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Werther (Massenet)
Édouard Blau, Paul Milliet und Georges Hartmann schrieben das Libretto nach dem Briefroman Die Leiden des jungen Werthers von Johann Wolfgang von Goethe.
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Werk und Bedeutung
Werther ist eine französischsprachige Oper von Jules Massenet. Das als „Drame lyrique“ bezeichnete Werk besteht aus vier Akten und fünf Bildern, dauert ungefähr 2 ½ Stunden und spielt 1780 in Wetzlar. Das Libretto schrieben Édouard Blau, Paul Milliet und Georges Hartmann nach Johann Wolfgang von Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werthers. Die Uraufführung fand am 16. Februar 1892 in Max Kalbecks deutscher Fassung an der Wiener Hofoper statt.
Im Mittelpunkt steht die tragische Liebe des 23-jährigen Werther zu der 20-jährigen Charlotte. Charlotte hat ihrer verstorbenen Mutter versprochen, Albert zu heiraten, und trägt außerdem Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister. Obwohl sie Werthers Gefühle schließlich erwidert, hält sie zunächst an ihrer Pflicht fest. Der Konflikt zwischen Liebe, gesellschaftlicher Bindung und Verzweiflung führt zu Werthers Selbstmord.
Die wichtigsten Rollen sind Werther, eine Tenorpartie, Charlotte, ein Mezzosopran, ihr Ehemann Albert, ein Bariton, sowie Charlottes 15-jährige Schwester Sophie, ein Sopran. Der Amtmann, Charlottes Vater und Vater von insgesamt neun Kindern, wird von einem Bariton oder Bass gesungen.
Begegnung und unerfüllte Liebe
Im Juli übt der verwitwete Amtmann mit seinen jüngsten Kindern einen Weihnachtschor ein. Werther besucht das ländliche Anwesen und ist von der Natur sowie von Charlotte beeindruckt. Seit dem Tod ihrer Mutter kümmert sie sich mütterlich um ihre jüngeren Geschwister. Weil ihr Verlobter Albert abwesend ist, begleitet Werther sie zu einem Ball. Albert kehrt jedoch unerwartet zurück und kündigt an, am nächsten Tag wiederzukommen.
Als Werther Charlotte später nach Hause bringt, gesteht er ihr seine Liebe. Sie erklärt ihm jedoch, dass sie ihrer Mutter versprochen hat, Albert zu heiraten.
Drei Monate später, im September, sind Charlotte und Albert seit drei Monaten verheiratet. Während einer Feier zur goldenen Hochzeit des Pfarrers leidet Werther offen darunter, dass Charlotte nun einem anderen gehört. Sophie möchte mit ihm den nächsten Ball eröffnen, doch er beachtet fast nur Charlotte und verbirgt seine Eifersucht nicht. Charlotte fordert ihn auf, sich bis Weihnachten von ihr fernzuhalten. Werther glaubt, sie niemals vergessen zu können, und denkt erstmals an den Tod als Ausweg. Er flieht aufgewühlt von der Feier. Albert erkennt nun, dass Werther seine Frau liebt.
Briefe, Pistolen und Tod
Im Dezember liest Charlotte Werthers Briefe, in denen er ihr seine Liebe erklärt. Dabei gesteht sie sich ein, dass sie ihn ebenfalls liebt. Sie versucht, durch ein Gebet innere Festigkeit zu gewinnen. Werther erscheint und trägt ein Gedicht Ossians vor: „Pourquoi me réveiller, ô souffle du printemps!“ Darin stehen der Frühlingshauch und die Erinnerung an frühere Schönheit dem nahenden Sturm, der Trauer und dem Elend gegenüber.
Werther wirft sich Charlotte zu Füßen. Sie flieht, schließt sich ein und schwört, ihn niemals wiederzusehen. Daraufhin sieht Werther nur noch den Tod als Ausweg. In einem Brief bittet er Albert, ihm für eine angebliche Reise seine Pistolen zu überlassen. Albert widersetzt sich nicht und lässt Charlotte die Waffen durch einen Diener an Werther schicken.
Am Heiligabend erkennt Charlotte Werthers Selbstmordabsicht. Während eines Schneesturms eilt sie durch Wetzlar zu ihm, kommt aber zu spät: Werther liegt in seinem Arbeitszimmer tödlich verwundet. Charlotte gesteht ihm erstmals ausdrücklich ihre Liebe: „Et Werther moi je t’aime !“ Werther verhindert, dass sie Hilfe holt, und stirbt in ihren Armen. Zuletzt bittet er Charlotte, an seinem Grab zu weinen. Hinter der Bühne erklingt der Weihnachtsgesang der Kinder „Noël! Noël! Noël!“, den Werther als Zeichen göttlicher Erlösung auffasst. Der Gegensatz zwischen dem festlichen Kinderchor und seinem Tod verstärkt die tragische Wirkung.
Musikalische Gestaltung
Massenets Musik zeichnet die wechselnden Orte, Jahreszeiten und seelischen Zustände der Figuren aus. Der Musikwissenschaftler Stefan Schmidl hob 2012 besonders die Mondnacht im ersten Akt, die weinselige „altdeutsche“ Septemberstimmung zu Beginn des zweiten Aktes, Werthers wild-romantischen Ossian-Vortrag und die winterlichen Schlussszenen hervor. Als stilles Zentrum bezeichnete er Charlottes Tränenarie „Va ! Laisse couler mes larmes“, die nahezu wie ein langsamer Walzer gestaltet ist. Neben dieser Arie gehört Werthers Ossian-Lied „Pourquoi me réveiller“ zu den bekanntesten Nummern der Oper.
Das Orchester umfasst zwei Flöten, wobei die zweite auch Piccolo spielt, zwei Oboen mit Englischhorn als Zweitinstrument, zwei Klarinetten, Altsaxophon und zwei Fagotte. Hinzu kommen vier Hörner, zwei Cornets à piston, drei Posaunen und Tuba. Verwendet werden außerdem Pauken, Große Trommel, Triangel, Tamburin, Harfe und Streicher. Zur Bühnenmusik gehören auf der Szene Tamtam und Windmaschine sowie hinter der Szene Orgel und Glockenspiel.
Entstehung, Aufführungen und Fassungen
Milliet und Blau begannen 1880 mit dem Libretto. Massenet und seine Librettisten wollten nach dem Erfolg von Manon aus dem Jahr 1884 erneut ein bedeutendes literarisches Werk für die Opernbühne bearbeiten. Gegenüber Goethes Vorlage veränderten sie Charlottes Beziehung zu Werther entscheidend: Im Roman empfindet Charlotte nur geschwisterliche Zuneigung, während ihre Liebe zu Werther in der Oper echt ist, auch wenn sie diese erst im Finale offen ausspricht.
Der größte Teil der Musik entstand zwischen Frühjahr 1885 und Winter 1886/87. Léon Carvalho, der Direktor der Pariser Opéra-Comique, lehnte das düstere Werk zunächst ab. Nach dem Brand der Opéra-Comique am 25. Mai 1887 war dort vorerst keine Aufführung möglich. Daraufhin nahm die Wiener Hofoper Verhandlungen mit Massenet auf. Der ursprüngliche Plan, Werther gemeinsam mit einem Ballett aufzuführen, wurde aufgegeben. Max Kalbeck übersetzte das französische Libretto ins Deutsche.
Die Uraufführung am 16. Februar 1892 leitete Wilhelm Jahn; August Stoll führte Regie. Ernest van Dyck sang Werther, Marie Renard Charlotte. Die Inszenierung erreichte bis 1906 insgesamt 61 Aufführungen. Die erste Aufführung auf Französisch folgte am 27. Dezember 1892 in Genf, im Januar 1893 wurde das Werk an der Pariser Opéra-Comique in der Salle du Chatelet gespielt.
Neben der üblichen Tenorfassung existiert eine Baritonversion, die Massenet auf Wunsch des Baritons Mattia Battistini schuf. Sie wurde zehn Jahre nach der Tenorfassung uraufgeführt und wird nur selten gespielt. Außerdem gibt es reduzierte Inszenierungen, die dem teilweise kammermusikalisch gedeuteten Charakter der Oper folgen und beispielsweise nur die vier Hauptfiguren sowie einen einzigen Bühnenraum verwenden.