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Wertschöpfung (Wirtschaft)

Wertschöpfung ist in einer Geldwirtschaft das Ziel produktiver Tätigkeit. Diese transformiert vorhandene Güter in Güter mit höherem Geldwert.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Formel
  2. 2. Wertschöpfung im produzierenden Unternehmen
  3. 3. Staat und Berechnung des BIP
  4. 4. Grenzen und Probleme der Messung
  5. 5. Bau und regionale Wertschöpfung

Grundidee und Formel

Wertschöpfung ist in einer Geldwirtschaft das Ziel produktiver Tätigkeit: Vorhandene Güter werden in Güter mit höherem Geldwert transformiert. Sie bezeichnet den Nettobeitrag eines Unternehmens zum Gesamtwert der Fertigung. Dieser entsteht durch die Aktivitäten des Unternehmens und seiner Mitarbeiter; Beiträge anderer Produzenten werden dabei herausgerechnet. Durch die Summe aller Einzelbeiträge kann Wertschöpfung auch für eine Volkswirtschaft betrachtet werden.

Allgemein ist Wertschöpfung die Wertgröße, um die der Output den Input übersteigt. Sie ist damit eine dynamische Stromgröße, die im Transformationsprozess entsteht. Die Grundformel lautet: Wertschöpfung = Produktionswert − Vorleistungen. Übersteigt der Input dauerhaft den Output, liegt negative Wertschöpfung („Blindleistung“) vor; dies ist für den Betrieb substanzgefährdend.

Im Inlandskonzept der Volkswirtschaftslehre wird die im Inland erzeugte Produktion betrachtet, unabhängig davon, ob in- oder ausländische Produktionsfaktoren eingesetzt werden. Wertschöpfungsdaten zeigen, welchen Beitrag Branchen oder Unternehmen zur gesamtwirtschaftlichen Leistung leisten, und erlauben indirekte Aussagen über Strukturwandel.

Wertschöpfung im produzierenden Unternehmen

Die Bruttowertschöpfung zu Marktpreisen eines Unternehmens ergibt sich als Produktionswert − Vorleistungen. Bei einer Betrachtung mit Staat wird dargestellt: Produktionswert − Vorleistungen − Abschreibungen − indirekte Steuern + Subventionen = Wertschöpfung.

Der Produktionswert, auch Bruttoproduktionswert, umfasst Verkäufe eigener Waren und Dienstleistungen sowie Handelsware an in- und ausländische Wirtschaftseinheiten. Hinzu kommen Bestandsveränderungen an halb fertigen und fertigen eigenen Erzeugnissen sowie selbst erstellte Anlagen. Er ist somit das bewertete Produktionsergebnis.

Vorleistungen sind Güter und Dienstleistungen, die im Produktionsprozess verbraucht oder eingesetzt werden, etwa Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, bezogene Dienstleistungen, Brenn- und Treibstoffe, Handelsware, Transportkosten, Postgebühren, Anwaltskosten, gewerbliche Mieten und Benutzungsgebühren. Auch selbst erstellte Anlagen können wieder im gleichen Unternehmen eingesetzt werden. Abschreibungen bewerten den Verschleiß dauerhafter Produktionsmittel wie Maschinen, Gebäude und Gebäudeausstattung.

Die Nettowertschöpfung ist der Betrag, um den der Umsatz die Ausgaben übersteigt. Sie umfasst Löhne, Gehälter, Zinsen, Dividenden, Beteiligungserträge und Gewinn. Diese Empfängereinkommen heißen Faktoreinkommen, weil sie Entgelte für eingesetzte Faktorleistungen sind. Die Bruttowertschöpfung ist die Summe aus Abschreibungen und Nettowertschöpfung beziehungsweise Produktionswert abzüglich Vorleistungen.

Beispiel Bierfass: Der Endwert im Einzelhandel beträgt 100 €. Die Brauerei hat Kosten von 10 € für Hopfen, 20 € für Energie und 5 € für das Fass und verkauft für 80 €. Ihr Mehrwert beträgt daher 45 € (80 € − 35 €); davon entfallen 35 € auf Löhne und Sozialleistungen, 5 € auf Steuern und 5 € auf Gewinn. Der Großhändler schafft beim Verkauf von 80 € zu 90 € weitere 10 €, der Einzelhändler beim Verkauf zu 100 € nochmals 10 €. Die Mehrwertanteile sind: Landwirt 010 €, Energieerzeuger 020 €, Fasshersteller 005 €, Brauerei 045 €, Großhändler 010 € und Einzelhändler 010 €.

Staat und Berechnung des BIP

Das Produktionskonto des Staates enthält auf der Aufwandsseite Vorleistungen, Abschreibungen und Nettowertschöpfung. Auf der Ertragsseite stehen entgeltlich und unentgeltlich abgegebene Dienstleistungen; zusammen bilden sie den Produktionswert. Entgeltliche Leistungen lassen sich über ihre Preise direkt ermitteln. Unentgeltliche Leistungen, der Staatsverbrauch, werden indirekt als Differenz aus Produktionswert und Verkäufen berechnet und entsprechen damit den Produktionskosten. Die Nettowertschöpfung des Staates besteht nur aus dem Faktorentgelt der öffentlichen Beschäftigten. Weil Aufwand und Ertrag gleich groß sind, entstehen im staatlichen Produktionskonto weder Gewinne noch Verluste.

In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird Wertschöpfung in der Entstehungsrechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) genutzt. Die Bruttowertschöpfung einer Branche ist Produktionswert minus Vorleistungen aus anderen Branchen. Die Addition der Bruttowertschöpfungen aller Unternehmen ergibt zunächst die unbereinigte Bruttowertschöpfung. Nach Abzug der unterstellten Entgelte für Bankdienstleistungen ergibt sich die bereinigte Bruttowertschöpfung. Zuzüglich nicht abzugsfähiger Umsatzsteuer und Einfuhrabgaben entsteht das BIP zu Marktpreisen.

Die weitere Rechnung lautet: BIP zu Marktpreisen + Saldo der Erwerbs- und Vermögenseinkommen zwischen Inländern und der übrigen Welt = Bruttosozialprodukt zu Marktpreisen; − Abschreibungen = Nettosozialprodukt zu Marktpreisen; − indirekte Steuern + Subventionen = Nettosozialprodukt zu Faktorkosten = Volkseinkommen. Das Volkseinkommen ist die Summe aller Nettowertschöpfungen, also der aus Produktion entstandenen Einkommen. Die Aufgliederung nach Branchen zeigt, wie stark diese zur Entstehung des Sozialprodukts beitragen.

Grenzen und Probleme der Messung

Eine bloße Addition aller Umsätze würde Doppelzählungen verursachen, weil dieselbe Leistung auf mehreren Produktions- und Handelsstufen erfasst würde. Daher werden Endprodukte gezählt oder auf jeder Stufe nur die dort entstandene Wertschöpfung zum BIP gerechnet; Vorleistungen werden herausgerechnet. Ein Auto ist beispielsweise ein Endprodukt, Reifen werden nicht zusätzlich gezählt. Kartoffeln sind Endprodukte beim Direktverkauf an Konsumenten, aber Zwischenprodukte bei ihrer Verarbeitung zu Kartoffelchips.

Das Bruttosozialprodukt erfasst nicht alle wirtschaftlichen Aktivitäten. Nicht berücksichtigt werden unter anderem Hausarbeit wie das Backen eines Kuchens, Kindererziehung, Schattenwirtschaft wie Schwarzarbeit, Illegales wie Drogenhandel, Subsistenzwirtschaft und die Heimwerker-Bewegung.

Marktpreise können die tatsächliche Wertschöpfung verzerren. Indirekte Steuern, etwa Verbrauchssteuern auf Benzin, überzeichnen sie: Kostet ein Liter Benzin 1,50 € und beträgt die Mineralölsteuer 1 € je Liter, liegt sein volkswirtschaftlicher Wert nur bei rund 0,50 €. Subventionierte Güter sind dagegen günstiger als ohne staatlichen Zuschuss und unterzeichnen den Preis. Zur Bereinigung gilt: Bruttowertschöpfung zu Marktpreisen − Abschreibungen − Summe der indirekten Steuern + Summe der Subventionen = Nettowertschöpfung.

Auch Preisniveauänderungen erschweren Jahresvergleiche des BIP: Es kann sich ändern, obwohl die reale Wertschöpfung gleich bleibt. Inflation wird mithilfe von Preisindizes herausgerechnet. Diese bilden die durchschnittliche Preisentwicklung von Waren und Dienstleistungen eines Warenkorbs zwischen zwei Zeitpunkten ab.

Bau und regionale Wertschöpfung

Das Baugewerbe hat in Deutschland mit knapp 5 % des gesamtwirtschaftlichen Produktionswertes volkswirtschaftliche Bedeutung. In seiner Wertschöpfungskette sind Planungsleistungen als Unternehmensdienste zentral. Dieser Bereich ist Nettolieferant, weist anteilsmäßig den höchsten Gesamteffekt auf und gewann seit 1995 Anteile am Gesamteffekt. Der Bauprozess hängt damit stark von Planungsleistungen ab. Bewirtschaftung und Unterhalt von Bauleistungen liegen vor allem bei Nutzern, insbesondere Unternehmen außerhalb des Baubereichs und privaten Haushalten. Bezogen auf eine Immobilie entspricht Wertschöpfung dem Verkehrswert: Bauinvestition, Erhaltungskosten und mögliche Wertsteigerung fließen in den sich in der Regel positiv entwickelnden Verkehrswert ein.

Regionale Wertschöpfung bezieht sich auf ein geographisches Gebiet. Sie ist die Gesamtheit der Leistungen einer Region und des dort erzeugten Nutzens für Kommunen abzüglich der Leistungen anderer Regionen. Die dezentrale Energiewende kann diese Wertschöpfung stärken. Mehr privatwirtschaftliche Wertschöpfung vor Ort kann kommunale Steuern und Abgaben erhöhen, die Haushaltslage verbessern und Arbeitsplätze schaffen. Als weitere mögliche positive, nicht-monetäre Nebeneffekte nennt der Artikel Nachhaltigkeit, Bürgerbeteiligung, Tourismus, Energieautonomie und Umweltschutz. Maßnahmen können lokale Wertschöpfungsketten einbinden, Importkosten für fossile Brennstoffe vermeiden oder Energieübertragungsnetze zurückkaufen.

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