leben gefährden oder ermöglichen. Lebensqualität umfasst dabei Wohlstand und Wohlergehen. Ethisch gut ist Handeln zugunsten der gegenwärtigen und künftigen Lebensqualität; verwerflich ist Handeln zulasten dieser Lebensqualität. Seit den 1980er Jahren bezieht die Ethik teils auch nichtmenschliches Leben, Artenvielfalt, Genome und Biotope ein.
Hans Jonas formulierte den Imperativ: „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“ Zentrales Kriterium ist Gerechtigkeit, besonders Verteilungs- und Beteiligungsgerechtigkeit. Enkelgerechtigkeit bezeichnet entsprechend eine Welt, in der heutiges Wirtschaften die Chancen nachfolgender Generationen nicht mindert.
Drei Leitstrategien werden unterschieden: Suffizienz bedeutet, Ressourcenverbrauch, Produktion und Konsum gezielt zu verringern oder zu begrenzen („Politik des Genug“). Effizienz bedeutet, Material und Energie ergiebiger einzusetzen, zum Beispiel mehr Output bei gleichem Input; der Rebound-Effekt kann die Einsparungen jedoch aufheben. Konsistenz meint naturverträgliche Stoffkreisläufe, etwa Wiederverwertung, Müllvermeidung und Energiewende.
Wirtschaft, Produkte und Unternehmen
In der Volkswirtschaft beschreibt die Solow-Stiglitz-Effizienzbedingung die nachhaltig optimale Verteilung des Vermögens auf erschöpfliche natürliche Ressourcen im Boden und produktives, investiertes Sachkapital auf dem Boden.
Bei Produkten kann Langlebigkeit nachhaltig sein: Hochwertigere Materialien und Fertigungsverfahren erhöhen die Haltbarkeit, auch wenn Produkte mit „lebenslanger Garantie“ selten sind. Kurze Produktzyklen und Design-Modellpflegen können Produkte schnell veraltet erscheinen lassen. Besonders problematisch ist geplante Obsoleszenz: Varianten mit neuen Eigenschaften werden beworben, Ersatzteile oft nicht über die Garantiezeit hinaus gelagert und Reparaturen kosten meist mehr als der Marktwert. Als Gegentrends nennt der Artikel verbesserte Ersatzteile für hochpreisige Güter und den Kauf alter, zuverlässiger und einfach reparierbarer Produkte.
„Nachhaltig“ wird in der Werbung teilweise schwer überprüfbar verwendet. Irreführende Nutzung als Greenwashing ist nach einem Gesetz des EU-Parlaments von 2024 verboten, seine Überwachung bleibt aber schwierig. Zertifizierungen können Eigenschaften wie „öko“ oder „fair“ für Verbraucher überprüfbarer machen.
Nachhaltige Unternehmensführung erweitert den rein ökonomischen Erfolgsbegriff zur Triple-Bottom-Line: Ökonomie, Ökologie und soziale Aspekte werden einbezogen. Neben dem wirtschaftlichen Erfolg sollen Unternehmen ihre Wirkungen auf Umwelt und Gesellschaft, also externe Effekte, berücksichtigen. Finanzielle Nachhaltigkeit und eine robuste Strategie machen Unternehmen überlebensfähig; Geschäftszweck, Geschäftsmodell sowie verfügbare Ressourcen und Kompetenzen können Wettbewerbsvorteile schaffen.
Globale Ziele, Forschung und traditionelle Formen
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedete Ende September 2015 die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Ihre 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, Sustainable Development Goals (SDGs), betreffen weltweit ökonomische, soziale und ökologische Entwicklung. Sie traten am 1. Januar 2016 für 15 Jahre bis 2030 in Kraft und gelten – anders als die besonders auf Entwicklungsländer gerichteten Millenniums-Entwicklungsziele – für alle Staaten.
Seit 2001 besteht an Universitäten die Fachrichtung Nachhaltigkeitswissenschaft. Wichtige Forschungsrichtungen sind außerdem sozial-ökologische Forschung, Transformationsforschung und politische Ökologie. Das Programm „Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA)“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung fördert unter anderem Forschung zu Klimawandel, Meeren und Ozeanen, Städten der Zukunft und nachhaltiger Ressourcennutzung.
Traditionelle, subsistenzorientierte Wirtschaftsformen wie Jagen und Sammeln, Feldbau bei ausreichend großen und dünn besiedelten Naturgebieten sowie Fernweidewirtschaft können stabile und dauerhafte Wirtschaftssysteme sein. Sie passen die Landnutzung langsam an Standortbedingungen an und sind mit Ökosystemen verbunden. Nach der Biodiversitätskonvention der UNO verringern traditionelle Lebensweisen die biologische Vielfalt nicht in besonderem Maße. Rascher wirtschaftlicher und sozialer Wandel kann diese Stabilität jedoch umkehren und schwer vorhersehbare Probleme schaffen.
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